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wora | Heilpraktiker Ralf Meyer

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Neue Studie zu Reizdarm: IgG-Eliminationsdiät ist wirksamer als herkömmliche Reizdarm-Diäten

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine chronische gastrointestinale Erkrankung, die auf einer funktionellen Störung des Darms beruht. Typische Symptome sind Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall oder Verstopfung, die sich bei Stress häufig verstärken. Daher ist auch die Behandlung von RDS-Patienten schwierig und komplex. Mit der gegenwärtigen Arzneimitteltherapie des Reizdarmsyndroms sind viele Patienten unzufrieden, worauf sich auch ihre Suche nach alternativen Heilmethoden begründet, insbesondere in Bezug auf ernährungstherapeutische Ansätze. Etwa 20 – 65 % der Patienten sind davon überzeugt, dass die Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel zu ihrer Symptomatik beiträgt. Manche Patienten scheinen von der Karenz bestimmter Nahrungsmittel zu profitieren. Vieles deutet darauf hin, dass eine angemessene Umstellung der Ernährung ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung des RDS ist. Die Ergebnisse zahlreicher Studien zeigten zum Beispiel, dass FODMAP-Kohlenhydrate (fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole) die Symptome des Reizdarmsyndroms verursachen oder verstärken. Es hat sich gezeigt, dass eine FODMAP-arme Ernährung wirksam ist bei der Behandlung von funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen und auch den Patienten mit Reizdarmsyndrom Linderung verschafft.

In den letzten Jahren hat die Hypothese immer mehr Anhänger gefunden, dass die Symptome des Reizdarmsyndroms auch aus IgG-abhängigen Nahrungsmittelintoleranzen resultieren. Atkinson (2004) und Dixon (2000) stellten fest, dass erhöhte Serumkonzentrationen von IgG-Antikörpern auf Lebensmittelproteine ein Marker für Immunaktivierung und die Manifestation einer verzögerten Nahrungsmittelüberempfindlichkeit sein können. Sie konnten nachweisen, dass eine Eliminations-Rotationsdiät eine wirksame Methode zur Linderung der Symptome von Reizdarmpatienten ist. Verschiedene andere Wissenschaftler bestätigten diese Erkenntnisse, wir haben darüber in unseren früheren Newslettern mehrfach und ausführliche darüber berichtet:

Guo et al., 2012: Fragestellung/Ziel: Welches ist der Beitrag einer auf IgG-Antikörpern basierender Eliminationsdiät bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms mit Durchfall-Prädominanz? Schlussfolgerung der Autoren: Eine 12-wöchige Eliminationsdiät führte zu signifikanten Verbesserungen bezüglich der Bauchschmerzen (Blähungen, Stärke und Häufigkeit), Frequenz der Durchfälle, Spannungsgefühl im Bauch, Stuhlform, allgemeines Gefühl des Leidens und Gesamtwertung der Symptome im Vergleich mit dem Zustand der Patienten vor Beginn der Eliminationsdiät.

Drisko et al., 2006: Fragestellung/Ziel: Kann eine Korrektur des luminalen Mikromilieus, beruhend auf einer Eliminationsdiät mit anschließender Einführung von Nahrungsmitteln und Einnahme von Probiotika zu einer verbesserten Symptomatik des Reizdarmsyndroms führen? Schlussfolgerung der Autoren: Die Daten zeigten, dass die Identifizierung und Berücksichtigung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Rahmen einer Eliminations- und Rotationsdiät zu einer nachhaltigen Verbesserung der Reizdarm-Symptomatik und der Lebensqualität führt.

Zuo et al., 2007: Fragestellung/Ziel: Untersuchung von Lebensmittel-spezifischen IgG- und IgE-Antikörpern bei Patienten mit Reizdarmsyndrom und funktionellen Verdauungsstörungen sowie gesunden Probanden und Korrelation der Symptome mit IgG-Titern. Schlussfolgerung der Autoren: Bei Patienten die am Reizdarm-Syndrom leiden oder an Verdauungsstörungen, lag eine erhöhte Konzentration und Serum-Antikörpern gegen Nahrungsmittel vor. Es wurde jedoch kein Zusammenhang festgestellt zwischen der Ausprägung der Symptome und dem Antigen-spezifischen IgG-Antikörper-Titer im Serum.

Aydinlar et al., 2013: Fragestellung/Ziel: Welches ist das therapeutische Potenzial einer IgG-basierten Eliminationsdiät bei der Behandlung von Patienten mit Migräne, die gleichzeitig am Reizdarmsyndrom leiden? Schlussfolgerung der Autoren: Es wurde eine wesentliche Verringerung der Migräne (hinsichtlich Anzahl, Stärke und Dauer der Anfälle sowie Anwendung der notwendigen Medikation) und der Reizdarmbeschwerden (schmerzhafte Blähungen) nachgewiesen. Die Patienten berichteten auch von einer wesentlichen Verbesserung ihrer allgemeinen Lebensqualität.

Xie et al., 2019: Fragestellung/Ziel: Welches ist das therapeutische Potenzial einer IgG-basierten Eliminationsdiät in Kombination mit Probiotika bei der Behandlung von Patienten mit Migräne, die gleichzeitig am Reizdarmsyndrom leiden? Schlussfolgerung der Autoren: Es wurde eine wesentliche Besserung der Symptomatik beider Erkrankungen festgestellt, wobei auch der Serotoninspiegel im Serum der Patienten anstieg.

In einer neu erschienenen Studie und der entsprechenden Publikation wurde nun erstmals bei Patienten mit Reizdarm-Syndrom die Wirksamkeit einer IgG-basierte Eliminations-Rotationsdiät verglichen mit der FODMAP-Diät und einer von Gastroenterologen allgemein bei Reizdarm verordneten Diät:

  • Die erste Gruppe (FM) von 26 Patienten erhielt einen Ernährungsplan gemäß der FODMAP-Diät (8 Wochen lang). Jeder Patient erhielt eine individuelle Ernährungsberatung, Materialien mit einem Beispielmenü für 7 Tage (Energiewert der Diät: 1800 .2300 kcal) und eine Tabelle mit empfohlenen und zu vermeidenden Lebensmitteln.
  • Die zweite Gruppe 2 (IP) bestand aus 21 Patienten, die auf 296 lebensmittelspezifische IgG-Antikörper untersucht wurden. Auch diese Patienten erhielten eine entsprechende Ernährungsberatung über die Testergebnisse, die durchzuführende Elimination/Rotation, sowie einen beispielhaften Speiseplan. (Energiewert der Diät: 1800 .2300 kcal). Die Teilnehmer dieser Gruppe hielten sich ebenso für 8 Wochen an die Ernährungsvorgaben. Alle IgG-negativen Lebensmittel waren erlaubt.
  • Die dritte Patientengruppe wurde als Kontrolle (K) betrachtet, die für 8 Wochen eine von Gastroenterologen allgemein empfohlene Ernährung einhielt. Diese Patienten erhielten eine leicht verdauliche Kost, bestehend aus einer Abwandlung der herkömmlichen Ernährung gesunder Menschen, die den Energiebedarf deckt und die gleiche Menge an Nährstoffen wie eine normale Ernährung liefert. Während der Durchfallphasen wurde eine leicht verdauliche fettarme Ernährung mit geringeren Mengen an Ballaststoffen verordnet. In Zeiten von Verstopfungen wurde eine ballaststoffreiche Ernährung (3.050 g Ballaststoffe täglich) verordnet.

Die gesamten Ergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst, die Zahlen beziehen sich auf die Anzahl der Patienten:

Diese Studie zeigt, dass eine personalisierte Ernährung bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms wirksamer als pauschale Ernährungsempfehlungen ist. Nur die IgG-Eliminations-Rotationsdiät konnte signifikante Verbesserungen bei allen beobachteten RDS-Symptomen sowie bei extra-intestinalen Symptomen erzielen. Keine der Diäten hat eine 100 %-ige Wirksamkeit gezeigt. Durch die Anwendung einer IgG-basierten Eliminationsdiät werden automatisch auch einige FODMAPs entfernt, je nachdem, welche Lebensmittel gemieden werden müssen. Eine mögliche Strategie könnte darin bestehen, mit der Eliminations-Rotationsdiät zu beginnen, da sie sich in dieser offenen Studie als die wirksamste erwiesen hat. Bei anhaltenden Symptomen könnte sie zusätzlich mit einer Low-FODMAP-Diät kombiniert werden. Die Behauptung, dass IgG-Antikörper gegen Lebensmittel nur die Exposition gegenüber Lebensmitteln aufzeigen (und nicht deren Intoleranz), sollte – gemäß der Ansicht der Autoren – in größeren Doppelblindstudien erneut untersucht werden.

Quellen
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Alpha-Liponsäure

Seit den 1950er und 1960er Jahren ist die medizinische Bedeutung der Alpha-Liponsäure bekannt. So wurde der Stoff u. a. bei Polyneuropathien eingesetzt, aber immer mehr Anwendungsgebiete wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte bekannt. Die Alpha-Liponsäure wird vom menschlichen Organismus selbst gebildet und kommt in zwei chemisch unterschiedlichen Formen in allen Körperzellen vor. Auch über die Nahrung kann Alpha-Liponsäure aufgenommen werden. Fleischprodukte wie Leber, Niere und Herz, aber auch Spinat, Reiskleie, Brokkoli und Tomaten sind eine gute Quelle für Alpha-Liponsäure. Zur allgemeinen Prävention wird eine tägliche Dosis von 60 – 200 mg empfohlen. Je nach Erkrankung werden Dosierungen von 600 mg – 1.200 mg pro Tag empfohlen. Als schwefelhaltige Fettsäure ist sie sowohl fett- als auch wasserlöslich und damit Bestandteil jeder Zelle. Auch die Blut-Hirn-Schranke wird passiert, weswegen sich ihr Schutzmechanismus auch auf Hirnstrukturen ausweiten. Organe bzw. Zellen mit intensiver Stoffwechselaktivität (z. B. Herz und Leber) sowie hoher Mitochondriendichte (Herzmuskelzellen, Nervenzellen, Eizellen) enthalten besonders viel Alpha-Liponsäure. Für die mitochondriale Leistung ist die Alpha Liponsäure von elementarer Bedeutung, denn als Coenzym der Pyruvat-Dehydrogenase und der α-Ketoglutarat-Dehydrogenase ist sie an der Verwertung und Energiegewinnung aus Kohlenhydraten, Fettsäuren und Proteinen in den Mitochondrien beteiligt. Wenn dieser so genannte oxidative Pyruvatabbau gehemmt wird, kommt es zu einem Anstieg von Pyruvat und/oder Laktat im Blutserum, anstatt der effizienten oxidativen Energiebildung. Klinisch manifestiert sich dieses durch Gelenk- und Muskelschmerzen sowie massiver Müdigkeit. Das chronische Erschöpfungssyndrom entsteht durch einen gestörten Energiestoffwechsel der Mitochondrien. Alpha Liponsäure regt diesen Stoffwechsel wieder an. Zusätzlich zur mitochondrialen „Schrittmacher-Funktion“ und effizienten ATP-Produktion in den Mitochondrien hat die Alpha-Liponsäure verschiedene zusätzliche Funktionen, die gerade zur Prävention aber auch zur Behandlung der Zivilisationserkrankungen besonders wichtig sind.

  • Als eines der wichtigsten Antioxidantien im Körper ist die Alpha-Liponsäure an der Neutralisierung von Radikalen (ROS/NOS) beteiligt, der Erhöhung zellulärer Cystein- und Glutathionspiegel, der Reduktion der Lipidperoxidation, der Regeneration von Vitamin C, Vitamin E, Coenzym Q10 und Glutathion, sowie der Reparatur geschädigter Proteine. Durch die vielfältigen antioxidativen Wirkungen ist die Alpha-Liponsäure auch für die Krebsforschung ein interessanter Wirkstoff.
  • Die antientzündliche Wirkung der Alpha-Liponsäure beruht auf der Hemmung von NF-kB, einem spezifischen Transkriptionsfaktor, der vor allem bei der Regulation der Immunantwort, der Zellproliferation und der Apoptose einer Zelle von großer Bedeutung ist.
  • Der Leberzellschutz und die entgiftende Funktion kommt durch die Komplexierung und Ausleitung von Schwermetallen (z. B. Cadmium, Blei) zustande. Darüber hinaus schützt Alpha-Liponsäure die Leber vor oxidativen Schäden und vor Verfettung, die infolge eines Diabetes häufig auftritt.
  • Die Insulinverarbeitung wird durch die Alpha-Liponsäure günstig beeinflusst durch eine verbesserte Glukoseaufnahme, Insulinempfindlichkeit und Glykogen-Bildung.
  • Durch Alpha-Liponsäure wird die innerzelluläre Fettverbrennung optimiert. Daher wird auch bei einer Reduktionsdiät zur Alpha-Liponsäure geraten.Dadurch kann es zu einer verbesserten Gewichtsabnahme kommen. Alpha-Liponsäure kann eine hypokalorische und ausgewogene Ernährung im Rahmen der Reduktionsdiät nicht ersetzen. Sie dient lediglich der Unterstützung.
  • Die Alpha-Liponsäure hat auch nervenprotektive Wirkungen, wirkt antineuropathisch, verbessert den Glukosestoffwechsel im Gehirn, erhöht den neuronalen Glutathionspiegel, sorgt für eine intakte Blut-Hirn-Schranke und trägt auch dazu bei, einer Demenz vorzubeugen.
  • In den Blutgefäßen verbessert die Alpha-Liponsäure die durch NO vermittelte Vasodilatation. Faktoren, die zur Gefäßverkalkung führen, können durch Alpha-Liponsäure gestoppt werden. Gleichzeitig wird die Sauerstoffaufnahme im Herzen verbessert, der Cholesteringehalt in der Aorta wird reduziert. Daraus ergibt sich die cardioprotektive Wirkung der Alpha-Liponsäure.
  • Am Abbau der Aminosäuren Glycin, Valin, Leucin und Isoleucin ist die Alpha-Liponsäure ebenso beteiligt.

Quellen:
Natural molecules and neuroprotection: Kynurenic acid, pantethine and α-lipoic acid
Mitochondrial dysfunction and alpha-lipoic acid: Beneficial or harmful in Alzheimer’s disease?
Alpha-lipoic acid and its protective role in fructose induced endocrine-metabolic disturbances
Insights on the use of α-lipoic acid for therapeutic purposes
Alpha-lipoic acid: A therapeutic strategy that tend to limit the action of free radicals in transplantation
Natural products – alpha-lipoic acid and acetyl-L-carnitine – in the treatment of chemotherapy-induced peripheral neuropathy alpha-lipoic acid
Natural molecules and neuroprotection: Kynurenic acid, pantethine and α-lipoic acid
Alpha-lipoic acid (ALA) as a supplementation for weight loss: results from a meta-analysis of randomized controlled trials
Lipoic acid metabolism and mitochondrial redox regulation
The Immunomodulatory Effect of alpha-lipoic acid in Autoimmune Diseases
Alpha-lipoic acid: A therapeutic strategy that tend to limit the action of free radicals in transplantation
Natural products – alpha-lipoic acid and acetyl-L-carnitine – in the treatment of chemotherapy-induced peripheral neuropathy

Mineralien und Spurenelemente: Dosierung, Kontraindikation, Mangelsymptome, Überdosierung

Calcium

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 600 – 1.200 mg/d
Erwachsene: 1.200 mg/d
Schwangere: 1.200 mg/d
Stillende: 1.200 mg/d

Kontraindikationen
Hyperkalzämie, Knochenmetastasen, Nierenkalksteine, Niereninsuffizienz, Hypercalcurie, Hyperphosphatämie.

Mangelsymptome
Kribbelgefühl um den Mund herum, an Füßen und Händen, Krämpfe oder Spasmen an Händen und Füßen (Tetanie), gesteigerte Reflexe, Verlangsamung des Herzschlags.

Überdosierung
Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Depressionen, Verdauungsprobleme, Übelkeit und Erbrechen, Nierenschäden und Nierensteine, Muskelschmerzen und Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, verstärktes Wasserlassen, krankhaft gesteigertes Durstgefühl, Fieber und Erbrechen, Austrocknung, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma.

Kalium

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 1.100 – 4.000 mg/d
Erwachsene: 4.000 mg/d
Schwangere: 4.000 mg/d
Stillende: 4.400 mg/d

Kontraindikationen
Dehydratation, eingeschränkte exkretorische Nierenfunktion.

Mangelsymptome
Abnahme der Anspannungskraft der Skelettmuskulatur und der Pumpleistung des Herzens, erhöhte Erregung, Störung der elektrischen Erregungsleitung und zusätzliche Schläge des Herzens, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, Erschöpfungszuständen, Blähungen, Verstopfung.

Überdosierung
Reizungen und Schädigungen des Gewebes, gastrointestinale Nebenwirkungen (Bauchschmerzen Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Sodbrennen), Blutungen und Ulcerationen (selten) im Gastrointestinaltrakt, allgemeine Muskelschwäche, Parästhesien an Händen und Füßen, Arrhythmie.

Magnesium

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 80 – 310 mg/d
Erwachsene: 310 – 400 mg/d
Schwangere: 400 mg/d
Stillende: 400 mg/d

Kontraindikationen
Niereninsuffizienz, Störungen der Erregungsausbreitung im Herzen, Bradykardie, Atemstörungen, Atemdepression, Myasthenia gravis.

Mangelsymptome
Nervosität, innere Unruhe, Angst, Depressionen, Hyperaktivität, Kopfschmerzen, Lärmempfindlichkeit, geringe Stresstoleranz, Muskelkrämpfe, Muskelverspannungen, Lidzucken, Wadenkrämpfe, kolikartige Spasmen, Obstipation, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Dyslipoproteinämie, hsCRP-Anstieg, Verschlechterung der Insulinsensitivität, erhöhtes Risiko für metabolisches Syndrom und Typ 2 Diabetes, Schwangerschaftskomplikationen.

Überdosierung
Reizungen und Schädigungen des Gewebes, gastrointestinale Nebenwirkungen (Bauchschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Sodbrennen), Blutungen und Ulcerationen (selten) im Gastrointestinaltrakt, allgemeine Muskelschwäche, Parästhesien an Händen und Füßen, Arrhythmie.

Selen

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 15 – 70 µ/d
Erwachsene: 80 – 70 µ/d
Schwangere: 60 µ/d
Stillende: 70 µ/d

Kontraindikationen
Selenintoxikationen

Mangelsymptome
Infektanfälligkeit, Müdigkeit, Depressionen, Abfall der Glutathionperoxidase-Aktivität, reduzierte Fertilität, gestörte Umwandlung von T4 in T3 Immundepression, erhöhte Allergieneigung, erhöhte Inzidenz und Mortalität von Darm-und Prostatakrebs, degenerative Osteoarthritis, Myopathien, Schwäche.

Überdosierung
Haarausfall, brüchige Fingernägel, Neuropathie, Durchfall, Übelkeit, abdominelle Schmerzen.

Zink

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 15 – 70 µ/d
Erwachsene: 80 – 70 µ/d
Schwangere: 60 µ/d
Stillende: 70 µ/d

Kontraindikationen
Akutes Nierenversagen und schwere Nierenschäden.

Mangelsymptome
Appetitlosigkeit, chronische Müdigkeit, Anämie, Gerinnungsstörungen, Haarausfall, gestörte Wundheilung, brüchige Fingernägel, Sehstörungen, Geruchs-und Geschmacksstörungen, Immun Depression, Infektanfälligkeit, Durchfall, Leaky Gut, Konzentrationsstörungen, Lernschwäche, Psychose, Gewichtsverlust, Kachel Exil, Wachstumsstörungen, verringerte Resistenz gegen Umweltgifte.

Überdosierung
Metallgeschmack, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Immunsuppression, hämatologische Nebenwirkungen (z. B. Neutropenie).

Chrom

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 20 – 100 µg/d
Erwachsene: 30 – 100 µg/d

Kontraindikationen
Keine relevanten Kontraindikationen bekannt.

Mangelsymptome
Pathologische Glukosetoleranz, reversible Insulinresistenz, Hyperglykämie, Hypoglykämie, erhöhtes Gesamt-Cholesterin, erhöhte Triglyceride, periphere Neuropathien, Gewichtsverlust, Ataxie.

Überdosierung
Metallgeschmack, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Immunsuppression, hämatologische Nebenwirkungen (z. B. Neutropenie). Keine Nebenwirkungen bekannt bis zu Dosierungen von 200 – 1.000 µg Chrom/d.

Molybdän

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 25 – 100 µg/d
Erwachsene: 50 – 100 µg/d

Kontraindikationen
Keine relevanten Kontraindikationen bekannt.

Mangelsymptome
Erbrechen, Kopfschmerzen, Nachtblindheit, Tachykardie, Übelkeit, mentale Retardierung, epileptische Anfälle, Hirnartrophie.

Überdosierung
Bei extrem hohen Dosen (10-15 mg/D) kommt es zu Gicht ähnlichen Symptomen.

Kupfer

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 0,5 – 1,5 mg/d
Erwachsene: 1 – 1,5 mg/d

Kontraindikationen
Anurie, Morbus Wilson, schwere Nierenschäden.

Mangelsymptome
Allgemeine Schwäche, Müdigkeit, neurologische Störungen, Schlaflosigkeit, verminderte Hämoglobinsynthese, Aneurysmen und Gefäßstrukturen, Bindegewebesdefekte, Knochenfrakturen, Wachstumsstörungen, Infektanfälligkeit, Osteopathien.

Überdosierung
Dosen bis zu 5 mg/d sind unbedenklich. Hohe Dosierung kann aber auf lange Frist Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Krämpfe und Leberschäden verursachen.

Quellen:

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Vitamine: Dosierung, Kontraindikation, Mangelsymptome, Überdosierung

Vitamin A

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Jugendliche und Erwachsene: 0,8 – 1,1 mg (2.666 – 3.666 I.E.) Retinol
Schwangere: 1,1 mg (3.666 I.E.) Retinol
Stillende: 1,5 mg (5.000 I.E.) Retinol
Nährstoff-Verfechter halten Dosen von 5.000 – 25.000 IE reinem Vitamin A und 40.000 IE Carotinoide für sinnvoll.

Kontraindikationen
Hypervitaminose A, Hirndrucksteigerung, Retinoidtherapie.
Hochdosistherapie: Leber- und Nierenschäden, Glaukom, schwerer Diabetes mellitus, Leber- und Nierenschäden.

Mangelsymptome
Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Infektanfälligkeit (Bronchitis, Atemwegsinfekte, Pneumonie), Nachtblindheit, Austrocknung der Bindehaut, Blendempfindlichkeit, trockenes Auge, Erblindung, gestörte Spermatogenese, trockene, schuppige und faltig Haut, spröde Nägel, häufige Infekte, erhöhtes Krebsrisiko (Brust-, Kehlkopf-, Lungen-, Gastrointestinal-, Prostata-, und Speiseröhrenkrebs), gestörte mitochondriale Funktion (reduzierte Aktivität von Komplex I und II), Überfunktion der Schilddrüse.

Überdosierung
Ist generell möglich, tritt aber selten auf, bei mehr als dem 500- bis 1.000-fachen der offiziellen Normaldosis (> 500.000 bis jenseits von 1.000.000 IE).
Symptome: Appetitverlust, Erbrechen, Abschälen der Haut, aufgeplatzte Lippen, Alopezie, Kopfschmerzen, starke Müdigkeit, Schwindel, Knochenabbau, erhöhtes Risiko für Hüftgelenksfrakturen, Wachstumsstörungen, vergrößerte Milz.

Vitamin B1 – Thiamin

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 0,6 – 1,1 mg/d
Erwachsene: 1,1 – 1,3 mg/d
Schwangere: 1,3 mg/d
Stillende: 1,3 mg/d
Vitaminforscher dosieren sehr viel höher: Prävention: 5 – 20 mg/d; Therapie: 100 – 900 mg/Tag.

Kontraindikationen
Verdacht auf Thiamin-Überempfindlichkeit.

Mangelsymptome
Herzrhythmusstörungen, Atemnot, Beklemmungsgefühle, Kribbeln in den Extremitäten, Nervenentzündungen, Muskelschmerzen, psychische Störungen und Depressionen.

Überdosierung
Negative Folgen einer Überdosierung sind generell nicht bekannt (außer bei Injektionen).

Vitamin B2 – Riboflavin

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 0,7 – 1,2 mg/d
Erwachsene: 1,0 – 1,4 mg/d
Schwangere: 1,4 mg/d
Stillende: 1,4 mg/d
Vitaminforscher können sehr viel höher dosieren, bis 50 mg/d, im Rahmen der mitochondrialen Therapie können sogar Dosierungen von 200 – 400 mg/d verordnet werden.

Kontraindikationen
Verdacht auf Riboflavin-Überempfindlichkeit.

Mangelsymptome
Mattigkeit und Antriebsarmut, Veränderungen der Haut und der Schleimhäute.

Überdosierung
Unerwünschte Wirkungen wurden selbst bei hohen Dosierungen nicht beschrieben, da Riboflavin eine geringe Toxizität hat.

Vitamin B3 – Niacin

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 8 – 13 mg/d
Erwachsene: 11 – 16 mg/d
Schwangere: 16 mg/d
Stillende: 16 mg/d
Vitaminforscher können sehr viel höher dosieren, bis zu 3.000 mg/d, bei arteriosklerotischen Durchblutungsstörungen bzw. erhöhten Blutfettwerten. Generelle Dosierungen liegen bei 800 mg/d.

Kontraindikationen
Diabetes, Herzinsuffizienz, nach Herzinfarkten, vorhandene Herzschrittmacher, akute Blutungen, akute Magengeschwüre, Hyperurikämie, Leberfunktionsstörungen, Allergie gegen Nacin.

Mangelsymptome
Appetitmangel, depressive Verstimmungen, Erschöpfung, Gedächtnisstörungen, Abnahme der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, gerötete, rissige und schuppige Haut, Immunsuppression.

Überdosierung
Dosierungen über 100 mg/d können einen „Flush“ auslösen.
Ab 1.500 mg/d ist eine Kontrolle der Leberwerte notwendig. In der Literatur wurde über Leberzellschädigung bei einer täglichen Dosierung über 2.000 mg berichtet.

Vitamin B5 – D-Panthenol

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 4 – 6 mg/d
Erwachsene: 6 mg/d
Schwangere: 6 mg/d
Stillende: 6 mg/d

Kontraindikationen
Nicht bekannt

Mangelsymptome
Abgeschlagenheit, Anämie, Immunschwäche, Müdigkeit, Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Schwäche, geringe Stressresistenz, Entzündungen der Schleimhäute von Mund, Nase, Atemwegen und Gastrointestinaltrakt, gestörte Wundheilung, Bauchkrämpfe, Erbrechen, Obstipation, Übelkeit, Muskelkrämpfe, Taubheit, Kribbeln in den Zehen, Reflexstörungen, Störungen des Fettsäurehaushaltes.

Überdosierung
Pantothensäure gilt als ungiftig. Bei der Einnahme von 10 Gramm Vitamin B5 täglich kann es zu leichten Durchfällen kommen.

Vitamin B6 – Pyridoxin-HCl

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 0,6 – 1,4 mg/d
Erwachsene: 1,4 – 1,6 mg/d
Schwangere: 1,6 mg/d
Stillende: 1,6 mg/d
Nährstoffexperten empfehlen bis zu 200 mg täglich.

Kontraindikationen
Bei bestimmungsgemäßer Anwendung sind weder Kontraindikationen noch schwerwiegende Nebenwirkungen bekannt.

Mangelsymptome
Niedergeschlagenheit, erhöhte Infektanfälligkeit, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Glossitis, Stomatitis, Muskelatrophie, Sensibilitätsstörungen, Störungen im Neurotransmitterhaushalt.

Überdosierung
Neuropathien, neurotoxische Effekte.

Vitamin H/B7 – D-Biotin

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 20 – 35 µg/d
Erwachsene: 40 µg/d
Schwangere: 40 µg/d
Stillende: 45 µg/d
Nährstoffexperten empfehlen eine maximale tägliche Dosis von 200 – 300 µg.

Kontraindikationen
Biotin-Überempfindlichkeit

Mangelsymptome
Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit, Schwäche, depressive Verstimmung, Haarausfall, brüchige Fingernägel, trockene und schuppige Haut, Muskelschmerzen, Neuropathien, Hyper-, Parästhesien.

Überdosierung
Allergische Hautreaktionen (Urtikaria) können in seltenen Fällen auftreten. Selbst bei oralen Dosierungen von bis zu 200 mg pro Tag wurden keine toxischen Effekte beobachtet.

Vitamin B9 – Folsäure

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 120 – 300 µg/d
Erwachsene: 300 µg/d
Schwangere: 550 µg/d
Stillende: 450 µg/d

Kontraindikationen
Megaloblastämie infolge eines Vitamin B12-Mangels.

Mangelsymptome
Anorexie, Blässe, Depression, schnelle Ermüdbarkeit, Gewichtsverlust, Kurzatmigkeit, Vergesslichkeit, Hyperhomocysteinämie, erhöhtes Schlaganfallrisiko, erhöhtes Risiko für kolorektale Neoplasien, Störungen des Knochenstoffwechsels Risiko für Aborte, Down-Syndrom, Risiko für Demenz, Polyneuropathie.

Überdosierung
Selten: allergische Reaktionen, Pruritus, Einschlafstörungen und gastrointestinale Störungen.

Vitamin B12 – Hydroxocobalaminacetat

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 1,5 – 4 µg/d
Erwachsene: 4 µg/d
Schwangere: 4,5 µg/d
Stillende: 5,5 µg/d
Amerikanische Nährstoffexperten setzen Vitamin B12-Dosierungen bis zu 50 mg pro Tag ein.

Kontraindikationen
Überempfindlichkeit

Mangelsymptome
Appetitlosigkeit, Schwäche, leichte Ermüdbarkeit, Schwindel, blasse Haut und Schleimhäute, Schlafstörungen, Tinnitus, Kurzatmigkeit, Reifungsstörungen der Blutzellen, Infektanfälligkeit, Abwehrschwäche, mitochondriale Funktionsstörungen neurologische Störungen, Muskelatrophie mit Gangunsicherheit, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen, erhöhte Homocysteinwerte.

Überdosierung
Geringe Toxizität selbst bei hohen Dosierungen (5 mg pro Tag). In einzelnen Fällen kann es zu Akne, urtikariellen Reaktionen oder anaphylaktischen Reaktionen kommen (vor allem bei intravenöser Verabreichung).

Vitamin C – L-Ascorbinsäure

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 20 – 105 mg/d
Erwachsene: 105 mg/d
Schwangere: 110 mg/d
Stillende: 105 mg/d
Amerikanische Präparate mit Vitamin C enthalten Dosierungen von 2 – 3 g pro Tag. Auch Dosierungen von 10 – 12 g pro Tag werden allgemein gut vertragen.

Kontraindikationen
Oxalaturolithiasis, Eisenspeichererkrankungen, Glukose-6-Phosphat Dehydrogenasemangel (hohe Dosierungen), Niereninsuffizienz.

Mangelsymptome
Antriebslosigkeit, Glieder und Gelenkschmerzen, Leistungsschwäche, Müdigkeit, Reizbarkeit, Skorbut, Infektanfälligkeit, Immundepression, erhöhte Histaminsensibilität, erhöhte Blutungsneigung, erhöhte Marker der Lipidoxidation, erhöhtes Risiko radikal bedingter Erkrankungen (z. B. Krebs), Gingivitis, Parodontitis, Karies, Depressionen, Wundheilungsstörungen.

Überdosierung
Blähungen und osmotischer Durchfall.

Vitamin D

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 20 µg/d
Erwachsene: 20 µg/d
Schwangere: 20 µg/d
Stillende: 20 µg/d
Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat erklärt, dass bei Kindern ab 10 Jahren und Erwachsenen eine Gesamtzufuhr von 100 Mikrogramm Vitamin D pro Tag tolerierbar ist. Bei Kindern unter 10 Jahren gelten 50 Mikrogramm Vitamin D pro Tag als tolerabel. Zur Gesamtzufuhrmenge wird sowohl das Vitamin D aus Lebensmitteln als auch jenes aus Vitamin-D-Präparaten berücksichtigt.

Kontraindikationen
Hyperkalzämie und Hyperkalzurie, Niereninsuffizienz, Sarkoidose, kalziumshaltige Nierensteine.

Mangelsymptome
Depressive Verstimmungen, erhöhte Infektanfälligkeit, Müdigkeit, Schwäche, Störung der Th1/Th2-Regulation, höhere Mortalität bei Krebs (z. B. Kolonkarzinom), Skelettdeformierungen (Rachitis bei Kindern, Osteomalazie bei Erwachsenen), erhöhtes Risiko für Ermüdung-Frakturen im Alter, Entwicklungsstörungen bei Kindern Muskelschwäche, Fehlstellung der Zähne, Glukoseintoleranz, erhöhtes Risiko für: Typ 1 Diabetes, Herzinsuffizienz, COPD, Asthma, metabolisches Syndrom, Darm-, Mama-, Prostatakarzinom, Multiple Sklerose.

Überdosierung
Durch eine Überdosierung kann es zu einem erhöhten Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) kommen. Der Körper nimmt übermäßig viel Kalzium aus der Nahrung auf und löst vermehrt Kalzium aus den Knochen heraus. Bekannte Symptome einer Überdosierung sind: Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, extremer Durst, vermehrtes Wasserlassen (Polyurie), Schwächegefühl, Kopfschmerzen, Nervosität, Nierensteine und Nierenschäden (bis hin zum Nierenversagen).

Vitamin E

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 6 – 14 Tocopherol mg-Äquivalent/d
Erwachsene: 11 – 15 Tocopherol mg-Äquivalent/d
Schwangere: 13 Tocopherol mg-Äquivalent/d
Stillende: 17 Tocopherol mg-Äquivalent/d

Kontraindikationen
Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei erhöhtem Prostatakrebsrisiko.

Mangelsymptome
Nervosität, Reizbarkeit, beschleunigte Hautalterung und Altersflecken durch Lipofuszineinlagerungen.

Überdosierung
Müdigkeit und Muskelschwäche, Blähungen, Durchfall, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerz, Absinken des Schilddrüsenhormonspiegels bei längerer Einnahme höherer Dosierungen.

Vitamin K

Empfohlene Zufuhr (DGE)
Kinder und Jugendliche: 15 – 50 µg/d
Erwachsene: 60 – 80 µg/d
Schwangere: 60 µg/d
Stillende: 560 µg/d

Kontraindikationen
Die frühere Empfehlung, auf Vitamin K-Zufuhr während einer Marcumar-Therapie zu verzichten, gilt mittlerweile als überholt.

Mangelsymptome
Blutungen in Organen und Geweben (z. B. Muskulatur oder Gastrointestinaltrakt), verstärkte Blutungen nach Operationen durch verlängerte Gerinnungszeiten, Störungen des Knochenaufbaus und geringe Knochendichte, erhöhtes Risiko für Arterienverkalkung, Osteoarthritis, Osteoporose.

Überdosierung
Geringe Toxizität selbst bei hohen Dosierungen (in 500-fach höherer Konzentration als therapeutisch üblich).

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Vegetarismus und versteckte tierische Produkte – Teil 2

Wenn Menschen in den Industrienationen auf Fleisch oder Fisch verzichten, sind häufig ethisch-moralische, gesundheitliche oder ökologische Gründe, oft auch kombiniert, entscheidend. Es wird geschätzt, dass sich heute etwa 10 % der deutschen Bevölkerung vegetarisch ernährt, wobei die Gründe für eine vegetarische oder vegane Ernährung unterschiedlich sind. Einerseits spielen Aspekte der Ökologie und Nachhaltigkeit (Wasserverbrauch, Rodung, Treibhausgase etc.) in Zeiten des Klimawandels eine stetig wachsende Rolle für viele Konsumenten. Es wird geschätzt, dass ein Rind pro Jahr genauso viele Treibhausgase ausstößt wie ein Pkw der 18.000 km pro Jahr fährt. Für viele Menschen ist die fleischlose Ernährung aber auch ein Zeichen ihrer Unterstützung des Tierschutzes bzw. der Ablehnung von Massentierhaltung, unsäglichem Stress für die Tiere durch Transporte, Käfighaltung und Schlachtungen. Diese ethischen Bedenken spielen für viele Menschen eine gewichtige Rolle, ganz nach dem Motto von George Bernhard Shaw: „Tiere sind meine Freunde und meine Freunde esse ich nicht“. Tatsächlich ging der Fleischverbrauch in Deutschland in den vergangenen Jahren leicht zurück. Es wird geschätzt, dass Jahr für Jahr weltweit über 20 Milliarden Geflügeltiere getötet werden, sowie zwei Milliarden Stall- und Weidetiere, die dem Menschen als Nahrung dienen.

Es ist generell unüblich, Produktions-Hilfsstoffe in Zutatenlisten aufzuführen, die oftmals tierisch sind. Häufig vorkommende Änderungen in der Rezeptur können dazu führen, dass ein lieb gewonnenes veganes oder vegetarisches Produkt plötzlich und unbemerkt tierische Bestandteile enthält. Beim aufmerksamen Lesen der Zutatenlisten wird man in so manch einem Produkt, welches ausschließlich für die vegetarische Ernährung deklariert ist, doch fleischliche Erzeugnisse finden. Zudem sind die Begriffe „vegetarisch“ und „vegan“ nicht rechtlich definiert. Es lohnt sich daher, mal ein wenig Licht in den Verpackungsmantel zu bringen, welche Lebensmittel für Vegetarier geeignet sind, und wovon mal lieber die Finger lassen sollte.

Käse

Die allermeisten Käsesorten, insbesondere Hartkäse, beinhalten sogenanntes Kälberlab, der aus dem Magen geschlachteter Tiere hergestellt wird. Dies ist auch bei Käsesorten in Bio-Qualität der Fall. Wer Käse essen will, der ohne den Einsatz tierischen Labs hergestellt wurde, sollte darauf achten, dass dieser mit pflanzlichen oder mikrobiellen Labaustauschstoffen hergestellt wurde.

Süßigkeiten, Süßspeisen und Fruchtsäfte

Gummibärchen, Joghurt, Pudding und Fruchtsäfte können tierische Gelatine enthalten. Gelatine wird aus Rinderknochen hergestellt, seltener auch aus Schweineknochen. Fruchtgummi ohne tierisches Gelatine sind heute auch erhältlich, meist in Bio-Läden.

Schokolade

Verbraucherschützorganisationen (z. B. Foodwatch) haben oftmals Milchzucker in eigentlich milchfreien Schokoladen festgestellt. Dabei lag der Wert an Milchzucker zwischen 0,3 bis 0,4 Gramm pro 100 Gramm Schokolade.

Brot und Kekse

Um Backwaren voluminöser zu machen, und den Teig für Plätzchen, Brot und Brötchen elastischer und knetfähiger, kommt L-Cystein (E920) zum Einsatz. Wenn Mehl mit E920 behandelt wird, verkürzt sich der Backvorgang, das spart Geld und Zeit. L-Cystein kommt manchmal sogar in vegetarischen Produkten vor – als künstliches Fleischaroma. Die Aminosäure L-Cystein wird aus Tierhaaren, Menschenhaaren, Horn und Federn gewonnen, kann aber auch im Labor mit Hilfe von Bakterien hergestellt werden.

Chips und Knabberzeug

Herzhafte Knabberprodukte enthalten oft Bestandteile von Huhn, Schwein oder Wild, die unter anderem als Aromazusatz verwendet werden. In der Zutatenlisten tauchen sie aber nicht auf, was nach derzeitigem rechtlichem Stand auch zulässig ist.

Rote Getränke, Süßigkeiten, Marmeladen

Hinter der Nummer E120 verbirgt sich ein roter Farbstoff, der aus Schildläusen hergestellt wird. Karmin oder Cochenille nennt man das Pulver aus den getrockneten und gemahlenen Läusen. Bis vor ein paar Jahren war es zum Beispiel im knallroten Aperol enthalten. In einigen roten Limonaden, Bonbons oder Weingummi kommt E120 aber noch vor.

Obst und Kaffee

E901 ist die Bezeichnung für Bienenwachs, welches als Überzug für Obst verwendet wird. Dann hält es die Feuchtigkeit besser und trocknet nicht so schnell aus. Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Melonen und Zitrusfrüchte können auf diese Weise behandelt werden. Zugelassen ist das Wachs auch für Kaffeebohnen, um die Verarbeitung zu erleichtern. Zudem ist Schellack (E904/Ausscheidung der Gummischild-Lacklaus) zugelassen. Wachs kann allerdings auch pflanzlichen Ursprungs sein – Candelillawachs (E902) oder Carnaubawachs (E903).

Wein und andere Getränke die Trübstoffe enthalten

Damit Wein und Bier auch nach längerer Lagerung schön klar bleiben, werden Trübstoffe (Schwebeteilchen) herausgefiltert. Das geht mit Mineralstoffen wie Aktivkohle – aber auch mit tierischen Hilfsmitteln. Wie beim Saft kann man dafür Gelatine aus Knochen verwenden oder auch Eiweiß. Das Getränk wird dadurch geklärt und ansprechender. In der Zutatenliste steht Gelatine nicht, weil sie nach dem Filtern nicht mehr im Saft enthalten ist. Sie ist ein reiner Hilfsstoff bei der Verarbeitung. Aber auch ein Bestandteil vom Fisch kommt mitunter zum Einsatz: die Hausenblase, getrocknete Fischblasen von Stör, Hausen oder Wels. Nach dem Filtern bleibt angeblich nichts Tierisches im Getränk zurück.

Vegetarismus und versteckte tierische Produkte – Teil 1

Der Vegetarismus hat seine Ursprünge im Jahr 3200 v. Chr., als die alten ägyptischen Zivilisationen begannen, sich vegetarisch zu ernähren, basierend auf dem Glauben, dass der Verzicht auf Fleisch die Reinkarnation erleichtern würde. In Indien, einer weiteren Wiege des Vegetarismus, wurde diese Praxis auch mit der Tatsache in Verbindung gebracht, dass Hindus Kühe als heilig ansehen und die Prinzipien der Gewaltlosigkeit hochhalten. Von Pythagoras, dem griechischen Gelehrten, der um 570 bis 500 vor Christus lebte, stammt der heute so moderne Gedanke: „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück.“ Er war der Meinung dass Fleischkonsum die Menschen aggressiv macht, gemäß dem Motto: „Solange der Mensch Tiere tötet, wird er auch Menschen töten“. Ovid, Plutarch und auch der Philosoph Seneca, Voltaire und Russeau waren Anhänger von Pythagoras, aber eine richtige Bewegung wurde niemals daraus. Der Begriff „Vegetarier“ wurde erst 1847 in England eingeführt. In Deutschland kam die vegetarische Bewegung, auch mit der Entwicklung der Homöopathie, nach dem Ersten Weltkrieg ins öffentliche Gespräch. Im Laufe der Geschichte wurde die Ausbreitung des Vegetarismus mit Religionen in Verbindung gebracht, die Gewaltlosigkeit und Respekt für alle Lebewesen lehren, wie z. B. der Hinduismus oder der Buddhismus.

Zahlreiche Studien haben mittlerweile bewiesen (Beispiel), dass Vegetarier seltener an inflammatorisch bedingten Zivilisationskrankheiten leiden und eine deutlich höhere Lebenserwartung haben. So erkranken Vegetarier seltener an Krebs oder Diabetes, haben bessere Blutdruckwerte, leiden seltener unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und unter Übergewicht.

Doch nicht immer ist es einfach, im kleingedruckten sprachlichen Wirrwarr des Lebensmittel-Fachjargons zu erkennen, ob Lebensmittel Inhaltsstoffe oder Verunreinigungen aus Fleisch enthalten. Der Blick auf die Zutatenliste allein bietet wenig Sicherheit bei der Wahl vegetarischer oder veganer Produkte. Einige Zutaten werden als E-Nummern angegeben, die vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern unbekannt sind. Anderweitige Inhaltsstoffe werden gar nicht erst aufgeführt, da sie nicht deklarierungspflichtig sind. Bei vielen Zutaten ist auch nicht immer klar, ob es sich um eine pflanzliche oder tierische Variante handelt.

Daher fordern Organisationen wie Foodwatch, Verbraucherzentralen, der Vegetarierbund oder die Vegane Gesellschaft seit Langem eine Verschärfung der Kennzeichnungspflicht. Denn das Problem liegt in der Gesetzgebung: Zutaten müssen auf der Verpackung klar gekennzeichnet sein – Zusatzstoffe, Aromen oder Produktions-Hilfsstoffe dagegen nicht.

Produkte, die mit dem V-Label lizenziert der Europäischen Vegetarischen Union gekennzeichnet sind, werden auf ihre Zusammensetzung und jeden Produktionsschritt überprüft. Das V-Label ist somit eine verlässliche und schnelle Orientierungshilfe, die das Lesen von Zutatenlisten überflüssig macht.

Hinter E-Nummern und Namen verbergen sich oftmals tierische Inhaltsstoffe

Wörter wie „Lecithin“ oder „E322“ klängen unverfänglich, aber dahinter steckt womöglich Hühnerei. Welche Zusatzstoffe und Aromen sind tierischen Ursprungs? Welche tierischen Zusätze dienen als Überzug, Aroma oder Geschmacksträger? Welche Enzyme und sonstige Tier-Erzeugnisse waren Hilfsstoffe bei der Verarbeitung oder der Produktion? Sich im Dickicht der E-Nummern zurechtzufinden ist alles andere als einfach. Viele der Zusatzstoffe können synthetischen wie tierischen Ursprungs sein. Der chemische Stoff ist am Ende der gleiche – aber so kann dieselbe E-Nummer vegetarisch sein oder nicht. Vor allem bei Erzeugnisses Fetten und Ölen ist das oft so: Wurde das Mittel aus Schweineschmalz, Rindertalg oder Milchfett hergestellt? Oder doch aus Soja-, Raps- oder Maisöl?

Vitamin K

Vitamin K (Vitamin K1, Vitamin K2,) ist keine einheitliche Substanz sondern umfasst eine Gruppe von Substanzen die alle ein gemeinsames Grundgerüst haben. Sie unterscheiden sich voneinander durch die verschiedenen Seitenketten am gemeinsamen Grundgerüst und zählen zu den fettlöslichen Vitaminen (so wie die Vitamine A, D und E). Vitamin K kommt in der Natur als Vitamin K1 vor (Phyllochinon, welches vor allem in Grünpflanzen enthalten ist) und Vitamin K2 (Menachinon, welches von Darmbakterien wie E. coli oder Lactobacillus acidophilus im terminalen Kolon und Ileum gebildet wird. Welche Rolle diese „Eigenproduktion“ spielt, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Die betreffenden Bakterien kommen in einem Darmabschnitt vor, aus dem normalerweise weniger fettlösliche Vitamine in den Körper gelangen. Deshalb nimmt man an, dass das von Darmbakterien produzierte Vitamin K für die Versorgung des menschlichen Körpers kaum eine Rolle spielt.

Beide Formen des Vitamins haben die gleiche Wirkung, anscheinend ist aber K2 die aktivere Form des Vitamins mit einer deutlich längeren Halbwertszeit als diejenige von Vitamin K1. Neben den natürlichen Verbindungen Vitamin K1 und K2 gibt es noch das synthetische Vitamin K3 (Menadion), welches früher zur Behandlung von Vitamin-K-Mangel eingesetzt wurde. Es ist mittlerweile aufgrund seiner schädlichen Wirkungen auf die Leber und die roten Blutkörperchen (hämolytische Anämie) nicht mehr zugelassen.

Im Organismus ist Vitamin K für die Synthese der Blutgerinnungsfaktoren II, VII, IX und X sowie der Proteine C und S in der Leber verantwortlich. Ohne Vitamin K kann der Körper diese Faktoren nicht herstellen und damit auch keine Blutungen stoppen. Dabei fungiert Vitamin K als Cofaktor bei der Synthese von Gamma-Carboxyglutaminsäure aus Glutaminsäure, was für die genannten Proteine von Bedeutung ist, da hierdurch die Bindung des für die Blutgerinnung bedeutsamen Calciums beeinflusst wird.

  • Vitamin K ist wichtig für den Knochenstoffwechsel, die Knochenfestigkeit und die Regulation des Knochengewebes. Es hemmt den Knochenabbau bei Frauen nach den Wechseljahren. Das Enzym Osteocalzin, das die Knochenmineralisierung reguliert, ist nämlich Vitamin K-abhängig. Untercarboxyliertes Osteocalcin geht mit einer reduzierten Knochendichte einher und erhöhtem Risiko für Hüftgelenksfrakturen.
  • Im Stoffwechsel der Fette ist Vitamin K2 von Bedeutung, zumal es Cholesterin senkende Eigenschaften hat.
  • Kalkablagerungen in Weichteilen wie Blutgefäßen und Knorpeln werden durch Vitamin K verhindert.
  • Vitamin K unterstützt die Regulation von Zellprozessen (wie Zellteilung) sowie bei Reparaturprozessen in Augen, Nieren, Leber, Blutgefäßen und Nervenzellen.
  • Auch im mitochondrialen Energiestoffwechsel ist Vitamin K von Bedeutung. In Tierversuchen mit der Fruchtfliege hat man nachgewiesen, dass Vitamin K2 Bestandteil der Atmungskette ist oder sein kann. Bei einem Vitamin K2-Mangel funktionierten zwar die Komponenten der Atmungskette normal, der Elektronen-Transport war jedoch deutlich eingeschränkt. Als Folge kam es zu einer drastischen Reduktion der ATP-Bildung, d. h. Energie-Produktion.

Welches ist der Tagesbedarf an Vitamin K?

Die empfohlene Tagesmenge liegt laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene je nach Altersstufe und Geschlecht zwischen 60 und 80 Mikrogramm. Babys im ersten Lebensjahr haben einen täglichen Vitamin K-Bedarf von 4 bis 10 Mikrogramm, Kinder je nach Altersstufe einen Tagesbedarf zwischen 15 und 50 Mikrogramm. Wegen der begrenzten Speicherfähigkeit von Vitamin K im Körper sollte man täglich ausreichend über die Nahrung aufnehmen. Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs, besonders grüne Gemüsesorten, sind sehr gute Vitamin K-Quellen. So zählen vor allem grüne Gemüsesorten wie grüne Blattsalate und grüne Kohlsorten (z. B. Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl) zu den Vitamin K-reichen Lebensmitteln. Auch Kräuter wie Schnittlauch, Algen und Pflanzenöle sind gute Quellen. Natto, ein fermentiertes Sojabohnenprodukt aus Japan, ist eine Quelle mit hohem Vitamin K2-Vorkommen. Fleisch, Eier und Milchprodukte enthalten nur geringe Mengen an Vitamin K2.

Vitamin K-Gehalt ausgewählter Lebensmittel (in Mikrogramm pro 100 Gramm Lebensmittel)

Apfelsine     3,8
Avocado     19
Birne     4,9
Blumenkohl     57
Brokkoli     270
Butter     7
Chester/Cheddar, 50 % Fett i. Tr.     2,3
Chinakohl     80
Emmentaler, 45 % Fett i. Tr.     2,6
Erdbeeren     5,0
Flunder     3
Grünkohl     817
Hering (Atlantik)     25
Hühnerleber     80
Kabeljau     1,3
Kalbsleber     88
Knollensellerie     41
Kopfsalat     109
Kräuterfrischkäse     30
Kürbiskernöl     112
Magerquark     1,0
Natto     70
Olivenöl     33
Petersilie     360 – 790
Pflaumen     8,3
Rapsöl     150
Rindfleisch (Muskel)     12
Rosenkohl     236
Schnittlauch     380
Scholle     1,2
Schweinefleisch (Muskel)     18
Seelachs     1,6
Speisequark, 40 % Fett i. Tr.     50
Spinat     305
Spirulina-Alge     70
Sprotte     21
Traubenkernöl     280
Trinkmilch, 3,5 % / 1,5 % Fett     0,5 / 0,1
Weintrauben     15

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L-Arginin

Arginin ist eine semiessenzielle Aminosäure, die als Proteinbaustein an zahlreichen Stoffwechselwegen beteiligt ist. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Arginin erstmals aus Lupinenkeimlingen isoliert und von dem deutschen Chemiker Ernst Schulze beschrieben. Essenziell ist diese Aminosäure für Säuglinge und Kleinkinder, sowie auch bei chronischer Niereninsuffizienz. Aus L-Arginin wird über NO-Synthasen das Stickstoffmonoxid (NO) gebildet, einem der wichtigsten Botenstoffe im menschlichen Körper. NO reguliert den Gefäßtonus, führt zur Erweiterung der Blutgefäße und somit zur Senkung des Blutdrucks. Unflexible, verengte Gefäße sind oft für schlechte Durchblutung und Bluthochdruck verantwortlich. Die Thrombozytenaggregation und -adhäsion wird durch NO gehemmt, dadurch reduziert sich die Bildung von Blutgerinnseln und das Risiko für Schlaganfälle. Stickstoffmonoxid spielt eine zentrale Rolle bei Entzündungsprozessen und der Immunität.

Erste therapeutische Hinweise auf eine Arginin-vermittelte Wirkung von NO fand 1991 eine Forschergruppe, die zeigen konnte, dass die akute Gabe von L-Arginin die bei cholesteringefütterten Kaninchen auftretende Dysfunktion der endothelabhängigen, NO-vermittelten Relaxation reduziert. Ein Jahr später zeigte dieselbe Arbeitsgruppe, dass die Langzeit-Verabreichung von L-Arginin das Auftreten der endothelialen Dysfunktion verlangsamt und die Bildung arteriosklerotischer Plaques reduziert. Neben den kardiovaskulären Wirkungen weist L-Arginin auch ein NO-unabhängiges Wirkprofil auf:

  • Beteiligung an der Entgiftung von Ammoniak im Harnstoff-Zyklus, gemeinsam mit Citrullin, Ornithin und Asparaginsäure
  • Steigerung der Immunkompetenz durch vermehrte Bildung von Lymphozyten und Steigerung der Aktivität von Makrophagen und NK-Zellen
  • Verringerung der Insulinresistenz und Unterstützung der Insulinfreisetzung
  • Beteiligung an Neurotransmitterfunktionen im zentralen Nervensystem über die NO-Bildung
  • Kollagenbildung und Wundheilung
  • Bildung von Spermin (in der Prostata gebildeter Stoff, der auf die Spermien-DNA stabilisierend wirkt), Bildung von Creatin und Proteinbiosynthese in der Leber.
  • Anti-oxidative Wirkungen sowie positive Effekte gegen aggressive Sauerstoffverbindungen (freie Radikale). Die Kombination von Arginin mit Vitamin C verbessert die Bioverfügbarkeit von NO und kann einem vermehrten nitrosativen Stress vorbeugen.
  • Unterstützung der Fettverbrennung und des Muskelaufbaus, Verbesserung der Durchblutung. Das Leistungsniveau steigt, während die benötigte Sauerstoffmenge zurückgeht.

Anwendungsgebiete für L-Arginin sind entsprechend kardiovaskuläre Erkrankungen, Therapie hyperkatabolischer sowie hypermetabolischer Zustände (Kachexie, Polytrauma, Sepsis, Verbrennungen, Wundheilungsstörungen) erektile Dysfunktion, Infertilität, und Leistungssport. Bei Patienten mit Krebs ist mit der Einnahme der Aminosäure Vorsicht geboten. Einerseits wird Arginin von einigen Therapeuten begleitend zur Linderung der Nebenwirkungen der Chemotherapie eingesetzt, aufgrund seiner immunstärkenden, entzündungshemmenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften. Es ist auch bekannt, dass mit dieser Aminosäure in vereinzelten Fällen Tumore zum Schrumpfen gebracht wurden. Andererseits können aber konzentrierte und einzeln verabreichte Aminosäuren den Stoffwechsel von Krebszellen begünstigen und somit ein vermehrtes Tumorwachstum auslösen.

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Molybdän

Molybdän ist ein für Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere essentielles Spurenelement. Es wurde im Jahr 1778 von dem schwedischen Chemiker Karl Scheele erstmals beschrieben und wegen seines bleiähnlichen Verhaltens „Molybdän“ bezeichnet, abgeleitet von dem griechischen Begriff „molybdos“ (bleiähnlich). In den 1950er Jahren wurde die Bedeutung von Molybdän festgestellt, mit der Entdeckung der molybdänhaltigen Enzyme. Bis heute sind beim Menschen drei molybdänhaltige Enzyme bekannt:

Die Xanthinoxidase/Dehydrogenase unterstützt die Bildung der DNS (Erbinformation), RNS (übermittelt die Erbinformationen für die Eiweißbildung) und der Harnsäure (Harnsäure hat antioxidative Wirkung und ist wasserlöslich)

Die Aldehydoxidase spielt eine wichtige Rolle bei der Phase 1-Entgiftung von Medikamenten und Giften (z. B. Alkoholabbau in der Leber)

Die Sulfitoxidase ist ein Enzym mitochondriales Enzym, das für die Umwandlung von Sulfit in Sulfate sorgt. Dieses ist eine wichtige Reaktion für den Stoffwechsel der schwefelhaltigen Aminosäuren, wie beispielsweise Cystein. Sulfitoxidase hat selbst antioxidative und Entgiftungsfunktionen.

Molybdän wurde zur Behandlung der Wilson-Krankheit eingesetzt. Beim dieser Erkrankung zirkuliert freies Kupfer und reichert sich in den Geweben an, was zu Leberschäden, neurologischen Komplikationen und Hirnschäden führen kann. Molybdän (als Tetrathiomolybdat) kann mit zirkulierendem Kupfer und Eiweiß aus der Nahrung einen starken Komplex bilden.

Nährstoffmangel durch Molybdän-Mangel in der Nahrung ist unseres Wissens nach noch nie beim Menschen beobachtet worden. Zu den Mangelsymptomen gehören Erbrechen, Kopfschmerzen, Gesichtsfeldausfälle, Tachykardie, Übelkeit, Störungen im Stoffwechsel von Aminosäuren, verringerter Abbau von toxischen schwefelhaltigen Aminosäuren, mentale Retardierung und epileptische Anfälle. Ein Übermaß an Molybdän kann für Weidetiere gefährlich werden, sofern ein sekundärer Kupfermangel bei den Tieren verursacht wird. Allerdings ist das Potenzial einer Molybdän-Toxizität beim Menschen gering. In Armenien, wo die Molybdänkonzentrationen im Boden ungewöhnlich hoch sind, wurde die Aufnahme von 10 – 15 mg/d mit Gelenkschmerzen und gichtähnlichen Symptome beschrieben.

Bohnen gehören zu den reichsten Molybdänquellen. Limabohnen haben einen besonders hohen Molybdängehalt, aber auch weiße, rote, grüne Bohnen sowie Pintobohnen und Erbsen. Auch Getreide kann eine gute Molybdänquelle sein (z. B. Weizen, Hafer und Reis). Spargel, dunkelblättriges Gemüse und bestimmte Kohlgewächse enthalten ebenfalls beträchtliche Mengen Molybdän. Der Gehalt in Gemüse unterliegt größeren Schwankungen, je nach der Qualität der Böden. Milch- und Käseprodukte liefern den größten Teil des Molybdäns in der Nahrung von Jugendlichen.

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Kupfer

Kupfer (Cu) dient als essentieller Mikronährstoff für praktisch alle Lebensformen. Als redoxaktives Metall ist Kupfer der ideale Co-Faktor für Enzyme, die an der Elektronenübertragung und Sauerstoffchemie beteiligt sind, und mindestens 30 Metalloproteine wurden als Cuproenzyme klassifiziert. Die Funktionen reichen von der Photosynthese (Plastocyanin) über die Atmung (Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien) bis zur Entgiftung von freien Radikalen (Superoxid-Dismutasen) als endogenem antioxidativem Zellschutz. Cuproenzyme sind an der Oxidation von Metallen und organischen Substraten beteiligt und produzieren ein breites Spektrum von Metaboliten, Neuropeptiden, Pigmenten und vielen anderen biologisch aktiven Verbindungen. Auch Kupfer gehört zu den essentiellen (lebensnotwendigen) Spurenelementen, welches mit einem Körperbestand von 80 – 100 mg das dritthäufigste Spurenelement im Organismus nach Eisen und Zink ist. Etwa die Hälfte des Gesamtgehalts entfallen auf Muskulatur (40 %) und Skelett (20 %), geringere Mengen kommen in Leber (15 %) und Gehirn (10 %) vor, gefolgt von Herz und Nieren. Nur 6 % des gesamten Kupferbestandes sind im Serum enthalten.

Weitere Funktionen von Kupfer

  • Kupfer ist in der Lysyloxidase enthalten, ein Enzym das vorwiegend im extrazellulären Raum des Bindegewebe vorkommt und für die Funktion von Haut, Knochen und Knorpel wichtig ist, zumal es die Quervernetzungen von Kollagen und Elastin katalysiert.
  • Kupfer wird für die Hautpigmentierung benötigt und die Melaninsynthese in den Melanozyten.
  • Im Nervensystem wird Kupfer für die Bildung des Myelins benötigt und den Stoffwechsel von Katecholaminen (Adrenalin und Noradrenalin).
  • Auch für den Abbau von Neurotransmittern und der Harnsäure wird Kupfer benötigt.
  • Die Regulation der Genexpression unterliegt auch dem Kupfer (z. B. Bildung der Katalase und der Superoxid-Dismutase.

Fälle von ernährungsbedingtem Kupfermangel oder Kupfertoxizität (als Überdosierung) sind beim Menschen selten, außer in Fällen von genetischen Störungen des Kupferstoffwechsels. Diese Störungen können zu einer Kupferüberladung wie bei der Wilson-Krankheit oder zu Kupfermangel wie bei der tödlichen Menkes-Krankheit führen.

Verschiedene Nahrungskomponenten sind in der Lage, den Kupferstoffwechsel zu beeinflussen, indem sie zu Veränderungen in der Absorptions- und Ausscheidungsrate sowie der Cu-Verteilung im Körper führen. So fördert zum Beispiel die gleichzeitige Zufuhr von Vitamin C die Cu-Aufnahme. Andererseits können zu hohe Konzentrationen an Ballaststoffen, Calcium, Phosphat, Zink, Eisen, Molybdän, Cadmium, Sulfid und Phytate beziehungsweise Phytinsäure die Aufnahme von Kupfer reduzieren. Kupfer wird zum größten Teil aus dem Magen und oberen Dünndarm (Duodenum) resorbiert. Indikationen für eine Supplementierung mit Kuper sind z. B. mitochondriale Dysfunktionen, Osteoporose, Vitiligo, oder kupfermangelbedingte Anämien.

Der Kupfergehalt des Serums erhöht bei:

  • Infektionen
  • Glomerulonephritis
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Thyreotoxikose
  • Lupus erythematodes
  • Biliärer Leberzirrhose
  • Akuter Leukämie
  • Aplastischer Anämie
  • Gabe von Östrogenen.

Mögliche Kupfer-Mangelsymptome:

  • Schwäche und Müdigkeit
  • Neurologische Störungen, Schlaflosigkeit
  • Verminderte Aktivität der Superoxid-Dismutase
  • Gefäßrupturen, Aneurismen, Störungen der NO-vermittelten Gefäßerweiterung
  • Bindegewebsdefekte, Knochenfrakturen und Wachstumsstörungen
  • Infektanfälligkeit
  • Gestörte Pigmentierung von Haut und Haaren
  • Nierenfunktionsstörungen und nephrotisches Syndrom
  • Erkrankung Kwashiorkor, einer Form der Protein-Mangelernährung.
  • Ein erhöhter Kupferbedarf besteht in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Wachstum und Sport.

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Chrom

Dreiwertiges Chrom ist ein essentielles Spurenelement, das eine Schlüsselrolle im Lipid- und Glukosestoffwechsel spielt. Der menschliche Körper enthält etwa 10 bis 20 Milligramm Chrom. Als Cofaktor des Hormons Insulin wirkt Chrom an der Steuerung des Blutzuckerspiegels mit, indem es den sogenannten Glucose-Toleranz-Faktor (GTF) aktiviert und somit die Wirkung von Insulin verbessert, das die Aufnahme von Zucker in die Körperzellen anregt. So sinkt der Blutzuckerspiegel. Eine Supplementation mit Chrom kann daher eine gewisse Wirksamkeit bei der Senkung des Glukosespiegels haben und eine Rolle als Begleittherapie bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes spielen. Die Auswirkungen von Chrom auf den Lipidspiegel sind jedoch variabel. Chrom kommt vor allem in Fleisch, Vollkornprodukten und Bierhefe vor. Ein Chrommangel eher bei älteren Menschen mit einseitigen Ernährungsgewohnheiten auf, der unter Umständen mit Hyperglykämie und einer gestörten Glucosetoleranz (erhöhter Blutzucker nach dem Essen) zusammenhängt.

Bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikern reflektierten verminderte Chromgehalte in Leukozyten (weiße Blutkörperchen, Abwehrzellen) eine verminderte Chromversorgung. Je schlechter die Diabeteseinstellung, umso niedriger war der Chromstatus bei Typ-2-Diabetikern. Chrom, in Kombination mit Biotin eingesetzt, hat antidiabetische Effekte gezeigt und arteriosklerotische Risikofaktoren reduziert. Erfahrungen belegen, dass mit Chrom und Biotin die Cholesterin-, Blutzucker- und Fettspiegel des Blutes gesenkt werden konnten.

Quellen
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Mangan

Das lebenswichtige Spurenelement Mangan aktiviert 60 verschiedene Enzyme im Körper. Obwohl der Mensch täglich nur winzige Mengen Mangan braucht, so sind die Wirkungen des Spurenelements beträchtlich. Der menschliche Körper enthält etwa 10 – 20 mg Mangan, entsprechend ca. 0,1 – 0,3 ppm, das meiste davon ist in den Knochen gebunden, aber auch die Nieren und die Leber fungieren als Manganspeicher. Mangan muss also über die Nahrung zugeführt werden, der Körper kann es nicht selber bilden. Generell ist Mangan wichtig für den Stoffwechsel von Fetten und Kohlenhydraten, die Entwicklung des zentralen Nervensystems, Blutgerinnung, Entgiftung freier Radikale, Bildung von Knochengewebe und Spermien.

Weitere Funktionen von Mangan

  • Antioxidativen Zellschutz über das Enzym Superoxid-Dismutase in den Mitochondrien. Eine ausreichende Manganzufuhr kann vor Zell-, Mitochondrien- und Zellkernschädigungen durch Oxidationsprozesse schützen, indem die Auswirkungen von freien Radikalen auf Zellstrukturen reduziert werden.
  • Prothrombin-Bildung zur Hemmung der Blutgerinnung
  • Aufbau von Knorpel- und Knochengewebe beteiligt, indem das Enzym Glykosyltransferase aktiviert wird, welches an der Proteoglykanbildung beteiligt ist. Proteoglykane stabilisieren den Zellzwischenraum von Knorpel und Knochen. Hier bilden sie große Komplexe, z. B. Fasereiweiße wie Kollagen.
  • Gluconeogenese, zur Bildung von Glukose aus organischen Vorstufen wie Pyruvat
  • Cofaktor von Enzymen zum Abbau von Aminosäuren (Amino- und Carboxypeptidasen)
  • Entgiftung von Ammoniak im Harnstoffzyklus
  • Bildung und Ausschüttung von Insulin.

Ein Manganmangel kommt äußerst selten vor. Aus präklinischen Studien ist jedoch bekannt, dass Manganmangel zu Knochenveränderungen und Unfruchtbarkeit führen kann. Zudem wird ein Zusammenhang zwischen einer zu geringen Manganzufuhr und einer teilweisen Insulinresistenz der Körperzellen diskutiert.

Eine ausgewogene Ernährung liefert Mangan in ausreichenden Mengen. Besonders viel Mangan enthalten pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Getreide und Getreideprodukte, Nüsse, Tee, grünes Blattgemüse und verschiedene Kohlsorten. Tierische Lebensmittel liefern im Allgemeinen weniger Mangan. Zu den bekannten Mangan-Mangelsymptomen gehören Wachstumsstörungen, Gerinnungsstörungen, Knochen- und Knorpeldeformationen, oxidativer Stress, Störungen der Spermienbildung und Gerinnungsstörungen.

Quellen
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Selen

Selen ist ein essentielles Spurenelement. Es ist in Selenocystein enthalten, die Aminosäure im aktiven Zentrum des Enzyms Glutathionperoxidase. Dadurch kann Selen eine wichtige Rolle beim Schutz der Zellmembranen vor oxidativer Zerstörung spielen. Selen ist ebenfalls Bestandteil anderer Enzyme, deren Bedeutung zum Teil noch nicht geklärt ist.

In den 50er Jahren wurden in der Tiermedizin Selendefizite bei schwachen Kälbern festgestellt. Später wurde berichtet, dass Selen der Muskeldystrophie von Lämmern vorbeugt. Eine vorrangige Rolle des Selens ist im Glutathionperoxidase-System (GSH-Px) zu finden. Das GSH-Px zerstört die während des normalen Fettstoffwechsels gebildeten Peroxide (radikale Sauerstoffverbindungen), die, wenn sie ungehindert in der Zelle verbleiben, Zellwände, Mitochondrien und Gene schädigen können. Selen ist auch an der Entgiftung von Medikamenten oder Toxinen beteiligt. Das sogenannte Selenoprotein P bildet mit potentiell kanzerogenen Schwermetallen wie Quecksilber, Cadmium oder Arsen stabile Metallselenide, die im Magen-Darm-Trakt nicht resorbiert werden können und somit ausgeschieden werden. Die selenabhängigen Peroxidasen sind vor allem in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und den Fresszellen (Phagozyten) vorhanden. Selen spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion der Schilddrüsenhormone, genauer bei der „Aktivierung“ des Schilddrüsenhormons von Thyroxin (T4) zu Trijodthyronin (T3).

Selen ist Bestandteil eines Enzyms, der Thyroxin-5‘-Dejodase, die für die Entfernung eines Jodatoms aus T4 verantwortlich ist. Durch diese Dejodierung entsteht T3. Ein Selenmangel führt zu einem Mangel an Thyroxin-5‘-Dejodase, wodurch nur noch ein Teil des verfügbaren T4 dejodiert werden kann. Da T3 im Stoffwechsel wirksamer ist, resultiert aus einem T3-Mangel eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Eine zusätzliche Einnahme von Selenpräparaten (Natriumselenit) in hohen Dosen von 200 – 300 μg täglich ist nach ärztlicher Abklärung z. B. bei Hashimoto-Thyreoiditis angezeigt, dies kann auch die Entzündungsaktivität reduzieren. Ist die Selenzufuhr unzureichend, kommt es zur Erhöhung des Verhältnisses T4 zu T3 im Serum, was mit Funktionsstörungen der Schilddrüse einhergehen kann.

Selen soll zudem als Aktivator des Immunsystems dienlich sein. Daraus ergibt sich möglicherweise seine tumorhemmende Wirkung. Dies wurde mittlerweile in zahlreichen Studien belegt.

  • Bildung von Abwehreiweißen (Antikörper, vor allem Immunglobulin G), gamma-Interferon (Eiweiß, das v. a. antivirale und antitumorale Wirkung entfaltet) und des Tumor-Nekrose-Faktors TNF. TNF ist ein Signalstoff (Zytokin) des Immunsystems, welcher bei lokalen und systemischen Entzündungen beteiligt ist. TNF wird hauptsächlich von Makrophagen (größte Fresszellen, Abwehrzellen) ausgeschüttet. TNF kann den Zelltod (Apoptose), die Zellproliferation, Zelldifferenzierung und Ausschüttung anderer Zytokine anregen. Es löst Fieber aus und ist an der Entstehung der Kachexie bei bestimmten Krankheiten beteiligt.
  • Hemmung der Aktivität von Suppressorzellen (gehören zur Klasse der Abwehrzellen und haben eine das Immunsystem bremsende Wirkung)
  • Erhöhung der Aktivität der Immunzellen, wie der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) und zytotoxischen T-Lymphozyten
  • Erhöhung der Aktivität der Granulozyten, Steigerung der Phagozytose und Anregung der Produktion von Interferon in humanen Lymphozyten

Im Rahmen der neuerlichen Auswertung von Daten einer Studie kam Saverio Stranges von der Universität in Buffalo zu dem Ergebnis, dass von den 600 Patienten, die Selen einnahmen (tägl. 200 µg), nach fast acht Jahren etwa zehn Prozent an Typ 2-Diabetes erkrankt waren. Bei der Placebo-Kontrollgruppe waren es lediglich sechs Prozent. Bis dato wurde noch keine potentielle Ursache für das erhöhte Diabetes-Risiko gefunden. Hohe Selenkonzentrationen im Blut korrelieren mit dem Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Selen und Selenverbindungen sind giftig. Direkter Kontakt schädigt die Haut (Blasenbildung) und Schleimhäute. Eingeatmetes Selen kann zu langwierigen Lungenproblemen führen. Eine Vergiftung durch übermäßige Aufnahme von Selen wird als Selenose bezeichnet. Eine Selen-Aufnahme von mehr als 3.000 µg/Tag kann zu Leberzirrhose, Haarausfall und Herzinsuffizienz führen. Beschäftigte in der Elektronik-, Glas- und Farbenindustrie gelten als gefährdet. Nach anderen Quellen treten schon ab 400 µg/Tag Vergiftungserscheinungen auf wie Übelkeit und Erbrechen, Haarverlust, Nagelveränderungen, periphere Neuropathie und Erschöpfung.

An Hand der hier vorliegenden Daten wird deutlich, dass Verabreichungen von Selen (und anderer Mikro-Makronährstoffe) durch Laboruntersuchungen dokumentiert werden sollten, um sowohl eine Unterversorgung wie auch eine potentiell toxische Überversorgung auszuschließen.

In den Protokoll-Lösungen wird Selen in Form des anorganisch gebundenen Natriumselenits eingesetzt. Dies hat den Vorteil, dass es nach der Resorption sofort und vollständig bioverfügbar ist und somit umgehend zur Selenoproteinsynthese eingesetzt werden kann. Allerdings unterliegt Natriumselenit ab einer Selendosis von 100 µg der Verschreibungspflicht, weshalb die Protokoll N-Lösung optimiert der Rezeptpflicht unterliegt (100 µg Natriumselenit enthalten), während die Protokoll HP-Lösung optimiert und die Protokoll Forte-Lösung optimiert nicht verschreibungspflichtig sind (nur 50 µg Natriumselenit enthalten).

Quellen
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Zink

Zink ist ein essentielles Spurenelement, das für Wachstum, Entwicklung und die Aufrechterhaltung der Immunfunktion von entscheidender Bedeutung ist. Das Wissen über Zinkhomöostase, Zinkmangel und verwandte Krankheiten ist jedoch vergleichsweise neu. 1963 wies Dr. Prasad zum ersten Mal die Existenz eines Zinkmangels beim Menschen nach. Seitdem hat sich das Wissen über Zink rasch weiterentwickelt und molekulare Mechanismen aufgedeckt, die für die Regulierung der Zinkhomöostase beim Menschen unerlässlich sind. Seine Bedeutung als strukturelle Komponente in Proteinen und seine Beteiligung an zahlreichen zellulären Funktionen umfassen unter anderem die Zellproliferation und -differenzierung, die RNA- und DNA-Synthese, die Stabilisierung von Zellstrukturen/ Membranen sowie die Redoxregulation und die Apoptose. Sein Einfluss erreicht alle Organe und Zelltypen, stellt einen integralen Bestandteil von etwa 10 % der Gesamtheit menschlicher Proteine dar und umfasst Hunderte von Schlüsselenzymen und Transkriptionsfaktoren. So nimmt es eine Schlüsselrolle im Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel ein und ist beteiligt am Aufbau der Erbsubstanz und beim Zellwachstum. Sowohl das Immunsystem, als auch viele Hormone benötigen Zink für ihre Funktionen.

Zink ist an verschiedenen metabolischen und chronischen Krankheiten wie Typ-1-Diabetes, rheumatoider Arthritis, Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen und Depressionen beteiligt. Darüber hinaus gibt es auch starke Hinweise auf einen Zinkmangel und verschiedene Infektionskrankheiten wie Shigellose, akute kutane Leishmaniose, Malaria, humanes Immundefizienz-Virus (HIV), Tuberkulose, Masern und Lungenentzündung.

Zinkmangel ist auffallend häufig und betrifft bis zu einem Viertel der Bevölkerung in Entwicklungsländern, aber auch unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in der entwickelten Welt aufgrund von Lebensstil, Alter und krankheitsbedingten Faktoren. Folglich ist der Zinkstatus ein kritischer Faktor, der die antivirale Immunität beeinflussen kann, zumal zinkarme Bevölkerungen oft am stärksten gefährdet sind, Virusinfektionen wie HIV oder das Hepatitis-C-Virus zu bekommen. Es wurden klinische Untersuchungen durchgeführt zur Zink-Supplementierung bei Patienten mit Zinkdefizit bei verschiedenen Erkrankungen (virale, bakterielle und parasitäre Infektionen oder Autoimmunerkrankungen). Obwohl es sehr viele Belege dafür gibt, dass eine kontrollierte Zinksupplementierung chronische Entzündungen und andere zinkmangelbedingte Erkrankungen verhindern oder Symptome verbessern kann, fällt die Zinksupplementierung bisher nicht in die gängige medizinische Praxis bei Risikopersonen/Populationen.

Zink erfüllt verschiedene Funktionen während einer Immunreaktion, und seine Homöostase ist für die Aufrechterhaltung einer ordnungsgemäßen Immunfunktion von entscheidender Bedeutung. Zinkmangel spielt eine wichtige Rolle bei Entzündungen, wobei hauptsächlich die Entzündungsreaktion sowie die Schädigung des Wirtsgewebes durch den Zinkmangel erhöht wird. Zink ist an der Modulation der proinflammatorischen Reaktion beteiligt, indem es auf den Nuklearfaktor Kappa B (NF-κB) wirkt, einen Transkriptionsfaktor der als Hauptregulator der proinflammatorischen Reaktion bekannt ist. NF-κB ist auch an der Kontrolle von oxidativem Stress und der Regulierung entzündlicher Zytokine beteiligt.

In den letzten 50 Jahren hat sich eine Fülle von Beweisen angesammelt, die die antivirale Aktivität von Zink gegen eine Vielzahl von Viren und über zahlreiche Mechanismen belegen. Die therapeutische Anwendung von Zink bei Virusinfektionen wie dem Herpes-simplex-Virus und Erkältungen hat sich aus diesen Erkenntnissen ergeben.

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Magnesium

Magnesium nimmt unter den Mineralstoffen eine Schlüsselrolle ein. Es ist für alle Organismen unentbehrlich und kann nicht selbst produziert werden. Daher muss es dem Körper täglich in ausreichender Menge zugeführt werden. In allen Nahrungsmitteln und auch im Trinkwasser ist Magnesium in unterschiedlichen Mengen enthalten. Der Körper eines Erwachsenen enthält etwa 20 g Magnesium (zum Vergleich: 1.000 g Calcium). Magnesium aktiviert im Körper mehr als 300 Enzyme, dabei befindet sich der größte Teil des Magnesiums im Intrazellulärraum. Das Magnesium hat verschiedene Funktionen im menschlichen Körper. Es ist der natürliche Gegenspieler des Calciums und hilft bei der Regelung der Erregbarkeit der Zellen. Magnesium-Ionen sind notwendig, um das Zellwandpotential (auch Membranpotential genannt) aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Dies ist die elektrische Spannung, die zwischen der Innen- und Außenseite einer Biomembran vorhanden ist. Daraus ergibt sich eine selektive Leitfähigkeit für eine oder mehrere Ionensorten. So können Stoffe in die Zelle transportiert oder aus der Zelle in den extrazellulären Raum befördert werden. Dabei stabilisiert Magnesium auch die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen. Es sorgt dafür, dass sich die Muskelzellen nach der Kontraktion wieder entspannen. Magnesium ist auch wichtig für den Aufbau und die Stabilisierung von Knochen und Zähnen und erfüllt weitere Funktionen im Körper:

  • Im mitochondrialen Energiestoffwechsel wird Magnesium zur Bildung des universellen Energieträgers ATP benötigt. Daher ist Magnesium unabdingbar für die vollständige energetische Verwertung von Nährstoffen (Kohlenhydrate, Fette, Proteine).
  • Wichtig ist Magnesium auch zur Mineralisierung der Knochen und zum Aufbau der Knochenmatrix. Man schätzt, dass die Knochen etwa 55 % des gesamten Magnesiums des Körpers enthalten.
  • Im Herz-Kreislaufsystem wird Magnesium benötigt für die Vasodilatation koronarer und peripherer Gefäße, sowie der Verringerung der Thrombozytenaggregation.
  • Magnesium ist der Gegenspieler von Calcium und kontrolliert den Einstrom von Calcium in die Zellen. Dies ist besonders wichtig für den Ablauf von Muskelkontraktionen und den Gefäßmuskeltonus.
  • Mittels Magnesium wird die zelluläre Signalübertragung von Hormonen und Neurotransmittern geregelt.

Mögliche Ursachen für einen Magnesiummangel können sein: eine ungenügende Zufuhr zum Beispiel durch Alkoholismus, Resorptionsstörungen im Magen- Darm-Trakt, Verluste durch chronisches Erbrechen, Durchfall, Einnahme bestimmter Diuretika, hormonelle Störungen bei Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, Aldosteronüberproduktion. Magnesiummangel löst beim Menschen Ruhelosigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsmangel, Müdigkeit, allgemeines Schwächegefühl, Herzrhythmusstörungen und Muskelkrämpfe aus. Im Bereich von Psyche und Stoffwechsel wird vermutet, dass auch Depressionen und schizophrene Psychosen durch einen Magnesiummangel verstärkt werden. Auch zum Herzinfarkt kann es durch Magnesiummangel kommen (Verkrampfung der Blutgefäße).

Leichter Magnesiummangel kann während schweren Erkrankungen, Schwangerschaft oder im Leistungssport auftreten. Schwere Mangelzustände rühren von Nierenfunktionsstörungen, langandauerndem Durchfall, chronischen Darmentzündungen, schlecht eingestelltem Diabetes mellitus, Kortikoiden (z. B. Kortison) und bestimmten Diuretika. Magnesium wird bei Dosierungen von 400 bis 800 mg die Eigenschaft zugesprochen, einem beschleunigten Telomeraseabbau entgegenzuwirken. Zu viel Magnesium findet sich praktisch ausschließlich bei Patienten mit schwerem Nierenversagen.

Quellen:
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Calcium

Calcium ist definitionsgemäß mit mehr als 50 mg pro kg Körpergewicht kein Spurenelement. Es ist eines der häufigsten Mineralien im menschlichen Körper, über 90 % des im Körper vorkommenden Calciums befinden sich in Knochen und Zähnen (für deren Festigkeit Calcium mit verantwortlich ist), sowie in Muskeln und Nerven. Der Calciumspiegel im Serum wird durch drei Hormone reguliert: Parathormon, Calcitonin und Calcitriol. Die Hauptfunktion des Parathormons besteht darin, eine ausreichende Calcium-Konzentration im Blutplasma und in den Körpergeweben zu gewährleisten. Das geschieht mittels Calciumverlagerung und Kontrolle der Calciumausscheidung. Parathormon führt indirekt zur Reifung und Aktivierung der Osteoklasten und damit zu einer Calcium-Phosphat-Mobilisierung aus dem Knochengewebe. Calcitonin ist der Gegenspieler des Parathormons und hat eine calciumsenkende Wirkung. Es hemmt die Calciumfreisetzung aus dem Knochen (durch Reduzierung der Aktivität der Osteoklasten), fördert die Calciumausscheidung über die Niere und setzt die Calciumresorption im Darm herab. Der Calciumspiegel wird kontinuierlich von „Calcium-Sensoren“ (bestimmte Rezeptor-Moleküle) der Nebenschilddrüse überwacht, um die Freisetzung des Parathormons engmaschig zu regulieren. Weitere Vorgänge im gesamten Körper sind auf ausreichende Calcium-Konzentrationen angewiesen:

  • In der Muskulatur wird Calcium für die Muskelkontraktion benötigt, erst der Einstrom von Calcium-Ionen in die Muskelzellen führt zu einer Kontraktion der Muskulatur.
  • Im Nervensystem wird Calcium zur Reizübertragung benötigt, durch den extrazellulären Calcium-Einstrom während eines Reizes werden die Neurotransmitter an Synapsen freigesetzt.
  • Eine intakte Schleimhaut (z. B. Darmschleimhaut) benötigt Calcium zum Wachstum und zur Differenzierung der Epithelzellen.
  • Als Cofaktor wird Calcium für enzymatische Reaktionen benötigt (z. B. beim Abbau der Glukose).
  • Calcium aktiviert das Blutgerinnungssystem, durch Komplexbildung mit Phospholipiden und Gerinnungsfaktoren.
  • Zellmembranen werden durch Calcium stabilisiert, die Differenzierung und Vermehrung von Zellen gefördert.
  • Endokrine Drüsen benötigen Calcium zur Hormonausschüttung, z. B. Insulin aus den pankreatischen ß-Zellen.

Bei einem Mangelzustand kann ein Teil des Calciums aus den Knochen gelöst und für andere Stoffwechselaufgaben zur Verfügung gestellt werden. Auch bei Azidosezuständen (Übersäuerungszuständen) wird Calcium vermehrt zu Pufferzwecken aus dem Knochen gelöst, weshalb der Säure-Basenstatus anerkanntermaßen als Risikofaktor für die Osteoporose („Knochenentkalkung“) gilt.

Calcium-Störungen können die Folge vieler Krankheiten oder Therapien sein, welche die Hormonsekretion, die Rezeptorempfindlichkeit, die intestinale Absorption und die Nierenwirksamkeit beeinflussen. Eine erniedrigte Calciumkonzentration liegt zum Beispiel bei niedriger Albumin- bzw. Eiweißkonzentration, Vitamin-D-Mangel, Malabsorptionssyndrom, Niereninsuffizienz, Hypoparathyreoidismus u. ä. vor. Erhöht ist die Calciumkonzentration hingegen bei Hyperparathyreoidismus, Tumoren, Flüssigkeitsverlust, Vitamin-A- und D-Überdosierung, Sarkoidose, Hyperthyreose oder Morbus Addison.

Indikationen für eine Supplementierung mit Calcium besteht z. B. bei Knochenbrüchen, Osteoporose, Multipler Sklerose, in Schwangerschaft und Stillzeit, beim prämenstruellen Syndrom, Bluthochdruck, Allergien, Bleivergiftungen. Auch bei verschiedenen Medikamenten kann eine Indikation für die Supplementierung mit Calcium bestehen (z. B. Glucocorticoude, Bisphosphonate, Aromatasehemmer oder Antiepileptika).

Diese Lebensmittel sind besonders reich an Calcium (angegeben ist der Calcium-Gehalt in mg/100 g Lebensmittel):

Mohn   2.500
Hartkäse   1.100 bis 1.300
Sesam   800
Hanfsamen   150 bis 950
Schnittkäse   500 bis 1.100
Brennnesseln   360
Weichkäse   300 bis 500
Getrocknete Feigen   250
Mandeln, Haselnüsse und Amaranth   200 bis 250
Grünkohl, Petersilie   200 bis 250
Brunnenkresse, Löwenzahn und Rucola   150 bis 200
Paranüsse   170
Milch, Joghurt und Kefir   100 bis 150
Chinakohl, Fenchel, Broccoli, Meerrettich   100 bis 150
Molke   70 bis 100
Bleichsellerie   80
Gekochte Sojabohnen   70
Hafermehl und Sonnenblumenkerne   50
Vollkornbrot   50
Rote Rüben   20
Bananen   8
Mineralwasser   2 bis > 50

Quellen
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Kalium

Kalium ist das wichtigste und mengenmäßig am häufigsten vorkommende Kation im intrazellulären Raum des menschlichen Körpers. Dabei besteht in vielen Geweben ein steiles Gefälle der Kaliumkonzentration zwischen dem Zellinneren und der extrazellulären Flüssigkeit. Im Zellinneren ist die Kaliumkonzentration hoch (etwa 5,7 g/l Kalium). Im Zellzwischenraum gibt es nur wenig Kalium (0,15 und 0,2 g/l Kalium). Die hohe Kaliumkonzentration im Zellinneren erhält den intrazellulären osmotischen Druck aufrecht, somit gelangt genügend Wasser in die Zelle. Natrium ist der „Gegenspieler“ von Kalium, und sein Konzentrationsgefälle verläuft in die entgegengesetzte Richtung. Diese gegenläufigen Konzentrationsgradienten werden durch einen aktiven Transportmechanismus in der Zellmembran aufrechterhalten, der sogenannten Natrium-Kaliumpumpe. Zahllose Transportvorgänge in die Zelle hinein und aus der Zelle heraus werden durch den Gradienten von Kalium und Natrium „angetrieben“. Kalium ist demnach für die Elektrizität der Zellmembranen beziehungsweise die Zellerregbarkeit von Bedeutung und erfüllt viele Funktionen im menschlichen Körper:

  • Die Erregung von Nerven- und Muskelzellen benötigt Kalium für die neuromuskuläre Reizbarkeit und Muskelkontraktionen.
  • Kalium ist auch für den Energiestoffwechsel des Herzens wichtig, für die Reizbildung, Reizweiterleitung und Kontraktion.
  • Die Speicherung chemischer Energie in Form von ATP und der Aufbau des Glykogens als muskulärem Glukosespeicher benötigen Kalium.
  • Kalium ist zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks notwendig.
  • Im Säure-Basenhaushalt beeinflusst Kalium die Säureausscheidung über die Nieren.
  • Verschiedene Enzymsysteme der Glykolyse, Glykogensynthese, des Proteinstoffwechsels und der oxidativen Phosphorylierung benötigen Kalium.
  • Für den Insulinstoffwechsel und die Verwertung von Kohlenhydraten wird Kalium benötigt.
  • Der Transport mancher Stoffe (z. B. Glukose, Aminosäuren) durch die Epithelien von Niere und Darm benötigt Kalium.

Bei Patienten mit Bluthochdruck konnte die Gabe von Kalium (bis zu 220 mmol täglich) erhöhte Blutdruckwerte signifikant senken; Blutdruckmedikamente konnten unter Kaliumgabe reduziert werden. Manche Medikamente beschleunigen die Kaliumausscheidung, zum Beispiel Entwässerungstabletten wie Furosemid oder verschiedene Abführmittel. Darüber hinaus schwankt der Serum-Kaliumspiegel aber auch infolge von Schwankungen im Säure-Basen-Haushalt. Durchfälle, Resorptionsstörungen des Darmes wie Nierenerkrankungen können zu Kalium- und Natrium-Verlusten wie Dysbalancen führen. Da Kalium und Natrium als Gegenspieler fungieren, kann die zu hohe Aufnahme von natriumhaltigem Speisesalz zu reduzierten Kaliumwerten führen oder dessen Funktion beeinträchtigen. Erniedrigte Kaliumwerte ergeben sich zum Beispiel nach Durchfall, Erbrechen, Einnahme von Diuretika oder Kortikoiden, perniziöser Anämie oder Alkalose. Erhöht ist die Kaliumkonzentration hingegen bei Nierenfunktionsstörungen, Mineralcortikoidmangel, Einnahme mancher Medikamente (z. B. kaliumsparende Diuretika, ACE-Hemmer, Heparin u. ä.), Hämolyse, Azidose. Ein dauerhaftes Verschieben der Kalium-Konzentrationen kann bei erhöhter K+-Konzentration in der Anspannungsphase des Herzens zum Herzstillstand führen.

Kalium ist ein essentieller Mineralstoff, der tägliche Bedarf des Menschen liegt bei ungefähr zwei Gramm. Diese Lebensmittel sind besonders reich an Kalium (angegeben ist der Kalium-Gehalt in mg/100 g Lebensmittel):

Sojabohne (getrocknet)   1.800
Aprikosen (getrocknet)   1.370
Weizenkleie   1.350
Pistazie   1.020
Tomatenmark   1.014
Rote-Bete-Blätter (gekocht)   909
Linsen   840
Rosinen   749
Mandeln   705
Orangensaftkonzentrat   674
Erdnuss   658
Datteln   656
Sojamilch   638
Esskastanien   (geröstet) 592
Buchweizenmehl   (Vollkorn) 577
Cashew   565
Pommes frites (Pflanzenöl)   550
Kartoffeln (ungeschält, gebacken)   535
Sojabohnen (gekocht)   515
Avocado   485
Grapefruitsaft (weiß)   484
Spinat (gekocht)   466
Kochbananen (gekocht)   464
weiße Bohnen   454
Tomatenpüree   439
Kidneybohnen (gekocht)   402

Quellen:
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Vitamin A

Vitamin A ist ein allgemeiner Begriff, der verschiedene fettlösliche Verbindungen umfasst, die im Körper ähnlich wirken. Dazu gehören z. B. Retinol, Retinal, Retinsäure, Retinoide und deren Metaboliten. Sie sind essentiell für das Sehvermögen, zelluläres Wachstum und Differenzierung (z. B. Immunzellen), die epitheliale Barrierefunktion der Schleimhäute und die Embryonalentwicklung. Auch das Provitamin Beta-Carotin gehört dazu, welches als Vorstufe im Körper in aktives Vitamin A umgewandelt wird.

Weltweit ist der Vitamin-A-Mangel ein erhebliches Problem der öffentlichen Gesundheit. In Ländern mit hoher Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren gilt die Vitamin-A-Supplementierung als eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Morbiditäts- und Mortalitätsrate aufgrund vermeidbarer Krankheiten deutlich zu senken. Sie gilt als eine der kosteneffektivsten Interventionen zur Verbesserung der Überlebensrate von Kindern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich 3 Millionen Kinder einen klinischen Vitamin-A-Mangel entwickeln. Vitamin-A-Supplementierung wird zur Behandlung von Masern, Xerophthalmie (Austrocknung von Kornea und Konjunktiva), schwerer Unterernährung und zur Vorbeugung von Mangelerscheinungen bei schwangeren Frauen eingesetzt, die in Gebieten mit Vitamin-A-Mangel leben. Die Behandlung der Xerophthalmie ist von besonderem Interesse, da sie eine der wenigen Krankheiten ist, die auf Vitaminmangel zurückzuführen ist und in manchen unterentwickelten Ländern epidemische Ausmaße erreicht. Eine ausreichende Vitamin-A-Supplementierung des Auges kann auch Nachtblindheit verhindern.

Ein erhöhter Bedarf besteht bei Kindern mit rezidivierenden Infekten, Neugeborenen, sowie in Schwangerschaft, Stillzeit und Wachstum. Bei Fieber, Stress, Operationen, Malabsorption, Maldigestion, chronischem Alkohol- oder Nikotinabusus und chronischen Infekten. Veganer sollten stets auf ihren Vitamin-A-Spiegel achten. Vitamin A wird über die Nahrung in zwei Formen aufgenommen. Retinol und Retinylester werdem aus tierischen Quellen wie Fleisch, Milchprodukten und Fisch aufgenommen. Provitamin A (Beta-Carotin) wird aus buntem Obst und Gemüse aufgenommen. Beide Formen von Vitamin A müssen nach der Absorption in Retinal und Retinsäure umgewandelt werden, um biologische Prozesse zu unterstützen. Insbesondere Leber und Seefisch sind reich an Vitamin A. Aber auch Eier, Milch und Milchprodukte enthalten Vitamin A. Beta-Carotin (die Vorstufe von Vitamin A) befindet sich speziell in grünen, gelben und roten Gemüse- und Obstsorten wie Karotten, Spinat, Brokkoli, Paprika, Kirschen oder Grapefruit. Die Vitamin-A-Supplementierung kann oral oder intramuskulär verabreicht werden. Die Absorption von oralem Vitamin A wird durch eine fetthaltige Mahlzeit aufgrund seiner fettlöslichen Beschaffenheit verbessert.

Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Vitamin A (die Angaben beziehen sich auf den Gehalt an Vitamin A pro 100 g Lebensmittel).

Leber (Kalb)   23,9 mg
Grünkohl   1,5 mg
Karotte   2,2 mg
Leberwurst, grob   8,3 mg
Petersilie   5,9 mg
Getrocknete Aprikosen   1,2 mg
Wirsing   4,7 mg
Dill   4,5 mg
Palmöl   4,3 mg
Feldsalat   0,7 mg
Paprika rot   0,5 mg
Chicorée   0,6 mg
Spinat   1,6 mg
Hühnereigelb (trocken)   1,1 mg
Aal, geräuchert   0,9 mg

Ein Überschuss an natürlichem oder synthetischem Vitamin A kann zu einem breiten Spektrum an unerwünschten Wirkungen führen. Akute Vitamin-A-Toxizität kann bei einer einmaligen Einnahme von 25.000 IE/kg oder mehr auftreten. Zu den Anzeichen und Symptomen gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Lethargie, Schläfrigkeit, erhöhter Hirndruck und Hautveränderungen wie Erytheme, Pruritus oder Schuppung. Vitamin-A-Toxizität, auch bekannt als Hypervitaminose A, wird häufiger mit dem Missbrauch von Vitamin-A-Präparaten in Verbindung gebracht. Die Menge an Vitamin A, die erforderlich ist, um bei einzelnen Personen Toxizität zu verursachen, variiert je nach Alter und Leberfunktion.

Die Funktionen von Vitamin A:

  • Vitamin A ist am Sehvorgang beteiligt und besonders für das Sehen in der Nacht wichtig. Retinal ist Teil des Sehpurpurs (Rhodopsin) in der Netzhaut. Dieses ist in den Sehzellen (Stäbchen) vorhanden, die für die Unterscheidung zwischen Hell und Dunkel zuständig sind. Somit wird durch Vitamin A die Umwandlung von Lichtreizen in neuronale Reize vermittelt.
  • Zahlreiche Vorgänge im Immunsystem werden durch Vitamin A reguliert. Es vermittelt den Schutz von Haut und Schleimhäuten als erste Abwehrbarriere für Bakterien, Viren und Parasiten. Die Funktion von Neutrophilen, Makrophagen und natürlichen Killerzellen wird durch Vitamin A reguliert. Auch die adaptive Immunität benötigt Vitamin A, zur Entwicklung von T-Helferzellen und B-Zellen, Produktion von Antikörpern und Regulation der Th1/TH 2-Immunantwort. Die normale Immunfunktion wird durch Vitamin-A-Mangel unterdrückt, sowie auch durch Infektionskrankheiten, die die Retinolkonzentration im Serum vorübergehend beeinträchtigen. Insbesondere Vitamin-A-Mangel ist als Risikofaktor für das Masernvirus bekannt, einer Hauptursache für Morbidität und Mortalität im Kindesalter in Entwicklungsländern. Megadosen (200.000 IU für zwei Tage) an Vitamin A senken nachweislich die Gesamthäufigkeit von Todesfällen im Zusammenhang mit Masern.
  • Vitamin A wirkt bei der Fortpflanzung mit, indem es bei der Produktion von Testosteron eine Rolle spielt, bei der Entwicklung von Samenzellen, Plazenta und der Reifung des Fötus. Generell ist Vitamin A auch für die gesunde Entwicklung im Kindesalter notwendig, insbesondere der Augen, Geschlechtszellen, Lymphgefäße, Haut, Haare, Zähne, Knochen und Schleimhäute.
  • Vitamin A ist beteiligt an der Proliferation und Differenzierung von Schleimhäuten (zum Beispiel Mund, Lunge, Darm, Uterus), Haut und Knochengewebe. Der Aufbau und die Regeneration der Haut werden von Retinol unterstützt, welches in der Haut zu Vitamin-A-Säure (Retinsäure) umgewandelt wird. Sie trägt zum Erhalt der Elastizität der Haut bei, daher ist Retinol oftmals als Inhaltsstoff von Hautcremes und –seren vorzufinden.
  • Im Hormonstoffwechsel wird Vitamin A benötigt zur Bildung von Schilddrüsenhormonen und Steroidhormonen (zum Beispiel Testosteron).
  • Weitere Funktionen von Vitamin A bestehen im Eisentransport (Mobilisation, Inkorporation), der Erythrozytenproduktion, bei der Entgiftung in der Leber, der Synthese des Myelins von Nervenzellen im ZNS, beim Hören und Riechen, in der Protein-, Fett- und Glykoproteinsynthese. Nicht nur in den Augen schädigt Vitamin-A Mangel die Epithelien, sondern auch im Verdauungstrakt und dem Urogenitaltrakt.
  • Antioxidative Schutzfunktionen werden auch über Vitamin A vermittelt. Beta-Carotin, die Vorstufe von Vitamin A, hilft gegen freie Radikale, die Zellen und das Erbmaterial DNA schädigen können. Beta-Carotin hat eine antioxidative Wirkung, kann also dabei helfen, die freien Radikale zu „entschärfen“.
  • Man geht heute auch davon aus, dass ein Mangel an Vitamin A eine Rolle bei der Transformation gesunder Zellen in Krebszellen spielt, zumal Vitamin A Enzyme und Proteine beeinflusst, die bei der Bildung von Tumoren eine Rolle spielen. Bisherige Studien haben keine ausreichenden Daten ergeben, um eine starke Korrelation zwischen Vitamin A und Krebsprävention in allen Populationen zu belegen. Eine Supplementierung in gut versorgten Bevölkerungen hat keinen zusätzlichen Nutzen für die Krebsprävention ergeben. Eine Supplementierung in Bevölkerungen mit Vitamin-A-Mangel, wie z. B. unterernährten oder tabakabhängigen Gruppen, kann jedoch die Krebsinzidenz verringern.

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Omega-6-Fettsäuren

Über die Omega-3-Fettsäuren wird viel geschrieben und geforscht. Im Gegensatz dazu, sind die Omega-6-Fettsäuren weniger bekannt. Sie werden generell als ungesunde oder „schlechte“ Fettsäuren betrachtet. Aber das ist nicht ganz richtig, denn auch Omega-6-Fettsäuren erfüllen im Körper wichtige Funktionen. Unter den Omega-6-Fettsäuren (manchmal auch als N-6-Fettsäuren oder ω-6-Fettsäuren bezeichnet) versteht man eine Familie von ungesättigten Fettsäuren, bei denen eine doppelte Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung am sechsten Kohlenstoffatom sitzt (während sie bei den Omega-3-Fettsäuren am dritten Kohlenstoffatom vorzufinden ist, vom Methylende der Fettsäuren aus gesehen). Ebenso wie die Omega-3-Fettsäuren sind auch manche der Omega-6-Fettsäuren essenziell. Sie müssen über die Nahrung zugeführt werden, weil der Körper sie nicht selbst herstellen kann.

Beispiele von Omega-6-Fettsäuren:

  • Arachidonsäure
  • Linolsäure
  • Docosadiensäure
  • Docosapentaensäure
  • Docosatetraensäure
  • Eicosadiensäure
  • Calendulasäure
  • Dihomogammalinolensäure
  • Gamma-Linolensäure
  • Tetracosapentaensäure
  • Tetracosatetraensäure

Viele Lebensmittel enthalten Omega-6-Fettsäuren. Insbesondere Speiseöle wie Traubenkernöl oder Hanföl sind reich an Omega-6-Fettsäuren. Darüber hinaus liefern einige Nüsse viele Omega-6-Fettsäuren. Eine ausreichende tägliche Zufuhr ist daher gut umsetzbar. Allerdings muss man beachten, aus welchen Lebensmitteln diese Omega-Fettsäuren stammen. Mit Fast Food und bei hohem Fleischkonsum nimmt man zu viele Omega-6-Fettsäuren auf, die den Körper belasten. Ein Ernährungsplan mit Nüssen, Samen sowie gesunden Ölen versorgt den Körper hingegen mit ausreichend Omega-6-Fettsäuren aus gesunden Quellen. Ein Mangel an Omega-6-Fettsäuren tritt nur bei einer ernsthaften und langfristigen Unterernährung auf. Typische Mangelerscheinungen sind eine erhöhte Infektanfälligkeit, gehemmte Wundheilung oder Blutarmut. Diese Mangelerscheinungen sind aber recht unspezifisch und können auch auf anderweitige Mangelerscheinungen oder Krankheiten hinweisen. Ein Übermaß an Omega-6-Fettsäuren kann für den Organismus schädlich sein und den Darm stark belasten. Eine erhöhte Aufnahme aus ungesunden Quellen kann Übergewicht verursachen. Es ist daher wichtig, Omega-6-Fettsäuren in Maßen zu konsumieren und dabei auf die optimale Kombination mit Omega-3-Fettsäuren zu achten. Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren (die Angaben beziehen sich auf den Gehalt an Omega-6-Fettsäuren pro 100 g Lebensmittel).

Traubenkernöl  70
Sonnenblumenöl  63
Hanföl  50
Walnüsse  34
Sonnenblumenkerne  22
Sojabohnen  10
Cashewkerne  8
Hühnerfleisch  4,5
Kuhmilch  4
Schweinefleisch  2,7
Rindfleisch  2,1
Eier  1,1

Omega-6-Fettsäuren, Entzündungen und das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren

Omega-6-Fettsäuren haben eine entzündungsfördernde Wirkung und gelten allgemein als Gegenspieler der entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren. Sofern man sich überwiegend mit „westlicher Ernährung“ versorgt, trägt die mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure wesentlich zu den Fettsäuren in den Membranen der an der Entzündung beteiligten Zellen bei. Sie ist eine Vorstufe proinflammatorischer Mediatoren, darunter die Prostaglandine und Leukotriene. Daher ging man bisher davon aus, dass eine erhöhte Aufnahme der Omega-6-Fettsäuren Arachidonsäure oder ihrer Vorstufe Linolsäure eine Entzündung verstärkt. Präklinische Studien haben zudem gezeigt, dass Omega-6-Fettsäuren eine tumorfördernde Wirkung haben. In einer aktuellen japanischen Kohortenstudie, in die 38.200 Frauen einbezogen wurden, ging der erhöhte Konsum von Omega-6-Fettsäuren mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einher.

Studien an gesunden Erwachsenen haben allerdings ergeben, dass eine erhöhte Aufnahme von Arachidonsäure oder Linolsäure die Konzentrationen vieler Entzündungsmarker nicht erhöht. Epidemiologische Studien haben sogar gezeigt, dass diese beiden Fettsäuren mit einer reduzierten Entzündung in Verbindung gebracht werden könnten. Ausschlaggebend für die pro- oder antiinflammatorische Wirkung ist nämlich das Verhältnis zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Viele Untersuchungen belegen, dass ein höheres Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren Entzündungen begünstigt und damit auch das Risiko von chronischen Entzündungssyndromen erhöht, einschließlich kardiovaskulärer Erkrankungen, Übergewicht und nichtalkoholischer Fettleber. Eine Ernährung die ein niedriges Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren berücksichtigt, ist daher auch aus präventivmedizinischer Perspektive sehr wichtig.

Typisch „westliche“ Ernährungsgewohnheiten führen zur Aufnahme hoher Mengen an Omega-6-Fettsäuren und viel zu geringer Mengen an Omega-3-Fettsäuren. Eine hohe Omega-6-Fettsäurezufuhr und ein hohes Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren-Verhältnis sind mit Gewichtszunahme verbunden, während eine hohe Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren das Risiko für die Gewichtszunahme reduziert. Ein stabiles Omega-6-/Omega-3-Verhältnis ist ein wichtiger ernährungsphysiologischer Faktor zur Meidung von Übergewicht und sollte bei der Ernährungsberatung übergewichtiger Patienten immer berücksichtigt werden. In der Evolution haben sich Menschen mit einer Ernährung entwickelt, bei der ein Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren von etwa 1 zu 1 bestand. Die heutige westliche Ernährung hat ein Verhältnis von 10 zu 1 bis sogar 25 zu 1, was eindrucksvoll verdeutlicht, dass die typische „westliche“ Ernährung einen massiven Mangel an Omega-3-Fettsäuren aufweist. Empfohlen wird ein Verhältnis zwischen Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren von etwa 3 – 5 zu 1. In der optimalen Kombination von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren wird die Herz-Kreislauf-Gesundheit unterstützt und das Risiko chronischer Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verringert. Eine Ernährung mit hohem Anteil an Omega-6-Fettsäuren verhindert die entzündungshemmende Wirkung der Omega-3-Fettsäuren. Die Interaktion von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren und ihren Lipidmediatoren im Zusammenhang mit Entzündungen ist komplex und noch nicht vollständig entschlüsselt.

Entzündungen sind ein normaler Prozess zur Abwehr und der Gewebeheilung. Eine übermäßige oder nicht abgeschlossene Entzündung kann jedoch zur chronischen Inflammation, Gewebeschäden und verschiedenen inflammatorisch bedingten Erkrankungen führen. Die Wundheilung ist ein in der Evolution stark konservierter Prozess, denn er ist für das Überleben unabdingbar. Sie wird in drei gleichzeitige und sich überlappende Phasen unterteilt: Entzündung, Proliferation und Re-Modellierung. Die Wundheilung umfasst vielerlei biochemische und zelluläre Ereignissen, die streng reguliert werden. Chronische Wunden und schlechtes Wundheilungsvermögen sind eine stille Epidemie, von der weltweit Milliarden Menschen betroffen sind. Neuere Studien untersuchen die Rolle von Immunnährstoffen wie Aminosäuren, Mineralien und Fettsäuren bei der Wundheilung. Unter den Fettsäuren wird den Omega-6-Fettsäuren viel Aufmerksamkeit geschenkt, da sie die Zellmigration und Zellproliferation, die phagozytische Kapazität, sowie die Produktion von Entzündungsmediatoren modulieren und daher die Wundheilung günstig beeinflussen könnten. Somit wird die Wirkung der Omega-6-Fettsäuren gelegentlich kontrovers diskutiert.

Neuere Daten belegen, dass eine kombinierte Supplementierung der Omega-6-Fettsäure Linolensäure mit manchen Omega-3-Fettsäuren das höchste Potenzial zur Verringerung von Entzündungsprozessen der Haut aufweist, was für die Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis, Psoriasis und Akne von erheblichem Vorteil sein könnte. Bei diesen Erkrankungen sollte eine ausgewogene Ernährung und eine zusätzliche entzündungshemmende Supplementierung gezielt eingesetzt werden. Diese Empfehlung kann aber auch allgemein ausgesprochen werden, um die Hautgesundheit zu erhalten und zu verbessern.

Quellen
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Omega-3-Fettsäuren

Fettsäuren sind Bausteine natürlicher Fette und Öle. Sie bestehen meist aus einer unterschiedlich langen Molekülkette und können gesättigt oder ungesättigt sein. Je nach ihrer Länge werden sie eingeteilt in kurzkettige Fettsäuren (1 bis 8 Kohlenstoff-Atome), auch bekannt als „short chain fatty acids“ (SCFA); mittelkettige Fettsäuren (6 bis 12 Kohlenstoff-Atome) – auch bekannt als „middle chain fatty acids“ (MCFA) und langkettige Fettsäuren (13 bis 21 C-Atome) – auch bekannt als „long chain fatty acids“ (LCFA). Besonders lange Fettsäuren mit mehr als 22 Kohlenstoff-Atomen werden als „very long chain fatty acids“ (VLCFA) bezeichnet.

Zusätzlich werden Fettsäuren auch nach ihrem Sättigungsgrad unterteilt. Gesättigte Fettsäuren haben keine chemischen Doppelbindungen zwischen benachbarten Kohlenstoff-Atomen. Im Gegensatz dazu, haben ungesättigte Fettsäuren mindestens eine Doppelbindung. Man unterteilt sie in einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die jeweils nur eine oder mehrere Doppelbindungen haben.

Zu den ungesättigten Fettsäuren gehören auch die lebenswichtigen langkettigen (16 – 24 Kohlenstoff-Atome) „Omega-n-Fettsäuren“, wobei das „n“ die Position der ersten Doppelbindung der Fettsäure angibt. Da sie vom „Omega-Ende“ ausgehend gezählt wird, werden diese Fettsäuren als „Omega-n-Fettsäuren“ bezeichnet. Dazu gehören:

  • Omega-3-Fettsäuren
    (Beispiele:
    alpha-Linolensäure
    Eicosatriensäure
    Eicosatetraensäure
    Eicosapentaensäure
    Roughaninsäure
    Stearidonsäure
    Heneicosapentaensäure
    Docosapentaensäure
    Docosahexaensäure
    Tetracosapentaensäure
    Tetracosahexaensäure)
  • Omega-6-Fettsäuren
    (Beispiele
    Arachidonsäure
    Linolsäure
    Docosadiensäure
    Docosatetraensäure
    Docosapentaensäure
    Gamma-Linolensäure
    Calendulasäure
    Eicosadiensäure
    Dihomogammalinolensäure
    Tetracosatetraensäure
    Tetracosapentaensäure)
  • Omega-9-Fettsäuren
    (Beispiele:
    Ölsäure
    Gondosäure
    Mead’sche Säure
    Erucasäure
    Nervonsäure
    Ximensäure)

Die meisten ungesättigten Fettsäuren sind nicht essentiell und können vom Körper selbst gebildet werden, aus gesättigten Fettsäuren, Glukose oder Aminosäuren. Manche ungesättigte Fettsäuren (z. B. alpha-Linolensäure (Omega-3) und Linolsäure (Omega-6) sind jedoch essentiell und müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Diese Fettsäuren sind wichtige Bausteine von Zellmembranen und werden für die Regeneration, Reparatur und das Wachstum von Zellen benötigt. Gleichzeitig sind sie aber auch Ausgangsstoffe für die Bildung von Eicosanoiden als wichtigen Gewebshormonen (Leukotriene, Prostaglandine, Thromboxane und Prostacycline). Diese sind an zahlreichen Vorgängen im Körper beteiligt. Dazu gehören die Regulierung von Entzündungen und des Immunsystems, des Neurotransmitterstoffwechsels, der Blutgerinnung, sowie der Entwicklung von Gehirn und Nervensystem.

Fetter Fisch, Nüsse, Avocados, Fleisch, Getreide und Kartoffeln sind die häufigsten Nahrungsquellen für ungesättigte Fettsäuren. Auch pflanzliche Öle sind gute Quellen ungesättigter Fettsäuren. Olivenöl besteht zu einem Großteil aus der einfach ungesättigten Ölsäure, enthält aber auch Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren (s. auch detailliertere Informationen in den folgenden Abschnitten).

Zu den wichtigsten Omega-3-Fettsäuren gehören die Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosapentaensäure (DHA). Sie haben ein hohes therapeutisches und präventivmedizinisches Potenzial bei chronisch degenerativen, neuropsychiatrischen oder entzündlichen Erkrankungen, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, ADHS, Alzheimer etc.). Dabei spielt das mit der Nahrung aufgenommene Verhältnis von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren eine besonders große Rolle.

Die wesentlichen Funktionen der Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosapentaensäure (DHA):

  • Als Bestandteil biologischer Membranen werden EPA und DHA zur Bildung weicher und geschmeidiger Zellmembranen (z. B Erythrozyten) und zur Bildung von Phospholipiden benötigt. Auch am Aufbau von Cardiolipin in der mitochondrialen Membran (s. auch unseren Newsletter vom 14. August 2020) sind EPA und DHA beteiligt.
  • Die antientzündliche Wirkung kommt mitunter dadurch zustande, dass EPA die Arachidonsäure kompetitiv vom Rezeptor verdrängt. Antiinflammatorische, antichemotaktische und antithrombogene Stoffe werden gebildet, der Transkriptionensfaktor NFκB (der bei Entzündungen eine wichtige Rolle spielt) wird gehemmt, Resolvine werden gebildet.
  • Neben entzündlichen Erkrankungen scheinen EPA und DHA sowie daraus gebildete Resolvine auch die Krebsprogression zu modulieren. Die Zufuhr von EPA und DHA wurde mit einer reduzierten Entzündung bei kolorektalem Krebs und einem günstigen Phänotyp bei Brustkrebs in Verbindung gebracht. Resolvine bieten ein vielversprechendes therapeutisches Potenzial, da sie die Entzündung mit minimalen Nebenwirkungen modulieren können, im Gegensatz zu den derzeit verfügbaren entzündungshemmenden Medikamenten.
  • EPA und DHA wirken auf die Endothelien der Gefäße, sie steigern die durch NO geförderte Entspannung der Gefäße, verhindern dass Monozyten und Granulozyten sich an Endothelien anlagern, reduzieren die Bildung proinflammatorischer Zytokine und verhindern die Freisetzung von Plättchen aktivierendem Faktor. Somit werden in den Gefäßen arteriosklerotische Plaques stabilisiert, Entzündungsmarker wie CRP oder E-Selectin werden reduziert.
  • Durch die antithrombotische und antiatherogene Wirkung von EPA und DHA kann im Herz-Kreislaufsystem nicht nur eine endothelschützende Wirkung zustande kommen, sondern auch ein kardioprotektiver und antiarrhythmischer Effekt (durch Regulierung von Ionenkanälen).
  • Man geht davon aus, dass die antiinflammatorischen Effekte von EPA und DHA durch Resolvine zustande kommen, als deren aktiven Metaboliten. Sie lassen akute Entzündung schneller abklingen und wurden klinisch mit der Auflösung einer akuten Nieren- oder Lungenverletzung und der Hemmung der Mikroglia-aktivierten Entzündung bei neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht.
  • Omega 3-Fettsäuren wirken positiv auf den Stoffwechsel der Blutfette, indem sie die Bildung der Triglyceride senken, sowie auch die Lioproteine von sehr geringer Dichte (VLDL). Sie bewirken eine leichte Erhöhung des HDL und eine moderate Senkung des LDL.
  • Eine positive Wirkung üben Omega-3-Fettsäuren auch auf die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen aus. Sie sind wichtig für die Intelligenz bzw. kognitive Leistungen, sowie die Bildung der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin. Weiterhin unterstützen sie die Integrität der Blut-Hirn-Schranke, und fördern die Aufnahme und Verwertung von Glukose in den Nervenzellen.

Folgende pflanzliche Öle sind besonders reich an Omega-3-Fettsäuren: Leinöl (56 – 71 %), Chiaöl (64 %), Hanföl (ca. 17 %), Walnussöl (ca. 13 %), Rapsöl (ca. 9 %) und Sojabohnenöl (ca. 8 %). Unter den tierischen Lebensmitteln sind Omega-3-Fettsäuren besonders in Lachs, Sardellen, Sardinen, Hering, Makrelen, und weißem Thunfisch enthalten. Fisch und Fischöle werden – auch aufgrund ihres Gehalts an Omega-3-Fettsäuren – mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen gegen zahlreiche Zivilisationserkrankungen in Verbindung gebracht, einschließlich kardiovaskulärer Erkrankungen und Krebs. In einer groß angelegten Untersuchung wurden 89 klinische Studien zu den gesundheitlichen Ergebnissen des Fischkonsums untersucht. Der regelmäßige Verzehr von Fisch brachte eine Vielzahl gesundheitlicher Vorteile, mit der größten Risikoreduktion bei 2 bis 4 Portionen pro Woche. Jede Steigerung um etwa eine Portion/Woche reduzierte das Risiko koronarer Herzkrankheiten, kardiovaskulärer Erkrankungen, Gesamtmortalität, Schlaganfall, Myokardinfarkt, akutes Koronarsyndrom, Herzinsuffizienz, Magen-Darm-Krebs, metabolisches Syndrom, Demenz und Alzheimer-Krankheit um 2 bis 7 %. Günstige Assoziationen wurden auch für Krebserkrankungen, atopische Erkrankungen, Muskel- und Skelett-Erkrankungen, gastrointestinale Erkrankungen sowie Augenerkrankungen festgestellt.

Quellen:
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Cholewski M, Tomczykowa M, Tomczyk M. A comprehensive review of chemistry, sources and bioavailability of omega-3 fatty acids. Vol. 10, Nutrients. MDPI AG; 2018.

Vitamin D

Unter „Vitamin D“ (Calciferole), welches oftmals auch als „Sonnenscheinvitamin“ bezeichnet wird, werden verschiedene Seco-Steroide zusammengefasst, die Vitamin-D-Aktivität haben. Eigentlich handelt es sich bei Vitamin D nicht um ein Vitamin im eigentlichen Sinne. Vitamine sind nämlich lebensnotwendige Stoffe, die vom Körper nicht selbst gebildet werden können und daher mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Das trifft aber auf Vitamin D nicht zu, denn bei ausreichender Sonnenbestrahlung kann der Körper den Großteil des benötigten Vitamins (80 bis 90 Prozent) selbst produzieren. Über die Ernährung wird der Körper nur zu etwa 10 bis 20 Prozent mit Vitamin D versorgt. Nur wenige Lebensmittel, wie z. B. fetter Fisch, enthalten von Natur aus signifikante Mengen an Vitamin D. In manchen Ländern werden mittlerweile Kuhmilch, pflanzliche Milchersatzprodukte oder Frühstückscerealien mit Vitamin D angereichert. Vitamin D kann eher als Hormon betrachtet werden, wobei die Aktivierung des Vitamin D-Pro-Hormons zur aktiven Form des Calcitriols führt, welches über einen Rezeptor in der Membran des Zellkerns (Retinoid-X-Rezeptor) die Genexpression in über 30 verschiedenen Zell- und Gewebearten steuert (z. B. Monozyten, T-Lymphozyten, Inselzellen des Pankreas, Zellen von Herz, Skelettmuskeln, Ovarien und Prostata, Endothelzellen der Aorta). Somit kommen ganz unterschiedliche Wirkungen zustande, die unabhängig vom Knochenstoffwechsel sind. Dies erklärt auch, weshalb bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen ein korrigiertes Vitamin D-Defizit zur Besserung der Symptomatik führt. Zu den wichtigsten D-Vitaminen gehören:

  • Vitamin D3 (Cholecalciferol bzw. Colecalciferol), wird in der Leber und der Niere in das biologisch aktive Calcitriol umgewandelt.
  • 1,25-(OH)2 Vitamin D3 (Calcitriol)
  • 25-OH-Vitamin D3 (Calcidiol)
  • Vitamin D2 (Ergocalciferol)

Vitamin D wird benötigt, um die Calciumkonzentration im Serum innerhalb des normalen physiologischen Bereichs für die Gesundheit des Bewegungsapparats zu halten. Dadurch wird z. B. die Aktivität calciumbindender Transportproteine der Osteoblasten im Knochengewebe gesteigert. Vitamin D wird zur Reifung und Aktivität der Knochenzellen benötigt, die Knochen werden mineralisiert und gehärtet, indem Calcium und Phosphat in die Knochen eingebaut werden. Auch für die Reifung der Chondrocyten zur Kallusbildung nach Knochenbrüchen wird Vitamin D benötigt. Die Aufrechterhaltung der Calcium-Absorption im Darm und in den Nierentubuli wird durch Vitamin D gesteuert. Die wichtigsten weiteren Funktionen von Vitamin D:

  • Forschungen der vergangenen 20 Jahre haben eine unterstützende Rolle von Vitamin D für die Funktion der Immunzellen nachgewiesen. Auf zellulärer Ebene moduliert Vitamin D sowohl das adaptive als auch das angeborene Immunsystem durch Zytokine und die Regulation von verschiedener Signalwege. Der Vitamin D-Rezeptor (VDR) befindet sich auf sowohl T- als auch B-Immunzellen. Dadurch kann Vitamin D die Proliferation, Hemmung und Differenzierung dieser Zellen modulieren. Durch Vitamin D erfolgt die Differenzierung von Monozyten zu Makrophagen, die Phagozytose-Aktivität wird stimuliert, TNF-α und CRP-Spiegel werden reduziert, und das Th1/Th2 Gleichgewicht wird wiederhergestellt. Calcitriol kann die Produktion proinflammatorischer Zytokine des Th1 Signalweges (z. B. IFN-γ, IL-2) unterdrücken und die Bildung antientzündlich wirksamer Zytokine des Th2 Signalweges (z. B. IL-4, IL-8) steigern. Dies ist besonders wichtig zur Prävention aber auch zur Therapie von Autoimmunerkrankungen sowie allergischer und entzündlicher Erkrankungen (z. B. Asthma bronchiale, COPD, Diabetes mellitus Typ 1, Morbus Crohn, Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis, Sklerodermie). In experimentellen Modellen einer durch Lipopolysaccharide induzierten Entzündung ergab die Behandlung mit Vitamin D niedrigere Konzentrationen des proinflammatorischen Zytokins Interleukin-6 (IL-6). Dieses Zytokin spielt auch eine bedeutende Rolle beim Covid-19-induzierten akuten respiratorischen Syndrom (ARDS). Da Vitamin D insbesondere für die Modulation der Entzündungsreaktion auf virale Infektionen wichtig ist, wird von verschiedenen Experten die präventive Anwendung im Kontext einer SARS-Cov-2 Infektion empfohlen.
  • Da chronische Entzündungen als Risikofaktor für die Entstehung von Krebs angesehen werden, könnte die Unterdrückung von Entzündungen durch Calcitriol zu seiner antineoplastischen Aktivität beitragen. Bei Krebs wird die Synthese von Prostaglandinen durch Calcitriol gezielt beeinflusst. Dabei handelt es sich um Derivate der Arachidonsäure, die eine Schlüsselrolle bei der Erzeugung der Entzündungsreaktion spielen. Eine unterdrückte Produktion von inflammatorische wirksamen Zytokinen, wie z. B. IL-1, IL-6, IL8, IL-17 und TNF-α ist in verschiedenen Krebsmodellen konsistent nachgewiesen worden. Auch wird die von Tumoren veranlasste Neubildung von Gefäßen durch Vitamin D unterdrückt. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Calcitriol und seine Analoga das Wachstum von Krebszellen verlangsamen, indem sie die Zellen in der G0/G1-Phase des Zellteilungszyklus „anhalten“, oder den apoptotischen Zelltod induzieren. Außerdem beeinflusst Calcitriol die Angiogenese, verändert die Zelladhäsion und -migration und reduziert die Invasivität von Krebszellen. Rezeptoren für Calcitriol befinden sich in den Membranen der Zellkerne von Brustdrüsen, Prostata und Colon, woraus sich eine mögliche Prävention bzw. Therapie von Colon-, Mama-, und Prostatakarzinomen ergibt.
  • Vitamin D erfüllt eine wesentliche Rolle bei der cutanen Zellerneuerung und ist somit für den Schutz und die Regeneration der Haut von Bedeutung. Dieses Vitamin unterstützt auch die Immunfunktion der Haut und fördert somit die Wundheilung und Abheilung von Entzündungen. Daher haben Menschen mit ausgeprägtem Vitamin D-Mangel nicht selten Probleme mit Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Akne oder Psoriasis. In der Haut hemmt Vitamin D das gesteigerte Zellwachstum, wirkt also antiproliferativ.
  • Vitamin D fördert auch die Zunahme der Muskelmasse, stärkt die Muskelfunktion und Muskelkraft. Eine Verringerung des Sturzrisikos wurde ebenso beschrieben, die möglicherweise durch die Regulierung der neuromuskulären Koordination zustande kommt. Mit zunehmendem Alter – ab ca. 50 Jahren – lässt die Muskelkraft nach, die Muskelmasse schwindet (Sarkopenie). Man schätzt den altersbedingten jährlichen Muskelverlust auf etwa 1 bis 2 Prozent. Durch eine gute Vitamin D-Versorgung soll der Sarkopenie Einhalt geboten werden.
  • Im Herz-Kreislaufsystem stärkt Vitamin D die Herzmuskelleistung, reduziert den systolischen und diastolischen Blutdruck und hat eine antithrombotische Wirkung durch die Aktivierung des Thrombomodulins. Zudem spielt Vitamin D eine Rolle bei der Reduktion der Triglyceride und des Parathormons, was für Erkrankungen wie Hypertonie und Herzinsuffizienz wichtig ist.
  • Die hormonellen Wirkungen von Vitamin D beziehen sich auf die endokrine Regulation. Durch Vitamin D wird die Transkription hormonsensitive Gene reguliert und auch auf das Renin-Angiotensin-System wird Einfluss genommen. Vitamin D wird benötigt zur Synthese und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen, sowie zur Sekretion von Parathormon und Insulin. Im Pankreas wird Vitamin D benötigt, um die Insulinsekretion der Betazellen aufrecht zu erhalten. Daraus ergibt sich auch ein Vitamin D-Mangel als Risikofaktor für das metabolische Syndrom, welches mit einer reduzierten Insulinsekretion einhergeht.

Mögliche Symptome eines Vitamin D-Defizits sind z. B Infektanfälligkeit, depressive Verstimmungen, kardiovaskuläre Beschwerden, Schwäche, Schlafstörungen, Müdigkeit, Skelettdeformierungen (z. B. Rachitis, Osteomalazie), erhöhtes Bruchrisiko, Muskelschwäche, Myopathien, Osteoporose, Herzinsuffizienz, Hypertonie metabolisches Syndrom, Multiple Sklerose, Mama-, Prostata- und Darmkarzinom.

Quellen:
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N-Acetyl-L-Cystein

N-Acetylcystein (NAC), eine acetylierte Cysteinverbindung, hat aufgrund seiner wichtigen medizinischen Anwendungen seit Jahrzehnten medizinisches Interesse geweckt. NAC ist eine Glutathion-Vorstufe mit antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen, die auch als Nahrungsergänzung verwendet wird. Cystein wird für die Synthese von Glutathion (ein Tripeptid aus Cystein, Glycin und Glutaminsäure) benötigt, das ein ganz wesentliches intrazelluläres Antioxidans ist und Schutz vor freien Radikalen und anderen Toxinen bietet. Die Wirkung von NAC beruht auf der Fähigkeit der reaktiven SH-Gruppe des Acetylcysteins, chemische Radikale zu binden. Die SH-Gruppe bindet an die freien SH-Gruppen von Proteinen und Membranenzymen, was deren Zerstörung verhindert. Dadurch werden Enzyme vor der Schädigung durch Peroxide und durch freie Radikale geschützt. Diese Membranstabilisierung verhindert auch die Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus der Zelle. Seit den 1960er Jahren wird NAC als Gegenmittel bei Acetaminophen-Vergiftungen verwendet, um ein akutes Leberversagen zu verhindern.

In der Schulmedizin wird NAC als Hustenlöser eingesetzt, der Atemwegssekrete bei Patienten mit Lungeninfektionen oder chronischer Bronchitis löst. Bei Nieren- und Infektionskrankheiten wird NAC ebenso verwendet. Auch in der Psychiatrie ist NAC hilfreich, aufgrund seiner Wirkung auf den Glutaminstoffwechsel im Gehirn und bei Therapien zur Linderung neurodegenerativer und psychischer Erkrankungen. Insbesondere der Einsatz bei Schizophrenie, Zwangsstörungen und Depressionen ist Gegenstand aktueller Untersuchungen. NAC hat aber auch Potenzial für den Einsatz bei anderen Erkrankungen, z. B. Krebs oder Gefäßerkrankungen. Diese klinisch vielfältigen Anwendungen werden auf die positiven Wirkungen von NAC zurückgeführt, auf Signalwege, die bei Stress, Infektionen und inflammatorischen Zuständen eine Rolle spielen. Auch in der Drogentherapie könnte NAC zukünftig eine Rolle spielen. Tierversuche haben gezeigt, dass kokainsüchtige Ratten durch NAC stärker die Drogensucht verloren im Vergleich zu den mit Placebo behandelten Tieren.

Quellen:
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L-Glutathion

Der menschliche Körper hat ein eigenes und beständig aktives System, um die Radikalbildung zu neutralisieren. Hierzu gehören essentielle Vitamine wie Vitamin C, Mineralstoffe wie Magnesium, Spurenelemente wie Zink und Selen, sowie das körpereigene Tripeptid Glutathion. Durch zunehmende Einflüsse von Umweltnoxen in Trinkwasser, Atemluft und Nahrungsmitteln ist das Redoxsystem allerdings einem beständigen Stress ausgesetzt. Als Folge dessen kommt es zum Absinken körpereigenen Radikalfänger, die durch die Nahrungszufuhr auch nicht mehr ausgeglichen werden können.

Glutathion ist ein körpereigenes Tripeptid, welches in den Mitochondrien aus den Aminosäuren Glutaminsäure, Cystein und Glycin gebildet wird. Gemeinsam mit den Glutathion-abhängigen Enzymsystemen ist Glutathion essenziell für die Aufrechterhaltung des intrazellulären Redoxgleichgewichts, es ist das wichtigste Antioxidans innerhalb der Zellen. Es ist in jeder Körperzelle vorhanden und an zahlreichen Entgiftungs-, Transport- und Biosynthesefunktionen beteiligt. Glutathion ist als höchst effektives Antioxidans ein ganz wesentlicher Zellschutzfaktor, der vor allem die Fettsäuren der Zellmembranen vor oxidativen Schäden schützt, sowie auch Proteine und Nukleinsäuren. Wenn durch Glutathion freie Radikale abgebaut werden, dann geht die reduzierte Form von Glutathion in die oxidierte Form über (Glutathiondisulfid, GSSG). Eine gesunde Zelle enthält etwa 500 Mal mehr Glutathion in reduzierter als in oxidierter Form. Die Bildung der reduzierten Form des Glutathions hängt aber maßgeblich von der Verfügbarkeit der nicht essenziellen Aminosäure L-Cystein ab. Ein bestehender L-Cystein-Mangel geht immer mit einem Mangel an Glutathion einher. Solange Zellen einen ausreichenden Vorrat an reduziertem Glutathion haben, sind sie geschützt vor oxidativen Schäden. Lebensmittel enthalten sowohl reduziertes als auch oxidiertes Glutathion. Bei einer vollwertigen Ernährung, einem gesunden Lebensstil und ausreichend Bewegung, Meidung von Toxinen und Umweltbelastungen kann man davon ausgehen, dass der Körper über ausreichende Reserven an Glutathion verfügt. Frische Bierhefe hat den höchsten Gehalt an Glutathion, mit ca. 0,7 g pro 100 g Bierhefe. Weitere Glutathion-reiche Lebensmittel sind Avocados, Spargel, Wassermelonen und frischer Schinken. Aber auch Obst und Gemüse enthalten ähnliche Mengen an Glutathion, vor allem Walnüsse und Erdnüsse. Wichtig ist dabei, dass die Lebensmittel frisch und nach Möglichkeit roh verzehrt werden, denn bei der Verarbeitung wird Glutathion oxidiert. Therapeutisch ist nur die reduzierte Form des Glutathions mit einer freien SH- Gruppe wirksam. Dieses wird in den Protokoll-Lösungen eingesetzt.

Funktionen von Glutathion:

  • Durch die innerhalb der Mitochondrien ablaufenden Reaktionskaskaden entstehen ständig aggressive chemisch-aktive Verbindungen, sogenannte freie Radikale. Sie entstehen als Stoffwechselmetaboliten bei der Oxidation und sind für Schädigungen sowohl der Mitochondrien selbst, aber auch anderer Zellorganellen, der Zell-DNA und der extrazellulären Matrix verantwortlich.
  • Für eine gut funktionierende Immunkompetenz reguliert Glutathion den Lymphozytenstoffwechsel, sowie die Aktivität von CD4-T-Helferzellen und NK-Zellen. Eine erhöhte Glutathionzufuhr ist dementsprechend zum Beispiel bei Infektionserkrankungen erforderlich. Es besteht allerdings nicht bei allen Patienten ein erhöhter Bedarf an Glutathion.
  • Internationale klinische Studien zeigen, dass reduziertes Glutathion auch Tumorzellen in die Apoptose überführen kann und in der klinischen Anwendung Tumorremissionen unterschiedlicher Tumorarten bewirkt. Der Glutathion-Stoffwechsel spielt bei einer Vielzahl von bösartigen Erkrankungen sowohl eine positive als auch eine schädliche Rolle. Er ist für die Entfernung und Entgiftung von Karzinogenen von entscheidender Bedeutung, und Veränderungen in diesem Stoffwechselweg können das Überleben der Zellen tiefgreifend beeinflussen. Ein Überschuss an Glutathion fördert jedoch die Tumorprogression, wobei erhöhte Werte mit einer erhöhten Metastasierung korrelieren. Bei Tumorpatienten empfiehlt es sich daher, den intrazellulären Glutathiongehalt zu messen, da Glutathion die fixierte Alkalose (zu hohe pH-Werte, Basenüberschuss) verstärken und somit den Zellteilungszyklus erhöhen kann. Daher empfiehlt es sich, vor Verabreichung den Glutathion-Spiegel zu bestimmen, und dann zu entscheiden, ob man der Protokoll-Lösung Glutathion hinzufügen sollte oder nicht.
  • Bei dem Endothelschutz ist Glutathion beteiligt, indem es die NO-Bioverfügbarkeit erhöht.
  • Verschiedene zelluläre Prozesse werden durch Glutathion mitgesteuert, z. B. die Reparatur beschädigter DNA, die Teilung und das Wachstum von Zellen, sowie der Zellstoffwechsel.
  • Glutathion vermittelt den Transport verschiedener Stoffe durch die Zellmembran.
  • Die Bildung von Leukotrienen und Prostaglandinen (die Entzündungen und allergische Reaktionen im Körper auslösen und aufrechterhalten) benötigt Glutathion.
  • Glutathion ist wichtig für die Schwermetallentgiftung, vor allem von Blei, Cadmium und Quecksilber.

Quellen:
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Vitamin C (L-Ascorbinsäure)

Schon die Ägypter um 3.000 v. Chr. und Hippokrates um 500 v. Chr. beschrieben Vitamin-C-Mangel als Krankheit, die im 16. und 17. Jahrhundert als Skorbut bekannt wurde, die Krankheit der Seefahrer. Typische Symptome von Skorbut sind Nasenbluten, geschwollenes Zahnfleisch und verzögerte Wundheilung. Überall dort, wo Obst und Gemüse knapp waren, bestand diese Krankheit weiter, deren Heilung so einfach war – mit Zitronen und anderen Früchten sowie mit pflanzlicher Ernährung. Trotzdem wurde erst im 19. Jahrhundert der regelmäßige Konsum von Zitronen und deren Saft für die Matrosen der Handelsmarine und der Royal Navy obligatorisch. Im Jahr 1932 wurde die Ascorbinsäure als das „Antiskorbut-Prinzip“ in den Laboratorien von Szent-Gyorgyi bestimmt, der dafür im Jahr 1937 den Nobelpreis erhielt.

Vitamin C ist in Pflanzenblättern und in Chloroplasten (den grünen Zellorganellen der Pflanzen) reichlich vorhanden und wird für das Pflanzenwachstum und der Entwicklung der Pflanze benötigt. Fast alle tierischen Lebewesen können aus Glukose Vitamin C bilden. Davon ausgenommen sind aber der Mensch, Affen, Meerschweinchen, Fledermäuse und einige Fische. Den Menschen fehlt ein wichtiges Enzym für die Umwandlung von Glukose in Vitamin C. Dieses Vitamin ist ein Elektronenspender oder Reduktionsmittel und alle seine bekannten Funktionen sind auf diese Eigenschaft zurückzuführen. Vitamin C spendet nacheinander zwei Elektronen aus der Doppelbindung zwischen den Kohlenstoffen zwei und drei. Wenn diese Elektronen verloren gehen, wird Vitamin C oxidiert und eine weitere Verbindung wird reduziert, wodurch die Oxidation der reduzierten Verbindung verhindert wird. Vitamin C ist daher als ausgezeichneter Radikalfänger – oder Antioxidans – bekannt. Tatsächlich ist Vitamin C der „Tausendsassa“ unter den Vitaminen mit vielfachen Funktionen:

  • Eine funktionierende Immunkompetenz benötigt Vitamin C zur Stimulierung des zellulären und humoralen Immunsystems, zum Schutz der Phagozytenmembran vor oxidativer Selbstzerstörung, zur Aktivierung des Komplementsystems und zum Histaminabbau, bzw. Förderung von Wachstum und Wundheilung.
  • Als Cofaktor von 9 Enzymen ist Vitamin C an der Biosynthese bzw. dem Stoffwechsel von Peptidhormonen, Norepinephrin, Kollagen, Carnitin, Cholesterin, Folsäure und Tyrosin beteiligt.
  • Als zelluläres Antioxidans reguliert Vitamin C die Genexpression und die Bildung von Proteinen (Translation der mRNA) und verhindert oxidative Schäden.
  • Außerhalb der Zellen fördert Vitamin C die Gefäßerweiterung, Endothelzellen werden geschützt und die NO-Bioverfügbarkeit verbessert.
  • Extrazellulärer oxidativer Stress wird reduziert, sowie auch die extrazelluläre Oxidation von Lipoproteinen; die Bildung von Lipid-Peroxiden wird verhindert.
  • Vitamin C regeneriert das Vitamin E-Radikal in das reduzierte und antioxidativ wirksame Vitamin E (α-Tocopherol).
  • Zur Regeneration von Glutathiondisulfid zu Glutathion wird Vitamin C benötigt.
  • Im Magen verhindert Vitamin C die Bildung von Nitrosaminen aus Nitrit und sekundären Aminen.
  • Vitamin C bietet als Radikalfänger einen effektiven Schutz gegen toxische Produkte, die beim Rauchen aufgenommen werden oder entstehen, z. B. Cadmium, Nitrite oder polyzyklische Kohlenwasserstoffe. Raucher leiden daher unter ständigen Vitamin C-Mangel.
  • Im Dünndarm fördert Vitamin C die Absorption von Eisen und wird benötigt zur Eisenübertragung von Transferrin (Transportprotein) auf Ferritin (Speicherprotein).
  • Vitamin C wird zur Entgiftung benötigt, denn es hält die Schwermetalle im Körper in Lösung damit sie ausgeschieden werden können, anstatt in Geweben gespeichert zu werden.
  • Zur Bildung von Neurotransmittern wird Vitamin C benötigt: Tryptophan wird in 5-Hydroxytryptophan umgewandelt (Serotonin-Vorstufe), die Biosynthese von L-Dopa gefördert und Dopamin zu Noradrenalin ungewandelt.

Besonders viel Vitamin C ist in Zitrusfrüchten, Erdbeeren, Honigmelone, Cantaloupe-Melone, Kiwi, Papaya, Trauben und Äpfeln enthalten. Brokkoli, Paprika und Rosenkohl sind die Gemüsesorten mit dem höchsten Gehalt an Vitamin C. Bei abwechslungsreich gestalteten täglichen fünf Portionen Obst und Gemüse werden etwa 200 bis 300 mg Vitamin C aufgenommen. Die Empfehlung der täglichen 5 Portionen basiert auf mehr als 200 Studien, die den umgekehrten Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Krebs und einem erhöhten Obst- und Gemüseverzehr bzw. der Aufnahme von antioxidativen Nährstoffen, einschließlich Vitamin C, beschreiben. Da Vitamin C nicht stabil ist, kann sein Gehalt in pflanzlichen Lebensmitteln je nach Jahreszeit, Transport, Haltbarkeit, Lagerung und Kochgewohnheiten variieren. Epidemiologische Studien beschreiben einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse und dem Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Verzehr von Obst und Gemüse war mit einer Senkung des Blutdrucks verbunden, einem Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings ist bei der Prävention sowohl von Krebs als auch von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht bekannt, ob der mit dem Obst- und Gemüseverzehr verbundene Nutzen auf das Vitamin C selbst, oder auf die Kombination aus Vitamin C mit anderen Inhaltsstoffen zurückzuführen ist.

Vitamin C wird rasch wieder ausgeschieden, denn es gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen. Nach nur 3 Stunden ist nur noch die Hälfte der ursprünglich aufgenommenen Menge im Körper vorhanden. Nach weiteren 3 Stunden ist davon wieder nur die Hälfte übrig usw. Daher soll die tägliche Einnahme von Vitamin C immer über mehrere Dosen verteilt werden. Wenn man z. B. 6 Mal pro Tag 250 mg aufnimmt, dann würde sich der Serumsspiegel zwischen 100 und 250 mg einpendeln. Indikationen für Vitamin C sind die allgemeine Prävention, Allergien, Asthma, allergischer Rhinitis, Katarakt, Makuladegeneration, Glaukom, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Dickdarmpolypen, Erkältungskrankheiten, Harnwegsinfekte, Herz-Kreislauf in Erkrankungen, Krebserkrankungen, neurodegenerative Erkrankungen, Paradontopathien, Rauchen, rheumatoide Arthritis, Stress und Wundheilungsstörungen.

Eine wachsende Zahl von Studien hat gezeigt, dass Vitamin C Krebszellen in vitro abtöten und das Tumorwachstum in vivo verlangsamen kann. Vitamin C kann auf drei Schwachstellen abzielen, die viele Krebszellen gemeinsam haben: das Redox-Ungleichgewicht, die epigenetische Reprogrammierung und die Regulierung der Sauerstoff-Wahrnehmung. Obwohl Vitamin C nachweislich das Tumorwachstum in vielen verschiedenen Krebsmodellen reduziert, könnte das klinische Potenzial von Vitamin C als Krebstherapie auch in seiner kombinierten Anwendung mit anderen Krebstherapien liegen. Zahlreiche präklinische und klinische Studien weisen darauf hin, dass die parenterale Injektion von Vitamin C sogar synergistisch mit herkömmlichen Krebstherapien wirken könnte.

Quellen
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Vitamin B12

Vitamin B12 ist das größte und komplexeste Vitamin im menschlichen Körper und besteht aus einer Ringstruktur, die dem Hämoglobin des Blutes und dem grünen Blattfarbstoff der Pflanzen (Chlorophyll) ähnelt. Dabei versteht man unter Vitamin B12 nicht nur eine einzige chemische Substanz, sondern 6 Verbindungen mit der gleichen biologischen Wirkung (Cyanocobalamin, Hydroxocobalamin, Aquacobalamin, Nitritocobalamin, Methylcobalamin und Adenosylcobalamin). Normalerweise wird dieses Vitamin über die Nahrung aufgenommen. Es ist an Protein gebunden und benötigt die Magensäure und das Verdauungsenzym Pepsin, um in seine freie Form zu gelangen. Danach kann sich das Vitamin B12 mit dem im Magen produzierten intrinsischen Faktor verbinden und wird im Dünndarm resorbiert. Der Körper kann Vitamin B12 über mehrere Jahre speichern, vor allem in der Leber.

Vitamin B12 wurde erstmals vor mehr als 70 Jahren entdeckt, bei der Suche nach einer Behandlung der perniziösen Anämie, einer Form der Blutarmut die, wie sich später herausstellte, auf einem Vitamin B12-Mangel beruht. Das typische hämatologische Symptom eines Vitamin B12-Mangels ist die Anämie, meist verbunden mit Schwächegefühl, Müdigkeit bzw. Blässe. Häufig kommen auch allgemeine gastrointestinale Beschwerden hinzu: Diarrhoe, Verstopfung, Schleimhautveränderungen, Übelkeit oder Erbrechen. Vitamin B12 ist zudem im neuronalen Stoffwechsel wichtig, zur Bildung von Myelin, Neurotransmittern und Phospholipiden. Ein Mangel macht sich daher über neuropsychiatrische Symptome bemerkbar, z. B. Gedächtnisstörungen, Apathie, Depression, Verwirrtheit oder Demenz. Aber auch neurologische Erscheinungen wie Gangunsicherheit, Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, „Ameisenlaufen“, Prickeln, Jucken) oder Lähmungserscheinungen sind typisch für Vitamin B12-Mangelerscheinungen.

Für Wachstum und Zellteilung wird Vitamin B12 benötigt, sowie auch zum Aufbau der Erbsubstanz DNS. Die Bildung der Erythrozyten durch Zellteilung/-reifung aus unreifen kernhaltigen Vorstufen im Knochenmark benötigt Vitamin B12. Verschiedene Aminosäuren werden mit Hilfe von Vitamin B12 verstoffwechselt und der Abbau von ungeradzahligen Fettsäuren benötigt dieses Vitamin ebenso. Vitamin B12 ist als Cofaktor zweier sehr wichtiger Enzymreaktionen sehr wichtig für die Zelle. Im Zellinneren wird Methylcobalamin benötigt, um Homocystein in Methionin zu überführen. Gleichzeitig wird reaktionsfähige Tetrahydrofolsäure (THF) gebildet, die für zahlreiche Stoffwechselwege benötigt wird. Wenn Methylcobalamin fehlt, kommt es zum Anstieg von Homocystein, zu Störungen des Folsäure-Stoffwechsels, der DNS-Synthese und der Hämatopoese. Die zweite wichtige enzymatische Reaktion läuft in den Mitochondrien ab. Hier wird das Adenosylcobalamin benötigt, um aus Methylmalonyl-CoA das Succinyl-CoA zu bilden, welches in den mitochondrialen Citratzyklus eingespeist wird. Bei einem Mangel an Adenosylcobalamin wird kein Succinyl-CoA mehr gebildet, das Methylmalonyl-CoA wird zur Methylmalonsäure umgewandelt, welche die neurologische bzw. psychiatrische Symptomatik verursacht.

Bereits in den 1950er Jahren begannen man, sich auf die schmerzlindernden Wirkungen der Verabreichung von Vitamin B12 zu konzentrieren, mit einigen potenziell beeindruckenden klinischen Ergebnissen1 + 2. Leider ließ in den folgenden Jahrzehnten das Interesse an der klinischen Anwendung von Vitaminen und Mineralien zugunsten von pharmazeutischen Behandlungen nach. Mit dem Aufkommen der Opioidepidemie sind alternative und ergänzende Ansätze zur Schmerzlinderung mehr denn je erforderlich, um den Einsatz und die Abhängigkeit von Opioidmedikamenten zu verringern. Vitamin B12 wurde bisher erfolgreich zur Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzzuständen wie Kreuzschmerzen, diabetischer Neuropathie, postherpetischer Neuralgie und aphthösen Ulzera eingesetzt.

Weitere Indikationen für Vitamin B12:

  • Hyperhomocysteinämie
  • Mitochondriale Dysfunktion
  • Nitrosativer Stress
  • Altersbedingte Gedächtnisstörungen, Demenz, Alzheimer
  • Depressionen
  • Infektionen mit Helicobacter pylori
  • Hashimoto-Thyreoiditis
  • Entzündliche Hauterkrankungen, z. B. Psoriasis, Neurodermitis
  • Herpes zoster
  • Chronisch-atrophische Gastritis
  • Morbus Crohn
  • Multiple Sklerose
  • Neuralgien, z. B. Trigeminusneuralgie
  • Perniziöse Anämie
  • Schlafstörungen
  • Rekonvaleszenz
  • Leistungssport
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Männliche Infertilität
  • Stress und Konzentrationsschwierigkeiten.

Auch in der schulmedizinischen Forschung wird den Wirkungen von Vitamin B12 viel Aufmerksamkeit gewidmet. Hier finden Sie eine Übersicht3 aktueller und abgeschlossener klinischer Studien.

Die täglich empfohlene Zufuhr beträgt 3 µg/Tag bzw. 3,5 – 4 µg/Tag (Schwangere und Stillende). Bei älteren Patienten mit atrophischer Gastritis (verminderte Sekretion von HCl, Pepsinogen und Intrinsic-Factor) kann eine Supplementierung von > 100 µg/Tag empfohlen werden.

Diese Lebensmittel sind besonders reich an Vitamin B12
Lebensmittel / Vitamin B12-Gehalt in µg pro 100 g Lebensmittel

Leber (roh)   39 – 65
Kalbsniere   28
Austern   15
Rind   2,9 – 5,2
Makrele   9
Hering   8,5
Miesmuschel   7,6
Thunfisch   4,25
Lammkeule (roh)   3,6
Seelachs   3,5
Salami   3,3
Camembert   3,1
Emmentaler   3,1
Edamer   2,1
Hühnerei   1,9
Brie   1,7
Garnelen   1,7
Körniger Frischkäse   1
Schweineschnitzel   1
Magerquark   0,9
Kuhmilch (1,5 /3,5% Fett)   0,4
Huhn   0,4
Alkoholfreies Bier, Malzbier   Spuren
Sauerkraut   Spuren

In einer für den Menschen verfügbaren Form kommt Vitamin B12 fast nur in tierischen Lebensmitteln vor. Mit herkömmlichen Lebensmitteln können Veganer daher ihre Vitamin B12-Versorgung nicht sicherstellen. Sie sollten zusätzlich ein Vitamin B12-Präparat einnehmen, um einem möglichen Mangel vorzubeugen.

Quellen:
Ross AC et al. (Eds.) Modern nutrition in Health and Disease. 11th Ed. 2014, Kluyver
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009

1 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1047139/
2 https://meridian.allenpress.com/japma/article-abstract/97/4/293/156711/The-Use-of-Vitamin-B12-in-Morton-s?redirectedFrom=fulltext
3 https://clinicaltrials.gov/ct2/results?cond=&term=Vitamin+B12&cntry=&state=&city=&dist=

Neues zum Lithium

Seit vielen Jahren wird Lithium zur Stabilisierung von Stimmungsschwankungen und Prävention von manischen Episoden und Depressionen verordnet. Doch oftmals sind Therapeuten nicht umfassend informiert über die Wirkungen und therapeutische Verwendung von Lithium. Mit dem heutigen Beitrag möchten wir Ihnen eine aktualisierte Zusammenstellung der positiven Wirkungen von Lithium geben.

Das Element Lithium (von griechisch λίθος líthos „Stein“) erhielt seinen Namen, weil es im Gegensatz zu Natrium und Kalium im Gestein entdeckt wurde. Dieses Spurenelement wurde 1817 von Johan August Arfwedson entdeckt und kommt in der Natur nur in Form seiner Salze vor, wo es meist Inhaltsstoff von Mineralwasser ist. Im menschlichen Organismus kommen nur sehr geringe Mengen Lithium vor, wobei biologische Funktionen bisher so gut wie nicht bekannt sind. Trotzdem haben einige Lithiumsalze eine medizinische Wirkung mit antimanischen, antidepressiven, antipsychotischen und antisuizidalen Eigenschaften, indem sie auf verschiedene Neurotransmitter-Systeme wirken. Die Entdeckung der antimanischen Wirkung von Lithium wurde in den 1960er-Jahren eher zufällig im Tierversuch gemacht. Seitdem gehört Lithium zur Akuttherapie und Phasenprophylaxe von bipolaren affektiven Störungen. Doch auch nach Jahrzehnten erfolgreicher Therapie ist die genaue Wirkungsweise der Lithiumsalze nicht ausreichend geklärt. Neben der prophylaktischen Wirkung wird Lithium auch zur Behandlung von Depressionen, Cluster-Kopfschmerzen, schwerer chronischer Aggressivität und akuten Episoden der Manie und Hypomanie verwendet.

Neuere Daten zu diesen Eigenschaften und anderweitigen Therapiemöglichkeiten fassen wir hier für Sie zusammen:

  • Prävention von Depression und Manie
    Trotz einiger kritischer Stimmen hat Lithium weiterhin die beste Bilanz in der Langzeitprophylaxe, unter einer Vielzahl von Wirkstoffen. Seine akuten und prophylaktischen antimanischen Wirkungen sind reichlich demonstriert und Meta-Analysen mit vielen Patientendaten dokumentieren auch prophylaktische antidepressive Wirkungen.
  • Akute und prophylaktische Effekte bei unipolarer Depression
    Eine Fülle von Daten weist darauf hin, dass Lithium, im Vergleich zu Placebo, die Wirkung von Antidepressiva akut verstärkt. Weniger gut belegt ist die Wirkung bezüglich der Prophylaxe wiederkehrender unipolarer depressiver Episoden und der Suizidprävention unter diesen Patienten. Die Autoren einer neueren Untersuchung empfehlen die Lithium-Prophylaxe bei unipolar depressiven Patienten „…nach dem Auftreten von 2 Depressionsepisoden innerhalb von 5 Jahren… insbesondere bei schweren Depressionen mit psychotischen Merkmalen und hohem Suizidrisiko…. In einigen Fällen kann eine Lithiumprophylaxe nach einer einzigen schweren Depressionsepisode mit hohem Suizidrisiko und lebenslangem Fortbestand empfohlen werden“. In einer neuen Studie mit 123.712 Personen, die wegen einer unipolaren Depression in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, ergab die Nachbeobachtung über einen Zeitraum von durchschnittlich 7,7 Jahren bei den mit Lithium behandelten Personen weniger Rehospitalisierungen, wohingegen überraschenderweise die mit Antidepressiva oder atypischen Antipsychotika behandelten Personen dieses verringerte Risiko nicht aufwiesen.
  • Lithium hat antisuizidale Wirkungen, selbst in geringsten Mengen im Trinkwasser
    Bei Anwendung in therapeutischen Dosen ist die antisuizidale Wirkung von Lithium am besten nachgewiesen. Aber sogar im Trinkwasser gehen geringe Lithiumkonzentrationen mit niedrigeren Suizidraten in der Allgemeinbevölkerung einher, im Vergleich zur Bevölkerung aus Regionen mit einem noch geringeren Lithiumgehalt im Trinkwasser. Diese Ergebnisse wurden inzwischen in mehr als einem halben Dutzend Studien dokumentiert. Eine Studie berichtete sogar über eine geringere Inzidenz von Verbrechen, Selbstmorden und Verhaftungen wegen Drogenkonsums bei Jugendlichen. Nun wurde in einer japanischen Studie erneut gezeigt, dass ein höherer Lithium-Gehalt im Trinkwasser mit niedrigeren Raten von Depressionen und zwischenmenschlicher Gewalt bei Jugendlichen verbunden ist.
  • Lithium kann das Risiko einer Demenz verringern
    Durch die Anwendung von Lithium kann es zur geringeren Inzidenz von Demenz im Alter kommen. Bei Patienten die besonders gut auf Lithium ansprachen, wurde zudem ein besserer Erhalt der kognitiven Fähigkeiten beobachtet. Positive Effekte kleinster Lithium-Dosen wurden bei der Alzheimer-Demenz berichtet. Auch das visuelle Gedächtnis wird bei Behandlung mit Lithium verbessert.
  • Lithium hat neuroprotektive Wirkungen
    Lithium ist mit einer Zunahme des Hippokampus- und Kortikalisvolumens verbunden und erhöht die Neurogenese. In Tierversuchen wurde nachgewiesen, dass Lithium neuronale Schäden verhindert, die bei ischämischen/hämorrhagischen Schlaganfällen, traumatischen Hirn-/Rückenmarkverletzungen, der Alzheimer- bzw. Parkinson-Krankheit, Netzhautdegeneration oder Multiple Sklerose auftreten.
  • Lithium erhöht die Telomerlänge
    Lithium erhöht zudem die Länge der Telomere (das sind die DNA-Stränge in jeder Zelle, die sich im Laufe des Alterns durch „genetischen Verschleiß“ verkürzen). Ungekürzte Telomere sind für die Aufrechterhaltung sowohl der physischen als auch der psychiatrischen Gesundheit notwendig. Je länger bipolare Patienten Lithium nahmen, umso mehr normalisierte sich die Telomerlänge in den Leukozyten. Niedrig dosiertes Lithium verlängerte die Lebenszeit, sowohl beim Menschen als auch bei einigen Tierarten.
  • Lithium verringert die Inzidenz verschiedener neurologischer und onkologischer Erkrankungen
    Lithium kann die Inzidenz neurologischer Erkrankungen wie Krampfanfälle, amyotrophe Lateralsklerose und Demenz verringern. Auch die dosisabhängige Reduzierung der Inzidenz einiger Krebsarten durch Lithium ist bekannt.

Bei der Lithiumtherapie sind aber auch zahlreichen Nebenwirkungen bekannt (wie z. B. feinschlägiger Tremor, nephrogener Diabetes insipidus mit Polyurie und Polydipsie, Gewichtszunahme). Die geringe therapeutische Breite (Gefahr der Lithiumintoxikation) ist ein weiterer Aspekt, der bei der Verordnung beachtet werden muss. Alarmzeichen der lebensbedrohlichen Lithiumintoxikation sind Übelkeit, Erbrechen und zentralnervöse Symptome wie psychomotorische Unruhe, Schwindel und Dysarthrie. Aus diesen Gründen ist die regelmäßige Kontrolle der Lithiumkonzentrationen im Blut unabdingbar.

Auch in der schulmedizinischen Forschung wird den Wirkungen von Lithium viel Aufmerksamkeit gewidmet. Weltweit finden derzeit 84 klinische Studien statt.

Referenz: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5854802/pdf/npp2017238a.pdf

 

Folsäure (Vitamin B9, Vitamin B11, Folat)

Folsäure wird auch Vitamin B9 (Deutschland, USA) oder Vitamin B11 (weltweit) oder Folat genannt und gehört zum Vitamin-B-Komplex. Die Bezeichnung „Folsäure“ leitet sich vom lateinischen Wort „folium“ ab, was „(Pflanzen-)Blatt“ bedeutet. Tatsächlich ist Folsäure in grünen Pflanzen wie Spinat und Kohl in hoher Konzentration vorhanden. Als Folat werden sämtliche vom Körper als Vitamin verwendbare, also zum Vitamin umwandelbare Stoffe bezeichnet. Hierzu zählt auch die Folsäure selbst, die erst im Körper in die bioaktive 5,6,7,8-Tetrahydrofolsäure (THF) beziehungsweise das Methylfolat umgewandelt wird. Die biologisch aktiven Formen der Folsäure haben im Körper zahlreiche wichtige Funktionen. Dies betrifft vor allem die Neubildung von Zellen bzw. Zellteilung, den Aufbau der DNA, die Bildung von Blutzellen im Knochenmark (Hämatopoese) und die Homocystein-Regulation. Folsäure ist ein essenzieller Stoff, der im Körper nicht gebildet werden kann und mit der Nahrung aufgenommen werden muss.

Die wichtigsten Funktionen der Folsäure und deren Derivate (Tetrahydrofolsäure THF; 5,10 Methylen-THF; Formyl-THF, 5-Methyl-THF)

  • In der Embryogenese vermittelt Folat den Neuralrohrverschluss in der 3. Schwangerschaftswoche. Daher wird während der Schwangerschaft Folsäure zur Fehlbildungsprophylaxe verordnet. Folsäuremangel erhöht zudem das Risiko von Frühgeburten und Untergewicht der Neugeborenen.
  • Folsäure ist an der Erneuerung der Epithelzellen von Schleimhäuten beteiligt (vor allem im Gastrointestinaltrakt).
    Folsäure wird zur Blutbildung (Hämatopoese) benötigt (Hämoglobin zum Sauerstofftransport). Hier besteht eine enge Beziehung zum Stoffwechsel von Eisen, Kupfer und Vitamin B12.
  • Die Synthese von Cholin aus den Aminosäuren Lysin und Methionin benötigt Folsäure. Cholin ist ein Bestandteil der Phospholipide (Phosphatylcholin und Phosphatide) und liefert damit eine Grundsubstanz zum Aufbau und der Stabilisierung der Membranen von Zellen und Mitochondrien.
  • Folsäure wird auch benötigt zur Reduzierung erhöhter Homocysteinspiegel. Diese werden im Zusammenhang gesehen mit der Entstehung von Arteriosklerose und deren Folgekrankheiten wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder generelle Durchblutungsstörungen durch die Zunahme von oxidativem Stress in den Blutgefäßen. Homocystein ist auch toxisch für die mitochondriale Funktion1 und höhere Homocysteinspiegel werden mit Depressionen2 in Verbindung gebracht. „Depression“ im Sinne eines Gefühls der Niedergeschlagenheit ist ein Symptom vieler Vitamin-bzw. Mineralstoffmangelerscheinungen (z. B. Folsäure, Vitamin C, Magnesium)3. Nahrungsergänzungsmittel wie B12 oder Folat, das die mitochondrialen Funktionen schützt, sind als Begleittherapie bei der Behandlung von Depressionen wirksam4.
  • 5-Methyl-THF wird für die Umwandlung von Homocystein in die Aminosäure Methionin benötigt. Bei dieser enzymatischen Reaktion wird auch Vitamin B12 als Cofaktor benötigt.
  • THF ist ein Cofaktor im Stoffwechsel der Aminosäuren und der „Einzelbausteine“ der DNA (Purine, Pyrimidine).
  • Folsäure spielt auch im Stoffwechsel von Melatonin und Neurotransmittern eine wichtige Rolle (GABA, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin).

Die empfohlene tägliche Zufuhr beträgt bei Jugendlichen und Erwachsenen 0,4 mg/Tag; Schwangere und Stillende haben einen Bedarf von 0,6 mg/Tag. In Deutschland deutet die Versorgungssituation mit Folsäure darauf hin, dass bei 80 bis 90 % der Bevölkerung die Zufuhr für Folat allein durch den Verzehr von Lebensmitteln nicht ausreicht. Ein erhöhter Bedarf besteht in der Schwangerschaft, bei Schwangerschaftskomplikationen, während Wachstumsphasen, bei Infekten und Eisenmangel, hämolytischer Anämie, Hämodialyse, Krebs, Lebererkrankungen, Hyperthyreose, Fehl- und Mangelernährung. Mögliche Mangelsymptome äußern sich z. B. in Depressionen, Blässe, Anorexie, schneller Ermüdbarkeit, Vergesslichkeit, Gewichtsverlust, Schwäche, Immunschwäche, Störungen des Knochenstoffwechsels, Aborte, Demenz, Polyneuropathie, Glossitis, Stomatitis oder Schleimhautatrophie.

Welche Lebensmittel enthalten Folsäure und wann wird die Zufuhr von Folsäure empfohlen?

Die Zufuhr von Folsäure wird empfohlen:

  • Zur allgemeinen Prävention
  • Hyperhomocysteinämie
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Alzheimer, Demenz
  • Depressionen, Schizophrenie
  • Diabetes mellitus
  • Dialyse
  • Prävention von Neuralrohrdefekten in der frühen Schwangerschaft
  • Infertilität und unzureichende Spermienqualität.

Folsäure-Gehalt (µg/100 g Lebensmittel)

Limabohnen   360
Kichererbsen   340
Sojabohnen   210
Speisekleie   195
Bohnen, weiß   187
Grünkohl   187
Rosenkohl   182
Linsen   168
Erbsen   151
Feldsalat   145
Spinat   145
Schweineleber   136
Blumenkohl   125
Brokkoli   111
Endivien   109
Spargel   108
Porree   103
Wirsing   90
Knäckebrot   88
Haferflocken   87
Rote Bete   83
Kopfsalat   75
Kohlrabi   70
Ei   67
Erdbeeren   65
Brie   65
Paprika   60
Leberpastete   60
Möhren   55
Kirschen   52
Tomaten   44
Camembert   44
Weintrauben   43
Kakaopulver   38
Rotkohl   35
Auberginen   31
Himbeeren   30
Honigmelone   30
Gurken   27
Pumpernickel   23
Gouda   21
Kartoffeln   20
Stachelbeeren   19
Chesterkäse   19
Bananen   17
Holunder   17
Hummer   16
Reis, natur   16
Roggenbrot   16
Weißbrot   15
Thunfisch   15
Alkoholfreies Bier   15
Vollkornbrot   14
Birnen   14
Joghurt   13
Aal   13
Äpfel   12
Brathuhn   12
Flunder   11
Scholle   11
Rindfleisch   10
Vollmilchschokolade   10
Forelle   9
Schnitzel   9
Schellfisch   9
Heilbutt   9
Garnelen   8
Kabeljau   8
Austern   7
Weißwein   7
Vollmilch   6
Heidelbeeren   6
Buttermilch   5
Hering   5
Ananas   4
Aprikosen   4
Lachs   3
Lammkeule   3
Pflaumen   2
Kotelett   2
Makrele   1
Rotwein   0,2
Zucker   0

1 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4134425/pdf/nihms606306.pdf
2 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15671130/
3 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15454864/
4 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15877935/

Vitamin B6 (Pyridoxin)

Die biologisch aktive Form des Vitamins B6 ist Pyridoxal-5-Phosphat (PLP), welches als Coenzym etwa 160 verschiedene enzymatische Reaktionen vermittelt. Diese betreffen hauptsächlich den Stoffwechsel von Aminosäuren, Kohlenhydraten und Lipiden. PLP wird aus Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin gebildet. Durch die Beteiligung als Cofaktor an zahlreichen Stoffwechselwegen werden ganz unterschiedliche Körperfunktionen durch PLP gesteuert.

Die wichtigsten Funktionen von Vitamin B6 bzw. PLP:

  • Beteiligung an der Biosynthese der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und GABA
  • Biosynthese von Myelin- und Phospholipiden, Prostaglandinen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA) und Sphingolipiden
  • Bildung von Glutathion aus Homocystein (über Cystathion und Cystein, mittels den Enzymen Cystathionin-ß-Synthase und Cystathionase, die Vitamin B6 als Cofaktor benötigen.
  • Einfluss auf die Genexpression
  • Aufbau und Stabilisierung des Bindegewebes, durch Beteiligung an der Kollagen-Produktion
  • Bildung der Häm-Moleküle, als Bestandteile der Cytochrome und des Hämoglobins. Damit ist Vitamin B6 auch an dem Sauerstofftransport und der Reifung von roten Blutkörperchen beteiligt.
  • Vitamin B ist auch maßgeblich an der Regulierung des Immunsystems beteiligt, insbesondere der zellvermittelten und in geringerem Maße der humoralen Immunität. Tiere mit Vitamin B6-Mangel zeigen Lymphgewebsatrophie, eine Verminderung der Lymphozytenbildung, der Phagozytose-Aktivität von Makrophagen und der T-Zell-vermittelten Zytotoxizität. In Humanstudien zeigen Lymphozyten, die aus Vitamin B6-defizienten Probanden isoliert wurden, eine verminderte Antikörperproduktion1 als Reaktion auf eine Immunisierung Es wurde auch nachgewiesen, dass eine Supplementierung von Vitamin B6 die Immunreaktionen bei entzündlichen Erkrankungen verbessert. Patienten mit rheumatoider Arthritis erhielten 100 mg/Tag Vitamin B6 und eine Besserung der Werte proinflammatorischer Zytokine wurde festgestellt2. Auch schwer kranke Patienten, die mit hohen Vitamin B6-Dosen behandelt wurden, zeigten nach 14 Tagen verbesserte zellvermittelte Immunreaktionen3.
  • Vitamin B6 könnte am Schutz vor Entzündungen beteiligt sein. In einer Studie mit 2.686 Teilnehmern wurde festgestellt, dass eine höhere Versorgung mit Vitamin B6 mit niedrigeren CRP-Werten4 und dem Schutz vor Entzündungen verbunden war .
  • Zwischen dem Vitamin-B6-Status und Diabetes bestehen vielfältige Zusammenhänge5. Niedrige Konzentrationen von Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin wurden bei Typ-1- oder Typ-2-Diabetes beobachtet, und die Verabreichung hoher Dosen von Vitamin B6 verbesserte die diabetische Neuropathie in Tierversuchen6.
  • Die Darmflora produziert verschiedene Vitamine, die der Körper für sich nutzen kann. Dazu gehören Biotin, Folsäure sowie die Vitamine B2, B12 und K. Einige Bakterien der menschlichen Darmflora (Eubacterium rectale, Porphyromonas gingivalis) enthalten Enzyme, die Vitamin B6 als Cofaktor benötigen. Das Vitamin B6, welches die Bakterien für den Stoffwechsel benötigen, stammt entweder von anderen Bakterien oder wird über die Ernährung zugeführt.

Die empfohlene tägliche Zufuhr beträgt bei Jugendlichen und Erwachsenen 1,2 bis 1,6 mg/Tag; Schwangere und Stillende haben einen Bedarf von 1,9 mg/Tag. Ein erhöhter Bedarf besteht in Wachstumsphasen, im Alter, bei Sportlern und bei Patienten mit Kryptopyrrolurie. Auch bei Reduktionsdiäten, Alkoholabusus und Rauchen sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B6 geachtet werden. Früher wurde angenommen, dass der Bedarf an Vitamin B6 von der Proteinzufuhr abhängt. Daher wurde der Bedarf anhand des Referenzwertes für die Proteinzufuhr berechnet. Neuere Untersuchungen belegen aber, dass der Vitamin-B6-Bedarf nicht von der Menge des verzehrten Proteins abzuhängen scheint.

Mögliche Mangelsymptome äußern sich in erhöhter Reizbarkeit, depressiven Verstimmungen, nervösen Störungen, Anämie, Hyperhomocysteinämie, schuppiger Haut, Immundepression, Muskelatrophie oder Sensibilitätsstörungen. Bei höheren täglichen Dosierungen (über 50 – 500 mg Pyridoxin) kann es zu toxischen Wirkungen an sensiblen und motorischen Nervenzellen kommen, die nach Absetzen wieder abklingen.

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin B6 und wann wird die Zufuhr von Vitamin B6 empfohlen?

Die Zufuhr von Vitamin B6 wird empfohlen:

  • zum Abbau erhöhter Homocysteinwerte im Blut (Risikofaktor für arteriosklerotische Erkrankungen, wie fehlende Blut-Sauerstoffversorgung, Thrombose, Herzinfarkt oder Schlaganfall) – hier wird Vitamin B6 in Kombination mit Vitamin B9 (Folsäure) und Vitamin B12 eingesetzt
  • zur Reduzierung von Erkrankungen des peripheren Nervensystems
  • zur Verbesserung der Immunsystemfunktion im Alter
  • zur Entgiftung
  • bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen, wie Schizophrenie, Autismus, Lern- und Verhaltensstörungen, Depressionen, Konzentrationsstörungen
  • bei prämenstruellem Syndrom und gegen Schwangerschaftserbrechen
  • Karpaltunnelsyndrom.

Vitamin B6-Gehalt von Lebensmitteln

Sowohl tierische als auch pflanzliche Lebensmittel enthalten viel Vitamin B6, damit ist ein Mangel bei einer ausgewogenen Mischkost eher unwahrscheinlich. Vitamin B6 ist besonders in Muskelfleisch wie Putenbrust, Rinderfilet oder Hühnerfleisch enthalten. Auch in Lachs, Hering, Milchprodukten, Kartoffeln, Avocado und Nüssen steckt viel Vitamin B6. Solche Lebensmittel sollten schonend zubereitet werden, denn Vitamin B6 ist hitzeempfindlich.

Vitamin B6-Gehalt pro 100 g

Hummer   1,18 mg
Lachs   0,98 mg
Sardine   0,97 mg
Kartoffelchips   0,89 mg
Walnusskerne   0,87 mg
Sesamsamen   0,79 mg
Fasan, Wachtel   0,66 mg
Makrele   0,63 mg
Gans   0,58 mg
Schweineschulter   0,57 mg
Kalbsfilet   0,56 mg
Kichererbsen   0,55 mg
Brust (Huhn)   0,53 mg
Thunfisch, Truthahn   0,46 mg
Erdnusskerne, Mohnsamen   0,44 mg

1 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2793124/pdf/nut1400103.pdf
2 https://www.nature.com/articles/ejcn2010107
3 https://www.nature.com/articles/1602439
4 https://watermark.silverchair.com/103.pdf?token=AQECAHi208BE49Ooan9kkhW_Ercy7Dm3ZL_9Cf3qfKAc485ysgAAAp0wggKZBgkqhkiG9w0BBwagggKKMIIChgIBADCCAn8GCSqGSIb3DQEHATAeBglghkgBZQMEAS4wEQQMPjhunQajvACuFB7uAgEQgIICUL3G1FwHuOt89NbUHb1E1CPQE9TgNBAQd9bR_-BPZXKq1LXdDjvmQj9K6k5c4Pk3FWHg78mir21fASVryfncwUBeg2MIHAARmdyGvVJo-KFQvG8HqjPFz_bXzQK87CosTlh32mXd55UPlGzf9OBmIp0h_dENNACLHnx7QxIMvQDInBFIyDcq7fA8sQq9dlpHjRPJSu1QUwcwlx-uxeFJPRTzlRfNWcPzQ6hDlcR6DTNE2NZe64AX6ue31T70Bsy6anTLlQt2xWS-DQeCUg6Anl6mmP0jpCNo-9sfb4fxnEpDAwT7Q-zTePNeUeVKLeE16pBlo7X9YsDgxfnVaF3Bdpc-Ab3_EYSiEdquVuqHrLgnb53-3WonWsNv_kLlL2q4fugYjbHI1TYnWF1tlCXrA_Qu2U4x_8pbHVeoNjas4YQ6NVgr_W1zmTtc1iGh3_juOUrVsnFpfOYe5msY6iTxNMphf5_fojOrK5dvdYb4z4j0EHU_H2I2mNEDgerkyPCl72zmtezs-cjlQd1-rIBB1TuUCyYtwnPAKvMmJesr4uYyr_ZBoem3rWKI5wkBRNTDQmZFYPySShk-F8rMilIeCq7PyPEw-XYl4nCuIZvRNnh-6auUtzRvKK8wuWIQQ23j55hCtbIMsZkzaUVmuRDcNMmy27rgbhOCS6UXDPHd0CUJDkzk_mMiIy8OpdBSqWCkdS-y2zbEm4uawm4cy95zDeEZKvaMNSGD3oAPrzGJXM1JUHKNrwouItWFH2Lvp6CfsysyOYsMfJF0s0jsVYXoLV4
5 https://nyaspubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1749-6632.1992.tb17087.x?sid=nlm%3Apubmed

Vitamin B5 (Pantothensäure)

Pantothensäure (Vitamin B5) ist ein Bestandteil von Coenzym A, einem der wichtigsten Cofaktoren enzymatischer Reaktionen. Als Bestandteil von Coenzym A ist Pantothensäure nötig, um die aufgenommene Nahrung in verwertbare Energie umzusetzen. Coenzym A ist damit ein Schlüsselmolekül des Zellstoffwechsels, welches so genannte Acyl- oder Acetylgruppen in enzymatischen Reaktionen überträgt. Es steht am Scheideweg des zellulären Metabolismus (Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel), ist an einer Vielzahl von lebenserhaltenden chemischen Reaktionen beteiligt (z. B. Aufrechterhaltung der Mitochondrienfunktion, im Citratzyklus als Acetyl-CoA, Succinyl-CoA, Malonyl-CoA) und spielt vor allem im Fettsäurestoffwechsel eine zentrale Rolle. In menschlichen Zellen kann Vitamin B5 nicht selbst hergestellt werden.

Auch viele anderweitige Proteine werden durch die Übertragung von Acetylgruppen verändert. Man schätzt, dass dies sogar bei 85 % aller menschlichen Proteine der Fall sein könnte. Dies scheint vor allem für die neuronale Entwicklung1 wichtig zu sein, zumal Pantothensäure für die Bildung des Neurotransmitters Acetylcholin2 benötigt wird, sowie auch für die Freisetzung von Neurotransmittern in der Synapse3. Ein experimentell verursachter Mangel an Pantothensäure führte zu Persönlichkeitsveränderungen4. Eine zu geringe Aufnahme von Pantothensäure und anderen Makro- und Mikronährstoffen über die Nahrung wird mit Stimmungsstörungen bzw. depressiver Symptomatik in Verbindung gebracht5.

Pantothensäure wird auch für die Biosynthese weiterer wichtiger Moleküle6 benötigt, dazu gehören Sphingolipide, Leucin, Arginin, Methionin, Farnesol, Cholesterin, Steroidhormone, Vitamin A, Vitamin D und Häm A.

Ein Pantothensäure-Mangel kommt bei gesunden Erwachsenen selten vor, denn dieses Vitamin ist bis zu einem gewissen Grad in allen Lebensmitteln vorhanden. Mangelzustände werden bei schwerer Unterernährung beobachtet, wo ein Mangel gleichzeitig mit anderen Nährstoffmängeln auftritt. Der Tagesbedarf wird mit 6 mg/Tag7 angegeben (Jugendliche, Erwachsene, Schwangere und Stillende).

Pantothensäure ist vor allem in folgenden Lebensmitteln enthalten (Angaben in mg/100 g Lebensmittel):

Leber, gebraten  5,92
Champignons  2,16
Kleie  1,73
Rindfleisch, gekocht  0,33
Brokkoli (roh)  0,53
Cashewnüsse  1,22
Hähnchen, gebraten  1,00
Eier, gekocht  1,40
Dosenmilch  0,76
Kartoffeln, gebacken  0,86
Geschälter Reis  1,13
Tomatenprodukte  0,75

Pantothensäure-Mangelsymptome:

  • Abgeschlagenheit
  • Anämie
  • Immunschwäche/Infektanfälligkeit
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Depressive Verstimmungen
  • Schlafstörungen
  • Geringe Stressresistenz
  • Magen-Darm-Störungen.

Auch in der schulmedizinischen Forschung werden die Wirkungen von Pantothensäure untersucht. Hier finden Sie eine Übersicht8 aktueller und abgeschlossener klinischer Studien unter Verabreichung von Pantothensäure.

1 https://www.lavoisier.fr/livre/medecine/encyclopedie-des-vitamines-3-vol-inseparables/guilland/descriptif-9782743005962
2 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1854155/pdf/brjpharm00278-0079.pdf
3 https://corp.credoreference.com/component/booktracker/edition/10608.html
4 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1062846/
5 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22340148/
6 https://corp.credoreference.com/component/booktracker/edition/10608.html
7 https://www.buecher.de/shop/fachbuecher/mikronaehrstoffe-fuer-die-kitteltasche/groeber-uwe/products_products/detail/prod_id/30177519/
8 https://clinicaltrials.gov/ct2/results?cond=&term=vitamin+b5&cntry=&state=&city=&dist=

Vitamin B3 (Niacin)

Vitamin B3 oder Niacin besteht aus einer Kombination von Nikotinsäure und Nikotinamid und ist Vorläufer der biologisch aktiven Coenzyme Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid (NAD+) und Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid-Phosphat (NADP+). Diese beiden Coenzyme werden in den Mitochondrien gebildet und sind an etwa 200 verschiedenen enzymatischen Reaktionen beteiligt. Somit spielen sie eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel sowie beim Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. In den Mitochondrien wird NAD+ für die Enzyme des Citratzyklus benötigt und der Fettsäureoxidation. Niacin kann daher auch als eine Art „Schrittmacher“ des mitochondrialen Energiestoffwechsels (Atmungskette und ATP-Produktion) gesehen werden. Im Zellinneren wird NADP+ benötigt zur Bildung von Fettsäuren und Steroidhormonen, sowie im Pentosephosphatweg zur Verwertung von Glukose.

Niacin wird seit 1955 (entweder alleine oder in Kombination mit Statinen) zur Senkung des Gesamtcholesterinspiegels, der Triglyceride, des LDL-Cholesterins, des VLDL-Cholesterins (Very-low-Density-Lipoprotein) und der Lipoproteinspiegel eingesetzt. Darüber hinaus ist Niacin ein wirksamer Stoff zur Erhöhung des plasmatischen HDL-Cholesterins1 + 2 + 3.

Dieses Vitamin spielt sowohl bei der Neuroprotektion4 als auch beim neuronalen Tod eine wichtige Rolle und ist daher für das Funktionieren des zentralen Nervensystems, sowie der neuronalen Entwicklung und Funktion von großer Bedeutung. Niacin wird für den Aufbau verschiedener Neurotransmitter im Gehirn benötigt (z. B. Serotonin) und verbessert die Merk- und Konzentrationsfähigkeit. Es ist auch bekannt, dass ein Niacinmangel negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat. Hinweise deuten darauf hin, dass die Supplementierung mit Niacin sich positiv auf den Verlauf psychotischer Schübe5 bei Patienten mit Schizophrenie auswirken kann.

Da Niacin für zentrale Stoffwechselprozesse benötigt wird, sind die positiven Wirkungen bzw. der therapeutische Nutzen sehr vielfältig6 + 7 . Die jeweiligen Wirkmechanismen sind jedoch in vielen Fällen noch nicht geklärt. Man konnte jedoch zeigen, dass eine verringerte intrazelluläre NAD-Konzentrationen zum Verlust der Fähigkeit einer Zelle zur Teilung und zum Wachstum führt, was Zellalterung und Zelltod zur Folge hat8. Weitere Erkrankungen bzw. biologische Ereignisse bei denen Niacin eine Rolle spielen könnte:

  • Alzheimer-Krankheit
  • Amyotrophe Lateralsklerose
  • Arthritis
  • Diabetische Enzephalopathie
  • Huntington-Krankheit
  • Hyperphosphatämie bei chronischer Nierenerkrankung
  • Intrazelluläre Kalzium-Regulation
  • Malignes Gliom
  • Muskelatrophie
  • Neurodegenerative Erkrankungen
  • Parkinson-Krankheit
  • Plattenepithelkarzinom
  • Schizophrenie
  • Zirkadianer Rhythmus
  • Stoffwechselregulierung durch Sirtuine.

Zu einem kleinen Teil kann der Körper Niacin in der Leber aus der Aminosäure Tryptophan selbst produzieren, die in zahlreichen Lebensmitteln in ausreichender Menge vorkommt. Die täglich empfohlene Zufuhr beträgt 13 – 17 mg/Tag (Jugendliche und Erwachsene) bzw. 15 – 17 mg/Tag (Schwangere und Stillende). Dabei ist zu beachten, dass der Bedarf an Vitamin B3 vom jeweiligen Energieverbrauch und vom Gesamtumsatz abhängt. Bei höherem Energieverbrauch steigt auch der Bedarf an Vitamin B3. Sofern Niacin als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt wird, sollte es nach den Mahlzeiten mit viel Flüssigkeit konsumiert werden. In hoher Dosierung (etwa 50 – 100 mg) kann Nicotinsäure innerhalb von 10 bis 45 Minuten zu einem Flush führen, mit Hautrötung, Hitzegefühl, Juckreiz und Kribbeln (verursacht über die durch Prostaglandin D2 ausgelöste Vasodilatation). Niacin kann das Risiko von Blutungen, Hypotonie und Hyperurikämie erhöhen und Veränderungen in der Blutzuckereinstellung verursachen. Es kann auch zu nachteiligen Wirkungen auf die glykämische Kontrolle bei Patienten mit Dyslipidämie kommen, sowohl mit als auch ohne Diabetes. Daher sollte bei längerer Anwendung eine engmaschige Kontrolle der Glukosetoleranz, der Leberwerte und der Nierenwerte stattfinden.

Vitamin B3 ist vor allem in tierischen Produkten enthalten, kommt aber auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor:

  • Cashewkerne
  • Datteln
  • Eier
  • Erdnüsse
  • Fisch
  • Fleisch (Rind, Wild)
  • Geflügel
  • Hülsenfrüchte
  • Kaffee
  • Kalbsleber
  • Milchprodukte
  • Pilze
  • Verschiedene Obst- und Gemüsesorten
  • Vollkornprodukte
  • Weizenkleie
  • Niacin-Mangelsymptome:
  • Appetitmangel
  • Depressive Verstimmung
  • Erschöpfung
  • Gedächtnisstörungen
  • Abnahme der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Muskelschwäche
  • Psychosen
  • Glossitis (Himbeerzunge)
  • Gerötete, rissige, schuppige Haut
  • Immunsuppression (z. B. Neutropenie).

Auch in der schulmedizinischen Forschung wird den Wirkungen von Niacin viel Aufmerksamkeit gewidmet. Hier finden Sie eine Übersicht9 aktueller und abgeschlossener klinischer Studien unter Verabreichung von Niacin.

1 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18380993/
2 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21314634/
3 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21314635/
4 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5966847/pdf/10.1177_1178646918776658.pdf
5 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25855923/
6 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK541036/
7 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26598845/
8 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4112140/pdf/nihms590720.pdf
9 https://clinicaltrials.gov/ct2/results?cond=Niacin

Vitamin B2 (Riboflavin)

Riboflavin wird im Volksmund auch als Wachstumsvitamin bezeichnet. Die biologisch aktiven Formen von Vitamin B2 sind die wasserstoff- und elektronenübertragende Coenzyme Flavinmono-, FMN und Flavinadenindinucleotid (FAD). Diese werden als die wichtigen Anteile von über 60 Enzymen betrachtet, welche zahlreiche Oxidations- und Reduktionsreaktionen durchführen. Riboflavin spielt aber auch in der mitochondrialen Energiegewinnung (Atmungskette) eine wichtige Rolle, als Cofaktor in den Komplexen I und II. Wie das Thiamin, wird auch Riboflavin benötigt, um Coenzym Q10 außerhalb der Mitochondrien zu regenerieren1. Riboflavin ist auch bedeutungsvoll für die Regeneration des Glutathionsystems und wird als Coenzym für die Glutathion-Reduktase benötigt, welche das oxidierte Glutathion (GSSG) in seine reduzierte Form (GSH) überführt. Somit nimmt Riboflavin auch eine zentrale Stellung im antioxidativen Netzwerk des Körpers ein. Vitamin B2-Mangel führt daher zu oxidativem Stress, der alle Zellsysteme schädigen und altern lassen kann. Auch der Stoffwechsel von Homocystein, Folsäure, Vitamin B3, Vitamin B6 und Vitamin K benötigen Riboflavin. Im Immunsystem wird Riboflavin zur Abwehr bakterieller Infektionen und zur Eliminierung von Tumorzellen benötigt. Riboflavin ist zudem wichtig für die Entgiftung von Umwelttoxinen wie Arzneimittel oder Pestizide.

Ein Riboflavinmangel kommt selten vor, denn dieses Vitamin ist in zahlreichen Nahrungsmitteln enthalten. Milch, Milchprodukte und Fleisch haben einen sehr hohen Riboflavin-Gehalt. In teilentrahmter Milch ist der Riboflavin-Gehalt wesentlich geringer. Auch fetter Fisch ist eine ausgezeichnete Riboflavin-Quelle, ebenso wie Muskelfleisch, Eier und Vollkornprodukte. Insbesondere dunkelgrünes Gemüse (z. B. Brokkoli und Spinat), enthalten relativ hohe Konzentrationen. Selbst bei Vegetariern tritt normalerweise kein Mangel auf, sofern die Ernährung einen ausreichend hohen Anteil an verschiedenen Obst- und Gemüsesorten hat.

Die täglich empfohlene Zufuhr beträgt 1,2 – 1,5 mg/Tag (Jugendliche und Erwachsene) bzw. 1,5 – 1,6 mg/Tag (Schwangere und Stillende). Bei mitochondrialen Dysfunktionen wird eine tägliche Zufuhr von 50 – 400 mg Riboflavin pro Tag2 empfohlen, in Kombination mit Benfotiamin, Vitamin B12, Magnesium, L-Carnitin, Coenzym Q10 und α-Liponsäure.

Riboflavinmangel kann auftreten bei:

  • Schwangeren oder stillenden Frauen
  • Kleinkindern
  • Schulkindern
  • älteren Menschen
  • Athleten
  • Essstörungen.

Typische Anzeichen eines Riboflavinmangels3

  • Müdigkeit
  • Konjunktivitis kann auftreten
  • Halsschmerzen
  • rote, trockene und rissige Lippen
  • Rötung, Schuppung im Bereich der Nasolabialfalte, Ohren, und Genitalbereich
  • Mitochondriale Dysfunktionen und Myopathien
  • trockene, atrophische Zunge, manchmal purpurrot oder manchmal schwärzlich
  • seborrhoische Dermatitis im Gesicht
  • hyperpigmentiertes Skrotum oder Vulva
  • Lichtüberempfindlichkeit, brennende Augen
  • Trübungen der Linse und des Glaskörpers
  • Blutarmut.

Abgesehen von der Supplementierung bei Mangelzuständen wird Riboflavin auch in manchen Indikationen verordnet:

  • Migräne-Prophylaxe
  • Phototherapie bei Neugeborengelbsucht
  • Laktatazidose, die durch antiretrovirale Medikamente verursacht ist.

Auch in der schulmedizinischen Forschung wird den Wirkungen von Riboflavin viel Aufmerksamkeit gewidmet. Hier finden Sie eine Übersicht4 aktueller und abgeschlossener klinischer Studien unter Verabreichung von Riboflavin.

1 https://www.dr-kuklinski.info/mitochondrien/
2 https://www.buecher.de/shop/fachbuecher/mikronaehrstoffe-fuer-die-kitteltasche/groeber-uwe/products_products/detail/prod_id/30177519/
3 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK525977/
4 https://clinicaltrials.gov/ct2/results?cond=&term=Riboflavin&cntry=&state=&city=&dist=&Search=Search

Vitamin B1 (Thiamin)

Thiamin, auch Vitamin B1 genannt, spielt eine Rolle bei zahlreichen biologischen Prozessen und ist daher ein wichtiges Vitamin für den Körper. Eine der Hauptfunktionen von Thiamin ist die Beteiligung als Cofaktor von Enzymen des Kohlenhydrat- bzw. Glukosestoffwechsels. Dies geschieht durch die Einschleusung von Kohlenhydrat-Metaboliten in den Citratzyklus (der in den Mitochondrien abläuft) über das Enzym Pyruvat-Dehydrogenase mit Thiamin als dessen Cofaktor. In dem mitochondrialen Stoffwechsel (Citratzyklus) wird α-Ketoglutarat in Succinyl-CoA durch das Enzym α-Ketoglutarat-Dehydrogenase umgewandelt, welches ebenso Thiamin als Cofaktor benötigt. Eine verminderte Aktivität dieser beiden Enzyme im Thiamin-Mangelstatus stört den Citratzyklus und beeinträchtigt somit die mitochondriale ATP-Bildung. Folglich kommt es zur Reduktion der Pyruvat-Oxidation mit gleichzeitiger Laktat-Akkumulation, sowie einer Senkung des pH-Wertes. Es kann zur Azidose (im Gehirn und im Blut) kommen. Das Gehirn kann darauf mit neurologischen Manifestationen12 reagieren. Zusätzlich führt eine Verminderung der Enzymaktivität zu einer Hemmung der Synthese von Neurotransmittern3 wie z.B. Acetylcholin und γ-Aminobuttersäure. Daher wird Vitamin B1 geläufig auch als „Stimmungsvitamin“ bezeichnet.

Auch in der Atmungskette der Mitochondrien wird Thiamin benötigt, als Cofaktor der Cytochrom C-Reduktase und für die Regeneration von Coenzym Q10 außerhalb der Mitochondrien4.
Bekannte Risikofaktoren für einen Thiaminmangel:

  • Unterernährung
  • Fettleibigkeit
  • Refeeding-Syndrom
  • Bariatrische Chirurgie
  • andere Gastrointestinaltrakt-Operationen
  • Alkoholismus
  • Hyperemesis gravidarum
  • Krebs und andere schwere Erkrankungen
  • Diabetes mellitus
  • chronische Nierenerkrankung bei Hämodialyse.

Die täglich empfohlene Zufuhr beträgt 1 – 1,3 mg/Tag (Jugendliche und Erwachsene) bzw. 1,2 – 1,4 mg/Tag (Schwangere und Stillende). Wird Vitamin B1 für ca. 14 Tage dem Körper nicht mehr zugeführt, sind die Reserven zu 50 % aufgebraucht.

Bekannte Mangelerscheinungen5

  • Augenzittern, Doppeltsehen
  • Blutarmut (Anämie)
  • Brennen der Füße
  • Gedächtnisstörungen, Verwirrungszustände
  • gestörte Energieproduktion, schwache Muskulatur
  • Gleichgewichtsstörungen.
  • häufige Kopfschmerzen
  • Herzrhythmusstörungen (Herzrasen)
  • Herzversagen, Wassereinlagerungen (Ödeme), niedriger Blutdruck, Kurzatmigkeit, Atemnot
  • Krämpfe
  • Magen-Darmstörungen
  • Müdigkeit, Sehstörungen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche, Muskelrückgang
  • Parästhesien – Kribbeln, Taubheit, Einschlafen der Glieder, Kälte und Wärmewahrnehmungsstörungen
  • Polyneuropathien der Extremitäten
  • Reizbarkeit und Depressionen
  • Schlafstörungen, Unruhe
  • Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels und Nervensystems
  • verringerte Produktion von Antikörpern bei Infektionen.

Die Einnahme größerer Mengen, sei es aus der Nahrung oder durch orale Supplemente, verursacht normalerweise keine Nebenwirkungen. Bei mitochondrialer Dysfunktion wird eine tägliche Zufuhr von 100 – 300 mg Thiamin pro Tag6 empfohlen, in Kombination mit Riboflavin, Vitamin B12, Magnesium, L-Carnitin, Coenzym Q10 und α-Liponsäure. Insbesondere die mageren Anteile im Schweinefleisch (1 mg/100 g), aber auch Hefe, Getreide (2 mg/100g), Hülsenfrüchte (ca. 0,8 mg/100g) und Kartoffeln sind reich an Thiamin. Lang andauerndes Kochen dieser Nahrungsmittel sollte vermieden werden. Die Aufnahme von rohen Lebensmitteln mit hohem Gehalt des Thiamin-abbauenden Enzyms Thiaminase (z. B. Krustentiere, Sprossen und einige Fische) kann zum Thiaminmangel beitragen oder sogar die direkte Ursache dafür sein. Thiaminase ist jedoch ein hitzeempfindliches Enzym, was das Risiko eines Thiaminmangels erheblich reduziert. Darüber hinaus trägt auch der Konsum von Getränken wie Kaffee, Tee und anderen gerbstoffreichen Getränken zum Thiaminmangel bei. Im Gegensatz dazu, wird die Thiamin-Bioverfügbarkeit durch Säfte aus Zitrusfrüchten erhöht, durch ihren Gehalt an Zitronensäure und Ascorbinsäure. Alkohol verhindert die aktive Aufnahme von Thiamin im Darm um bis zu 50 %, so dass es selbst bei Patienten mit gutem Ernährungszustand zum Thiaminmangel kommen kann, wenn der Alkoholkonsum zu hoch ist7.

Auch in der schulmedizinischen Forschung wird den Wirkungen von Thiamin viel Aufmerksamkeit gewidmet. Hier finden Sie eine Übersicht8 aktueller und abgeschlossener klinischer Studien unter Verabreichung von Thiamin.

1 https://link.springer.com/article/10.1007/s11064-014-1430-z
2 https://pubs.acs.org/doi/10.1021/bi401618y
3 https://www.researchgate.net/publication/330403907_Role_of_Thiamin_in_Health_and_Disease
4 https://www.dr-kuklinski.info/mitochondrien/
5 https://heilpraktiker-medienshop.de/product_info.php?products_id=7
6 https://www.buecher.de/shop/fachbuecher/mikronaehrstoffe-fuer-die-kitteltasche/groeber-uwe/products_products/detail/prod_id/30177519/
7 https://www.researchgate.net/publication/330403907_Role_of_Thiamin_in_Health_and_Disease
8 https://clinicaltrials.gov/ct2/results?cond=&term=Thiamin&cntry=&state=&city=&dist=

Vitamine

Vitamine sind lebenswichtige Stoffe, die der Körper bis auf wenige Ausnahmen nicht selbst bilden kann. Daher müssen sie über die Nahrung – entweder als Vitamine selbst oder als deren Vorstufen (Provitamine) – in adäquater Menge regelmäßig zugeführt werden. Obwohl die globale Ernährungslage heutzutage einfacher und gesicherter ist als vor wenigen Jahrzehnten, ist der Mangel an Mikronährstoffen ein weit verbreitetes Problem, was vor allem an der industrialisierten und denaturierten westlichen Ernährung liegt.

Während Proteine, Fette und Kohlenhydrate dem Körper als Energielieferanten dienen, werden Vitamine nicht zur Energieproduktion genutzt und auch nicht als Baumaterial für Gewebe und Organe. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Stoffwechselwege zu regulieren und enzymatische Reaktionen zu ermöglichen (z. B. als Cofaktoren). Einige Vitamine haben auch antioxidative Eigenschaften wie Vitamin C und E (Tocopherole, Tocotrienole). Beta-Carotin und die Carotinoide (z. B. Lutein) schützen empfindliche Zellmembranen vor oxidativem bzw. nitrosativem Stress durch freie Radikale, die maßgeblich an degenerativen Prozessen und der Zellalterung beteiligt sind. Außerdem sind Vitamine am Ablauf von Abwehr- und Immunreaktionen beteiligt und haben großen Einfluss auf die Infektanfälligkeit. Für den Menschen sind 13 essenzielle Vitamine bekannt. Sie werden unterteilt in wasser- und fettlösliche Vitamine, wobei sich diese beiden Gruppen bezüglich Aufnahme, Transport, Speicherung und Ausscheidung unterscheiden. Obwohl der Körper nur sehr geringe Vitaminmengen benötigt, führt eine mangelhafte oder fehlende Versorgung zu Mangelzuständen.

Welches sind die wahrscheinlichsten Ursachen eines Vitaminmangels oder eines erhöhten Vitaminbedarfs? Wie erkennt man einen Vitaminmangel?

  • Falsche bzw. einseitige Ernährung. Eine gemischte und abwechslungsreiche Ernährung ist Voraussetzung für die optimale Versorgung mit Vitaminen.
  • Erhöhter Bedarf in bestimmten Situationen. Dies kann der Fall sein in der Schwangerschaft und Stillzeit, in Phasen starken Wachstums von Kindern und Jugendlichen, in Stresssituationen, bei Rauchern und Alkoholismus.
  • Unzureichende Resorption im Darm. Dies kann bei chronischen Durchfällen, entzündlichen Darmerkrankungen oder einer gestörten Darmflora (z. B. durch Antibiotika) auftreten.
  • Bei Erkrankungen wie z. B. Schilddrüsenerkrankungen, Infektionen, koronare Herzkrankheiten, chronische Leber- und Nierenerkrankungen oder Krebs besteht ein erhöhter Vitaminbedarf.
  • Vegetarische oder vegane Ernährung. Bei diesen Ernährungsformen besteht das Risiko einer Unterversorgung mit Vitamin B12, das in fast allen tierischen Produkten, aber kaum in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten ist. Gelegentlich kann es hier auch zur Unterversorgung mit Vitamin D oder Vitamin B2 kommen.
  • Falsche Zubereitung oder Lagerung der Nahrung. Je nach Dauer und Art von Zubereitung oder Lagerung werden Vitamine abgebaut und gehen damit als wertvolle Nahrungsbestandteil verloren. Die Struktur der Vitamine wird weitgehend erhalten durch Einfrieren und kurze Kochzeiten.
  • Hohes Alter. Wegen geringerer körperlicher Aktivität und einem reduzierten Grundumsatz haben alte Menschen einen allgemein verminderten Energiebedarf. Der Bedarf an Vitaminen bleibt aber unverändert hoch und durch die reduzierte Ernährung kommt es nicht selten Unterversorgung mit Vitaminen.
  • Auch Umweltgifte, Chemikalien, endokrine Disruptoren bzw. Schwermetalle könnten an einem Mangel bzw. erhöhten Bedarf beteiligt sein.
  • Erhöhte Verluste können sich durch bestimmte Therapieformen (z. B. Dialyse) ergeben oder durch Wechselwirkungen mit manchen Medikamenten (z. B. Antiazida, Antibiotika, Diuretika, Corticoide, Kontrazeptiva, Psychopharmaka, Schilddrüsentherapeutika).
  • Lichtmangel. Vitamin D wird unter Einfluss von UV-Strahlung in der Haut gebildet. Wenn wenig Zeit im Freien verbracht wird oder bei zu geringer Sonnenexposition kann es zu Vitamin-D-Mangelerscheinungen kommen.

In frühen Stadien, bei einem latenten Vitaminmangel, treten nur sehr unspezifische Symptome auf, die nicht leicht als Mangel erkennbar sind. Typisch sind zum Beispiel Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Abgeschlagenheit, ein beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis, depressive Verstimmung, emotionale Labilität. Erst in fortgeschrittenen Stadien treten charakteristische Symptome auf, die dem Fehlen einzelner Vitamine zugeordnet werden können. Die Diagnostik ist dann meist eindeutig (z. B. Störungen der Knochenmineralisation bei Vitamin D-Mangel oder neurologische Störungen oder Anämie bei Vitamin B-Mangel). Auch eine erhöhte Infektanfälligkeit ist typisch für einen Vitaminmangel (z. B. Folsäure, Vitamin A, B6 oder C).

In der heute beginnenden Vitamin-Serie unseres Newsletters möchten wir Ihnen die wichtigsten Daten und Erkenntnisse zu einzelnen Vitaminen vorstellen. Wir beginnen mit den B-Vitaminen, die in Form ihrer Coenzyme an praktisch allen Stoffwechselwegen beteiligt sind. Sie regulieren den Stoffwechsel von Aminosäuren, Fetten und Kohlenhydraten und sind an der Energiegewinnung der Mitochondrien in Form von ATP maßgeblich beteiligt. Zudem werden sie benötigt für den Aufbau und die Regeneration von Nervenzellen und des Myelins und erfüllen wichtige Funktionen des Immunsystems.

Glutenfreie Ernährung bei Hashimoto Thyroiditis

Unruhe, Schlaflosigkeit, Gewichtsveränderungen und andere unklare Beschwerden können Symptome der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis sein. Der Körper beginnt aus noch unbekannter Ursache Antikörper gegen Eiweiße der Schilddrüse zu bilden. Dies führt zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse und einer fortschreitenden Fibrose. Auf Dauer kann das ständig entzündete Schilddrüsengewebe zerstört werden, was eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) zur Folge hat. Tatsächlich ist die Hashimoto-Thyreoidits die häufigste Ursache einer Hypothyreose in den entwickelten Ländern. Im Gegensatz dazu wird weltweit die unzureichende Jodzufuhr über die Nahrung als häufigste Ursache einer Hypothyreose angegeben.

Manchmal leiden Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis zusätzlich noch an weiteren Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Addison, Typ-1-Diabetes, Zöliakie oder einer schweren Form der Blutarmut (perniziöse Anämie). Die Diagnose ist oftmals nicht einfach. Die häufigsten Laborbefunde zeigen ein erhöhtes Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) und niedrige Werte von freiem Thyroxin (fT4), gekoppelt mit erhöhten antithyreoidalen Peroxidase (TPO)-Antikörpern. Zu einem früheren Zeitpunkt im Verlauf der Erkrankung können die Patienten jedoch Anzeichen, Symptome und Laborbefunde einer Hyperthyreose oder sogar normale Werte aufweisen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Zerstörung der Schilddrüsenzellen intermittierend sein kann. Frauen sind häufiger betroffen, das Verhältnis von betroffenen Frauen zu Männern beträgt mindestens 10:1.

Bei der Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis spielt die Ernährungsumstellung nach ProImmun M eine wichtige Rolle, wie aus unzähligen Behandlungserfolgen und zahlreichen Falldokumentationen (LINK 1 | LINK 2) hervorgeht. Nun hat eine klinische Studie gezeigt, wie durch eine einfache Ernährungsumstellung – nämlich der Verzicht auf Gluten – die Schilddrüsen-Autoimmunität, die Aktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse und die Schilddrüsenfunktionstests bei Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis positiv beeinflusst.

An der Studie nahmen 34 Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis teil, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Die 16 Patientinnen der ersten Gruppe hielten sich 6 Monate lang an eine glutenfreie Ernährung, während 18 Patientinnen keinerlei Ernährungstherapien erhielten. Die Serumtiter der Schilddrüsenperoxidase (TPO) und der Thyreoglobulin-Antikörper (TAK, Tg-AK) sowie die Serumspiegel von Thyreotropin (TSH), freien Schilddrüsenhormonen und 25-Hydroxyvitamin D wurden zu Beginn der Studie und nach 6 Monaten gemessen. Basierend auf den Thyreotropin- und freien Schilddrüsenhormonspiegeln wurden der Jostel-Thyreotropin-Index (TSH-Index), der SPINA-GT-Index und der SPINA-GD-Index berechnet.

Die glutenfreie Ernährung reduzierte die Titer der Schilddrüsenantikörper. Gleichzeitig kam es zu einer leichten Erhöhung der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel sowie des SPINA-GT-Index. Die Erhöhung des SPINA-GT-Index spricht für eine Erhöhung der Sekretionsleistung und damit einer Besserung der Hypothyreose. In der Kontrollgruppe, die weiterhin Gluten konsumierte, blieben die Serumkonzentrationen von Thyreotropin und freien Schilddrüsenhormonen bestehen, ebenso wie die Serumkonzentrationen von 25-Hydroxyvitamin D und die berechneten Indizes.

Somit wurde hier erneut bestätigt, dass die glutenfreie Ernährung für Frauen mit autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen klinische Vorteile bringt.

Bioaktive Stoffe – Cardiolipin, Phospholipide

Das ernährungswissenschaftliche Denken des vergangenen Jahrhunderts bestand hauptsächlich darin, dass die Nahrung sich aus Kohlenhydraten, Proteinen, Fetten, Mineralstoffen, Vitaminen, Ballaststoffen und Wasser zusammensetzt. In den vergangenen 20 – 30 Jahren wurden jedoch unzählige bioaktive Substanzen in Lebensmitteln entdeckt, die nachgewiesene protektive und gesundheitsfördernde Wirkungen haben. Essenzielle Nährstoffe sind für den Menschen lebensnotwendig, da sie nicht selbst in ausreichender Menge gebildet werden können (z. B. Vitamine, Mineralstoffe, einige Amino- und Fettsäuren). Heute berichten wir über die Bedeutung der Phospholipide und Cardiolipide.

Phospholipide

Hierbei handelt es sich um eine Untergruppe der Lipide, deren Molekül einen Phosphorsäure-Rest enthält. Besonders reich an Phospholipiden sind das Knochenmark, das Gehirn, das Herz und die Leber. Phosphatidylcholin (Lecitin) und Phosphatidylserin sind mit die wichtigsten Phospholipide im menschlichen Organismus. In den Zellmembranen kommt das Phosphatidylcholin als dominierendes Phospholipid vor und ist auch gleichzeitig ein „Reservoir“ für Cholin. Besonders reich an Phospholipiden sind rohe Pflanzenöle (z. B. Soja-, Weizenkeim- oder Sesamöl), Krillöl (ein Extrakt aus dem antarktischen Krill; reines Krillöl enthält bis zu 40 % Phospholipide), Samen, Wurzeln und Knollen mancher Pflanzen, Hefe und Pilze. Welche biologischen Funktionen haben die Phospholipide?

  • Sie verleihen den Zellmembranen ihre Struktur, und sorgen damit für die richtige Funktion, Elastizität und Signalübertragung der Zellen.
  • Phospholipide sind besonders in die Myelinscheide angereichert, einer lipidreichen Schicht welche die fadenförmigen Fortsätze mancher Nervenzellen umgibt. Die Myelinscheide erhöht die Geschwindigkeit der Erregungsleitung von Nervensignalen erheblich und sie besteht zu 70 % aus Fetten. Daher erscheinen Regionen im Zentralnervensystem weiß, wenn sie viel Myelin enthalten (auch als „weiße Substanz“ benannt). Mit der „grauen Substanz“ bezeichnet man Gehirnregionen mit wenigen Myelinscheiden.
  • Mitochondriale Phospholipide sind mit die wichtigsten Bausteine der Mitochondrien. Sie verleihen der äußeren und inneren Membranen ihre Form. Aus den Phospholipiden entstehen auch andere charakteristische mitochondriale Strukturen wie die Cristae (gebildet aus den Einstülpungen der inneren Mitochondrienmembran), die Matrix (Bereich innerhalb der Cristae) und der Intermembranraum, der die äußere und die innere Mitochondrienmembran voneinander trennt. Darüber hinaus enthalten diese Membranen Sterole, Sphingolipide und eine Vielzahl von Proteinen. Mitochondrien sind in der Lage, einige der benötigten Phospholipide zu synthetisieren, aber der Großteil der Lipidbiosynthese findet im zellulären endoplasmatischen Retikulum in Verbindung mit dem Golgi-Apparat statt. Da Mitochondrien als dynamische Organellen ständig Spaltung und Fusion durchlaufen, müssen sie für die Membranintegrität konstant und ausreichend reguliert und mit Phospholipiden als „Baumaterial“ versorgt werden.

Cardiolipin

Cardiolipine sind eine besondere Art von Phospholipiden, denn sie enthalten 4 sogenannte „Fettsäurereste“. Ihre Bezeichnung bezieht sich auf das Herz, da aus diesem Organ die Cardiolipine zum ersten Mal isoliert wurden. Sie kommen ausschließlich in den Membranen von Mitochondrien (vor allem in der inneren Membran) und Bakterienmembranen vor. Der Cardiolipin-Anteil macht etwa 20 – 30 % aller mitochondrialen Phospholipide aus. In der inneren Membran stabilisieren die Cardiolipine die mitochondrialen Atmungskomplexe. Man kann sich daher die Cardiolipine wie eine Art „Leim“ vorstellen, der die Komplexe der Atmungskette in der inneren Mitochondrienmembran verankert. Sie sind die einzigen Phospholipide, die in den Mitochondrien synthetisiert werden. Man vermutet auch, dass Cardiolipine an die DNA binden kann und dadurch an der Genregulation beteiligt sein könnten.

In unserem Newsletter vom 18. Juli haben wir über Carnitin berichtet. Damit die Fettsäuren in die Mitochondrien gelangen, benötigen sie Carnitin. Dort werden die Fettsäuren über die sogenannte „ß-Oxidation“ in kleinere Einheiten gespalten und der weiteren mitochondrialen Energieproduktion zugeführt. L-Carnitin gilt als daher als “Fatburner”. Cardiolipin unterstützt den Carnitin-vermittelten Transport von Fettsäuren in die Mitochondrien, die daran beteiligten Enzyme (z. B. Carnitin-Acyltransferase) enthalten Cardiolipin.

Essentielle Aminosäuren – L-Carnitin, Taurin, L-Carnosin

Das ernährungswissenschaftliche Denken des vergangenen Jahrhunderts bestand hauptsächlich darin, dass die Nahrung sich aus Kohlenhydraten, Proteinen, Fetten, Mineralstoffen, Vitaminen, Ballaststoffen und Wasser zusammensetzt. In den vergangenen 20 – 30 Jahren wurden jedoch unzählige bioaktive Substanzen in Lebensmitteln entdeckt, die nachgewiesene protektive und gesundheitsfördernde Wirkungen haben. Essenzielle Nährstoffe sind für den Menschen lebensnotwendig, da sie nicht selbst in ausreichender Menge gebildet werden können (z. B. Vitamine, Mineralstoffe, einige Amino- und Fettsäuren). Bioaktive Substanzen, z. B. Pflanzeninhaltsstoffe oder andere Stoffe wie L-Carnitin, Taurin oder Carnosin sind ganz wichtige Ergänzungen der Nährstoffe.

L-Carnitin

L-Carnitin ist eine natürlich vorkommende, vitaminähnliche Substanz, die in der Leber und den Nieren aus den essenziellen Aminosäuren L-Lysin und L-Methionin gebildet wird. Die körpereigene Bildung von Carnitin benötigt Eisen, Vitamin C, Niacin und Pyridoxin. Vor allem in der Skelett- und Herzmuskulatur wird L-Carnitin benötigt, wo es eine zentrale Rolle im mitochondrialen Energiestoffwechsel spielt, als „Transporter“ langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien. Ohne Carnitin haben die Fettsäuren keinen Zutritt in die Zelle und die Mitochondrien. Dort werden die Fettsäuren über die sogenannte „ß-Oxidation“ in kleinere Einheiten gespalten und der weiteren mitochondrialen Energieproduktion zugeführt. L-Carnitin gilt als daher als “Fatburner”. Ein Überangebot von L-Carnitin beschleunigt aber den Fettstoffwechsel nicht, zu hohe Mengen werden wieder ausgeschieden.

  • Power für ein schwaches Herz:
    Die Unterversorgung des Herzens mit Sauerstoff und die Herzinsuffizienz (Unvermögen des Herzens, die vom Körper benötigte Blutmenge zu fördern) werden im Zusammenhang mit L-Carnitin-Defiziten diskutiert.
    Durch die Einnahme von L-Carnitin (ca. 1 – 2 g/Tag) können Menschen mit einer schlechten Durchblutung des Herzens, das Risiko von Folgeerkrankungen verringern Link 1 | Link 2 | Link 3 (z. B. chronische Herzleistungsschwäche, Angina Pectoris, Herzinfarkt).
  • Regulierung der Blutfettwerte:
    Erhöhte Plasma-Lipoprotein a-Spiegel sind mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert. In mehreren präklinischen und klinischen Studien sowie Metaanalysen wurde gezeigt, dass L-Carnitin und Coenzym Q10 die Lp(a)-Spiegel bei Patienten mit Lp(a)-Hyperlipoproteinämie signifikant senken. Diabetikern mit erhöhten Blutfettwerten wird die Einnahme von 500 bis 1.000 Milligramm L-Carnitin pro Tag empfohlen.
  • Verringerung der kardialen Nebenwirkungen von Doxorubicin-Chemotherapie:
    Bei 15 Patienten mit Brust- oder Bronchialkarzinom, die mit Doxorubicin (Chemotherapeutikum) behandelt wurden, kam es zu einer wesentlich geringeren (durch Chemotherapie verursachten) Abnahme der Herzmuskulatur, wenn die Patienten 3 mal täglich 1 Gramm L-Carnitin oral und 1 Gramm intravenös vor Doxorubicingabe erhielten.
  • Förderung der Apoptose von Krebszellen:
    L-Carnitin hat in Tumorzellen möglicherweise auch eine Apoptose-fördernde Funktion, die auf einer gesteigerten ß-Oxidation beruhen soll. Dadurch entstehen in der Tumorzelle vermehrt Sauerstoffradikale, die zum Zelltod der Tumorzelle führen sollen. Eine antikanzerogene Wirkung ergibt sich für L-Carnitin durch die Hemmung der Oxidation von Fetten.
  • Verbesserung der Immunkompetenz:
    L-Carnitin wirkt antiinflammatorisch, fördert die Vermehrung der Lymphozyten und steigert die Aktivität der Fresszellen und der natürlichen Killerzellen.
  • Stabilisierung von Biomembranen:
    Durch L-Carnitin werden die Membranen der Mitochondrien stabilisiert sowie auch die Membranen von Erythrozyten und Immunzellen.
  • Neuroprotektion:
    L-Carnitin reduziert sowohl körperliche wie geistige Müdigkeit bei Alterspatienten und verbessert deren Denkleistung, wahrscheinlich durch die Förderung der Nervenzellregeneration. L-Carnitin zeigt zudem positive Effekte bei der Altersdepression und der Alzheimererkrankung. Zudem wird L-Carnitin in der komplementärmedizinischen Behandlung von Erschöpfungszuständen bei chronischen Erkrankungen verordnet.

Tagesbedarf und Vorkommen von L-Carnitin

Der L-Carnitin-Tagesbedarf eines Erwachsenen beträgt 50 bis 300 mg. Ziegen- und Lammfleisch sind besonders reich an L-Carnitin, welches in pflanzlichen Lebensmitteln kaum enthalten ist. Ein erhöhter Bedarf besteht bei Neugeborenen, Schwangeren, Stillende und chronisch Erkrankten.

Lebensmittel / L-Carnitin-Gehalt (mg/100 g Lebensmittel)

Rinderhackfleisch  87,5 mg
Kalbssschulter  78,2 mg
Merguez (Rindswurst mit Lammfleisch)  66,3 mg
Rindssteak  65,0 mg
Lammkotelett  40,5 mg
Schinken  33,5 mg
Truthahnfleisch  21,2 mg
Schweinsschulter  21,1 mg
Joghurt  12,2 mg
Hühnerbrust ohne Haut  10,4 mg
Avocado  8,1 mg
Schweinswurst  7,1 mg
Gruyère Käse  6,5 mg
Milch (2 % Fett)  2,9 mg
Kartoffel  2,4 mg
Quark  1,8 mg
Thunfisch  1,5 mg
Geräucherter Lachs  1,0 mg
Zwiebel  0,7 mg
Mozzarella  0,3 mg
Karotte  0,3 mg
Apfel  0,2 mg

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Demarquoy, J., Georges, B., Rigault, C., Royer, M., Claiet, A., Soty, M., et al. (2004). Radioisotopic determination of L-carnitine content in foods commonly eaten in Western countries. Food Chemistry 86, 137-142
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

Taurin

Taurin ist eine einfache, schwefelhaltige Aminosäure, die in tierischen Zellen weit verbreitet ist und im Pflanzenreich kaum vorkommt (mit einigen Ausnahmen). Diese Aminosäure wird nicht für die Bildung von Proteinen verwendet. Eine Zufuhr durch Nahrungsmittel ist bei Erwachsenen normalerweise nicht nötig, denn im Stoffwechsel entsteht Taurin aus Cystein und Methionin unter Beteiligung von Vitamin B6. Alternativ entsteht Taurin beim Abbau von Coenzym A durch Decarboxylierung von Cysteamin. Besonders reich an Taurin sind das zentrale Nervensystem, die Lymphozyten und Thrombozyten. „Energy Drinks“ und ähnliche Produkte enthalten Taurin. Für die Behauptung, dass diese Drinks die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern, liegen nach unserer Kenntnis noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Bei vielen Zellfunktionen spielt Taurin eine wichtige Rolle:

  • Als Antioxidans wird Taurin für die Entgiftung von Hypochlorit und Peroxiden benötigt.
  • Taurin wirkt antiarrhythmisch sowie positiv inotrop auf den Herzmuskel, d. h. es erhöht die Regelmäßigkeit und Stärke der Herzkontraktionen.
  • Zur Aufrechterhaltung des zellulären Calciumgleichgewichts und der Stabilisierung von Zellmembranen wird Taurin benötigt.
  • Bei der Fettresorption wird Taurin zur Bildung von Gallensäurekonjugaten benötigt.
  • Taurin ist ein Wachstumsmodulator und daher wichtig für die Entwicklung des ZNS, der Retina und der Herzfunktion. In den Zellen der Retina schützt Taurin vor oxidativen Schäden.
  • Im Stoffwechsel wird Taurin für den Ab- und Aufbau der Kohlenhydrate benötigt (Glykolyse, Gluconeogenese).
  • Im Tierversuch wurde eine entzündungshemmende Wirkung von Taurin nachgewiesen. Wenn der Tauringehalt im Gewebe absinkt (vor allem im Lungengewebe), kommt es zu Entzündungen.
  • Alkoholbedingte Leberschäden können durch Taurin reduziert werden.

Vorkommen und Aufnahme von Taurin

Das im menschlichen Körper vorhandene Taurin stammt aus drei Quellen:

  • Aufnahme aus der Nahrung
  • Synthese aus Methionin und Cystein in der Leber und anderen Geweben
  • Rückabsorption in den Nieren.

Einem Körpergewicht von 70 kg entsprechen ca. 30 bis 70 g Taurin, wovon sich etwa 75 % in den Muskelzellen befinden. Organe mit besonders hohem Tauringehalt sind Skelettmuskeln, Herz, Gehirn und Leber. Bei einer Mischkost beträgt die tägliche Aufnahme zwischen 40 und 400 mg.

Lebensmittel / Taurin-Gehalt (mg/100 g Lebensmittel)

Miesmuschel  655 mg
Austern  396 mg
Truthahn: dunkles Fleisch  306 mg
Huhn: dunkles Fleisch  169 mg
Lammfleisch  57 – 160 mg
Schweinelende  61 mg
Salami  59 mg
Truthahn: helles Fleisch  30 mg
Rindfleisch  43 mg
Kalbfleisch  40 mg
Schinken  50 mg
Thunfisch in Öl  42 mg
Huhn: helles Fleisch  18 mg
Vollmilch  2,4 mg
Vollmilchjoghurt natur  3,3 mg
Gemüse  –
Fruchtsäfte (Apfel, Orange)  –
Linsen  –
Weissbrot, Vollkornbrot  –
Haferflocken  –
Nüsse  –
Reis  –
Nudeln  –

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
Laidlaw, S.A., Grosvenor, M., Kopple, J.D. (1990). The taurine content of common foodstuffs. Journal of Parenteral and Enteral Nutrition 14, 183-188
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Carnosin

Carnosin (β-Alanyl-L-Histidin) besteht aus den beiden Aminosäuren β-Alanin und L-Histidin und kommt in erhöhten Konzentrationen im Muskel- und im Gehirngewebe vor. Im Muskelgewebe ist L-Carnosin ein wichtiger Puffer. Dadurch wird der intramuskuläre pH-Wert stabilisiert und die Fähigkeit zu anaeroben Leistungen (bei Sauerstoffmangel) vergrößert. Weitere Funktionen von Carnosin:

  • Carnosin hat antioxidative Eigenschaften und kann reaktive Sauerstoffspezies abfangen sowie auch oxidierte Fettsäuren in der Zellmembran, die bei länger andauerndem oxidativem Stress gebildet werden. Link 1 | Link 2. Diese stehen im Zusammenhang mit der Zellalterung, weshalb Carnosin gerne als „anti-ageing“ Substanz vermarktet wird.
  • Für Autisten kann Carnosin ein effektives Nahrungsergänzungsmittel sein, wie in einer klinischen Studie nachgewiesen wurde. Bei autistischen Kindern, die über einen Zeitraum von 8 Wochen täglich 300 mg Carnosin erhielten, kam es zu signifikanten Besserungen. Man nimmt an, dass Carnosin sich auf Gehirnareale die für Hören, Sprache, Bewegung und Sozialisation zuständig sind, positiv auswirkt. Bei zu hohen Dosen kann Carnosin allerdings den Corticosteronspiegel erhöhen. Damit wird die Hyperaktivität erklärt, die bei der Verabreichung hoher Dosen zu beobachten ist.
  • Carnosin kann mit Metallionen wie z. B. Kupfer, Zink und Kobalt Komplexe bilden. Je nach gebundenem Metallion haben die Komplexe unterschiedliche biologische Funktionen. Der Carnosin-Zink-Komplex lindert Magenschleimhautverletzungen und Magengeschwüre und hemmt deren hauptsächlichen Erreger Helicobacter pylori. Daher wird dieser Komplex auch als Medikament eingesetzt.

Carnosin kommt nur im Fleisch vor, jedoch nicht in pflanzlichen Nahrungsmitteln. Im Rindfleisch wurden Carnosingehalte von 450 mg/100 g nachgewiesen, in Lammfleisch lagen die Werte in den Muskeln zwischen 251 und 491 mg/100 g. Auch im Schweinefleisch beläuft sich der Carnosingehalt auf vergleichbare Werte.

In der Fleischindustrie wird Carnosin als Antioxidans verwendet, welches die Fettoxidation und die Bildung von Metmyoglobin hemmt. Das führt zur Stabilisierung von Farbe und Geschmack des Fleisches, die Lagerfähigkeit wird verbessert.

Essentielle Aminosäuren – L-Lysin, L-Histidin und L-Threonin

Essentielle Aminosäuren werden vom Körper nicht selbst gebildet und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Dazu gehören L-Histidin, L-Isoleucin, L-Leucin, L-Lysin, L-Methionin, L-Phenylalanin, L-Threonin, L-Tryptophan und L-Valin. Für einen ausgeglichenen Energiehaushalt, Funktion und Struktur des gesamten menschlichen Organismus ist eine ausgewogene Versorgung mit diesen Aminosäuren notwendig. Aber selbst der Bedarf mancher nicht-essentieller Aminosäuren – die normalerweise vom Körper in ausreichender Menge gebildet werden – kann in Ausnahmefällen erhöht sein (Leistungssport, Alkoholabusus, einseitige vegetarische Ernährung, Frühgeborene, Schwangere, Stillzeit, starke geistige/körperliche Belastungen, schwere Erkrankungen, intensivmedizinische Betreuung, Regeneration nach Operationen etc.). Dies erfordert gegebenenfalls die zusätzliche Versorgung über Nahrungsergänzung.

In Fortsetzung unserer Serie zu essentiellen Aminosäuren gehen wir im heutigen Newsletter auf die essentiellen Aminosäuren L-Lysin, L-Histidin und L-Threonin ein.

L-Lysin

L-Lysin ist in vielen Proteinen maßgeblich enthalten und hat daher vielfältige Funktionen im Körper. Es trägt zum Wachstum bei, zur Bildung von Enzymen, Hormonen und Antikörpern. Auch für die Knochengesundheit, Kollagensynthese und Gewebereparatur wird L-Lysin benötigt. Weitere Funktionen von L-Lysin:

  • Verbesserung der Bioverfügbarkeit von Calcium und Eisen;
  • Stabilisierung der Fähigkeit zur wirksamen Immunabwehr;
  • Stabilisierung der Muskelproteine;
  • Aufbau von Elastin und Kollagen;
  • Aufnahme des LDL in der Leber (Lysinreiche Rezeptorproteine);
  • Föderung der Aufnahme von Calcium in die Knochen.

Der tägliche Bedarf an Lysin ist durch eine ausgewogene Ernährung in der Regel gedeckt (Kleinkinder ca. 96 mg/kg Körpergewicht; Erwachsene ca. 10 – 11 mg/kg Körpergewicht). Bei streng vegetarischer Ernährung, Malnutrition oder Reduktionsdiäten kann es zum Lysinmangel kommen. Der Bedarf an Lysin kann bei einem schwachen Immunsystem erhöht sein, beispielsweise bei häufig wiederkehrenden Herpes-Infektionen. Nach Expertenmeinung helfen Tages-Dosierungen von 0,5 bis vier Gramm Lysin, Herpes im Akutfall zu lindern (evtl. auch in Kombination mit Vitamin C und Zink). Über seine Beteiligung am Kalzium-Stoffwechsel kann Lysin zur Vorbeugung bzw. Behandlung der Osteoporose beitragen. In der orthomolekularen Medizin wird Lysin zur begleitenden Therapie bei Herz-Kreislauf-Krankheiten empfohlen, da Lysin Bestandteil von Kollagen ist und somit die Gefäßwände stärken könnte. Weitere Hinweise sprechen für die Verwendung von Lysin zur Senkung von Triglyzeriden und der Wundheilung bzw. Erholung nach Verletzungen und Operationen.

Lebensmittel und L-Lysin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Rindfleisch, roh  1.797 mg
Hähnchenbrustfilet, roh  1.962 mg
Kürbiskern  2.283 mg
Lachs, roh  1.870 mg
Erbsen, getrocknet  1.772 mg
Tofu, fest  1.000 mg
Hühnerei  914 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett  260 mg
Walnüsse  424 mg
Weizen-Vollkornmehl  378 mg
Mais-Vollkornmehl  195 mg
Reis, ungeschält  303 mg
Buchweizen-Mehl  595 mg
Quinoa  860 mg

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Histidin

L-Histidin gehört zu den sog. „semi-essentiellen“ Aminosäuren, die bei einigen Entwicklungsphasen oder Krankheiten essentiell sind. So kann z. B. Histidin von Kindern bzw. Jugendlichen oder von Erwachsenen mit chronischem Nierenversagen nicht in ausreichender Menge gebildet werden. Arginin, eine weitere semi-essentielle Aminosäure, kann von Erwachsenen mit Lebererkrankungen und von stillenden Müttern nur unzureichend gebildet werden. Der Histidinbedarf kann durch krankhafte Prozesse und Stress erhöht sein. Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis sind oftmals niedrige Histidin-Spiegel im Blut nachweisbar. Die Nahrungsergänzung mit Histidin kann dazu beitragen, rheumatische Entzündungen und Schmerzen zu lindern. Bei gesunden Erwachsenen die sich ausgewogen ernähren, entsteht in der Regel kein zusätzlicher Bedarf an Histidin.

Histidin ist an der Bildung des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin) beteiligt, trägt zu einem gut funktionierenden Immunsystem bei und unterstützt die Aktivität der weißen Blutkörperchen. Eine zu geringe Histidin-Versorgung kann die Bildung von Hämoglobin hemmen. Bei entzündlichen Prozessen und Allergien kann Histidin freie Radikale abfangen und unschädlich machen, daher wird dieser Aminosäure auch eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkung zugeordnet. Histidin ist auch zur Bildung von Histamin notwendig, das nicht nur im allergischen Geschehen eine wichtige Rolle spielt, sondern auch weitere wichtige Funktionen hat (Erweiterung der Blutgefäße, Erhöhung von Herzfrequenz und Magensäureproduktion, Steuerung der Muskulatur von Darm, Uterus, Bronchien und Gefäßen). Histidin spielt außerdem bei der Aufnahme und Verwertung von Zink eine wichtige Rolle. Dieses Spurenelement wird aus Fleisch besser aufgenommen, da es dort häufig an Histidin gebunden vorkommt. Diese Verbindung erleichtert den Transport von Zink durch die Darmwand, und verbessert die anschließende Zinkverwertung.

Der tägliche Bedarf an Histidin wird mit 8 bis 12 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Demnach liegt der tägliche Bedarf von Erwachsenen etwa zwischen 500 und 1.000 mg.

Lebensmittel und L-Histidin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Sojabohnen, getrocknet  1.097 mg
Hähnchenbrustfilet, roh  791 mg
Rindfleisch, roh  678 mg
Weizenkeime, getrocknet  643 mg
Erbsen, getrocknet  597 mg
Lachs, roh  549 mg
Hühnerei  309 mg
Walnüsse  391 mg
Weizen-Vollkornmehl  317 mg
Mais-Vollkornmehl  211 mg
Reis, ungeschält  202 mg

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Threonin

L-Threonin ist ein wichtiger Baustein im Proteinstoffwechsel und trägt zur Bildung zahlreicher Enzyme und Hormone bei. Diese Aminosäure ist an der Biosynthese von Vitamin B12 und Isoleucin beteiligt. Besonders reich an Threonin ist das Kollagen, welches im Bindegewebe, den Knochen und Zähnen, Sehnen und Bändern eine wichtige Stützfunktion hat. Auch Mucine, die im Schleim aller Schleimhäute vorkommen, sind besonders reich an Threonin. Sie schützen beispielsweise im Magen vor starken Säuren und anderen chemischen Substanzen. Damit Threonin optimal im Körper wirken kann, müssen Magnesium, Vitamin B3 und Vitamin B6 ebenfalls in ausreichenden Mengen vorhanden sein. Weitere Funktionen von L-Threonin:

Bildung von Immunglobulinen und Antikörpern und damit Stärkung des Immunsystems
Gesundheit der Thymusdrüse, in der die für das Immunsystem wichtigen T-Lymphozyten reifen
Bei starken körperlichen Leistungen kann L-Threonin zur Gewinnung von Energie dienen
Zusammen mit L-Glycin und L-Serin spielt L-Threonin eine wichtige Rolle im Stoffwechsel von Porphyrin
Ein lange andauernder Threoninmangel führt zu schneller Ermüdung, geringer Energie, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Bei schweren Mangelszuständen während der Kindheit kann es zum verzögerten Knochenwachstum kommen.

Der tägliche Bedarf an Threonin beträgt bei jungen Erwachsenen etwa 14 mg pro kg Körpergewicht, reifere Erwachsene benötigen 6 bis 7 mg pro kg Körpergewicht. Ein Mehrbedarf an Threonin besteht bei hohen körperlichen Leistungen.

Lebensmittel und L-Threonin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Rindfleisch, roh 849  mg
Hähnchenbrustfilet, roh  975 mg
Lachs, roh  860 mg
Hühnerei  556 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett  148 mg
Walnüsse  596 mg
Weizen-Vollkornmehl  395 mg
Mais-Vollkornmehl  261 mg
Reis, ungeschält  291 mg
Erbsen, getrocknet  872 mg

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

Essentielle Aminosäuren – L-Phenylalanin, L-Tryptophan und L-Methionin

Essentielle Aminosäuren werden vom Körper nicht selbst gebildet und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Dazu gehören L-Histidin, L-Isoleucin, L-Leucin, L-Lysin, L-Methionin, L-Phenylalanin, L-Threonin, L-Tryptophan und L-Valin. Für einen ausgeglichenen Energiehaushalt, Funktion und Struktur des gesamten menschlichen Organismus ist eine ausgewogene Versorgung mit diesen Aminosäuren essenziell. Aber selbst der Bedarf mancher nicht-essentieller Aminosäuren – die normalerweise vom Körper in ausreichender Menge gebildet werden – kann in Ausnahmefällen erhöht sein (Leistungssport, Alkoholabusus, einseitige vegetarische Ernährung, Frühgeborene, Schwangere, Stillzeit, starke geistige/körperliche Belastungen, schwere Erkrankungen, intensivmedizinische Betreuung, Regeneration nach Operationen etc.). Dies erfordert gegebenenfalls die zusätzliche Versorgung über Nahrungsergänzung.

In Fortsetzung unserer Serie zu essentiellen Aminosäuren gehen wir im heutigen Newsletter auf die essentiellen Aminosäuren L-Phenylalanin, L-Tryptophan und L-Methionin ein.

L-Phenylalanin

L-Phenylalanin wurde erstmals im Jahr 1879 aus Samen der gelben Lupine (Lupinus luteus) isoliert und gehört gemeinsam mit Tryptophan und Tyrosin zu den so genannten aromatischen Aminosäuren. In deren Molekül befindet sich eine besondere, ringförmig Struktur. Die wichtigsten Funktionen von L-Phenylalanin im Stoffwechsel:

  • L-Phenylalanin ist Ausgangsstoff für die Bildung der Aminosäure L-Tyrosin, die als eine konditionell essentielle Aminosäure betrachtet wird. In bestimmten Situationen (z. B. Erkrankungen der Leber oder Infektionen) ist die Umwandlung von L-Phenylalanin in L-Tyrosin gestört – diese Aminosäure muss dann supplementiert werden.
  • L-Phenylalanin wird zur Bildung der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin benötigt.
  • L-Phenylalanin ist notwendig zur Bildung der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Triiodthyronin.
  • L-Phenylalanin wird benötigt zur Bildung von Melanin (Pigmentierung der Haut).Die empfohlene tägliche Zufuhr für Erwachsene beträgt 13,7 mg/kg Körpergewicht.

Diese Lebensmittel sind besonders reich an L-Phenylalanin

Lebensmittel und L-Phenylalanin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Sojabohnen, getrocknet  2.122 mg
Erbsen, getrocknet  1.132 mg
Kürbiskerne  1.733 mg
Hähnchenbrustfilet, roh  857 mg
Hühnerei  680 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett  158 mg
Lachs, roh  845 mg
Mais-Vollkornmehl  340 mg
Reis, ungeschält  410 mg
Schweinefleisch, roh  881 mg
Walnüsse  711 mg
Weizen-Vollkornmehl  646 mg

Als Mangelerscheinungen können Appetitstörungen, Depressionen, Reizbarkeit, verringerte kognitive Leistungsfähigkeit, reduzierte Stressresistenz oder Pigmentierungsstörungen (z. B. bei Vitiligo) auftreten. Anwendungsgebiete für den therapeutischen Einsatz von L-Phenylalanin: Stress/Burnout, Vitiligo, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Appetitreduktion und depressive Verstimmungen.

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Tryptophan

Der essenziellen Aminosäure L-Tryptophan werden stimmungsaufhellende, beruhigende und gewichtsreduzierende Eigenschaften zugeschrieben. Daher gilt L-Tryptophan als „natürliches Antidepressivum“, ihm wird eine gute Wirksamkeit bei depressiven Erkrankungen bei gleichzeitig geringen Nebenwirkungen nachgesagt. Die stimmungsaufhellende Wirkung von L-Tryptophan beruht dabei auf der Tatsache, dass es im menschlichen Körper zu Serotonin umgewandelt wird. An der Umwandlung von Tryptophan in Serotonin ist das Enzym Tryptophanhydroxylase beteiligt. Es kann durch verschiedene Faktoren gehemmt werden, z. B. durch Vitamin B6- und Niacin-Mangel, Insulinresistenz (vermindertes Ansprechen des Körpers auf das Hormon Insulin, das Blutzucker in die Zellen transportiert), Magnesiummangel, aber auch durch Stress. Die Wirksamkeit gegenüber Depressionen wurde in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesen. Das aus Tryptophan gebildete Serotonin wirkt sich auch positiv auf die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus aus und erhöht das Sättigungsgefühl. Bei Neugeborenen ist Tryptophan an der Hirnreifung beteiligt.

L-Tryptophan unterstützt auch die Gesundheit der Leber. Bei Patienten mit Fettleber-Hepatitis (Steatohepatitis), einer entzündlich bedingten Veränderung der Leber, wurden nach 4-wöchiger Einnahme von Tryptophanpräparaten wesentliche Verbesserungen der Triglyceridspiegel und der inflammatorischen Zytokine festgestellt.

Weitere Funktionen von L-Tryptophan:

  • Baustein von Proteinen;
  • Bildung von Niacin;
  • Bildung der Coenzyme NAD+/NADH, NAPD+/NADPH, die für Redoxreaktionen und in der Atmungskette benötigt werden.

Die empfohlene tägliche Zufuhr für Erwachsene beträgt 13,7 mg/kg Körpergewicht.

Diese Lebensmittel sind besonders reich an L-Tryptophan:

Lebensmittel und L-Tryptophan-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Sojabohnen  590 mg
Cashewkerne  287 mg
Eier  167 mg
Erbsen, getrocknet  275 mg
Haferflocken  182 mg
Hähnchenbrust (roh)  267 mg
Hühnerei  167 mg
Kakaopulver, ungesüßt  293 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett  46 mg
Lachs (roh)  209 mg
Maismehl  49 mg
Reis, ungeschält  101 mg
Schweinefleisch (roh)  220 mg
Walnüsse  170 mg

Typische Mangelerscheinungen sind Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, verminderte Stresstoleranz, Vorliebe für Süßigkeiten, Kohlenhydratheißhunger, vermindertes Sättigungsgefühl, Depressionen, Ängste, Aggressivität und Durchschlafstörungen.

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Methionin

L-Methionin ist eine essentielle schwefelhaltige Aminosäure, die dem Körper Schwefel sowie Methylgruppen zur Verfügung stellt. Die stoffwechselaktive Form von Methionin ist S-Adenosyl-Methionin (SAM), das praktisch in allen Körpergeweben und -flüssigkeiten vorkommt. Es trägt zur Bildung von Adrenalin, Cholin, Kreatin, Melatonin und Nukleinsäuren bei. L-Methionin erfüllt weitere Funktionen im Stoffwechsel:

  • Bildung (über S-Adenosyl-Methionin) von Carnitin, Phospholipiden (Cholin), Kreatin, Nukleinsäuren (Thymin), Neurotransmittern und Melatonin;
  • Bildung von Homocystein (über S-Adenosylhomocystein, das zu Homocystein umgewandelt wird). Hieraus kann Methionin wieder zurückgewonnen werden;
  • Vorstufe der Aminosäuren L-Cystein und des Antioxidans L-Glutathion;
  • Unterstützung von Entgiftungsvorgängen in der Leber, Vermeidung übermäßiger Fetteinlagerungen in der Leber und Regeneration von Lebergewebe;
  • Steuerung bioelektrischer Vorgänge im zentralen Nervensystem;
  • Die empfohlene tägliche Zufuhr für Erwachsene beträgt 13 mg/kg Körpergewicht.

Lesen Sie hier weiter – Diese Lebensmittel sind besonders reich an L-Methionin

Lebensmittel und L-Methionin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Buchweizenmehl  164 mg
Erbsen, getrocknet  251 mg
Hähnchenbrustfilet, roh  552 mg
Hühnerei  380 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett   82 mg
Lachs, roh  626 mg
Mais-Vollkornmehl  145 mg
Paranüsse  1.008 mg
Reis, ungeschält  179 mg
Rindfleisch, roh  554 mg
Sesamkörner  586 mg
Sojabohnen, getrocknet  547 mg
Walnüsse  236 mg
Weizen-Vollkornmehl  212 mg

Mögliche Mangelerscheinungen sind Wundheilungsstörungen, gestörte Immunfunktion und Infektanfälligkeit, Muskelzellverlust und Kachexie.

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

Autoimmunerkrankungen und Kreuzreaktionen mit Lebensmittelantigenen

↗︎ Link Immunreaktionen gegen körpereigene Strukturen sind das Kennzeichen aller Autoimmunerkrankungen. Etwa 80 – 100 Autoimmunerkrankungen (AI) sind bisher bekannt. Zu den häufigsten gehören Multiple Sklerose, Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Crohn, entzündliches Rheuma, Psoriasis und Sklerodermie. In Deutschland sind heutzutage etwa vier Millionen Menschen von solchen Erkrankungen betroffen. Mittlerweile werden Umweltfaktoren (z. B. Ernährung, Nahrungsmittelzusätze, Pestizide, Antibiotika, Konservierungsstoffe, Bisphenole und der Mangel an Vitaminen bzw. Mineralstoffen in der Nahrung) als Auslöser der Erkrankung immer mehr beachtet. Bereits 1962 wurde eine immunologische ↗︎ Kreuzreaktion zwischen Streptokokken-Protein und Gewebe des Herzens als Auslöser für Rheuma identifiziert. Ähnliche Reaktionen wurden bei Typ 1 Diabetes oder Multipler Sklerose beschrieben.

Kann mit der richtigen Ernährung ein Beitrag zur Prävention von Autoimmunerkrankungen geleistet werden? Die orale Toleranz ist der primäre Faktor, der nahrungsmittelbedingte Immunreaktionen steuert. Beim Versagen der oralen Toleranz wird eine Immunreaktion gegen Nahrungsmittelantigene ausgelöst, die im weiteren Verlauf Autoimmunerkrankungen auslösen oder verschlimmern kann. Molekulare Mimikry-basierte Nahrungsmittel-Immunreaktivität tritt auf, wenn ein Nahrungsmittelprotein (oder –peptid) eine Sequenz von Aminosäuren aufweist, die der Struktur des eigenen Gewebes stark ähnelt. T- und B-Zellen werden aktiviert und es kommt zur Produktion von Antikörpern, die sowohl mit den fremden Nahrungsmittelproteinen reagieren, als auch mit körpereigenen Proteinen verschiedener Gewebearten. Dafür sprechen verschiedene Beobachtungen:

  • Antikörper gegen Weizen, Milch, Mais, Soja, Eier und Erdnüsse wurden mit 65 verschiedenen Gewebeantigenen zusammengebracht. Die häufigste und stärkste Reaktion mit verschiedenen Gewebearten wurde für Weizen-Antikörper beobachtet.
  • Kuhmilch kann bereits im frühen Alter das Risiko für die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen wie Morbus Behçet, Zöliakie, Morbus Crohn, MS, systemischer Lupus erythematodes (SLE), T1D und Uveitis erhöhen. Bei fast allen diesen Erkrankungen wurden bei Erkrankten (im Vergleich zu gesunden Probanden) ↗︎ wesentlich höhere Spiegel von IgG- und IgA-Antikörpern gegen Milchproteine nachgewiesen.
  • Patienten mit Morbus Crohn oder Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität reagieren auf zahlreiche Weizenantigene und produzieren IgG- und IgA-Antikörper gegen diese.
  • In Seren von Patienten mit Sklerodermie wurden Antikörper gefunden, die mit Proteinen aus Weizenkeimen, Erbsen, Spinat und Mais reagierten.
  • Bei Patienten mit Autismus wurde eine große Ähnlichkeit zwischen dem Gliadin-Antikörper und anti-neuronalen Gewebeantikörpern festgestellt.
  • Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) berichten nicht nur über einen Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme und der Schwere ihrer Symptome, sondern auch über erhöhte Serum-IgG-, IgA- und IgM-Antikörper gegen Nahrungsproteine wie Milch, Weizen, Eier, Fisch, Schweinefleisch, Lektine und Agglutinine.
  • In 27 Ländern korreliert die Inzidenz von Multipler Sklerose stark mit dem Konsum von Kuhmilch.
  • Studien deuten darauf hin, dass die mediterrane Ernährung für RA-Patienten positive Auswirkungen zu haben scheint.
  • Im Labor hergestellte monoklonale Antikörper gegen T3 reagierten mit 53 verschiedenen Nahrungsmittelproteinen.
  • Im Labor hergestellte monoklonale Antikörper gegen T4 reagierten mit 32 verschiedenen Nahrungsmittelproteinen.
  • Im Labor hergestellte monoklonale Antikörper gegen verschiedene Insulinrezeptoren reagierten mit 204 häufig konsumierten Nahrungsmittelproteinen.

Essentielle Aminosäuren

Aminosäuren sind die natürlichen Einzelbausteine von Proteinen (Eiweiß) und kommen in allen Lebewesen vor. Sie haben auch vielfältige metabolische Effekte, zum Beispiel als Vorläufer von Hormonen und Neurotransmittern. Daher werden Aminosäuren als Nahrungsergänzungsmittel verordnet – bei erhöhten Bedarf, Unterversorgung oder im Rahmen präventivmedizinischer Stoffwechseloptimierung. Auch akut Erkrankte oder Genesende können einen erhöhten Bedarf an essentiellen Aminosäuren haben. Mit der gezielten Supplementierung einzelner Aminosäuren sollen ihre spezifischen Wirkungen erzielt oder verbessert werden.

Die menschlichen Proteine werden aus 21 proteinbildenden (proteinogenen) Aminosäuren gebildet. Sie werden miteinander zu langen Ketten verknüpft, in den Ribosomen der Zellen und nach Vorgabe genetischer Information, die in Form von mRNA (englisch messenger RNA, auch „Boten-RNA“) vorliegt. Die auf diese Weise zu einem langen Strang verbundenen Aminosäuren unterscheiden sich in ihren Seitenketten und bestimmen zusammen die Form des daraus entstehenden Proteins, welches unterschiedliche Funktionen erfüllt (Enzym, Signalstoff, Transportprotein, Strukturelement, Speichersubstanz, biologischer „Motor“ in Muskelzellen).

Essentielle Aminosäuren werden vom Körper nicht selbst gebildet und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Dazu gehören Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin. Tierische Proteinquellen enthalten alle essentiellen Aminosäuren. Dies ist bei pflanzlichen Proteinquellen nicht immer der Fall. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung ist aber eine ausreichende Proteinversorgung gewährleistet, sofern verschiedene pflanzliche Quellen miteinander kombiniert werden. Erbsen, Bohnen, Soja, Reis, Buchweizen, Haferkleie, Hanfsamen, Kürbiskerne, Chiasamen, Quinoa, Pistazien, Brokkoli und Spinat sind Beispiele reichhaltiger pflanzlicher Proteinquellen.

Leucin, Isoleucin und Valin: Gesunde Muskeln und fit in Stresssituationen

Diese Aminosäuren gehören zu den so genannten verzweigtkettigen Aminosäuren (VKAS oder englisch „branched chain amino acid, BCAA), die vor allem eine wichtige Energiequelle für die Muskeln sind. Sie werden nicht wie andere Aminosäuren in der Leber verstoffwechselt, sondern gelangen direkt in die Muskelzellen. Isoleucin, Leucin und Valin machen nach einer proteinreichen Mahlzeit etwa 50 – 90 % der gesamten Aminosäurezufuhr der Muskeln aus. In den Muskelzellen werden sie als Energiequelle genutzt, aber auch zum Aufbau und zum Erhalt der kontraktilen Proteine benötigt, welche die Muskelarbeit verrichten (Aktin und Myosin). Bei lang andauernder sportlicher Belastung werden sie in Glucose umgewandelt und stabilisieren dadurch den Glukosehaushalt. Außerdem begünstigen sie die Insulinsekretion, welches die muskuläre Aufnahme von Aminosäuren fördert. Isoleucin, Leucin und Valin sorgen auch dafür, dass Glykogen (als Glucose-Speicher in Leber- und Muskelzellen) erhalten bleibt und die Gluconeogenese (Glucose-Neubildung bei Kohlenhydratmangel) gefördert wird. Damit begünstigen Isoleucin-, Leucin- und Valin-reiche Lebensmittel mehrere Stoffwechselwegen, die beim optimalen Muskelaufbau und der beschleunigten Regeneration wichtig sind. Nach dem Training ist die Versorgung mit diesen Aminosäuren empfehlenswert, die auch zu einem besseren Fettabbau beitragen. Für ihre Verstoffwechslung wird Biotin, Vitamin B5 (Pantothensäure) und Vitamin B6 (Pyridoxin) benötigt. Daher sollte auch auf eine ausreichende Versorgung mit diesen Vitaminen geachtet werden. Während einer Diät tragen Isoleucin, Leucin und Valin dazu bei, dass der vermehrte Proteinabbau verhindert wird. Sie beugen somit dem Absinken des Grundumsatzes vor und erhöhen den Fettabbau. Diese drei Aminosäuren sollten aber immer in Verbindung mit anderweitigen Aminosäuren aufgenommen werden.

Folgende Lebensmittel sind besonders reich an Isoleucin, Leucin und Valin (der angegebene Gehalt bezieht sich auf 100 g Lebensmittel):

Erbsen, getrocknet (1.014 mg Isoleucin, 1.760 mg Leucin, 1.159 mg Valin)
Erdnüsse (1.230 mg Isoleucin, 2.050 mg Leucin, 1.450 mg Valin)
Hähnchenbrust (1.219 mg Isoleucin, 1.732 mg Leucin, 1.145 mg Valin)
Hühnerei (1.258 mg Isoleucin, 1.258 mg Leucin, 859 mg Valin)
Kalbsfilet (1.110 mg Isoleucin, 1.660 mg Leucin, 1.120 mg Valin)
Kichererbsen (1.140 mg Isoleucin, 1.460 mg Leucin, 980 mg Valin)
Lachs (1.160 mg Isoleucin, 1.770 mg Leucin, 1.390 mg Valin)
Rinderfilet (1.090 mg Isoleucin, 1.700 mg Leucin, 1.150 mg Valin)
Thunfisch (1.210 mg Isoleucin, 2.170 mg Leucin, 1.420 mg Valin)
Walnüsse (625 mg Isoleucin, 1.170 mg Leucin, 753 mg Valin)
Weizenkeime (1.320 mg Isoleucin, 2.170 mg Leucin, 1.680 mg Valin)

Weitere Informationen zu Leucin, Isoleucin und Valin:

Leucin

  • Beteiligung am Aufbau neuer Gewebe bei Heilungsprozessen;
  • Unterstützung der Proteinbiosynthese in Muskel- und Leberzellen;
  • Wichtig für den Erhalt und Aufbau von Muskelgewebe – Hemmung des Muskelabbaus.

Isoleucin

  • Isoleucin ist ein wichtiger Energielieferant im Kraft- und Ausdauersport, wird aber auch als Baustein für den Proteinaufbau benötigt. Daher ist diese Aminosäure sehr wichtig für die Regeneration und Erhaltung von Muskelgewebe.
  • Bei Mangel an Isoleucin kommt es zu Muskelschwäche, Krämpfen, Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit.
  • Isoleucinreiche Lebenmittel verhindern den verstärkten Proteinabbau bei hohem körperlichem und psychischem Stress, indem der Insulinspiegel angehoben wird und die Aufnahme von Aminosäuren in die Körperzellen gefördert wird. Damit gelangen vermehrt Aminosäuren in die Zellen. So wird die Wundheilung und Gewebeneubildung gefördert, auch die Abwehrkraft wird verbessert.
  • Isoleucin ist Ausgangsbaustein für die Synthese nichtessentieller Aminosäuren. Durch eine biochemische Reaktion wird Isoleucin in die nichtessentielle Aminosäure Glutaminsäure beziehungsweise Glutamat (wichtigster erregender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem) umgewandelt. Glutamat wird zudem benötigt für die Bildung von Prolin, Ornithin, Glutamin und Gamma-Aminobuttersäure (GABA, wichtigster hemmender Neurotransmitter in der grauen Substanz des zentralen Nervensystems).

Valin

  • Valin ist (wie Leucin und Isoleucin) eine „Stress-Aminosäure“, die den stressbedingten Eiweißabbau verhindert und gleichzeitig die Neubildung von Proteinen fördert.

Quellen:
Uwe Geöber: Mikronährstoffe, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage 2011
Dr med. Bodo Kuklinski: Gesünder mit Mirkronährstoffen, AURUM Verlag, 7. Auflage 2016

Darmflora und Depressionen: Inflammationsmarker und mitochondriale Schäden

Im Newsletter vom 28.4. haben wir den neuen Begriff des „Psychobioms“ vorgestellt, der für die Erkenntnis steht, dass das Konzept der Darm-Hirn-Achse um das Mikrobiom des Darmes erweitert werden muss, denn Darmbakterien beeinflussen die Psyche maßgeblich. Im heutigen Newsletter stellen wir Ihnen eine neue Studie vor, die der Frage nachging, in welcher Weise und über welche Mechanismen Darmbakterien die Stimmung steuern. Dabei erkannte man, dass auch die Mitochondrien des Dünndarmepithels von einer dysfunktionalen Darmflora betroffen sind.

Depressionen sind weit verbreitet und betreffen nach Angaben der WHO 350 Millionen Menschen weltweit. Etwa 800.000 Menschen sterben jährlich an einem depressionsbedingten Suizid. Verschiedene Faktoren scheinen das Risiko und die Neuroprogression einer depressiven Erkrankung zu erhöhen, wobei auch ein Zusammenhang mit systemischen Entzündungsreaktionen besteht. Dazu gehören: psychosozialer Stress, eine mangelhafte Ernährung, körperliche Inaktivität, Übergewicht, Rauchen, veränderte Permeabilität des Darmes, Schlaf- und Vitamin D-Mangel. Auch die Darm-Mikrobiota hat einen entscheidenden Einfluss auf das zentrale Nervensystem, denn Darmbakterien beeinflussen die Freisetzung von Neurotransmittern, und steuern somit die Darm-Hirn-Achse Link 1Link 2. Verschiedene Bakterienarten, z. B. Lactobacillus brevis, Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus paracasei, Lactococcus lactis, Lactobacillus plantarum oder Bifidobacterium dentium bilden den beruhigend wirkenden Neurotransmitter GABA (Gamma-Aminobuttersäure). GABA fördert die emotionale Stabilisierung und die Konzentration. Nervosität, rasende Gedanken und ein aufgeregtes Gemüt kommen zur Ruhe, und auch eine hohe Schlafqualität wird durch GABA als natürlichem Entspannungs- oder Anti-Stress-Mittel begünstigt. Störungen in der Signalübertragung des GABA-Rezeptors sind an Angstzuständen und Depressionen beteiligt. Daher besteht auch die Annahme, dass GABA sogar eine den Botenstoffen Serotonin und Norepinephrin übergeordnete Rolle spielen könnte.

Bei Patienten mit Depressionen wurde ein Ungleichgewicht der Darmmikrobiota festgestellt, eine starke Verringerung der Vielfalt und der Anzahl von Darmbakterien, die zudem mit der Schwere der Symptome im Verhältnis steht. Probiotika können Depressionen und Ängste signifikant reduzieren und die kognitive Leistung verbessern Link 1 | Link 2 | Link 3.

Aber in welcher Weise steuern die Darmbakterien das depressive Verhalten? Um dies herauszufinden haben chinesische Wissenschaftler bei Patienten mit Depressionen immunologische, neuroendokrine und mitochondriale Zusammenhänge mit der Darmflora untersucht.

Die Darmflora von schwer depressiven Patienten wurde mittels Fäkaltransplantation auf keimfreie Ratten übertragen, die selbst keinerlei Darmbakterien besaßen (tägliche Übertragung, 2 Wochen lang). Als Kontrolle wurde die Darmflora von psychisch gesunden Probanden in gleicher Weise auf andere keimfreie Ratten übertragen. Vier Wochen später wurden bei beiden Rattengruppen verschiedene Tests gemacht, um deren affektives Verhalten zu beobachten. Es stellte sich heraus, dass die Ratten mit der Darmflora der psychisch kranken Patienten ein depressionsähnliches Verhalten entwickelten, mit stärkerer Immobilität und sehr geringem Interesse an einer zuckerhaltigen Lösung.

Zusätzlich wurde im Hippocampus der Tiere die Konzentration verschiedener Neurotransmitter gemessen (Serotonin, Dopamin, Noradrenalin). Bei den Tieren mit der Mikrobiota der Depressiven ergaben sich niedrigere Werte. Dies bedeutet, dass die spezifische Darmflora von Depressiven auch zu einer geringeren Bildung wichtiger Neurotransmitter führt.

Es wurden auch die Serum-Konzentration von Corticosteron (CORT), Adrenocorticotropem Hormon (ACTH), und Corticotropin-releasing Hormon (CRH) gemessen. Hierbei stellte sich heraus, dass die Ratten mit der Darmflora depressiver Patienten wesentlich höhere Konzentrationen dieser Stoffe aufwiesen. Dies deutet darauf hin, dass eine „depressive“ Mikrobiota eine Hyperfunktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse verursacht.

Zahlreiche Zytokine wurden in beiden Tiergruppen untersucht, um die durch eine „depressive“ Mikrobiota verursachten Änderungen zu erfassen. Dabei stellte sich heraus, dass bei den Ratten mit der „depressiven“ Darmflora ein stärkerer Anstieg der proinflammatorisch wirksamen Zytokine (TNFα, IL-6, IL-1 und IFN-γ) zu verzeichnen war, während die antiinflammatorisch wirksamen Zytokine IL-4 und IL10 niedriger waren im Vergleich zu den Ratten mit gesunder Darmflora.

Zusätzlich untersuchte man die Struktur der Mitochondrien in den Zellen des Dünndarmepithels mittels Elektronenmikroskopie. Im Dünndarm der Ratten mit der Mikrobiota depressiver Patienten waren die Mitochondrien der Epithelzellen beschädigt, und auch weitere zelluläre Strukturen zeigten Veränderungen. Diese dysfunktionalen Zellen könnten an der Entstehung eines „Leaky gut“ beteiligt sein, oder als inflammatorischer „Brandbeschleuniger“ wirken.

All diese Ergebnisse belegen den wichtigen Einfluss der Darmbakterien auf neuroendokrine, immunologische und mitochondriale Signalwege. Sie sind ebenso eine wissenschaftliche Erklärung für den Erfolg integrativer therapeutischer Behandlungen, bei denen sowohl die Wiederherstellung der Darmflora/Darmfunktion berücksichtigt wird, bei gleichzeitiger Regeneration mitochondrialer Funktion.

 

Rheumatische Erkrankungen – Ernährung, Darmflora, Inflammation und IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel

Link 1  Es gibt viele Formen rheumatischer Erkrankungen, z. B. autoimmunbedingte entzündlich-rheumatische Erkrankungen, verschleißbedingte (degenerative) Arthrosen oder rheumatische Erkrankungen der Muskulatur und der Sehnen. Die rheumatoide Arthritis (RA), Psoriasis-Arthritis, Spondylitis ankylosans und juvenile idiopathische Arthritis sind chronische systemische immunologisch/entzündliche Autoimmunerkrankungen, denen ein komplexes Geschehen zwischen genetischer Prädisposition, Umweltfaktoren und Autoimmunität zugrunde liegt. Daher richtet sich die wissenschaftliche Aufmerksamkeit zunehmend auch auf die Betrachtung der Ernährung und der Darmbakterien in der ganzheitlichen und ursächlichen Behandlung dieser Krankheiten. Immer mehr Erkenntnisse sprechen dafür, diese Erkrankungen in einem integrierten und multidisziplinären Ansatz zu behandeln.

Studien belegen, wie die Ernährung die Immunantwort direkt beeinflusst und somit entzündliche Prozesse stimulieren oder hemmen könnte. Bestandteile aus der Nahrung interagieren mit der gastrointestinalen epithelialen Barriere, dem mukosalen Immunsystem und der mikrobiellen Darmflora. Interessanterweise gelingt es Patienten mit rheumatoider Arthritis nicht, das richtige Gleichgewicht zwischen „nützlichen“ und potenziell „schädlichen“ Bakterien aufrechtzuerhalten, was zu einer Reduktion der Bifidobakterien und einer Verstärkung der opportunistischen Bakterienarten (Enterobakterien und Staphylokokken) führt. Eine entscheidende Rolle wurde der erhöhten Konzentration von Prevotella copri zugeschrieben, was mit dem Ausbruch und der Schwere der RA-Erkrankung im Zusammenhang zu stehen scheint. Bei der RA hat sich gezeigt, dass die Verabreichung von Lactobacillus helveticus HY7801 (präklinische Untersuchungen) die Bildung entzündungshemmender Zytokine wie IL-10 stimuliert und damit die entzündliche Immunantwort sowie das Fortschreiten und den Schweregrad der Krankheit verringert. Man diskutiert, dass eine Dysbiose der Darmbakterien auch bei Patienten mit psoriatischer Arthritis bzw. systemischem Lupus erythematodes eine Rolle spielt, woraus sich ebenso therapeutische Ansätze zur Verbesserung des Krankheitsverlaufs ergeben könnten.

Bei rheumatischen Autoimmunerkrankungen steuert die Ernährung sowohl lokale als auch systemische Veränderungen im inflammatorischen Geschehen Link 1 | Link 2. Aus über 20-jähriger Erfahrung mit der Ernährungstherapie nach ProImmun M ist bekannt, dass der zeitlich begrenzte Ersatz reaktiver Lebensmittel durch verträgliche Lebensmittel zur Besserung bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen oder Symptomen führt. Diese Erkenntnisse sind in unserer Anwendungsbeobachtung, aber auch im Buch „Lebensmittelintoleranzen – kann gesunde Nahrung krank machen?“ ausführlich dokumentiert. Vor einigen Jahren führte ProImmun eine Beobachtungsstudie durch, um Beweise für die Wirksamkeit der Ernährungstherapie nach ProImmun M bei Patienten mit sehr unterschiedlichen Erkrankungen zu sammeln, Darunter waren auch 149 Patienten die unter allgemeinen Gelenkbeschwerden litten. Nach einer mindestens 3-monatigen Ernährungstherapie gemäß den Vorgaben des Testbefundes, wurde bei 104 Patienten (70 %) eine Besserung festgestellt. Bei 42 Patienten (28 %) trat keine Besserung ein und 3 Patienten (2 %) gaben eine Verschlechterung ihrer Beschwerden an. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen, dass eine individualisierte entzündungshemmende Ernährung als adjuvante Intervention in Betracht gezogen werden sollte, zumal sie sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

Entzündungshemmende und antioxidative Nährstoffe

Eine Ernährung auf der Basis von Obst, Gemüse und Vollkorn (unter Meidung von rotem und verarbeitetem Fleisch, raffiniertem Getreide und zugesetztem Zucker) ist präventiv wirksam bei vielen chronischen Krankheiten. Daher werden auch Rheumapatienten darauf basierende Ernährungsformen vorgeschlagen: die Mittelmeerdiät, lakto-ovo-vegetarische oder vegane Ernährungspläne Link 1 | Link 2.

  • Die Wirksamkeit der Mittelmeerdiät wurde durch eine Vielzahl von klinischen Studien bestätigt. Die Nurses‘ Health Study I und II, die zu den grössten Untersuchungen der Risikofaktoren für die wichtigsten chronischen Krankheiten bei Frauen gehören, bestätigte die positive Auswirkungen der Mittelmeerdiät auf die Schmerzlinderung.
  • Der langfristige Fischverzehr (mindestens einer Portion fetten Fisches pro Woche, z. B. Lachs, oder vier wöchentlichen Portionen eines mageren Fisches, z. B. Kabeljau) geht mit einem um 52 % verringerten Risiko für die Entwicklung einer RA einher.
  • Antioxidantien, die hauptsächlich in Obst (z. B. roten Früchten wie Blaubeeren, Himbeeren und Erdbeeren), Gemüse, Nüssen, Kakao und Getreide enthalten sind, wirken stark entzündungshemmend bei Patienten mit RA.
  • Eine vermehrte Zufuhr von Ballaststoffen reduziert den CRP-Wert als wesentlichen Biomarker rheumatischer Erkrankungen.
  • Curcumin unterdrückt die Entzündungskaskade, indem es den NF-κB-Signalweg und andere pro-inflammatorische Signalwege einschließlich der Cyclooxygenase (COX) 2 blockiert. Eine curcuminreiche Ernährung führte zur Verbesserung des gesamten Krankheitsverlaufs rheumatischer Erkrankungen.
  • Resveratrol scheint die Synovitis zu lindern, indem es auf die Infiltration von Entzündungszellen einwirkt, den oxidativen Stress reduziert und die Zellapoptose im Synovialgewebe induziert. In Tiermodellen unterdrückte Resveratrol die Vermehrung der Th-17 Zellen, verringerte die Serumspiegel des Rheumafaktors, der Matrix-Metalloproteinase 3 (MMP-3) und erhöhte anti-inflammatorische Mediatoren wie IL-10.

Das Psychobiom – Darmbakterien, Neurotransmitter und Stimmung

Der neue Begriff des „Psychobioms“ – als Gesamtheit der Darmbakterien die unsere Psyche beeinflussen – bezieht sich auf die Erkenntnis, dass das Konzept der Darm-Hirn-Achse um das Mikrobiom des Darmes erweitert werden muss. Denn Darmbakterien spielen nicht nur bei dem Erhalt der Darmbarriere eine wichtige Bedeutung, sondern produzieren Neurotransmitter (Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen übertragen) und Neuromodulatoren (chemische Substanzen, die die Arbeitsweise des Nervensystems beeinflussen). Auf diese Weise kommunizieren sie mit dem ZNS und steuern dadurch Psyche, Stimmungen und Gefühle. Wir stehen erst am Anfang dieses spannenden und sehr zukunftsträchtigen Themas. Bisher gibt es viele Berichte von Therapeuten, aber es gibt kaum systematische klinische und valide Studien, die für eine allgemeine Anerkennung der Wirkungen von „Psychobiotika“ so notwendig wären. Menschen mit psychischen Leiden könnte man vielleicht sogar helfen, indem die neuroimmunologische Balance der Darm-Hirn-Mikrobiom-Achse durch eine Korrektur über spezifische Probiotika wiederhergestellt wird. Ein weiterer Meilenstein im ganzheitlichen Verständnis gesundheitlicher Störungen und deren integrativen Behandlung wäre damit erreicht.

Beispiele Neurotansmitter-produzierender Darmbakterien

Dopamin

  • Bacillus cereus
  • Bacillus mycoides
  • Bacillus subtilis
  • Escherichia coli (K-12)
  • Hafnia alvei (NCIMB, 11999)
  • Klebsiella pneumoniae (NCIMB, 673)
  • Morganella morganii (NCIMB, 10466)
  • Proteus vulgaris
  • Serratia marcescens
  • Staphylococcus aureus

Noradrenalin

  • Bacillus mycoides
  • Bacillus subtilis
  • Escherichia coli (K-12)
  • Proteus vulgaris
  • Serratia marcescens

Serotonin

  • Escherichia coli (K-12)
  • Hafnia alvei (NCIMB, 11999)
  • Klebsiella pneumoniae (NCIMB, 673)
  • Lactobacillus plantarum (FI8595)
  • Lactococcus lactis subsp. cremoris (MG 1363)
  • Morganella morganii (NCIMB, 10466)
  • Streptococcus thermophiles

GABA

  • Bifidobacterium adolescentis (DPC6044)
  • Bifidobacterium angulatum (ATCC27535)
  • Bifidobacterium dentium (DPC6333)
  • Bifidobacterium infantis (UCC35624)
  • Lactobacillus brevis (DPC6108)
  • Lactobacillus buchneri (MS)
  • Lactobacillus paracaseiNFRI (7415)
  • Lactobacillus plantarum (ATCC14917)
  • Lactobacillus reuteri (100-23)
  • Lactobacillus delbrueckiisubsp. bulgaricus (PR1)
  • Monascus purpureus (CCRC 31615)
  • Streptococcus salivarius subsp. thermophilus (Y2)

Quellen:
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Antiinflammatorische Ernährung bei Patienten mit multipler Sklerose

Viele Argumente sprechen für die Rolle der Ernährung wenn es um die Verbesserung der Symptomatik bei Patienten mit multipler Sklerose geht Link 1 | Link2. So sind auch heute immer mehr medizinische Experten der Ansicht, dass die Bedeutung einer antiinflammatorisch wirksamen Ernährung bei Patienten mit multipler Sklerose zu Verbesserungen führt, mit entsprechender Reduktion von Inflammation und oxidativem Stress.

Folgende Daten sind z. B. aus klinischen Untersuchungen bekannt:

Fatigue ist eine sehr belastende Erschöpfung chronischer Erkrankungen und eines der häufigsten Symptome der multiplen Sklerose. Die Lebensqualität der Patienten wird durch die Fatigue stark beeinträchtigt. Nach neueren Untersuchungen ist Interleukin 6 als pro-inflammatorisches Zytokin ursächlich daran beteiligt.

In einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung wurde der Frage nachgegangen, inwieweit eine antiinflammatorische Ernährung (mit einem hohen Gehalt an Gemüse und Obst, pflanzlichen Proteinquellen, gesunden Ölen und Nüssen sowie vollwertigen Lebensmitteln) positive Wirkungen auf Fatigue, Inflammationsmarker (IL-4, IL-17 und hsCRP) und Lebensqualität von MS-Patienten hat. Dazu ernährten sich 50 MS-Patienten für 12 Wochen nach den genannten Kriterien. Die Kontrollgruppe (bestehend aus 50 MS-Patienten) erhielt Empfehlungen für eine allgemeine gesunde Ernährung nach den Kriterien der WHO.

Die Ergebnisse der Studie zeigten folgende Auswirkungen einer 12-wöchigen antiinflammatorischen Ernährung:

  • Bei den Patienten die sich antiinflammatorisch ernährten, war eine wesentliche Verringerung der Fatigue und eine Verbesserung der Lebensqualität nachweisbar, im Vergleich zu den MS-Patienten die eine allgemeine gesunde Ernährung einhielten. Dies wurde auf die bioaktiven Stoffe der Ernährung zurückgeführt (Omega-3 Fettsäuren und Polyphenole). Dadurch werden Stoffwechselwege aktiviert, die Inflammation und immunologische Prozesse steuern. Somit könnte die positive auf die Fatigue erklärt werden.
  • Nach 12-wöchiger antiinflammatorischer Ernährung wurde ein wesentlicher Anstieg des antiinflammatorisch wirksamen Interleukins 4 festgestellt, welches der Th2-vermittelten Immunantwort zugeordnet wird. Dies Ergebnis könnte darauf hindeuten, dass die antiinflammatorische Ernährung in Richtung eines immunologischen Gleichgewichts wirksam ist, zumal die multiple Sklerose von einer Th-1 Dominanz gekennzeichnet ist. Keine Änderungen ergaben sich bezüglich IL-17 und hsCRP.

COVID-19 – wie wichtig ist ein gesundes Immunsystem?

Um eine Krankheit auszulösen, müssen Viren in Körperzellen eindringen. Dazu heften sie sich an geeignete Zellen an und schleusen ihre Erbinformation in die Zellen ein. Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert die Wirtszellen über deren Zellrezeptoren für das Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE2). Dies ist eine membrangebundene Aminopeptidase, die bekanntlich eine wichtige Rolle für das Herz-Kreislauf- und Immunsystem spielt. Interessanterweise sind ACE2-Rezeptoren nicht nur auf alveolären Epithelzellen der Lunge vorhanden (die 83 % aller Zellen mit ACE2-Rezeptoren ausmachen), sondern auch auf der Zelloberfläche von Herz, Nieren-, Endothel- und Darmzellen. Nach dem „Andocken“ des Virus an die ACE2-Rezeptoren dringt es in die Wirtszelle ein, und nutzt die in der Zelle vorhandenen Ressourcen, um sich zu vermehren. Danach werden aus der Zelle neue Viren freigesetzt. Die Präsentation viraler Antigene stimuliert dann sowohl die zelluläre als auch die humorale Immunität. Wie kommt es aber zu den schwereren bis tödlichen Verläufen?

Die schwer erkrankten Patienten entwickeln häufig eine Hyperzytokinämie (Zytokinsturm). Dieser entsteht durch eine nicht mehr regulierbare Überreaktion des Immunsystems, die mit einer massiven Freisetzung von entzündungsrelevanten Zytokinen (z. B. IL-1ß, IL-6, IL-12, IL-18, IL-33, TNF-α, TGFβ) und Chemokinen (z. B. CCL2, CCL3, CCL5, CXCL8, CXCL9, CXCL10) einhergeht. Ein Zytokinsturm ist lebensbedrohlich und es gibt dafür noch keine spezifische oder wirksame Behandlung. Die verstärkte Freisetzung von Zytokinen führt vor allem im Lungengewebe zu einer Überproduktion von Immunzellen. Die unkontrollierte Immunantwort führt zu Atemnot und Entzündungen der Atemwege bzw. Lungenentzündung. Von den neu gebildeten Immunzellen werden weitere Zytokine ausgeschüttet und es kommt zu einem Teufelskreis der kaum noch unterbrochen werden kann. Dies führt zur Zerstörung von Gewebe, was in einigen Fällen zu Multiorganversagen, akutem respiratorischem Syndrom und dem Tod führt. Der Ausgang von COVID-19 als viraler Erkrankung, scheint demnach durch das Ausmaß des Ungleichgewichts des Immunsystems des Wirts bedingt zu sein. Die primäre Immunantwort ist an sich eine positive Reaktion, die in der Mehrzahl der Fälle zu einer Eindämmung der Viren führt. Aus noch ungeklärten Gründen kommt es dann aber zu einer überschießenden sekundären Immunantwort mit der unkontrollierten Freisetzung einer Vielzahl von Zytokinen.

Die einzige wirksame Möglichkeit, diesen Virusausbruch einzudämmen und Hunderte von unnötigen Todesfällen zu vermeiden, besteht derzeit jedoch darin, alle Maßnahmen zur Verringerung der Transmission zu ergreifen, einschließlich der vorübergehenden Einschränkung aller sozialen Aktivitäten der Menschen.

 

Ernährung bei Psoriasis

Seit der berühmte griechische Arzt Hippokrates um 460 v. Chr. die Krankheit zum ersten Mal beschrieb, versuchen Ärzte die Pathogenese der Psoriasis zu entschlüsseln. Die Neigung zu erkranken liegt in einer genetischen Veranlagung, aber externe/interne Auslöser oder Risikofaktoren verursachen letztlich einen Ausbruch der Erkrankung. Dann werden die Hautzellen von entzündlichen Prozessen betroffen und beginnen mit der unkontrollierten Teilung. Die dermatologischen Manifestationen der Psoriasis sind vielfältig, wobei die Psoriasis vulgaris (auch Plaque-Psoriasis genannt) die am häufigsten auftretende Form ist. Die betroffenen Hautareale befinden sich in der Regel außerhalb der Ellenbogen, Knie oder der Kopfhaut, können aber auch an anderen Stellen auftreten – etwa an den Augenlidern, Ohren, Mund und Lippen, Händen, Füßen und Nägeln. Die Lebensqualität kann durch Psoriasis sehr stark beeinträchtigt sein, was zu verminderter Leistung, körperlichen Beschwerden, Depressionen und beeinträchtigten sozialen Beziehungen führen kann.

Die Entzündung ist nicht allein auf die psoriatische Haut beschränkt. Sie betrifft verschiedene Organsysteme, weshalb Psoriasis eher als systemische statt dermatologische Krankheit betrachtet werden. Bei den meisten Patienten diagnostizieren Ärzte mindestens eine Begleiterkrankung, z. B. Hyperlipidämie, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Typ-2-Diabetes, erhöhten BMI und metabolisches Syndrom. Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen korrelieren mit dem Schweregrad der Psoriasis. Daten deuten darauf hin, dass die Psoriasis das Risiko für einen Myokardinfarkt und Schlaganfall erhöht. Bis zu 35 % der Personen mit Psoriasis entwickeln im weiteren Verlauf eine chronische, entzündliche Arthritis (psoriatische Arthritis), die zu Gelenkverformungen führt.

Psoriasis-Patienten können durch eine angemessene und entzündungshemmende Ernährung den Verlauf ihrer Krankheit positiv beeinflussen, sodass es zu weniger häufigen und schweren Schüben kommt. Eine glutenfreie Ernährung scheint dabei auch eine wichtige Rolle bei der Besserung der Psoriasis-Symptomatik zu spielen.

Dazu gehören eine angemessene Ernährung, die Reduzierung von Übergewicht, der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten sowie die Fähigkeit, mit Stress umzugehen.

In einem integrierten therapeutischen Ansatz für Psoriasis-Patienten muss die Ernährungsberatung eine zentrale Rolle spielen. Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen oder andere mit chronischen Entzündungen zusammenhängende Erkrankungen sollen so verhindert oder reduziert werden. Es hat sich gezeigt, dass eine hypokalorische Ernährung für übergewichtige oder fettleibige Psoriasis-Patienten hilfreich ist und zu einer signifikanten Verbesserung des Schweregrades führt.
↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3 | ↗︎ Link 4 | ↗︎ Link 5.

Eine glutenfreie Ernährung kann die Symptome der Psoriasis verbessern

Eine Reihe von Studien hat die Wirkung einer glutenfreien Ernährung auf den Schweregrad der Psoriasis untersucht. Die Auswirkungen einer 3-monatigen glutenfreien Ernährung wurden bei 33 Psoriasis-Patienten mit erhöhten Antigliadin-Antikörpern (AGA) im Vergleich zu 6 Psoriasis-Patienten ohne erhöhte AGA untersucht. Dreiundsiebzig Prozent der AGA-positiven Psoriasis-Patienten zeigten eine Verbesserung ihres Psoriasis-Flächen- und Schweregrad-Index (PASI), im Vergleich zu keinem der AGA-negativen Psoriasis-Patienten. Nach der GFD waren die AGA-Werte bei 82 % der Psoriasis-Patienten niedriger, die eine Verbesserung verspürten.

In einer weiteren klinischen Studie mit 28 Patienten konnte gezeigt werden, dass eine glutenfreie Ernährung die Expression von Gewebstransglutaminase bei Psoriasis-Patienten mit ↗︎ AGA-Positivität verringert. Zahlreiche andere Berichte dokumentieren die rasche Auflösung von Hautläsionen und die ↗︎ Besserung der Haut bei Psoriasis-Patienten nach einer glutenfreien Diät.

Aus über 20-jähriger Erfahrung mit der Ernährungstherapie nach ProImmun M ist bekannt, dass der zeitlich begrenzte Ersatz reaktiver Lebensmittel durch verträgliche Lebensmittel zur Besserung bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen oder Symptomen führt. Diese Erkenntnisse sind in unserer Anwendungsbeobachtung, aber auch im Buch ↗︎ „Lebensmittelintoleranzen – kann gesunde Nahrung krank machen?“ ausführlich dokumentiert. Vor einigen Jahren führte ProImmun M eine klinische Beobachtungsstudie durch, um Beweise für die Wirksamkeit der Ernährungstherapie nach ProImmun M bei Patienten mit sehr unterschiedlichen Erkrankungen zu sammeln, Darunter waren auch 45 Patienten mit Psoriasis. Nach einer mindestens 3-monatigen Ernährungstherapie gemäß den Vorgaben des Testbefundes, wurde bei 33 Patienten (73 %) eine Besserung festgestellt. Bei 12 Patienten (27 %) trat keine Besserung ein. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen, dass eine individualisierte entzündungshemmende Ernährung als Intervention in Betracht gezogen werden sollte, zumal sie sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

 

Industriell veränderte Nahrung und Lebenserwartung

In einer weiteren Studie mit 20.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von 15 Jahren wurde gezeigt, dass ein hoher Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln (über 4 Portionen täglich) das Sterblichkeitsrisiko um bis zu 62 % erhöhen kann (unabhängig von der Todesursache). Der Verzehr jeder weiteren täglichen Portion dieser Lebensmittelgruppe erhöhte die Gesamtmortalität um 18 %.

Industriell veränderte Nahrung und Krebsrisiko

Die Daten der französischen NutriSanté-Studie wurden auch bezüglich des Krebsrisikos ausgewertet. Die Ergebnisse dieser großen prospektiven Studie mit 104.980 Teilnehmern zeigten, dass eine 10 %ige Erhöhung des Anteils an hochverarbeiteten Lebensmitteln in der Ernährung mit einer signifikanten Erhöhung des Gesamt- und Brustkrebsrisikos um mehr als 10 % verbunden ist. Sofern diese Ergebnisse in anderen Untersuchungen bestätigt werden, deuten sie darauf hin, dass der stark zunehmende Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel mit ein Grund für die vorausgesagte stark steigende Krebsbelastung sein kann.

 

Industriell veränderte Nahrung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In der französischen Nutrinet Santé Studie Link 1 | Link 2 wurden Zusammenhängen zwischen dem Verzehr von industriell stark verarbeiteten Lebensmitteln und dem Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Dazu wurden 105.159 Teilnehmer im Alter von mindestens 18 Jahren befragt. In regelmäßigen Abständen, und über einen durchschnittlichen zeitlichen Verlauf von 5,2 Jahren, gaben die Studienteilnehmer an, wie häufig sie bestimmte Lebensmittel konsumierten (aus einer Auswahl von insgesamt 3.300 Nahrungsmitteln). Jedes dieser Nahrungsmittel war im Vorfeld bezüglich des Grads der industriellen Verarbeitung klassifiziert. Der höhere Konsum von hochgradig verarbeiteten Lebensmitteln war mit höheren Risiken für koronare, kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre Erkrankungen verbunden. Gesundheitliche Defizite wurden von den Autoren vor allem auf die nachteilige Nährstoffzusammensetzung der hochverarbeiteten Lebensmittel zurückgeführt. Weitere Aspekte könnten auch zu diesen Ergebnissen beigetragen haben, z. B. Zusatzstoffe, Kontaktmaterialien aus Verpackungen und Verunreinigungen, sowie die globale Zusammensetzung des Endprodukts.

Zur Studie

 

Industriell veränderte Nahrung und Übergewicht

Wissenschaftler des amerikanischen National Institute of Health haben untersucht, in wieweit Menschen mehr Kalorien zu sich nehmen, wenn sie sich überwiegend von hochgradig verarbeiteten Lebensmitteln ernähren im Vergleich zur Ernährung mit unverarbeiteten Lebensmitteln. Dazu ernährten sich 10 übergewichtige Testesser zunächst zwei Wochen lang hauptsächlich von stark verarbeiteten Lebensmitteln (z. B. Fertigpizza, Fischstäbchen Kartoffelpüree aus der Tüte, Cornflakes etc.). Die andere Gruppe, bestehend aus 10 übergewichtigen Testessern, bekam Gerichte aus frischen Zutaten mit viel Obst, Gemüse und Nüssen. Alle Teilnehmer durften ihre Mahlzeiten ad libitum verzehren, also ohne Einschränkungen der Menge. Die Mahlzeiten enthielten prozentual in etwa die gleiche Makronährstoffverteilung, allerdings waren die Fertiggerichte deutlich reicher an schnell verfügbaren Zuckern und ärmer an Eiweiß und unlöslichen Ballaststoffen. Nach zwei Wochen wurde die Kost getauscht, und anschließend wurden die Ergebnisse ausgewertet.

Die Teilnehmer mit den stark verarbeiteten Lebensmitteln

  • Nahmen pro Tag 508 ± 106 kcal/Tag mehr zu sich, im Vergleich zu der Gruppe mit der gesünderen Kost;
  • Aßen schneller, mit mehr Appetit und legten innerhalb von zwei Wochen fast ein Kilogramm zu. Die Frischkostler nahmen in der gleichen Zeit rund ein Kilo an Gewicht ab.

Die Einschränkung des Verzehrs von stark verarbeiteten Lebensmitteln kann unabhängig von den sonstigen Essgewohnheiten ein einfacher und wirksamer Ansatz sein, die Entwicklung von Übergewicht zu stoppen, so die Studienautoren.

Zur Studie

 

Ernährung und Krebsprävention – Teil 2 – Ergebnisse des World Cancer Research Fund

Link

Seit Mitte der 1990er Jahre hat der Umfang der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur im Bereich Ernährung, körperliche Aktivität, Körpergewicht und Krebsrisiko erheblich zugenommen. Das globale Netzwerk des World Cancer Research Fund (WCRF) ist Pionier in Forschung und Aufklärung zum Thema Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention. Das Netzwerk hat sich die besondere Verpflichtung gestellt, Empfehlungen zu formulieren, auf der Basis von zuverlässigsten wissenschaftlichen Methoden, und diese Empfehlungen in allgemein verständliche Botschaften umzusetzen, die wiederum als Entscheidungsgrundlage für jeden dienen sollen. Dabei werden höchste wissenschaftliche Standards angewendet, um Objektivität und Transparenz zu garantieren.

Krebsrisiko bei ausgewählten Krebsarten

Brust

Verringerung des Krebsrisikos

  • Verzehr von kohlenhydratarmem Gemüse (z. B. Karotten, Rüben, Pastinaken, Kohlrabi sowie grünes Blattgemüse (wie Spinat und Salat); Kohlgemüse, z. B. Brokkoli, Kohl); Lauchgemüse (Zwiebeln, Knoblauch und Lauch) – reduziert das
  • Risiko von Östrogenrezeptor-negativem (ER) Brustkrebs (schwache Hinweise).
    Lebensmitteln, die Carotinoide enthalten, könnten das Brustkrebsrisiko senken (schwache Hinweise).
  • Kalziumreiche Ernährung und der Konsum von Milchprodukten könnte das Risiko von prämenopausalem Brustkrebs verringern (schwache Hinweise)

Prostata

Erhöhung des Krebsrisikos

  • Übergewicht und Adipositas
  • Zu hoher Konsum von Milchprodukten und Calcium

Darm

Verringerung des Krebsrisikos

  • Verzehr von Vollkornprodukten, Ballaststoffen, Milchprodukten
  • Verzehr von Fisch
  • Vitamin C, Vitamin D, Multivitaminpräparate

Erhöhung des Krebsrisikos

  • Verzehr von rohem und verarbeitetem Fleisch, Konsum alkoholischer Getränke

Übergewicht und Adipositas

  • Zu geringer Verzehr von kohlenhydratarmem Gemüse (z. B. Karotten, Rüben, Pastinaken, Kohlrabi sowie grünes Blattgemüse (wie Spinat und Salat); Kohlgemüse, z. B. Brokkoli, Kohl); Lauchgemüse (Zwiebeln, Knoblauch und Lauch)
  • Zu geringer Obstkonsum

Lunge

Verringerung des Krebsrisikos

  • Verzehr von Lebensmitteln mit Retinol, Beta-Carotin oder Carotinoiden
  • Verzehr von Lebensmitteln mit hohem Isoflavongehalt (Soja, Tempeh, Tofu etc.)
  • Bei aktuellen oder früheren Rauchern: Obst und Gemüse
  • Bei aktuellen oder früheren Rauchern: Lebensmittel die Vitamin C enthalten

Erhöhung des Krebsrisikos

  • Trinken von Arsen-haltigem Wasser
  • Bei aktuellen oder früheren Rauchern: Hochdosis Beta-Carotin-NEM
  • Verzehr von rohem und verarbeitetem Fleisch
  • Konsum alkoholischer Getränke

Haut

Verringerung des Krebsrisikos

  • Kaffeekonsum (Melanom bei Frauen und Basalzellkarzinom bei Frauen und Männern)

Erhöhung des Krebsrisikos

  • Trinken von Arsen-haltigem Wasser
  • Konsum alkoholischer Getränke

Informationen zu allen Krebsarten

 

Ernährung, Adipositas und Typ2-Diabetes

Link 1 Das aktuelle Ernährungssystem verschärft ernährungsbedingte gesundheitliche Probleme und schafft einen Teufelskreis aus Krankheit, schlechten Arbeits- und Schulleistungen und verkümmertem Potenzial. Weltweit ist eine mangelhafte Ernährung für 41 % aller Todesfälle verantwortlich (3,2 Millionen pro Jahr durch Unterernährung von Kindern und Müttern, 10,9 Millionen pro Jahr durch chronische Krankheiten) und 48 % der verlorenen qualitätsangepassten Lebensjahre (327 bzw. 255 Milliarden pro Jahr) Link 1 | Link 2.

Der Nahrungsmittelsektor verursacht 25 % der Treibhausgasemissionen, 32 % des weltweiten Energieverbrauchs, 69 % des Süßwasserverbrauchs, 80 % der Entwaldung und den Verlust der Widerstandsfähigkeit unserer Böden und Ozeane. Das Ausmaß dieser Auswirkungen auf Gesundheit, Wirtschaft, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit ist erschütternd – und doch wird der Status quo von Regierungen, der Öffentlichkeit, den Gesundheitssystemen und den Unternehmen immer noch zu wenig anerkannt. Seit 40 Jahren ist die Zahl der Erwachsenen mit Adipositas weltweit von 100 Millionen auf 671 Millionen gestiegen; bei Typ2 Diabetes (T2D) betrug der Anstieg von 108 Millionen auf 422 Millionen Link 1 | Link 2. Trotz modernster Medizin und High-Tech Forschung: keine einzige Nation weltweit hat einen Rückgang der Adipositas oder T2DM erlebt, und gerade in ländlichen Gebieten oder Regionen mit niedrigen und mittleren Einkommen haben diese Pandemien explosionsartig zugenommen. Die Anerkennung der eskalierenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kosten der ernährungsbedingten Adipositas und des Typ-2-Diabetes zwingt zum Handeln. Paradigmenwechsel sind erforderlich, denn für die Behandlung chronischer Krankheiten ist die Qualität der Ernährung ausschlaggebend und nicht nährstoffbezogene Kalorien-Werte. Lebensmittel sind aus informationsbiologischer Sicht für Stoffwechselwege relevant, welche die vielfältigen und überlappenden Signalwege des Körpers zur langfristigen Gewichtskontrolle unterstützen oder behindern. Denn es ist die Qualität der Ernährung, die den Energieverbrauch und die Gewichtszunahme beeinflusst.

Diese Ergebnisse sind wiederum eine Bestätigung unserer über 20-jährigen Erfahrungen mit der Ernährung nach ProImmun M, bei der eine individuelle Umstellung auf eine qualitativ hochwertige Ernährung erfolgt. Quasi als „Nebeneffekt“ der Ernährungsumstellung erfolgt die Gewichtsreduktion, „von alleine“ und ohne jegliche kalorische Restriktion. Dass eine IgG-basierte Ernährung auch bei Patienten mit Übergewicht sicher und effektiv ist, wurde in verschiedenen Studien nachgewiesen. Manche der Autoren sehen in einer IgG-basierten Eliminationsdiät sogar eine Strategie, der Adipositas-Epidemie in den USA entgegenzuwirken.

  • Durch Meiden IgG-vermittelter reaktiver Lebensmittel war in der US-amerikanischen Studie mit 120 übergewichtigen Patienten innerhalb von 90 Tagen eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von etwa fünf Kilogramm feststellbar, bei gleichzeitigem Anstieg aller Indikatoren der Lebensqualität.
  • Eine IgG-basierte Eliminationsdiät unterstützte den Gewichtsverlust bei übergewichtigen Patienten, die durch eine konventionelle Diät mit Kalorienrestriktion kein Gewicht verloren. Die Hälfte der 82 Patienten, die an der türkischen Studie teilnahmen, erhielt nach einem IgG-Test eine Eliminationsdiät, die auf den festgestellten Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufbaute. Die andere Hälfte der Patienten hielt sich an ihre konventionelle Diät, kombiniert mit körperlicher Aktivität. Alle Patienten wurden von einem Ernährungsberater unterstützt. Nach sechsmonatiger IgG-Eliminationsdiät lag der durchschnittliche Gewichtsverlust bei 8,5 Kilogramm; durch die konventionelle kalorienreduzierte Diät lag die durchschnittliche Abnahme bei nur 0,8 kg.
  • Bei 30 übergewichtigen Jugendlichen wurde in der österreichischen Studie ein starker Anstieg der IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel festgestellt sowie auch eine dickere innere Schicht (Intima-media) der Halsschlagader, Anzeichen für eine Gefäßerkrankung, und ein erhöhter Laborwert, der auf Entzündungen hinweist (CRP). Zwischen diesen Größen gab es einen direkten Zusammenhang. Bei normalgewichtigen Kindern wurden keine erhöhten Werte gemessen. Die Autoren dieser Studie konnten somit zeigen, dass ein Übermaß an IgG-Antikörpern mit systemischen Entzündungen einhergeht.

Ernährung und Krebsprävention – eine globale Perspektive – Ergebnisse des World Cancer Research Fund

Weltweit stellt Krebs nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache an nichtinfektiösen Krankheiten dar. Dabei gilt Krebs gilt im Allgemeinen als weitgehend vermeidbare Krankheit, wenn auch eine genetische Veranlagung daran beteiligt sein kann. Unter den Faktoren, die die Entstehung von Krebs beeinflussen können, kommt der Ernährung besondere Bedeutung zu. Ihr Einfluss wird durch eine Reihe von aussagekräftigen Studien gestützt, dadurch bietet sie ein einfaches und preiswertes Mittel zur Prävention, welches jedermann zur Verfügung steht.

Bei Krebserkrankungen handelt es sich um eine Entgleisung der Zellteilung, die zu einem ungebremsten Zellwachstum führt. Es kommt zunächst zu Störungen und später zum Stillstand von Organfunktionen. In der Initiationsphase geht die Fähigkeit zur Regulierung des Zellwachstums verloren, in der Promotionsphase bildet sich ein krebsartiger Herd, der in der anschließenden Progressionsphase die zunehmende Entdifferenzierung der Zellen sowie Tumorinvasion und Metastasenbildung begünstigt. Dieser Prozess kann durch entsprechende Lebensweise, besonders durch eine präventive Ernährungsweise, in erheblichem Maße unterbunden werden. In unseren Lebensmitteln findet sich nämlich eine Vielzahl von Nähr- und Wirkstoffen, die diesen unheilvollen Ablauf unterbrechen können. Neben den in allen Lebensmitteln vorkommenden Vitaminen und Mineralstoffen sind es ausschließlich pflanzliche Lebensmittel, in denen die wichtigen Ballaststoffe und Tausende von sekundären Pflanzenstoffen mit gesundheitsfördernden Eigenschaften enthalten sind.

Seit Mitte der 1990er Jahre hat der Umfang der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur im Bereich Ernährung, körperliche Aktivität, Körpergewicht und Krebsrisiko erheblich zugenommen. Das globale Netzwerk des World Cancer Research Fund (WCRF) ist Pionier in Forschung und Aufklärung zum Thema Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention. Das Netzwerk hat sich die besondere Verpflichtung gestellt, Empfehlungen auf der Basis von zuverlässigsten wissenschaftlichen Methoden zu formulieren und diese Empfehlungen in allgemein verständliche Botschaften umzusetzen, die wiederum als Entscheidungsgrundlage für jeden dienen sollen. Dabei werden höchste wissenschaftliche Standards angewendet, um Objektivität und Transparenz zu garantieren.


• Krebsrisiko und pflanzliche Lebensmittel

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Vollkorngetreide: VERRINGERT das Risiko von Darmkrebs
  • Ballaststoffhaltige Lebensmittel: VERRINGT das Risiko von Darmkrebs
  • Durch Pökeln konservierte Lebensmittel: ERHÖHT das Risiko von Magenkrebs
  • Durch Aflatoxine kontaminierte Lebensmittel: ERHÖHT das Risiko von Leberkrebs
  • Es ist unwahrscheinlich, dass Beta-Carotin in Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln einen wesentlichen Einfluss auf das Risiko von Prostatakrebs hat.

• Krebsrisiko und tierische Lebensmittel

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Rotes Fleisch: ERHÖHT das Risiko von Darmkrebs
  • Verarbeitetes Fleisch: ERHÖHT das Risiko von Darmkrebs
  • Milchprodukte: VERRINGT das Risiko von Darmkrebs
  • Gesalzener Fisch (nach in China üblicher Art): ERHÖHT das Risiko von Nasen-Rachen-Krebs.

Zusätzlich sind folgende Erklärungen der Experten relevant:

Wenn Sie rotes Fleisch essen, beschränken Sie den Verzehr auf etwa drei Portionen pro Woche. Drei Portionen entsprechen etwa 350 – 500 g wöchentlich an zubereitetem Fleisch (ca. 700 bis 750 Gramm rohes Fleisch). Verzehren Sie, wenn überhaupt, nur sehr wenig verarbeitetes Fleisch. Die angegebene Menge an rotem Fleisch wurde so gewählt, dass ein Gleichgewicht zwischen den Vorteilen des Verzehrs von rotem Fleisch (als Quelle wichtiger Makro- und Mikronährstoffe) und den Nachteilen (erhöhtes Risiko für Darmkrebs und andere nicht übertragbare Krankheiten) hergestellt wird. Fleisch ist eine wertvolle Quelle für Nährstoffe, insbesondere Eiweiß, Eisen, Zink und Vitamin B12. Der Verzehr von Fleisch ist jedoch kein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung. Menschen, die sich für eine fleischlose Ernährung entscheiden, können durch eine sorgfältige Auswahl der Lebensmittel ausreichende Mengen dieser Nährstoffe erhalten. Aus einer Mischung aus Hülsenfrüchten und Getreide kann man ebenso mit ausreichend Protein versorgt werden. Eisen ist in vielen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, obwohl es weniger bioverfügbar ist als das im Fleisch.

Bei den Milchprodukten verhält es sich ähnlich, hier bestehen sowohl positive wie auch negative Aspekte. Einerseits gibt es überzeugende Nachweise, dass der Verzehr von Milchprodukten das Darmkrebsrisiko verringert. Andererseits kann der Konsum von Milchprodukten mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko einhergehen. Diese Beweise fielen allerdings unter den für eine (positive oder negative) Empfehlung erforderlichen Schwellenwert. Lesen Sie im nächsten Newsletter über Ernährungsempfehlungen zu einzelnen Krebsarten.

• Krebsrisiko und konservierte Lebensmittel

Lebensmittel können vor dem Verzehr auf verschiedene Weise konserviert und verarbeitet werden. Diese Methoden beeinflussen die chemische Zusammensetzung von Lebensmitteln sowie ihren Nährwert und ihr karzinogenes Potenzial. Verarbeitetes Fleisch bezieht sich im Allgemeinen auf Fleisch (in der Regel rotes Fleisch), das durch Salzen, Pökeln, Fermentierung, Räuchern oder andere Verfahren zur Geschmacksverstärkung oder Verbesserung der Konservierung verarbeitet wurde. Beispiele für verarbeitetes Fleisch sind Schinken, Salami, Speck, Pastrami und einige Wurstwaren. Dazu gehören Würste, Bratwürste, Chorizo, Würstchen und „Hot Dogs“, denen Nitrite oder Nitrate oder andere Konservierungsstoffe zugesetzt werden.

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Verarbeitetes Fleisch: ERHÖHT das Risiko von Darmkrebs
  • Durch Pökeln konservierte Lebensmittel: ERHÖHT das Risiko von Magenkrebs
  • Gesalzener Fisch (nach chinesischer Art): ERHÖHT das Risiko von nasopharyngealen Krebs.

• Krebsrisiko und nichtalkoholische Getränke

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Arsen im Trinkwasser: ERHÖHT das Risiko von Lungenkrebs, Blasenkrebs und Hautkrebs
  • Kaffee: VERRINGERT das Risiko von Leberkrebs und endometrialem Krebs
  • Mate-Tee, der nach traditioneller südamerikanischer Art brühend heiß getrunken wird: ERHÖHT das Risiko eines Ösophagus-Plattenepithelkarzinoms.

• Krebsrisiko und alkoholische Getränke

Zur Krebsprävention ist es am besten, keinen Alkohol zu trinken. Es ist erwiesen, dass im Allgemeinen das Risiko vieler Krebserkrankungen umso höher ist, je mehr alkoholische Getränke konsumiert werden. Die Ausnahme ist Nierenkrebs, wo das Risiko bei bis zu zwei alkoholischen Getränken pro Tag geringer ist; bei mehr als zwei Getränken pro Tag ist das Risiko jedoch unklar. Bei einigen Krebsarten besteht ein erhöhtes Risiko unabhängig der konsumierten Alkoholmenge, während bei anderen Krebsarten das Risiko bei einem höheren Konsum von etwa zwei oder drei Getränken pro Tag (30 oder 45 Gramm Alkohol pro Tag) deutlich wird.

Es gibt auch andere Belege für alkoholische Getränke, die zwar begrenzt sind (entweder in der Menge oder durch methodische Mängel), aber auf ein erhöhtes Risiko für Lungen-, Bauchspeicheldrüsen- und Hautkrebs hindeuten. Hier sind weitere Untersuchungen erforderlich, daher hat das Gremium diese Erkenntnisse für Empfehlungen genutzt. Spielt die Art des alkoholischen Getränks eine Rolle? Die Experten sind der Ansicht, dass alkoholische Getränke unabhängig von der Art des konsumierten alkoholischen Getränks eine Ursache für verschiedene Krebsarten sind. Dies liegt daran, dass alle alkoholischen Getränke Ethanol als krebserregende Verbindung enthalten. Das Ausmaß, in dem alkoholische Getränke eine Ursache für verschiedene Krebsarten sind, hängt von der Menge und der Häufigkeit des Alkoholkonsums ab.

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Alkoholische Getränke: ERHÖHT das Risiko von Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs (Plattenepithelkarzinom), Brustkrebs (vor und nach der Menopause)
  • Zwei oder mehr alkoholische Getränke pro Tag (30 Gramm oder mehr): ERHÖHT das Risiko von Darmkrebs
  • Drei oder mehr alkoholische Getränke pro Tag (45 Gramm oder mehr): ERHÖHT das Risiko von Magenkrebs und Leberkrebs
  • Bis zu zwei alkoholische Getränke pro Tag (bis zu 30 Gramm): VERRINGERT das Risiko von Nierenkrebs.

• Krebsrisiko, glykämische Last und Nahrungsergänzung

Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sind als Mikronährstoffe nicht nur in Nahrungsmitteln enthalten, sondern werden auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Manchmal werden sie in Dosen konsumiert, die weit über das hinausgehen, was bei einer typischen Ernährung aus der Nahrung aufgenommen wird. Die Empfehlungen der Expertenkommission zur Krebsprävention umfassen eine gesunde Ernährung, die Erhaltung eines gesunden Gewichts und körperliche Aktivität. Es sei besser, sich gesund zu ernähren, als sich zum Schutz vor Krebs allein auf Nahrungsergänzungsmittel zu verlassen.

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Der Konsum von Kalziumpräparaten: VERRINGERT das Risiko von Darmkrebs
  • Eine höhere glykämische Belastung der Nahrung: ERHÖHT das Risiko von Endometriumkrebs. Im Allgemeinen steigt das Risiko für Endometriumkrebs, je höher die glykämische Belastung in der Ernährung ist.
  • Der Konsum von hochdosierten Beta-Carotin-Zusätzen: ERHÖHT das Risiko von Lungenkrebs (bei Menschen, die rauchen oder Tabak geraucht haben)
  • Der Verzehr von Beta-Carotin in Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln hat wahrscheinlich keinen wesentlichen Einfluss auf das Risiko von Prostatakrebs.
  • Der Konsum von Beta-Carotin in Nahrungsergänzungsmitteln hat wahrscheinlich keinen wesentlichen Einfluss auf das Risiko von Hautkrebs (Nicht-Melanom).
  • Bei hochdosierten Beta-Carotin-Supplementen und Kalziumpräparaten können nur für die jeweils untersuchten Dosen Schlussfolgerungen gezogen werden.

 

Polyphenole und Probiotika – eine ideale Kombination

Die Ursache von Depressionen wird im Mangel an Noradrenalin und Serotonin in Hippocampus und Frontalkortex gesehen, zumal monoaminerge Reuptake-Blocker zur Verbesserung des Gemütszustandes bei Depressionen beitragen. Immer mehr zeichnet sich aber eine holistische Sichtweise in der Betrachtung von Gemütserkrankungen ab. Die multisystemischen Ursachen liegen im Zusammenspiel von Umweltbelastungen, genetischer Disposition und einer Vielzahl physiologischer Signale. Könnten diese Risikofaktoren durch eine Kombination aus Polyphenolen und Probiotika günstig beeinflusst werden?

Lebensmittel, die viele Polyphenole enthalten (z. B. Traubensaft, Blaubeeren, Kakao, Kaffee), wirken sich in positiver Weise auf Depressionsmarker aus. Diese Erkenntnisse stammen zunächst überwiegend aus Tierversuchen, die Ergebnisse sind aber vielversprechend:

• Täglicher Konsum von Traubensaft (ad libitum) verbesserte Kognition, motorische Funktion und die Freisetzung von Dopamin (Tierversuch).
• Bei älteren Erwachsenen mit Gedächtnisschwund, kam es durch den täglichen Konsum von Concord-Traubensaft (6 – 9 ml/kg für 12 Wochen) zu einer deutlich verbesserten kognitiven Funktion, aber nicht zur Besserung depressiver Symptome.
• Bei gesunden berufstätigen Frauen mittleren Alters kam es durch den täglichen Konsum von Concord-Traubensaft (355 ml für 12 Wochen) zu einem deutlich verbesserten räumlichen Gedächtnis.
• Bei jungen Erwachsenen wurde festgestellt, dass 230 ml roter Traubensaft sich positiv auswirkte auf die Reaktionszeit und die Stimmung.
• Ein aus Trauben gewonnener polyphenolischer Extrakt verbesserte die basale synaptische Übertragung und kognitive Funktionen in einem Tiermodell der Alzheimer-Erkrankung.

Ähnliche Ergebnisse wurden auch für andere Polyphenol-Extrakte festgestellt, die z. B. aus Blaubeeren, Kakao, Kaffee oder grünem Tee stammten.

Darmbakterien verbessern die Verwertbarkeit von Polyphenolen aus Nahrungsmitteln und können somit deren Wirkungen potenzieren. Daraus ergibt sich eine zweifache Auswirkung auf die Gesundheit. Einerseits wirken die Polyphenole in der Nahrung als Präbiotika, die das Wachstum der gesundheitlich positiven bzw. erwünschten Bakterien fördern Link 1Link 2 | Link 3. Zweitens können Darmbakterien Polyphenole in Phenolsäuren umwandeln, die aktiver sind und besser aufgenommen werden als die ursprünglichen Polyphenole. Daher sollte die Wirksamkeit von Polyphenolen immer im Zusammenhang mit der Darmflora betrachtet werden. Die Artenvielfalt der Darmbakterien ist entscheidend, um Polyphenole in Phenolsäuren, deren aktive Formen, umzuwandeln. Daher kann man davon ausgehen, dass die Kombination von Polyphenolen mit optimierten Probiotika gut geeignet ist, die Bildung entzündungshemmender Stoffe zu fördern, welche zur Verbesserung von Stimmung und kognitiver Leistung beitragen.

 

Lebensmittelzusatzstoffe und Darmfunktion

Die Verwendung von Zusatzstoffen in der Lebensmittelverarbeitung ist durch spezifische Gesetze geregelt und muss in Europa von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) genehmigt werden. Dabei handelt es sich um Stoffe, die bei der Lebensmittelherstellung verwendet werden, um deren Haltbarkeit zu verlängern oder Qualität und Geschmack bei industrieller Herstellung verbessern sollen. Sie werden als Stabilisatoren, Überzugs- oder Füllstoffe verwendet und ihr Vorhandensein in Lebensmitteln wird meist mit einer „E-Nummer“ angegeben. Es wird erwartet, dass der europäische Markt für Lebensmittelzusatzstoffe in den nächsten Jahrzehnten stark anwächst und eine Schlüsselrolle in der Lebensmittelindustrie einnehmen wird. Die meisten heute gebräuchlichen Lebensmittelzusatzstoffe wurden jedoch in den 70er und 80er Jahren nach mittlerweile überholten und als unzureichend geltenden Experimenten zugelassen. Diese veraltete Sicherheitsbewertung sowie die Zunahme des Marktvolumens von Lebensmittelzusatzstoffen legt eine erneute Bewertung der potentiell schädlichen Auswirkungen dieser Substanzen auf die menschliche Gesundheit nahe. Viele präklinische Studien haben in letzter Zeit den erhöhten und verlängerten Verzehr von Lebensmittelzusatzstoffen mit der Entwicklung und dem Fortschreiten verschiedener Formen von Colitis, Darmkrebs und dem metabolischen Syndrom in Verbindung gebracht.

Vielfältigste negative Auswirkungen der verschiedenen Substanzklassen auf den Darm sind nachgewiesen.

Hinweis:
Die Ergebnisse stammen überwiegend aus Tierversuchen, Konzentrationen sind in Klammern angegeben, sofern verfügbar

Emulgatoren

Dysbiose und metabolisches Syndrom
Reduzierte Darmtätigkeit und Colitis
Entzündung (1 % w/v)
Darmkrebs (1 % w/v)
Dysbiose mit Zunahme proinflammatorisch wirksamer Bakterien (1, 0,5, 0,25 oder 0,10 %)
Änderung des geschlechtsspezifischen Verhaltens
Neuronale Veränderungen.

Beschichtungs- und Verdickungsmittel

Nekrotisierende Enterokolitis bei Frühgeborenen (47 oder 55,2 g/L)
Beeinträchtigte Immunreaktion auf Salmonella-Infektion (5 % w/v)
Verminderte Schleimproduktion, erhöhte Anfälligkeit für Colitis, chronische Entzündung des Darmes (5 % w/v).

Künstliche Süßstoffe

Darmdysbiose und Glukoseintoleranz (Saccharin: 5 %; Sucralose 5 %; Aspartam: 4 %)
Veränderung der Darmflora und deren Stoffwechselprodukte; Leberentzündung. (0,1 mg/mL)
Veränderung der Darmflora und deren Stoffwechselprodukte mit Beeinträchtigung von Entgiftungsmechanismen der Leber (0,2 mg/20 µL)
Intestinale Dysbiose; erhöhte Sekretion von Cholesterin und Lipiden im Stuhl
Darmdysbiose und Darmentzündung; Vermehrung der Proteobakterien und erhöhte Aktivität der ilealen Myeloperoxidase (Enzym das bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielt).

Farbstoffe

Erhöhte Zytokinproduktion und beeinträchtigte Phagozytenaktivität (50 µg/mL)
Darmentzündung und Dysbiose, ROS-Freisetzung, NLRP3 Entzündungsaktivierung und Freisetzung der proinflammatorisch wirksamen Zytokine IL-1β und IL-18
Erhöhte intestinale Permeabilität (10-50-500 mg/kg)
Akkumulation in Peyer’s Plaques; höhere Anzahl dendritischer Zellen und Abnahme der regulatorischen T-Zellen (10 mg/kg)
Beeinträchtigung der probiotischen Arten (Bifidobacterium und Lactobacillus)
Veränderung der bakteriellen Stoffwechselprodukte; Abnahme der Schleimproduktion
Entzündungsreaktion und Veränderung der Kryptenlänge des Dickdarms (2-10-50 mg/kg)
Erhöhte Nüchternblutzuckerwerte und Expression von Diabetes mellitus-bezogenen Genen bei schwangeren Versuchstieren (5 mg/kg)
Antimikrobiell wirksame Stoffe
Schäden an Mikrovilli und Drüsen des Darmes, Reduktion des Körpergewichts, Darmdysbiose (46-460-4600 ppb)
Entwicklung angstähnlicher Verhaltensweisen (3,6 mg/kg)
Darmdysbiose, chronisch schleichende Darmentzündung und Colitis-assoziierte Dickdarmkarzinogenese.

 

Immun- und Entzündungsstatus bei vegetarischer Ernährung

Wie wirkt sich eigentlich eine langfristige vegetarische Ernährung auf den Immunstatus und die Entzündungsmarker (C-reaktives Protein, Tumornekrosefaktor α, Fibrinogen, natürliche Killerzellen, Leukozyten, Lymphozyten, Thrombozyten, Interleukine und Immunglobuline) aus? In einer groß angelegten Analyse („Meta-Analyse“) wurde dieser Frage nachgegangen – Ergebnisse aus 40 klinischen Studien wurden für die Untersuchung verwendet. Dabei wurde festgestellt, dass eine vegetarische Ernährung zu signifikant niedrigeren CRP-Werten führt. Auch die Laborwerte für Fibrinogen (ein Akute-Phase-Protein, welches zur systemischen Reaktion des Körpers auf Infektionen, Gewebeschäden und anderen Krankheiten beiträgt) und die Gesamtzahl der Leukozyten waren bei Vegetariern wesentlich niedriger im Vergleich zu Nicht-Vegetariern.

 

Omega-3-Fettsäuren bei hohem Triglyceridspiegel

Hypertriglyceridämie (Triglyceride 200 – 499 mg/dL) kommt in der westlichen Welt immer häufiger vor. Auch die Prävalenz schwerwiegender Erhöhungen (Triglyceride ≥ 500 mg/dL) steigt stetig an, was auf die weltweite Zunahme von Adipositas/ Diabetes/ metabolischem Syndrom zurückgeführt wird. In einer aktuellen Stellungnahme der American Heart Association wird empfohlen, Patienten mit Hypertriglyceridämie Omega-3-Fettsäuren zu verordnen. Die Empfehlung basiert auf den Daten der REDUCE-IT-Studie, in der mit hochdosierter Eicosapentaensäure (EPA) das kardiovaskuläre Risiko von Patienten mit erhöhten Triglyceriden um 25 % gesenkt wurde. Eine Monotherapie mit Omega-3-Fettsäuren könnte demnach bei Patienten mit einfacher Hypertriglyceridämie (Triglyceride 200 – 499 mg/dL) ausreichen, unter täglicher Dosierung von 4 g Omega-3-Fettsäuren. Bei Patienten mit stark erhöhten Spiegeln (Triglyceride ≥ 500 mg/dL) konnten die Werte um über 30 % gesenkt werden, aber weitere Medikamente sind ggf. noch notwendig. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Verschreibung von Omega-3-Fettsäuren in einer Dosis von 4 g/Tag eine effektive und sichere Option zur Reduzierung von erhöhten Triglyceridwerten ist, entweder als Monotherapie oder als Ergänzung zu anderen lipidsenkenden Mitteln. Vor einer Verordnung von Omega-3-Fettsäuren sollten allerdings alle Ursachen der Hypertriglyceridämie untersucht werden, und dazu gehören auch ernährungsrelevante Maßnahmen.

 

Medizin, Big Pharma und Big Money

BMJ, eine führende medizinische Fachzeitschrift startet derzeit eine globale Kampagne, um die Medizin vom Einfluss der Pharmagiganten zu trennen. Anlass war mitunter der Prozess gegen den US-Pharmakonzern Johnson & Johnson wegen fehlerhafter Scheiden-Implantate. Australische Anklägerinnen hatten eine Sammelklage gegen den Pharmakonzern eingereicht. Nach dem Einsetzen der Vaginal-Netze („Vaginal Mesh“) hatten viele Frauen unter chronischen Schmerzen gelitten. Das synthetische Gewebe sollte Frauen helfen, die nach Geburten an schwacher Beckenbodenmuskulatur oder unkontrolliertem Urinverlust litten. Überdehntes oder gerissenes Gewebe sollte durch die Netze unterstützt werden. Verurteilt wurde der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson, weil bei der Entwicklung fahrlässig gehandelt wurde, der Konzern kannte die Risiken. In den USA stellte ein Gericht fest, dass das gleiche Unternehmen bewusst die Gefahren von Opioiden heruntergespielt hat und die Vorteile von Opioiden überverkaufte, was eine Suchtkrise schürte. Im Jahr 2017 starben in den USA rund 47.600 Menschen an Überdosen von Opiaten. Derzeit sind insgesamt fast 2.000 Klagen gegen die Hersteller von Medikamenten mit Opiaten anhängig.

Das BMJ klagt an und protestiert gegen die massive Beeinflussung von Ärzten durch die Pharmaindustrie. Denn Ärzte werden nach wie vor von der Industrie beeinflusst – über gesponserte Weiterbildungsveranstaltungen und von der Industrie finanzierten Studien für wichtige Medikamente. Ein Team aus globalen Gesundheitsexperten und die Herausgeber der Zeitschrift schreiben in einem erschütternden Leitartikel, dass man diesen Studien nicht trauen kann.

Die „endemische finanzielle Verflechtung mit der Industrie verzerrt die Produktion und Nutzung von Evidenzen, verursacht Schaden für Einzelpersonen und zusätzliche Lasten für die Gesundheitssysteme“, schreiben die Autoren. Eine Studie mit den Daten der US-Transparenzinitiative US Open Payments analysierte die Verordnungsdaten von 279.000 Ärzten und kam zu dem Ergebnis, dass der Erhalt von nur einer durch die Pharmaindustrie finanzierten Werbemahlzeit zu höheren Verschreibungszahlen der jeweiligen Medikamente führte. Die Initiatoren dieser Kampagne fordern die Regierungen auf, unabhängige Studien mit neuen Medikamenten und Medizinprodukten zu finanzieren, anstatt sich auf Studien zu verlassen, die von der Industrie finanziert werden. Untersuchungen belegen, dass industriell geförderte Forschung mit höherer Wahrscheinlichkeit zu günstigeren Ergebnissen kommt, im Gegensatz zu unabhängiger Forschung. Sie wollen auch erreichen, dass Ärzte keine Fortbildungspunkte für die Teilnahme an von der Industrie geförderten Weiterbildungsveranstaltungen erhalten. Diese Veranstaltungen, so die Kritiker, seien dünn getarnte Verkaufsseminare. Viele Ärzte erhielten kostenloses Essen und Getränke, einige erhielten kostenlose Flüge und Unterkünfte für eine Konferenz im Ausland.

In den Ärztevereinigungen mancher Länder, z. B. Australien, ist es z. B. Chirurgen untersagt, Geld oder Geschenke im Austausch für die Verwendung bestimmter Geräte oder Operationen anzunehmen. Sie müssen auch Interessenkonflikte – zum Beispiel wenn sie auf der Gehaltsliste eines Unternehmens stehen – gegenüber ihren Patienten melden.

 

IgG-basierte Ernährungsumstellung lindert schwere Depressionen – ein Fallbericht

Link Jedes vierte Schulkind leidet unter psychischen Problemen – meist Depressionen oder Angststörungen – wie aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der DAK  hervorgeht. Bei Erwachsenen ist die Zahl der psychischen Erkrankungen in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen. Depressionen sind weit verbreitet und betreffen nach Angaben der WHO 350 Millionen Menschen weltweit. Etwa nur ein Drittel der Patienten spricht auf die medikamentöse Therapie an, oftmals sind mehrfache Therapieversuche notwendig. Verschiedene Faktoren scheinen das Risiko und die Neuroprogression einer depressiven Erkrankung zu erhöhen, wobei ein Zusammenhang mit systemischen Entzündungsreaktionen besteht. Dazu gehören: psychosozialer Stress, eine mangelhafte Ernährung, oxidativer und nitrosativer Stress, körperliche Inaktivität, Übergewicht, Rauchen, veränderte Permeabilität des Darmes, Schlaf- und Vitamin D-Mangel. Die meisten dieser Faktoren sind plastisch und daher durch therapeutische und präventive Maßnahmen sehr gut zu beeinflussen. Sie spielen auch bei anderen psychiatrischen Erkrankungen eine Rolle, z. B. bipolaren Störungen, Schizophrenie, Autismus und posttraumatischen Belastungsstörungen.

Immer mehr klinische Daten werden bekannt, die erklären, wie die Ernährung bei depressiven Patienten die Immunfunktion, systemische Entzündungsprozesse und das Leaky Gut-Syndrom beeinflusst. Die Gliadin-vermittelte Überproduktion von Zonulin verursacht eine Lockerung der Tight junction-Verbindungen im Darmepithel, was mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmwand einhergeht. Dies ermöglicht größeren Molekülen, die normalerweise im Darm zurückgehalten werden, in den Blutstrom zu gelangen und IgG-vermittelte Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu induzieren. Es kommt dadurch zu einer erhöhten Immunantwort, die mit der Freisetzung proinflammatorischer Zytokine verbunden ist, welche wiederum zur Entwicklung von depressiven Symptomen führen können. Bei Patienten mit schweren Depressionen sind IgG-Antikörpertiter gegen Lebensmittelproteine besonders hoch.

Dieses neue Paradigma zur Pathogenese depressiver Störungen wurde in einer neuen Falldokumentation am Beispiel einer 34-jährigen Patientin eindrucksvoll bestätigt, die seit ihrem 12. Lebensjahr an schweren Depressionen und Angststörungen litt. Durch die Ernährungsumstellung besserte sich nachhaltig der gesundheitliche Zustand der Patientin, Verdauungsbeschwerden und Kopfschmerzen traten nicht mehr auf.

Die 34-jährige Patientin (Sozialarbeiterin) litt seit ihrem 12. Lebensjahr an schweren Depressionen und Angststörungen. Die medikamentöse Therapie hatte sie wegen Nebenwirkungen abgesetzt und wollte ihre Erkrankung mit nicht-pharmakologischer Therapie behandeln lassen. Bis dahin bestand ihre Ernährung vorwiegend aus Fast-Food und Fertigprodukten. Pizza und Hamburger wurden täglich konsumiert, sehr häufig in Kombination mit Kuchen, Keksen oder Donuts. Die Patientin praktizierte auch keinerlei körperliche Aktivität. Sie war zwischen dem 19. und 22. Lebensjahr alkoholabhängig, litt seit Jahren unter Verstopfung, kalten Extremitäten und Schlaflosigkeit. Zunächst wurde ihr eine 3-wöchige IgG-basierte Eliminationsdiät verordnet, danach sollte sie alle 3 Tage ein vorher gemiedenes Lebensmittel konsumieren und ihr Befinden beurteilen. Während der 3-wöchigen Nahrungsmittelumstellung besserte sich ihre Stimmung, die Patientin berichtete, dass sie sich energievoller fühlte, sie sei geistig klarer, sie nahm 5 kg ab und die Verdauung besserte sich. Sie berichtete auch, dass ihre Stimmung sich wieder verschlechterte, sobald sie die vorher gemiedenen Milchprodukte zu sich nahm. Sobald sie glutenhaltige Lebensmittel konsumierte, kam es vermehrt zu Blähungen und Kopfschmerzen. Diese Änderungen brachte sie zweifelsohne mit der Ernährung in Zusammenhang.

Zusätzlich zur Ernährungsumstellung wurden der Patientin tägliche Bewegung und weitere Nahrungsergänzungsmittel verordnet. Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Tagesdosis:
Fischöl (1.200 mg EPA/200 mg DHA)
Vitamin E (6,7 mg)
Vitamin B12 Injektionen (1.000 µg i.m.)

Die Patientin berichtete, dass diese Verordnungen zusätzlich zur Besserung ihres Befindens beigetragen hätten. In den folgenden 2 Jahren erzielte die Patientin einen sehr guten gesundheitlichen Zustand, und kam zu einer monatlichen Visite in die naturheilkundliche Klinik, wo sie behandelt wurde. Während der 2 Jahre wurde sie insgesamt 5 Mal rückfällig. Sobald sie die reaktiven Lebensmittel wieder mied, kam es wieder zur Besserung ihres Befindens.

 

Ernährung bei Patientinnen mit Brustkrebs

Patientinnen mit Brustkrebs wird allgemein empfohlen, sich an eine „gesunde Ernährung“ zu halten, doch was ist damit tatsächlich gemeint und welche Form der Ernährung ist am besten für sie geeignet? Eine Untersuchung der Universitätskliniken in Göttingen und Würzburg, sowie der Kliniken Bad Bocklet ging dieser Frage nach.

An dieser Studie waren 152 Brustkrebs-Patienten beteiligt. Sie konnten sich für eine von 3 Ernährungsformen entscheiden, die bezüglich ihrer jeweiligen Anteile an Fett/Proteine/Kohlenhydrate variierten: 1. Ketogene Ernährung (KE, 80/16/4; 29 Patientinnen), 2. Low-Carb-Diät (LC, 50/20/30; 92 Patientinnen) oder 3. „westliche“ Ernährung (WE, 30/15/55; 31 Patientinnen). Während eines 3-wöchigen Reha-Aufenthalts erhielten die Patientinnen intensive Beratung und wurden angewiesen, sich insgesamt 20 Wochen lang an die selbst gewählte Ernährungsform zu halten. Danach wurden körperliche Fitness, Körperzusammensetzung und CRP-Werte erneut gemessen.

Die wesentlichen Erkenntnisse

Im Verlauf der 20 Wochen ergab sich für alle Patientinnen ein verbessertes Muskel-Fett-Verhältnis. Der viszerale Fettanteil wurde in allen Gruppen verringert (Durchschnittswerte: KD: -2,1 kg; LC: -1,7 kg; WE: -0,6 kg). Die körperliche Fitness stieg bei den Patientinnen, die sich ketogen ernährten am stärksten an. Zur Messung der körperlichen Fitness wurde der VO2/kg-Wert vor und nach 20 Wochen Ernährungsumstellung gemessen. Der VO2-Wert ist ein Goldstandard zur Messung der allgemeinen Grundausdauer. Je höher dieser Wert, umso mehr Sauerstoff kann der Körper pro Kilogramm Körpergewicht und Minute während eines Trainings nutzen und umso geringer ist das Risiko für Herzkreislauf- und andere Erkrankungen. Im Laufe der 20 Wochen erhöhte sich der Wert VO/kg Max um +2,51 bei KD, +1,43 bei LC und +2,49 bei WD. Bezüglich der anaeroben Schwelle (V02 bei VT2) ergaben sich ebenso die stärksten Verbesserungen bei KD (+2,93 bei KD, +0,64 bei LC, +0,48 bei WD). Die Autoren der Studie erklären dieses Ergebnis durch die Tatsache, dass Ketonkörper wie ß-Hydroxybutyrat als „Superkraftstoff“ fungieren können. Daraus ergibt sich eine verbesserte Energieeffizienz, was besonders bei Krebspatienten sehr wichtig ist. Zusätzlich wurde auch festgestellt, dass sich der CRP-Wert – als wichtigster Inflammationsmarker – bei den Patientinnen, die sich ketogen ernährten, am stärksten reduzierte. Obwohl unter Onkologen immer noch kontrovers diskutiert, unterstützen die Ergebnisse weitere Studien zur Bewertung des therapeutischen Potenzials einer KD als Ernährungsplan für Patientinnen mit Brustkrebs.

 

Entzündungshemmende Ernährung und Fatigue

Link 1 | Fatigue – man kennt sie bei allen Erkrankungen, die mit einer chronischen Inflammation einhergehen wie z. B. Krebs, entzündliche Darmerkrankungen, Fibromyalgie, multiple Sklerose und zahlreiche andere (Autoimmun)erkrankungen. Auch bei depressiven Patienten ist die Fatigue ein wichtiger Aspekt bei der ganzheitlichen Betrachtung der Erkrankung. Etwa 90 % der von diesen Erkrankungen betroffenen Patienten leiden auch unter Fatigue. Patienten mit Krebs sind besonders während und nach der schulmedizinischen Behandlung davon betroffen.

Fatigue ist eine überwältigende Müdigkeit, die weit über die nach körperlicher oder geistiger Anstrengung auftretende Erschöpfung hinausgeht und auch durch erholsamen Schlaf nicht beseitigt wird. Derartige Erschöpfungserscheinungen können zeitlich begrenzt auftreten oder in einen chronischen (> 6 Monate) Zustand übergehen. Aktuell geht man davon aus, dass ganz unterschiedliche Faktoren Link 1 | Link 2 an der Entstehung der Fatigue beteiligt sind. Bei dem chronische Fatigue-Syndrom (CFS), einer multisystemischen und komplexen Erkrankung mit enormen persönlichen, sozialen und beruflichen Langzeit-Einschränkungen treten gravierenden Merkmale einer fehlgeleiteten Immunregulation auf, z. B. Veränderungen des Immunglobulinspiegels, des Zytokinprofils, der Zusammensetzung von B- und T-Zellen und der natürlichen Killerzellen. Auffällige Nährstoffdefizite (Vitamin C, Vitamin B-Komplex, Natrium, Magnesium, Zink, Folsäure, L-Carnitin, L-Tryptophan, essentielle Fettsäuren und Coenzym Q10) sind ebenso maßgeblich am Ausbruch und Schweregrad des CFS beteiligt.

Ärzte der Charité-Universitätsmedizin in Berlin und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam sind nun der Frage nachgegangen, ob das bei der Fatigue beobachtete Entzündungsprofil durch eine entzündungshemmende Ernährung verbessert werden kann und welche Auswirkungen dies auf die Reduktion der Fatigue hat. Es wurden insgesamt 21 klinische Studien ausgewertet, um den Einfluss von entzündungshemmenden Nährstoffen, Lebensmitteln und Ernährungsformen auf Entzündungsmarker und die Fatigue bei verschiedenen Patientengruppen zu untersuchen.

Die wesentlichen Erkenntnisse zur ernährungsbasierten Behandlung der Fatigue

Einzelne Nährstoffe

• Omega3/Omega6
Omega-3-Fettsäuren reduzierten Fatigue bei Lungenkrebs-Patienten
Omega-6-Fettsäuren (und nicht Omega-3-Fettsäuren) reduzierten Fatigue und die Inflammationsmarker TNF-α und CRP bei Patientinnen mit Brustkrebs
Täglicher Konsum von Fischöl (1,98 g/Tag EPA und 1,32 g/Tag DHA) über einen Zeitraum von 6 Monaten reduzierte Fatigue bei Patienten mit Multipler Sklerose.

• Vitamin A
Bei Patienten mit multipler Sklerose reduzierte hochdosiertes Vitamin A die Ermüdungswerte nach 1-jähriger Intervention (25.000 internationale Einheiten (IU) Retinylpalmitat/Tag für 6 Monate, gefolgt von 10.000 IU/Tag für 6 Monate).

• Vitamin D (Cholecalciferol)
Bei Patienten mit Systemischem Lupus erythematodes führte die Nahrungsergänzung mit Vitamin D (50,000 IU/Woche für einen Zeitraum von 24 Wochen) zur Besserung der Fatigue und auch der allgemeinen Symptomatik.

• Polyphenole
Epigallocatechingallat (EGCG) führte im Tierversuch zur Besserung der Fatigue.
In einer kleinen Studie mit 12 Blasenkrebs-Patienten wurde durch die tägliche Gabe von 450 oder 900 mg Isoquercetin über einen Zeitraum von 80 Tagen eine wesentliche Reduktion der Fatigue beobachtet.

• Aminosäuren/Peptide/Proteine
Mittels Carnitin wurde die Symptomatik von Patienten mit CFS wesentlich verbessert.

• Probiotika
Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom führte die 8-wöchige Einnahme von Probiotika mit Bakterien der Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium zu einer Besserung der Fatigue. Anderweitige Untersuchungen bei weiteren Erkrankungen konnten diesen Effekt jedoch nicht bestätigen.

• Ginseng
Im Tierversuch wurde eine Verbesserung der durch Chemotherapie verursachten Fatigue nachgewiesen, sowie die Reduktion inflammatorischer Zytokine (TNF-α und IL-6).

• Ernährung
Frauen mit Brustkrebs, deren Ernährung viel Fisch, Vollwertgetreide und Gemüse (vor allem grünblättriges Gemüse und Tomaten), entzündungshemmende und antioxidative Inhaltsstoffe (z. B. Carotenoide, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin A, Vitamin C) enthielt, litten weitaus weniger an Chemotherapie-verursachter Fatigue.
Eine “Leaky-gut-Diät” wurde konzipiert für Patienten mit Fatigue. Sie ist kohlenhydratarm, frei von Gluten und Milchprodukten und wird kombiniert, je nach Bedarf, mit entzündungshemmend und antioxidativ wirksamen Inhaltsstoffen, z. B. Glutamin, N-acetyl-L-cysteine, Zink, L-Carnitin, Coenzym Q10, Taurin, Curcumin oder Quercetin. Die Fatigue besserte sich bei 65 % der Patienten, die sich nach diesen Vorgaben ernährten.
Die mediterrane Ernährung kann bei krankheitsbedingter Fatigue zu einer Besserung beitragen, indem die inflammatorischen Last reduziert wird. Dabei normalisiert sich die Darmflora.

 

IgG, Probiotika, Reizdarm und Migräne

Es wird geschätzt, dass In Deutschland etwa acht Millionen Menschen an Migräne leiden, die meist im Alter zwischen 25 und 45 Jahren auftritt und eher Frauen betrifft. Die gegenwärtigen medikamentösen Therapien werden oftmals nicht vertragen, wodurch in der klinischen Praxis ein großer Bedarf an alternativen Ansätzen für die Akut- und prophylaktische Behandlung besteht. Der Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Kopfschmerz-Symptomatik ist seit vielen Jahren bekannt. Bis zu 50 % der Patienten geben ein oder mehrere Lebensmittel als Migräne-auslösenden Trigger an, wobei oftmals Schokolade, Käse, Wein, Tomaten, Nüsse, oder durch Mikroorganismen vergorene Lebensmittel (z. B. Brot, Wein, Bier etc.) nicht vertragen werden.

Es ist auch seit vielen Jahren bekannt, dass Migräne-Patienten häufig auch am Reizdarmsyndrom leiden. Beide Erkrankungen ähneln sich, was das Fehlen eindeutiger organischer Ursachen, Periodizität der Schmerzen, Triggerfaktoren und andere Komorbiditäten betrifft. Migränepatienten haben – im Vergleich zu Gesunden – eine 2-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit, an einem Reizdarmsyndrom zu erkranken. Auch vom Reizdarmsyndrom (RDS) sind überwiegend die Frauen betroffen, die allgemeine Prävalenz in Deutschland liegt bei ca. 10 – 12 %. Typisch für das RDS sind periodisch auftretenden Bauchschmerzen im Zusammenhang mit Diarrhoe und/oder Obstipation, ohne dass organische oder biochemische Anomalien vorliegen. Neben der Schleimhautentzündung ist die Neuroinflammation wahrscheinlich an der Entstehung des RDS über die „Darm-Hirn-Achse“ beteiligt, was auch die Ähnlichkeiten beider Erkrankungen erklären könnte. Die entzündlichen Vorgänge führen zu veränderten Signalwegen. Dadurch wird das proinflammatorische Geschehen begünstigt, sowie auch die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse fehlgesteuert. Sie ist Hauptteil jenes Hormonsystems, das Reaktionen auf Stress kontrolliert und viele Prozesse im Körper reguliert, einschließlich Verdauung, Immunsystem, Stimmung, Gefühle und Sexualität. Dazu gehören auch Funktionen, die über Serotonin vermittelt werden. Dies würde auch erklären, weshalb RDS-Patienten häufiger an Depressionen leiden.

In früheren Newslettern haben wir über die positiven Wirkungen einer IgG-basierten Eliminationsdiät bei Patienten mit Migräne oder Reizdarm berichtet. Wie verhält es sich aber bei Patienten, die sowohl an Reizdarm als auch an Migräne leiden? Bereits vor 10 Jahren konnte in einer klinischen Studie mit 21 Reizdarm-Patienten, die auch an Migräne litten, gezeigt werden, dass der Ausschluss IgG-positiv getesteter Lebensmittel zur Besserung aller Symptome führte. Eine wesentliche Verringerung der Reizdarmbeschwerden (schmerzhafte Blähungen) und Migräneanfälle (Anzahl, Stärke, Dauer, Medikation) wurde festgestellt. Die Patienten berichteten auch von einer wesentlichen Verbesserung ihrer allgemeinen Lebensqualität.

In einer neu veröffentlichten Studie aus China wurde nun der gleichen Fragestellung nachgegangen. Zusätzlich zur IgG-basierten Ernährung wurde aber ein Teil der 60 Patienten mit Präbiotika versorgt und die Serotoninspiegel wurden im Verlauf der geänderten Ernährung untersucht.

Zunächst wurden bei allen 60 Patienten die IgG-Reaktionen auf 266 Lebensmittel untersucht. Alle Patienten litten an Reizdarm und Migräne. Dann wurden die Patienten in drei Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmer der ersten Gruppe befolgten eine IgG-basierte Ernährung, während die zweite Gruppe nur Probiotika erhielt. Die Patienten der 3. Gruppe ernährten sich gemäß ihres IgG-Tests und nahmen zusätzlich Probiotika ein.

Im Verlauf der folgenden 14 Wochen wurden Migräne- und Darmsymptomatik sowie die Medikamenteneinnahme aufgezeichnet. Die Serotoninspiegel wurden zu Beginn der Studie, nach 7 Wochen und nach 14 Wochen gemessen. Es verbesserte sich sowohl die Migränesymptomatik (Anzahl der Migränetage pro 7 Wochen und MIDAS score), sowie auch die Reizdarmbeschwerden (abdominelle Blähung und Stuhlgewohnheiten). Durch die zusätzliche Gabe von Probiotika stellte sich die Besserung der Migräne-Symptomatik schneller ein. Mit der Ernährungsumstellung alleine wurde erst nach 14 Wochen diejenige Besserung erzielt, die durch zusätzliche Gabe von Probiotika bereits nach 7 Wochen auftrat. Bei der Gruppe, die nur Probiotika nahm, stellte sich keine Besserung ein. Generell nahmen die Migräne-Patienten sehr viel weniger rezeptfreie Medikamente ein, die Triptan-Dosis wurde jedoch kaum reduziert (möglicherweise bedingt durch Triptan-Abhängigkeit). Die Linderung der Reizdarm-Symptomatik war nicht so ausgeprägt; die besten Ergebnisse wurden erneut durch eine Kombination der Ernährung nach IgG-Test und Einnahme von Probiotika erzielt. Probiotika alleine erbrachten auch hier keine positiven Ergebnisse im zeitlichen Verlauf. Bei Patienten die sich gemäß ihres IgG-Ernährungsplans ernährten und zusätzlich Probiotika nahmen, stieg der Serotoninspiegel im Verlauf der Therapie an. Daher befürworten die Autoren die Ernährungsumstellung gemäß individueller IgG-Testung in Kombination mit Probiotika bei dieser Erkrankung.

 

Leaky Gut und Polyphenole

Verschiedene Faktoren wie z. B. systemische Inflammation, bakterielle Dysbiose und Gluten-Unverträglichkeit führen zur erhöhten Permeabilität des Darmes (Leaky Gut), einem Konzept das auch in schulmedizinischen Kreisen immer mehr Anerkennung findet. Link

Bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen besteht eine gestörte Bildung und Verteilung der Tight-junction-Proteine, die für den dichten Zellverband der Darmschleimhaut wichtig sind. Wenn Tight-junction-Proteine abgebaut werden (z. B. durch eine übermäßige Zonulin-Freisetzung, bedingt durch Gluten oder eine dysfunktionale Darmflora), ist die Integrität der Darmbarriere nicht mehr gewährleistet. Aber auch proinflammatorische Zytokine (z. B. TNF-α, IL-1β, und Interferon γ fördern eine erhöhte Durchlässigkeit der Tight-junction-Proteine. „Tür und Tor“ sind geöffnet für das Eindringen von Schadstoffen oder Mikroorganismen in die Blutbahn und führen zu den damit verbundenen Konsequenzen wie systemische Entzündungen.

Die im Obst und Gemüse enthaltenen Polyphenole – biologisch sehr wichtige sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe – verändern die menschliche Darmmikrobiota hin zu einem gesundheitsfördernden Profil, indem sie zur Vermehrung der wichtigen Mikroorganismen wie Bifidobakterien und Lactobacillen beitragen. Zusätzlich wirken Polyphenole auch antioxidativ und antientzündlich. In neueren Untersuchungen wurde nun nachgewiesen, dass Polyphenole die Integrität der intestinalen Barriere schützen.

In Zellkulturen hat ein Polyphenol-Extrakt aus Rotwein die Zwischenzell-Permeabilität verringert. Dieser Effekt wurde selbst in der Gegenwart proinflammatorischer Zytokine beobachtet. Diese positive Wirkung kam nachweislich durch verschiedene Prozesse zustande, die durch den Polyphenol-Extrakt verursacht wurden:
• Förderung der Bildung von Tight-junction-Proteinen (Occludin, Claudin-5 und Zonnula occludens (ZO)-1).
• Die reduzierte Bildung von Tight-junction-Proteinen unter inflammatorischen Bedingungen wurde durch den Polyphenol-Extrakt verhindert.
• Claudin-2, ein kanalbildendes Tight-junction-Proteinen, das durch pro-inflammatorische Zytokine induziert wird, wurde bei Zugabe des Polyphenol-Extraktes in geringerem Maße gebildet.

Quelle:
Nunes, C.; Freitas, V.; Almeida, L.; Laranjinha, J. (2019). Red wine extract preserves tight junctions in intestinal epithelial cells under inflammatory conditions: implications for intestinal inflammation. Food & Function, 10, 1364–1374.

Aber auch Flavonoide wie Curcumin, Genistein, Quercetin und Kaempferol haben ähnliche Effekte. In verschiedenen Versuchen wurde gezeigt, dass sie zu einer verstärkten Bildung unterschiedlicher Tight-junction-Proteine führen bzw. Tight junctions vor inflammatorischen Schäden schützen.

Quelle:
Lee, B., Moon, K. M., & Kim, C. Y. (2018). Tight Junction in the Intestinal Epithelium: Its Association with Diseases and Regulation by Phytochemicals. Journal of Immunology Research, 2018, 2645465.

Dies sind wichtige Erkenntnisse zum Schutz der Darmbarriere vor entzündlichen und somit schädigenden Reizen. Sie bieten eine allgemein verfügbare – und auch durchaus angenehme – therapeutische Intervention bei Patienten mit Darmentzündungen bzw. Reizdarm.

Behandlung der Migräne durch Meidung IgG-reaktiver Lebensmittel

Migräne gehört nach wie vor zu den häufigsten und stark belastenden Erkrankungen weltweit, wobei etwa 15 % aller Erwachsenen in westlichen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß von Migräne betroffen sind. Das liegt mitunter auch an der oftmals schwierigen Behandlung der Patienten.

Die Umsetzung der Nahrung im Körper unterliegt sowohl chemischen Reaktionen wie auch immunologischen Mechanismen. Zahlreiche Studien belegen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Kopfschmerz-Symptomatik. Der Prozentsatz der Patienten, die ein oder mehrere Lebensmittel als Migräne-auslösenden Trigger angeben, liegt zwischen 12 % und 60 %  Link 1 | Link 2 | Link 3 | Link 4 | Link 5. In einer kürzlich veröffentlichten Arbeit wurde zum Beispiel gezeigt, dass bei 20 von 100 Migräne-Patienten (mit Aura), die Anfälle gelegentlich verursacht wurden durch Lebensmittel wie Schokolade, Käse, Wein, Tomaten, Nüsse, Lebensmittel die Kohlensäure enthielten bzw. durch Mikroorganismen vergoren werden (z. B. Brot, Wein, Bier etc.).

Obwohl Intoleranz sowie hypersensible Reaktionen auf Lebensmittel in der Ernährungsmedizin berücksichtigt werden, ist deren Diagnose eine Herausforderung im klinischen Alltag. Das liegt daran, dass Symptome zeitlich verzögert erst nach einigen Stunden oder Tagen auftreten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Symptome nicht jedes Mal nach dem Verzehr eines unverträglichen Lebensmittels auftreten. IgG-basierte Tests auf immunvermittelte (nicht IgE-bedingte) Nahrungsmittelreaktionen bieten hier eine überaus kostengünstige Alternative zu den zeitlich sehr aufwändigen herkömmlichen Ansätzen, bei denen jeweils ein „verdächtiges“ Lebensmittel vermieden und somit getestet wird. Personalisierte ernährungstherapeutische Ansätze zu Prävention und Gesundung – wie Ihnen von ProImmun M angeboten wird – sind daher das Fundament einer erfolgreichen und nachhaltigen Migräne-Therapie.

Der Autor dieses neuen Artikels, der in der Fachzeitschrift „Current Pain and Headache Reports“ erschien, spricht sich für IgG-Lebensmitteltests aus, empfiehlt sie als hilfreiche Untersuchungen bei Patienten mit Migräne. Er stellt fest, dass die Verwendung von IgG-Tests sinnvoll zur Erstellung individueller Ernährungsempfehlungen ist, die eine Behandlung der Migräne ohne medikamentöse Therapie ermöglichen. Dafür werden verschiedene Studien erwähnt, die wir Ihnen bereits in früheren Newslettern vorgestellt haben.

Ernährungsumstellung bei Migräne auf Basis von IgG-reaktiven Nahrungsmitteln: eine doppelblinde, randomisierte klinische Cross-Over-Studie

Bei 30 Migräne-Patienten die sich für die klinische Studie  in der Türkei sechs Wochen lang nach den Ergebnissen ihres IgG-Tests ernährten, nahm die Häufigkeit von Migräneattacken ab. Die Anzahl der Migräneanfälle, Kopfschmerz-Tage und -Anfälle, die mit Akutmedikamenten behandelt wurden, sowie die Gesamtmenge der eingenommenen Medikamente reduzierten sich ebenfalls.
Alpay K, Ertas M, Orhan EK, Ustay DK, Lieners C, Baykan B. 2010. Diet restriction in migraine, based on IgG against foods: a clinical double-blind, randomised, cross-over trial. Cephalalgia, 30: 829–837.

Zusammenhang zwischen Lebensmittelhypersensitivität durch IgG-Antikörper und Migräne bei Erwachsenen

Eine ein bis sechs Monate dauernde Eliminationsdiät führte in einer klinischen Studie  in Mexiko mit 56 Migräne-Patienten zum Ausbleiben der Migräne-Symptome bei mehr als zwei Drittel der Probanden.
Arroyave Hernández C, Echavarría Pinto M, Hernández Montiel HL. 2007. Food allergy mediated by IgG antibodies associated with migraine in adults. Rev. Alerg. Mex., 54: 162–168.

Pilotstudie zur Elimination immunologisch aktiver Nahrung und Einfluss auf Symptomatik und Lebensqualität von Personen mit chronischer Migräne und Kopfschmerzen

Nachdem für die US-amerikanische Studie 37 Migräne- beziehungsweise Kopfschmerzpatienten für einen Zeitraum von drei Monaten auf IgG-reaktive Lebensmittel verzichtet hatten, wurde eine wesentliche Besserung der Beschwerden festgestellt sowie auch eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität – körperlich, emotional, sozial und hinsichtlich ihrer Vitalität.
Lewis JE. 2013. A pilot study eliminating immunologically-reactive foods from the diet and its effect on symptomatology and quality of life in persons with chronic migraines and headaches. Open J. Intern. Med., 03: 8–14.

Prospektiv-Untersuchung der Nahrungsmittelunverträglichkeit von Migränepatienten in der klinischen Erstbehandlung

Nach einer nur einmonatigen IgG-Eliminationsdiät kam es bei fast einem Drittel der 46 Migräne-Patienten in dieser britischen Studie zu einer wesentlichen Verringerung ihrer Symptome.
Rees T, Watson D, Lipscombe S. 2005. A prospective audit of food intolerance among migraine patients in primary care clinical practice. Headache Care, 2: 105–110.

Migräne und Stimmungsschwankungen: Ernährungsintervention auf Grundlage von Laboruntersuchungen

Der Beitrag schildert den Fall einer US-amerikanischen Patientin mit Migräne (vier bis sechs Anfälle pro Woche), Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme. Der Patientin wurde eine IgG-basierte Eliminations- und Rotationsdiät verordnet, kombiniert mit Mikro-Nährstoffen, insbesondere Aminosäuren. Nach nur 30 Tagen besserte sich die Migräne-Symptomatik, die Patientin konnte die herkömmlichen Medikamente weitgehend reduzieren.
Nelson-Dooley, Kaplan S, Bralley JA. 2009. Migraines and mood disorders: nutritional and dietary intervention based on laboratory testing. Altern. Ther. Health Med., 15: 56–60.

IgG-basierte Eliminationsdiät bei Migräne und Reizdarmsyndrom

In der türkischen Studie mit 21 Migräne-Patienten, die gleichzeitig am Reizdarmsyndrom litten, führte der Ausschluss von IgG-positiv getesteten Lebensmitteln zu einer Besserung der Symptome. Es wurde eine wesentliche Verringerung der Migräne (hinsichtlich Anzahl, Stärke und Dauer der Anfälle sowie Anwendung der notwendigen Medikation) und der Reizdarmbeschwerden (schmerzhafte Blähungen) nachgewiesen. Die Patienten berichteten auch von einer wesentlichen Verbesserung ihrer allgemeinen Lebensqualität.
Aydinlar EI, Dikmen PY, Tiftikci A, Saruc M, Aksu M, Gunsoy HG, Tozun N. 2013. IgG-based elimination diet in migraine plus irritable bowel syndrome. Headache, 53: 514–525.

Randomisierte kontrollierte Studie von Nahrungselimination auf Basis von IgG-Antikörpern zur Prävention migräneähnlicher Kopfschmerzen

In einer randomisierten kontrollierten britischen Studie mit 167 Patienten mit migräneartigen Kopfschmerzen kam es nach vier Wochen nur zu einer geringen Abnahme der migräneähnlichen Kopfschmerz-Tage bei den 84 Patienten, die eine IgG-basierte Eliminationsdiät befolgten. Dieses – im Vergleich zu den anderen Studien – eher schwache Ergebnis hängt möglicherweise damit zusammen, dass es keine Arzt- oder Therapeutengespräche gab und auch keine fachkundige individuelle Ernährungsberatung.
Mitchell N, Hewitt CE, Jayakody S, Islam M, Adamson J, Watt I, Torgerson DJ. 2011. Randomised controlled trial of food elimination diet based on IgG antibodies for the prevention of migraine like headaches. Nutr. J., 10: 85.

 

Gerstengras – ein pflanzlicher Tausendsassa?

Gerstengras ist ein beliebtes „Superfood“ und findet auch als Nahrungsergänzungsmittel immer mehr Verwendung. ↗︎ Junge Gerstenblätter haben einen hohen Gehalt an Mineralstoffen (Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Mangan, Eisen, Kupfer, Zink und Phosphor, Selen), Vitaminen (A1, B1, B2, B3, B5, B6, E und Folsäure) sowie Aminosäuren (Arginin, Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Tyrosin und Valin). Weitere Pflanzeninhaltsstoffe mit gesundheitsfördernden Eigenschaften sind in dieser Pflanze auch reichlich enthalten, z. B. Flavonoide, Polyphenole, β-Glucane, Polysterole, Phenolsäuren, Tryptophan, Chlorophyll, Saponarin, Lutonarin, Polysaccharide und pflanzliche Fasern ↗︎ Link1. Gluten ist im Gerstengras nicht enthalten, denn es kommt als Speicher- und Reserveprotein nur in den Körnern vor.

In der chinesischen Medizin wird Gerstengras oder ein alkoholischer Extrakt aus Gerstengras traditionell zur Prävention chronischer Erkrankungen wie Krebs, Diabetes, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. Ein pflanzlicher „Supermix“ also, ähnlich wie Curcuma und ganz nach dem Motto „die Mischung machts“. Welche Wirkungen sind bisher tatsächlich untersucht und wissenschaftlich belegt? Bei welchen Erkrankungen kann Weizengras therapeutisch hilfreich sein?

Gesundheitsfördernde Wirkungen von Gerstengras:

• Schlaffördernd ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3
• Antidepressiv ↗︎ Link 1
• Antidiabetisch ↗︎ Link 1
• Blutdruckregulierend ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2
• Blutfette senkend ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2
• Verbesserung der Immunität ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2
• Leberschützend ↗︎ Link 1
• Entzündungshemmend ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3 | ↗︎ Link 4

• Antioxidantiv ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3

Wirksam bei

• Magen-Darm-Beschwerden ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2
• Verstopfung ↗︎ Link 1
• Krebs ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2
• Atopische Dermatitis ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2
• Herz-Kreislauf-Erkrankungen ↗︎ Link 1

Quantenphysik und Energiemedizin

Praktisch allen Aspekten der Natur liegen Schwingungen und Vibrationen zugrunde: durch Schwingungen entstehen Schall, Wärme und Licht. Fast alles, was wir über lebende Systeme wissen, stützt sich auf die Analyse von Schwingungen. Jedes Elektron, Atom, Molekül, jede Zelle, Gewebe, Organ, jeder Körper als Ganzes schwingt im lebenden Zustand in einer eigenen, charakteristischen Weise. Über Energiefelder kann Information von einem Organismus zu einem anderen übertragen werden, und gerade lebende Systeme reagieren sehr empfindlich auf diese Felder. Berücksichtigt man dies in der therapeutischen Absicht, ergeben sich ganz neue Dimensionen eines subtilen Austauschs zwischen Therapeut und Patient.

Elektromagnetische Felder umgeben und durchströmen den Körper, wobei das Herz die höchste elektrische Aktivität hat und 40- bis 60-fach mehr Strom produziert als das Gehirn. Die elektrische Aktivität des Herzens und des Nervensystems interagieren und beeinflussen sich gegenseitig. Die feinstoffliche Energie, die in diesen Systemen in Erscheinung tritt, wird als menschliches Biofeld oder Energiefeld bezeichnet. Die Energiemedizin beschäftigt sich mit der therapeutischen Anwendung dieser feinstofflichen Energien. Dazu gehören zum Beispiel die Akupunktur, Homöopathie, Healing Touch, Therapeutic Touch, Reiki, Qi Gong und die angewandte Kinesiologie.

In der westlichen Medizin werden Strahlen und elektromagnetische Felder in allen möglichen Varianten zur bildgebenden Diagnostik in Organe eingebracht, von Röntgenbildern bis zu den vielfältigen Methoden der Nuklearmedizin. Über Biophotonen-Messungen können einzelne Proteine mit einer bisher unvorstellbaren Genauigkeit in ihrer molekularen Funktion „sichtbar“ gemacht werden. Nach Abschluss der Diagnose mittels quantenmechanischer Prinzipien finden aber die Behandlungen nur auf die Ebene der Biochemie statt, denn energiemedizinische Prinzipien werden bisher nur in naturheilkundlichen Rahmen zur Behandlung eingesetzt.

Um den gesamten Menschen zu erfassen und zu behandeln – Körper, Geist und Seele –, müssen die Heilungskonzepte und Praktiken der Schulmedizin erweitert werden, damit das menschliche Energiefeld in die moderne medizinische Praxis einbezogen wird. Das neue medizinische Paradigma der integrativen Medizin schließt die seit Jahrtausenden bewährten Philosophien ein, sowie auch das Wissen um das menschliche Energiefeld, als Schlüssel zur ganzheitlichen Prävention und Gesundheit – Körper, Geist und Seele.

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IgG-vermittelte Nahrungsmittelhypersensitivität bei Bluthochdruck

Hypertonie kann mit erhöhten Serum-IgG-Werten einhergehen. In einer Studie wurden die Serumwerte für IgA, IgG und IgM bei Patienten mit Bluthochdruck bestimmt. Die Ergebnisse zeigten, dass Bluthochdruck mit höheren Werten für IgG und IgA sowie mit niedrigeren Werten für IgM korrelierte. Die Autoren dieser Studie erklären die erhöhten IgG-Werte mit Gefäßschäden, die bei Bluthochdruck verursacht werden. Dadurch können Zellfragmente aus tieferen Schichten des Bindegewebes in die Blutgefäße gelangen, Entzündungsreaktionen hervorrufen, was zu einer ↗︎ erhöhten Antikörpersynthese und letztlich auch zur Aufrechterhaltung eines inflammatorischen Teufelskreises führt. Ein weiterer IgG-vermittelter Mechanismus erfolgt durch die Glykosylierung von IgG, einem Prozess bei dem IgG-Proteine durch einen Kohlenhydrat-Rest verändert werden. Studien haben gezeigt, dass die IgG-Glykosylierung mit Bluthochdruck, Alterung, erhöhtem Body-Mass-Index und Diabetes Typ 2 einhergeht. Das modifizierte IgG kann durch unterschiedliches Bindungsverhalten an den IgG-Rezeptor die Immunantwort beeinflussen, und somit auch das Gleichgewicht zwischen pro- und antiinflammatorischer Funktion
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Bluthochdruck und Entzündung

Etwa 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Bluthochdruck. Auf Dauer schädigt Bluthochdruck wichtige Organe wie etwa Herz, Blutgefäße, Gehirn und Nieren. Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheiten, Netzhaut- oder Nierenschäden ergeben sich aus den geschädigten Gefäßen. Wodurch die primäre Hypertonie entsteht, ist noch nicht im Detail bekannt. Stress, Übergewicht, Bewegungsmangel, familiäre Neigung, Rauchen und hoher Salz- oder Alkoholkonsum tragen zu erhöhtem Blutdruck bei. Endotheliale Dysfunktion, oxidativer Stress, Zytokine, Toll-like Rezeptoren, Inflammasom und das intestinale Mikrobiom ↗︎ interagieren dabei in einer komplexen Weise. Generell ergeben sich immer mehr Studiendaten, die eine immunologische Grundlage des Bluthochdrucks bestätigen ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3 | ↗︎ Link 4. Der CRP-Wert, als wichtigster inflammatorischer Marker, spielt auch bei der Pathogenese der Hypertonie eine zentrale Rolle. In mehreren Studien wurde belegt, dass höhere IgG-Lebensmittelantikörper-Titer mit stärker ausgeprägten Entzündungsprozessen einhergehen, die anhand erhöhter CRP-Werte nachweisbar sind. Teilweise wurde auch die Reduktion des entzündlichen CRP-Markers durch Ernährungsumstellung gemäß den Ergebnissen eines IgG-Lebensmittelantigentests nachgewiesen. Daher ist damit zu rechnen, dass eine individualisierte Eliminierungsdiät auf Basis von IgG-Antikörpern gegen Nahrungsproteine eine antientzündliche Wirksamkeit hat, und somit auch zu einer positiven Wirkung auf den Blutdruck bei hypertensiven Patienten führt.

Nachweislich sind an der Entstehung des Bluthochdrucks folgende Zytokine beteiligt:

C-reaktives Protein (CRP)
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Tumornekrosefaktor-α (TNF-α)
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Interleukin-1β (IL-1ß)
↗︎ Link

Interleukin-6 (IL-6)
↗︎ Link

Interleukin-17 (IL-17)
↗︎ Link

andere
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In einer Studie mit 98 Morbus Crohn-Patienten wurden Serum-IgGs gegen 88 Lebensmittel bestimmt. Je höher die Anzahl der positiv getesteten Lebensmittel war, ↗︎ umso höher war auch der CRP-Wert. Patienten mit Colitis ulcerosa und gesunde Probanden zeigten eine deutlich geringere Reaktivität (Durchschnitt: 2,3 bzw. 0,9 Lebensmittel).

Übergewichtige Kinder (BMI 25 – 35) hatten im Vergleich zu Kindern mit Normalgewicht einen 2,5-fach höheren IgG-Antikörpertiter gegen Lebensmittel und ↗︎ einen dreifach erhöhten CRP-Wert im Vergleich zu den Kindern mit Normalgewicht.

Bei 140 krankhaft fettleibigen Probanden wurden CRP-Werte, IgG, IgA und IgM gegen Saccharomyces cerevisiae mannan (ASCA), Serumzonulin (Darmpermeabilität) und allgemeine hämatologisch-biochemische Blutwerte erhoben. Die Ergebnisse zeigten, dass nur die ↗︎ IgG-positiven adipösen Probanden höhere CRP-Werte aufwiesen.

In einer weiteren Studie wurde gezeigt, dass lebensmittelspezifische IgGs in den Seren von Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen stark erhöht und klinisch relevant für die Pathogenese sind. Insgesamt wurden 301 Patienten mit Darmerkrankungen in die Studie eingeschlossen, darunter 201 Patienten mit Morbus Crohn (MC) und 100 Patienten mit Colitis ulcerosa (CU). Ihre serumspezifischen IgGs gegen 14 Lebensmittelantigene wurden bestimmt und waren bei MC-Patienten im Vergleich zu CU-Patienten und gesunden Kontrollen signifikant erhöht. Anschließend erhielten 31 Patienten über einen Zeitraum von 10 Wochen Infliximab, einen monoklonalen Antikörper, der die Wirkung des Tumornekrosefaktors alpha (TNF-α) blockiert und zur Regeneration der Darmschleimhaut bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt wird. Infliximab konnte sowohl die lebensmittelspezifischen IgG-Titer reduzieren, als auch die Serum-CRP-Werte verringern. Dies bestätigt, dass die↗︎  lebensmittelbedingte Immunantwort und Entzündung ursächlich an der erkrankten Darmschleimhaut beteiligt sind.

Der Serum-CRP-Marker korrelierte auch mit lebensmittelspezifischen IgGs und der Krankheitsaktivität bei 75 Patienten mit Morbus Bechterew (Ankylosierender Spondylitis), einer schmerzhaften entzündlich-rheumatischen Erkrankung der Gelenke der Wirbelsäule und des Kreuz-Darmbeins. Im Vergleich zu gesunden Teilnehmern hatten AS-Patienten ↗︎ signifikant höhere IgG-Serumspiegel gegenüber rind-, krabben- und schweinespezifischen Antigenen.

 

Fitness für Darmbakterien und Doping aus dem Darm

Die Bakterienarten im Darm sind unerlässlich für Verdauung, Stoffwechsel- und ↗︎ Immunfunktion. Durch Übergewicht bedingte Krankheiten wie das metabolische Syndrom, entzündliche Darmerkrankungen, Darmkrebs und Lebererkrankungen werden heute in einen engen Zusammenhang mit dem Mikrobiom des Darmes gebracht. Daraus ergibt sich aber auch das Potenzial zur Genesung oder Linderung über die Manipulation mikrobieller Gemeinschaften, sobald neue Erkenntnisse über die Wirkung von Antibiotika, Probiotika, Präbiotika, Polyphenole bzw. Fäkaltransplantationen berücksichtigt werden. Doch welche Faktoren tragen zum Erhalt bzw. der Wiederherstellung der bakteriellen Artenvielfalt bei? Und ändert auch Sport und Bewegung die Darm-Mikrobiota? Wenn ja, auf welche Weise?
Bewegung hat einen positiven Einfluss auf Immunzellen in unmittelbarer Nähe zu mikrobiellen Gemeinschaften des Darmes. Proinflammatorische Zytokine werden dadurch reduziert, antiinflammatorische Zytokine und antioxidative Enzyme hochreguliert. Dies wiederum beeinflusst das „Ökosystem Darm“ und die Zusammensetzung bzw. Verteilung der Bakterien.
  • Im Darm von Spitzensportlern ist das Bakterium Veillonella atypica maßgeblich an deren Leistungen beteiligt. Diese Bakterienart war in Stuhlproben von Läufern des Bostoner Marathons besonders verbreitet. Von einem Läufer wurden Veillonella-Bakterien isoliert, und in den Darm von 16 Labormäusen eingebracht. Im Durchschnitt liefen die Mäuse 13 % länger als die Kontrolltiere, denen keine Veillonella-Bakterien verabreicht wurden. Während der Muskelaktivität scheint das gebildete Laktat in den Darm zu gelangen, wo es von den Bakterien gespalten und verwertet wird. Dadurch ließe sich eine ↗︎ gesteigerte Ausdauer bei Spitzensportlern erklären.
  • Frauen die mindestens 3 Stunden Sport pro Woche praktizieren, hatten einen höheren Anteil von ↗︎ Butyrat produzierenden Bakterien, im Vergleich zu Frauen die keinen Sport betreiben. Zu diesen Bakterienarten gehört auch Faecalibacterium prausnitzii, eine anti-inflammatorisch wirksame Art, die einen schützenden Einfluss auf die Integrität der Schleimhautbarriere hat.
  • Die ↗︎ maximale Sauerstoffaufnahme bei jungen Menschen geht mit einem höheren Anteil der Bakterienstämme Firmicutes und Bacteroides einher.
  • Bei jungen Erwachsenen ist das Artenreichtum der Darmbakterien und die Häufigkeit von Butyrat produzierenden Bakterien mit der ↗︎ kardiorespiratorischen Fitness korreliert.

 

„Leaky Gut“ – Ursache für Fehlgeburten?

Bei etwa 10 bis 20 Prozent der schwangeren Frauen kommt es zu einer Fehlgeburt. Frauen die einmal eine Fehlgeburt erlitten, haben ein erhöhtes Risiko für weitere Aborte. So kann die Gefahr einer Fehlgeburt nach drei vorangegangenen Aborten auf bis zu 45 Prozent ansteigen. Die Ursachen dafür sind noch nicht ausreichend bekannt.

Frauen mit wiederholten Aborten haben eine höhere Prävalenz von nicht diagnostizierten Darmerkrankungen. In einer Studie gingen Ärzte des Gemelli-Krankenhauses in Rom der Frage nach, ob Frauen mit mehrfachem Abort an einem undichten Darm („Leaky Gut“) leiden könnten. Sie stellten fest, dass dies tatsächlich der Fall ist. Dadurch können immunaktivierende Stoffe über die gestörte Darmeschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen. Dies trägt dazu bei, eine Immunantwort der Gebärmutterschleimhaut zu verstärken, wodurch ↗︎ die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt erhöht wird.

Bei 70 Frauen mit häufigen Fehlgeburten und 30 gesunden Frauen wurde ein 53Cr-EDTA-Test durchgeführt, um die Durchlässigkeit des Darmes zu bestimmen. Zusätzlich wurden die Blutseren aller Frauen auf bakterielle Lipopolysacchariden (LPS) untersucht. Dabei handelt es sich um Stoffe, die sich in der Zellwand von Bakterien befinden. Die Bakterien können bei einer durchlässigen Darmschleimhaut vermehrt in den Blutstrom gelangen und über verschiedene Signale die Freisetzung von pro-inflammatorisch wirksamem Interleukin-1β und Tumornekrosefaktor α verursachen. Damit befindet sich der Körper in einem Entzündungszustand. Zusätzlich wurde eine Biopsie der Gebärmutterschleimhaut gemacht, um den Gehalt von Caspase-1 (verursacht proinflammatorische zelluläre Prozesse), Interleukin 1β (IL-1β), Interleukin 18 (IL-18) und NALP-3 (ein Protein das als zellulärer „Gefahrenmelder“ agiert) zu bestimmen. Daten aus Patientenfragebögen zu Angst- und Depressionszuständen wurden ebenso erhoben.

Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen mit mehrfachen Aborten eine durchlässigere Darmschleimhaut hatten sowie auch höhere LPS-Konzentrationen im Blutserum. Auch Depressionen und Ängste waren stärker verbreitet. In der Gebärmutterschleimhaut dieser Frauen wurde eine erhöhte Bildung von Nalp-3, Caspase-1, IL-1β nachgewiesen (jedoch nicht IL-18). Statistische Berechnungen ergaben einen Zusammenhang zwischen der höheren Permeabilität des Darmes und der Freisetzung von NALP-3. Damit wurde nachgewiesen, dass Frauen mit mehrfachen Aborten häufiger ein Leaky-Gut-Syndrom haben, welches möglicherweise eine verstärkte endometriale Immunantwort hervorruft und zur Pathogenese der Fehlgeburt beiträgt.

 

Leben auf dem Bauernhof schützt Kinder vor Asthma

Gleichzeitig mit der zunehmenden Verstädterung ländlicher Gegenden hat auch die Prävalenz von Asthma bei Kindern dramatisch zugenommen. Wenn Kinder auf Bauernhöfen aufwachsen, sind sie ↗︎ vor Asthma geschützt. Die asthmaschützende Wirkung von Bauernhöfen scheint mit einer reichen mikrobiellen Umgebung verbunden zu sein, mit Mikroorganismen die auch im Hausstaub vorkommen ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3. Diese Mikroorganismen könnten zur gesundheitsfördernden mikrobiellen Innenraum-Umgebung verwendet werden. In einer ↗︎ neuen Studie wurde nun wieder gezeigt, dass das Risiko einer asthmatischen Erkrankung bei Kindern in dem Maße abnimmt, wie die mikrobielle Hausstaub-Zusammensetzung derjenigen einer ländlichen Umgebung bzw. eines Bauernhofs ähnelt. Die „schützenden“ Bakteriengemeinschaften hatten einen geringen Anteil von Bakterien der Familie Streptococcaceae. Wesentlich war jedoch nicht die Anzahl der verschiedenen Bakterienarten oder die Gesamtzahl der Mikroorganismen im Staub, sondern die pro- oder antiinflammatorische durch Zytokine vermittelten Reaktionen auf den jeweiligen Staub, wie in Laborversuchen nachgewiesen wurde. Ob Bakterien ursächlich an dem schützenden Bauernhof-Effekt beteiligt sind, ist noch nicht eindeutig bewiesen. Es wäre jedoch denkbar, aus den Ergebnissen Methoden abzuleiten, um den Hausstaub gezielt zur Prävention zu verändern.

 

IgG: Risikofaktor für Depressionen bei Jugendlichen

Daten aus dem Jahr 2015 belegen, dass etwa ↗︎ 3 % der Weltbevölkerung von schweren depressiven Erkrankungen betroffen ist. Viele Faktoren sind an der Entstehung schwere depressiver Erkrankungen beteiligt, einschließlich Vererbung, Neurotransmitter, Oxidation, Immunität und Entzündungen ↗︎ Link1 | ↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3. Aber auch ein Mangel an Neurotransmittern, insbesondere ↗︎ 5-Hydroxytryptamin (5-HT) ist ursächlich an Depressionen beteiligt. Bei mindestens 30% der Patienten ist der CRP-Wert erhöht ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2.

Auch andere proinflamatorisch wirksame Zytokine, wie z. B. der ↗︎ Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) kommen bei Patienten mit Depressionen in höheren Konzentrationen vor. Daher sind auch Krankheiten, die mit chronischen Entzündungen im Zusammenhang stehen, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen und rheumatoide Erkrankungen, mit einem ↗︎ erhöhten Risiko für schwere Depressionen  verbunden.

In einer neuen Studie mit 184 jugendliche Patienten, die ihre erste Episode einer depressiven Störung erlebten wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Entzündungsmarkern und IgG-spezifischer Hypersensitivität auf 14 Lebensmittel gibt. Die Ergebnisse zeigten, dass depressive Jugendliche weitaus stärker ausgeprägte IgG-vermittelte Nahrungsmittelintoleranzen im Vergleich zu Gesunden aufwiesen. Dieser Unterschied war jedoch nicht bei den IgE-Antikörpern nachweisbar. Gleichzeitig wurde bei den erkrankten jungen Leuten auch eine wesentlich höhere Histaminkonzentration im Blut nachgewiesen, was nachweislich zur ↗︎ erhöhten Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke führt. Dadurch gelangen proinflammatorisch wirksame Zytokine in das Gehirn und beteiligen sich an der Entstehung depressiver Symptome.

Bei 184 Jugendlichen mit Depressionen und 184 Jugendlichen ohne Depressionen wurden folgende Laborparameter bestimmt: C-reaktives Protein (hs-CRP), IgE, lebensmittelspezifische IgG-Antikörper (14 Lebensmittel), Tumornekrosefaktor-α (TNF-α), Diaminoxidase, Histamin, Homocystein und S100 Calcium-bindendes Protein B (das hauptsächlich in den Astrozyten des ZNS exprimiert wird und als Biomarker für eine undichte Blut-Hirn-Schranke betrachtet wird).

Der Vergleich der Laborwerte zwischen erkrankten und gesunden Jugendlichen erbrachte folgende Erkenntnisse:

  • Wesentlich höhere Prävalenz von lebensmittelspezifischen IgG-Antikörpern bei depressiven (165 von 184 Patienten) im Vergleich zu gesunden Jugendlichen (24 von 184 Probanden)
  • Leicht erhöhte Prävalenz von IgE-Antikörpern (Gesamt-IgE) bei depressiven (66 von 184 Patienten) im Vergleich zu den gesunden Jugendlichen (42 von 184 Probanden)
  • Wesentlich höherer Histaminspiegel bei den depressiven Jugendlichen (Durchschnitt: 12,35 ng/ml) im Vergleich zu den gesunden Patienten (Durchschnitt: 9,73 ng/ml)
  • Wesentlich höhere Homocystein-Spiegel bei den depressiven Jugendlichen (Durchschnitt: 24 µM) im Vergleich zu den gesunden Patienten (Durchschnitt: 9,55 µM)
  • Höherer S100-Spiegel bei den depressiven Jugendlichen (Durchschnitt: 902 ng/l) im Vergleich zu den gesunden Patienten (Durchschnitt: 725 ng/l)
  • Keine Unterschiede bei den Serumwerten von hs-CRP oder TNF- α.

Die Autoren vertreten die Ansicht, dass das Konzept der IgG-vermittelten Überempfindlichkeit gegen Lebensmittel bei Depressionen eine wichtigere Rolle spielt als chronische Inflammationsprozesse. Demnach sollten IgG-positive Lebensmittel sowie histaminhaltige oder histaminbildende Lebensmittel gemieden werden.

Kleinsche Felder – Neue Basistherapie bei zahlreichen Beschwerden oder Erkrankungen

Die Kleinschen Felder, eine neue Basistherapie ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2, benannt nach dem Entwickler Bernhard Klein (Bremen), machen sich für ihre Funktion einen natürlichen Körpermechanismus zu Nutze – die Bewegung unseres Blutes, der Lymphe und der Nervensignale. Bewegen sich diese über eine bestimmte polymorphe Anordnung wechselpolarer Dauermagnetfelder (Kleinsche Felder), entsteht sofort eine ↗︎ messbare Energie direkt im Blut zur Unterstützung der Durchblutung. Diese sanfte Stimulation unterstützt die Versorgung aller Zellen bis in die kleinsten Kapillargefäße mit Sauerstoff und Nährstoffen. Somit werden Reparatur- und Heilungsprozesse eingeleitet, die bei schlechter Fließfähigkeit des Blutes und Mangelversorgung der Zellen nur eingeschränkt oder gar nicht möglich sind.
Fasst man die Datenlage zu der zentralen Rolle von Mitochondrienfunktionen und mitochondrialer Biogenese in PBMC bei verschiedenen Erkrankungen zusammen, so kommt Prof. Brigitte König (Universität Magdeburg) durch ihre Studienergebnisse  [1, 2] und den wissenschaftlichen Publikationen ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3 | ↗︎ Link 4 | ↗︎ Link 5 zu dem Ergebnis, dass die Anwendung der Kleinschen Felder-Basistherapie sich positiv auswirkt bzw. präventiv wirkt u. a. bei Diabetes Typ II, dem Metabolischen Syndrom (Bluthochdruck, Fettleibigkeit, veränderte Blutfettwerte, Insulinresistenz), bei kardiovaskulären Dysfunktionen (Durchblutungsstörungen)  bei neurodegenerativen Erkrankungen, Schlafstörungen und Schmerzmissempfindungen.
Eine Bachelorarbeit von Heisterkamp [3] (Universität Magdeburg) über die Beeinflussung der mitochondrialen Bioenergetik durch permanente polymorphe Magnetfelder (Kleinsche Felder) als Zusammenfassung: „Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass polymorphe permanente Magnetfelder einen Beitrag zur Steigerung des metabolischen Potentials von menschlichen Immunzellen leisten können.“
Quellen:
[1] Beeinflussung von klinisch-chemischen Parametern und von Mitochondrienfunktionen peripherer Blutleukozyten (PBMC) durch polymorphe permanente Magnetfelder vom Typ Kleinsche Felder;  Prof. Dr. Brigitte König – MMD Magdeburg, Deutschland, 2014
[2] Einfluss von Kleinsche Felder-Magnetstreifen auf Mitochondrienfunktionen, Studienergebnisse Prof. Dr. Brigitte König – MMD Magdeburg, Deutschland, 2014
[3] Heisterkamp J.: Beeinflussung der mitochondrialen Bioenergetik durch permanente polymorphe Magnetfelder. Bachelorarbeit, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg 29.11.2017

Artensterben im Darm?

In den vergangenen Jahrzehnten verzeichnet die Medizin eine dramatische Zunahme bei metabolischen, immunologischen und psychischen Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes, Asthma, Allergien, entzündliche Darmerkrankungen, Depressionen und Autismus. Neben den gesundheitlichen Auswirkungen birgt dies enorme Kosten weltweit. Die jährlichen weltweiten Gesundheitskosten wegen ↗︎ Übergewicht belaufen sich aktuell auf 2.000 Milliarden $, und ↗︎ Diabetes kostet weltweit 1.300 Milliarden $ pro Jahr.

Handelt es sich dabei um einzelne Erkrankungen oder kann es sein, dass es gemeinsame Ursachen gibt? Amerikanische Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass die Änderungen der Darmflora – eine ↗︎ massive Verringerung der Artenvielfalt –, die mit der Industrialisierung einherging, ursächlich mit der explosionsartigen Zunahme der so genannten Zivilisationserkrankungen im Zusammenhang steht. Die Veränderungen beinhalten tatsächlich den Verlust unseres mikrobiellen Erbes, welches wir im Laufe von Millionen von Jahren der Evolution erworben haben. Diese Nachricht wurde in den Zeitschriften ↗︎ „Science“  und ↗︎ „Nature“  veröffentlicht, die zu den weltweit wichtigsten wissenschaftlichen Fachzeitschriften gehören.

Zu den Mikrobiota, die in und auf unserem Körper leben, gehören Bakterien, Viren und Pilze. Sie beeinflussen wesentliche Körperfunktionen wie Nahrungsaufnahme, Immunität, Durchlässigkeit des Darmes, hormonelle Aktivität, und die Neurochemie des Gehirns. In Tierversuchen wurde gezeigt, dass Störungen der Darmflora in jungen Lebensjahren zu häufigeren Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes und Asthma im späteren Leben ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3 führt.

Die Industrialisierung hängt mit einer wesentlichen Verringerung der Gesamtheit der Mikrobiota zusammen. Die Artenvielfalt der Darmbakterien von amerikanischen Indianern ist doppelt so hoch ↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2 wie die der gesunden US-Amerikaner.

Werden die vom „Artensterben“ betroffenen Darmbakterien in urbanen Metropolen und stark industrialisierten Gegenden benötigt, um die Gesundheit zu erhalten und zahlreiche Krankheiten zu verhindern? Vieles deutet darauf hin, dass es tatsächlich so ist. Neue Untersuchungen werden auch unsere Ernährungsgewohnheiten unter die Lupe nehmen, denn wenn Darmbakterien richtig gefüttert werden, ↗︎ leben wir nicht nur gesünder, sondern auch länger.

 

Licht, Schall und Krebszellen

Die meisten Krebs-Todesfälle entstehen durch Metastasierung als Folge der Ausbreitung von zirkulierenden Tumorzellen (CTC) vom Primärtumor auf lebenswichtige Organe. Bisher war es nicht möglich, solche frühen Marker einer fortschreitenden Erkrankung rechtzeitig zu erkennen oder sogar zu eliminieren. Einem Forschungsteam der Universität Arkansas ist es nun erstmalig gelungen, zirkulierende Krebszellen im Blut mittels eines nicht-invasiven Gerätes zu erkennen und abzutöten. Das ↗︎ „Cytophone“-Gerät verbindet Laser- und Ultraschalltechnologien und kann in Echtzeit-Zählung eine einzige zirkulierende Tumorzelle pro Liter Blut erkennen. Das ist 1.000-mal besser als bereits existierende Methoden.

Herkömmliche Nachweisverfahren haben leider eine begrenzte Empfindlichkeit und können seltene zirkulierende Tumorzellen in einem frühen, noch behandelbaren Krankheitsstadium übersehen. So könnte eine genaue Erkennung dieser Zellen bei der Vorhersage und der Beseitigung der Metastasierung helfen. Diese neue photoakustische Methode wurde für den ↗︎ Einsatz bei Melanompatienten entwickelt und kann sehr geringe Mengen an zirkulierenden Tumorzellen in nicht-invasiver Weise erkennen und sie mit Laserpulsen zerstören, was ein immenses therapeutisches Potenzial in sich birgt.

Die transkutane Abgabe von Laserpulsen über intakte Haut an ein Blutgefäß führt zur Erzeugung akustischer Wellen. Bei 19 gesunden Probanden wurden keine CTC-typischen Signale innerhalb festgelegter Schwellenwerte identifiziert, aber bei 27 von 28 Patienten mit Melanom zeigten sich Signale, die mit einzelnen oder gebündelten CTCs übereinstimmten. Die Nachweisgrenze lag bei 1 CTC/Liter Blut, das ist etwa 1.000-mal besser im Vergleich zu bereits existierenden Methoden. Das Cytophon konnte einzelne CTCs bei einer Konzentration von ≥1 CTC/ml innerhalb von 20 s nachweisen und auch CTC-Zellhaufen richtig identifizieren. Diese Daten deuten auf ein immenses Potenzial der neuartigen In-vivo-Blutuntersuchung hin für das frühe Melanomscreening, die Beurteilung des Wiederauftretens von Krankheiten und die Überwachung der physischen Zerstörung von CTCs.

 

Mitochondrien, Inflammation und Depressionen

Die Major Depression (MD) ist eine schwere Stimmungsstörung, die sich vor allem durch Niedergeschlagenheit und/oder völligem Verlust von Interesse bzw. Freude an den Aktivitäten des Alltags zeigt. Bei einer MD kommt es zu immunologischen Veränderungen, starker Zunahme an proinflammatorischen Zytokinen und Aktivierung der Mikroglia, den Makrophagen des zentralen Nervensystems. Diese Zellen beseitigen Abfallstoffe und Zellreste, sie tragen zur neuronalen Plastizität des Gehirns bei und beseitigen Schäden im infizierten oder verletzten Gehirn.

Zunehmende Evidenz deutet darauf hin, dass die ↗︎ Dysfunktion der Mitochondrien eine Schlüsselrolle bei der Pathogenese der MD spielt. Mitochondrien sind Regulatoren zahlreicher Zellfunktionen, einschließlich Energie, Stoffwechsel, Aufrechterhaltung der Redox- und Calcium-Homöostase sowie Zelltod. Damit beeinflussen Mitochondrien viele Aspekte der angeborenen Immunantwort.

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Die Ernährungstherapie nach ProImmun M bietet hier eine wirksame, sichere und nachhaltige Möglichkeit, durch eine personalisierte Ernährungstherapie die inflammatorische Last im gesamten Körper zu reduzieren. In unzähligen Behandlungsberichten wurde die antiinflammatorische Wirkung nachgewiesen, vor allem auch in Kombination mit geeigneten Mikro- und Makronährstoffen sowie pflanzlichen Inhaltsstoffen, zur Regeneration der Mitochondrien und der Darmschleimhaut als wichtigstem Ort der Resorption.

Eine Vielzahl von Studien und Metaanalysen haben gezeigt, dass Patienten mit MD häufig einen erhöhten TNF-α Spiegel aufweisen, sowie die proinflammatorischen Interleukine IL-6 und IL12.

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In Tierversuchen wurde gezeigt, dass es bei depressivem Verhalten zu mitochondrialen Störungen und zum Abbau von Mitochondrien kommt. Dabei werden mitochondriale Komponenten und Zytokine freigesetzt, die das Feuer einer neuronalen Inflammation anzünden. Andererseits werden auch die Mitochondrien in ihrer Funktion (oxidative Phosphorylierung, ATP-Produktion etc.) gestört, wenn die Konzentration proinflammatorischer Zytokine hoch ist. Dies erklärt auch, weshalb depressive Verstimmungen oder schwere Depressionen sehr oft Komorbiditäten inflammatorischer Erkrankungen sind. Frei zirkulierende Zytokine passieren die Blut-Hirn-Schranke und fördern eine kontinuierliche Neuroinflammation, mitochondriale Zerstörung etc. Es stellt sich ein Teufelskreis ein, der nur dann unterbrochen werden kann, wenn die inflammatorische Last im Körper reduziert wird, durch die richtige und individualisierte Ernährung, wie sie in der Ernährungstherapie nach ProImmun M angeboten wird, in Kombination mit geeigneten Mikro- und Makronährstoffen sowie pflanzlichen Inhaltsstoffen zur Regeneration der Mitochondrien und der Darmschleimhaut als wichtigstem Organ der Resorption.

 

IgG-Antikörper bei chronisch spontaner Urticaria

Urtikaria (Nesselsucht) ist eine sehr häufige Hauterkrankung, die mit oder ohne assoziiertem Angioödem auftreten kann. Chronisch spontane Urtikaria (CSU) ist eine Erkrankung die ohne erkennbaren Reizfaktor auftritt, länger als 6 Wochen anhält und mit einer starken Einschränkung der Lebensqualität einhergeht. Die CSU resultiert aus der pathogenen Aktivierung von Mastzellen und Basophilen, was zur Freisetzung von proinflammatorischen Mediatoren führt. Mehrere Theorien wurden zur Pathogenese der CSU aufgestellt, wobei eine mögliche Autoimmun-Ätiologie bei bis zu 50 % der Patienten mit dieser Erkrankung vorliegt.

Demnach kommt es zu einer antikörpervermittelten Aktivierung von Mastzellen und Basophilen, die über IgG- oder IgE-vermittelte Signalwege erfolgen kann. Im ersten Fall werden IgG-Antikörper gebildet, die gegen einen bestimmten Teil des IgE-Antikörpers oder des IgE-Rezeptors auf der Zelloberfläche von epidermalen Langerhans-Zellen, Eosinophilen, Mastzellen oder Basophilen gerichtet sind. Die IgG-Bindung an diese zellulären Strukturen fördert eine chronische Stimulation und Degranulation, bei der Histamin bzw. Zytokine in einer IgE-unabhängigen Weise aus Mastzellen oder Basophilen freigesetzt werden. Alternativ können die gegen IgE gerichteten IgG-Antikörper auch an IgE-Antikörper binden, die bereits am IgE-Rezeptor gebunden vorliegen. Das Vorhandensein von Autoantikörpern gegen den IgE-Rezeptor wurde auch in den Seren von Patienten mit anderweitigen autoimmunen Hauterkrankungen und sogar bei gesunden Probanden festgestellt. Bei Gesunden kommt es jedoch nicht zur Histaminfreisetzung.

↗︎ Link zur Studie

 

IgG-Antikörper und allergische Hauterkrankungen

Bei allergischen Hautkrankheiten wie z. B. Urtikaria, Neurodermitis oder Ekzemen kommt es zu einer überschießenden Immunreaktion durch den Kontakt mit Reizstoffen bzw. Kontaktallergenen. Er wird geschätzt, dass etwa die Hälfte aller Menschen manche Lebensmittel nicht vertragen, in unterschiedlichem Ausmaß. Dies äußert sich oftmals durch gastrointestinale Beschwerden oder Hauterscheinungen. Nahrungsmittelpartikel können vom Immunsystem als Immunogene aufgenommen werden, worauf lebensmittelspezifische IgG-Antikörper gebildet werden. Durch Reaktion mit den Nahrungsmittelpartikeln wird eine entzündliche Reaktion ausgelöst. Im zeitlichen Verlauf und bei kontinuierlichem Konsum unverträglicher Lebensmittel können chronische, stille Entzündungen entstehen, die mit einer Vielzahl von Krankheiten oder Symptome einhergehen. Der Nachweis von IgG-Antikörpern gegen Lebensmittel ist daher wichtig, um Lebensmittelunverträglichkeiten zu identifizieren, die nicht durch IgE ausgelöst werden. Das Ziel dieser Studie bestand darin, IgG-Antikörper gegen 14 häufige Lebensmittel bei Patienten mit allergischen Hauterkrankungen nachzuweisen und einen Zusammenhang zu finden, damit die Diagnose der Erkrankungen und die Behandlung der Patienten verbessert werden.

In diese Studie wurden 340 Patienten mit allergischen Hauterkrankungen eingeschlossen (Urtikaria: 145 Patienten, Ekzeme: 123 Patienten, atopische Dermatitis: 72 Patienten), sowie auch 30 gesunde Probanden als Referenz. Die IgG-Tests für alle Teilnehmer bestanden aus 14 gängigen Lebensmitteln wie Rindfleisch, Milch, Huhn, Schweinefleisch, Kabeljau, Reis, Mais, Garnelen, Krebs, Soja, Eiweiß/Eigelb, Tomaten, Pilze und Weizen. Die Ergebnisse zeigten, dass Kabeljau, Krabben, Eier, Milch, Garnelen und Sojabohnen die reaktivsten Lebensmittel waren. Personen mit Hautkrankheiten wiesen im Vergleich zu den gesunden Kontrollpersonen eine deutlich höhere IgG-Positivrate auf. So kamen die Autoren zu dem Schluss, dass Patienten mit allergischen Hauterkrankungen lebensmittelspezifische IgG-Antikörper im Blut haben, was auf den ↗︎ Zusammenhang zwischen allergischen Hauterkrankungen und IgG-vermittelter Nahrungsmittelintoleranz hinweist. Sie vertreten zudem die Ansicht, dass der Nachweis von lebensmittelspezifischen IgG-Antikörpern eine wichtige Rolle bei der Diagnose allergischer Hautkrankheiten sowie der Vorbeugung von Lebensmittelallergien spielt. Diese Daten spiegeln die unzähligen Erfahrungen der Therapeuten, die in ihrer Praxis die Ernährungsberatung nach ProImmun M erfolgreich einsetzen.

FDP will Heilpraktikerberuf jetzt doch erhalten

Im vergangenen Herbst setzte sich die FDP-Fraktion dafür ein, die Erlaubnis zur Bezeichnung als Heilpraktiker mittelfristig auslaufen zu lassen. Das alles „im Sinne der Patientensicherheit“. Mittlerweile hat die FDP eine grundlegende Wende in ihrer Einstellung vollzogen, und plädiert in diesem sensiblen Bereich für „Respekt und Akzeptanz für Empfindungen und Erleben anderer“. ↗︎ Der Beruf soll erhalten bleiben, die FDP lehnt nun eine Limitierung des Begriffs des Heilens auf bestimmte Therapieformen ab. Im neuen Positionspapier wird nun erklärt:
„Der Begriff des Heilens hat viele Dimensionen und entscheidet sich letztlich am Erleben und Empfinden des Einzelnen“… …„Viele Menschen schätzen die Behandlung durch Heilpraktiker. Darunter viele Menschen, die nach schulmedizinischen Methoden als ‚austherapiert‘ gelten“ … … „Patientensouveränität und damit die freie Arzt- und Therapeutenwahl sind Grundsätze unserer gesundheitspolitischen Überzeugungen“… …„Dies bedeutet für uns aber auch, dass wir das Recht verteidigen, wenn Menschen auf Behandlungen aus eigener Entscheidung verzichten oder alternative Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen möchten, deren Wirksamkeit nach den bisher bekannten naturwissenschaftlichen Methoden nicht belegt sind“. Auch die Ausbildungs- beziehungsweise Prüfungsregelungen für Heilpraktiker sieht die FDP jetzt als ausreichend an. Darüber hinaus schützten die einzuhaltenden Regelungen des Strafgesetzbuches, des Infektionsschutzgesetzes, des Arzneimittelgesetzes und Hebammengesetzes und die Überprüfungen durch die Gesundheitsämter Patienten vor Gefährdungen. So wird von der FDP-Fraktion abschließend festgestellt …„Die bestehenden gesetzlichen Regelungen sind ausreichend und bedürfen allenfalls Anpassungen innerhalb der bestehenden Systematik“.

IgG-Antikörper gegen Gliadin bei Schizophrenie-Patienten

Die Vorstellung, dass Schizophrenie mit dem Konsum von Weizen zusammenhängt, ist bereits seit den 60er Jahren bekannt, wobei die zugrunde liegenden Mechanismen bis heute noch nicht ganz geklärt sind. Basierend auf Daten aus dem Zweiten Weltkrieg belegten epidemiologischen Untersuchungen erstmalig einen positiven Zusammenhang zwischen Weizenkonsum und Krankenhauseinweisungen wegen Schizophrenie. Bei sinkendem Weizenkonsum in skandinavischen Ländern, wurde ein Rückgang der Krankenhauseinweisungen wegen Schizophrenie festgestellt. In den USA stieg der Weizenkonsum, und damit auch die Inzidenz dieser Erkrankung. In Kulturen mit traditionell geringem oder sogar fehlendem Getreidekomsum wurde festgestellt, dass Schizophrenie so gut wie gar nicht existierte. Durch einen „westlichen“ Ernährungsstil stieg die Inzidenz dieser Erkrankung jedoch an: Link 1 | Link 2 | Link 3.

Wie bei allen anderen psychiatrischen Störungen, tragen sowohl genetische als auch Umweltfaktoren zur Erkrankung bei. Bei einem Teil der Schizophrenie-Patienten scheinen entzündliche Veränderungen eine wichtige Rolle bei der Pathogenese der Erkrankung zu spielen: Link 1 | Link 2 | Link 3.

Etwa bei einem Drittel der Menschen mit Schizophrenie können hohe Immunglobulin G- (IgG) Anti-Gliadin-Antikörper nachgewiesen werden, in etwa 3-fach höherer Konzentration als bei gesunden Probanden: Link 1 |  Link 2 | Link 3 | Link 4. Damit ist ein chronisch entzündliches Geschehen verbunden, mit hohem Gehalt an Zytokinen wie Interleukin-1β und Tumornekrosefaktor α und erhöhten Neurotransmittern im vorderen cingulären Kortex, welcher vermutlich mit entzündlichen Prozessen einhergeht.

Mehrere Studien haben die Elimination von Weizen aus der Ernährung von Patienten mit Schizophrenie untersucht. Die Ergebnisse waren gemischt: bei manchen Patienten besserten sich die psychiatrischen Symptome, bei anderen wiederum nicht. In einer kürzlich veröffentlichten Ernährungsstudie wurden sechzehn Patienten mit Schizophrenie oder schizoaffektiver Erkrankung untersucht, die erhöhte Werte von IgG-Anti-Gliadin-Antikörpern aufwiesen (≥ 20 U), jedoch nicht an Zöliakie litten. Während eines 5-wöchigen stationären Aufenthalts erhielten alle Patienten standardisierte glutenfreie Mahlzeiten. Zusätzlich erhielt die Hälfte der Studienteilnehmer einen täglichen Shake mit 10 g Glutenmehl, während die andere Hälfte der Patienten einen Shake mit 10 g Reismehl zu sich nahm. Zum Studienbeginn und am Ende der Studie wurden die Teilnehmer bezüglich psychiatrischer, kognitiver und gastrointestinaler Symptome untersucht. Im Vergleich zu den Patienten mit glutenhaltiger Ernährung zeigten die Patienten mit glutenfreier Ernährung eine Verbesserung der psychiatrischen Symptomatik sowie der Aufmerksamkeit.

Ernährung gemäß IgG-Test bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Übergewicht

Colitis ulcerosa

• Der Ausschluss von Lebensmitteln auf Basis von IgG-Antikörpern lindert Symptome bei Colitis ulcerosa: Eine prospektive Studie. ↗︎ Link

Morbus Crohn

• Lebensmittelspezifische IgG-Antikörper sind in den Seren von Patienten mit Morbus Crohn stark erhöht und sind klinisch relevant für die Pathogenese dieser Erkrankung. ↗︎ Link

• Patienten mit Morbus Crohn haben eine deutlich erhöhte IgG-Immunantwort auf Lebensmittelantigene, im Vergleich zu Patienten mit Colitis ulcerosa und gesunden Probanden. ↗︎ Link

• Patienten mit Morbus Crohn haben stärkere Imunantworten auf Lebensmittelantigene. Die Anzahl der IgG-positiven Lebensmittel erwies sich als ein diagnostischer Marker für Morbus Crohn. Die darauf basierende Ernährung könnte dabei helfen, die Krankheit in Remission zu halten. ↗︎ Link

• Bei Patienten mit Morbus Crohn besteht eine höhere Prävalenz von IgG-Antikörpern gegen Lebensmitteln, im Vergleich zu Gesunden. Im Tierversuch wurde nachgewiesen, dass die Darmentzündung über Lebensmittelantigene mittels CD4(+) T-Zell-Hyperaktivierung induziert und durch die Eliminierung von Lebensmittelantigenen gelindert wird. Es ist wahrscheinlich, dass diese IgG-vermittelte Immunreaktion gegen Nahrungsmittel auch bei Patienten mit Colitis ulcerosa wirksam ist und zur Pathogenese der Erkrankung beiträgt. ↗︎ Link

• Höhere Titer der Anti-Saccharomyces cerevisiae-Antikörper IgA und IgG sind mit einer aggressiveren Morbus Crohn-Symptomatik verbunden. ↗︎ Link

• Die Provokation mit IgG-reaktiven Lebensmitteln kann die Symptomatik bei Patienten mit Morbus Crohn verschlechtern. ↗︎ Link

• Eine adjuvante Ausschlussdiät von IgG4-reaktiven Lebensmitteln kann die Lebensqualität und die Symptome bei Patienten mit Morbus Crohn verbessern. ↗︎ Link

• Eine IgG-basierte Eliminationsdiät führte zu einer Verringerung der täglichen Stuhlfrequenz, Bauchschmerzen traten nur noch reduziert auf und die Patienten berichteten von einer allgemeinen Verbesserung ihrer Lebensqualität. ↗︎ Link

Übergewicht

• Bei übergewichtigen Jugendlichen besteht eine starke Erhöhung der gegen Nahrungsmittel gebildeten IgG-Antikörper, die mit systemischen Entzündungsmarkern einhergeht. ↗︎ Link

• Durch die Meidung von IgG-vermittelten reaktiven Lebensmittel war innerhalb von 90 Tagen eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von etwa 5 kg feststellbar, bei gleichzeitigem Anstieg aller Indikatoren der Lebensqualität. ↗︎ Link

• Eine IgG-basierte Eliminationsdiät unterstützt den Gewichtsverlust bei übergewichtigen Patienten, die durch eine konventionelle Diät mit Kalorienrestriktion kein Gewicht verloren. Nach 6-monatiger IgG-Eliminationsdiät lag der durchschnittliche Gewichtsverlust bei 8,5 kg, durch die konventionelle kalorienreduzierte Diät lag die durchschnittliche Abnahme bei nur 0,8 kg. ↗︎ Link

 

Internationaler Tag der entzündlichen Darmerkrankungen

Etwa 10 Millionen Menschen weltweit leiden an den entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Am 19.5.2019 findet der internationale Tag der entzündlichen Darmerkrankungen statt – ↗︎ „World Inflammatory Bowel Disease Day“. Diese Initiative wird von Patientenorganisationen aus über 50 Ländern auf fünf Kontinenten durchgeführt, um die Öffentlichkeit über diese Erkrankungen zu informieren. Der ↗︎ Europäische Adipositas-Tag ist eine internationale Kampagne zur Verbesserung von Prävention und Therapie der Adipositas, und findet am 18.5.2019 mit zahlreichen Aktivitäten in vielen Ländern statt.

IgG-Eliminationsdiät bei Fibromyalgie – Ergebnisse einer klinischen Studie

In einer Studie an der Ludwigs-Maximilians-Universität München wurde im Rahmen einer Dissertation die Wirkung einer IgG-basierten Eliminationsdiät bei Fibromyalgie untersucht (68 Patienten, Fibromyalgie seit 1 – 30 Jahren). Im Mittel hatten die Patienten 47,2 ± 11,4 Lebensmittelreaktionen. Davon waren durchschnittlich ca. 10 Reaktionen sehr ausgeprägt (Stärke 3 und 4). Die Gesamtzahl der Reaktionen bei den Fibromyalgie-Patienten lag um ca. 20 % höher als bei Kontroll-Patienten ohne Fibromyalgie. Die Patienten hielten sich für einen Zeitraum von 8 Wochen an eine IgG-basierte Eliminationsdiät. Bei den Kontrolldokumentationen nach 2, 4, 6 und 8 Wochen war der Ausprägungsgrad aller Symptome bei den meisten Patienten deutlich niedriger als zu Behandlungsbeginn. So hatten sich z. B. die Symptome „Migräne“ bei 86,2 % der betroffenen Patienten gebessert. Weitere sehr hohe Besserungsraten wurden für u. a. für die Symptome „Schmerzhafter Stuhl- oder Harndrang“ (78,9 %), „Reizblase“ (73,7 %), „Krampfartige Unterleibschmerzen“ (72,7 %), „Stuhlverstopfung“ (72,5 %), „Brennen der Haut“ (71,7 %) und „Allergien“ (70,8 %) festgestellt. Die Ausprägung der Schmerzdruckpunkte hatte sich bei 50 % der betroffenen Patienten verbessert. Das Allgemeinbefinden hat sich nach 8-wöchiger Nahrungsumstellung (im Vergleich zum Aufnahmebesuch) bei 63 % der Patienten verbessert. Bei 30 % war keine Änderung feststellbar, bei 7 % kam es zu einer Verschlechterung. Selbst bei nicht sehr konsequenter Ernährungsumstellung profitierte eine große Zahl der Patienten. Als positiver Nebeneffekt zeigte sich ein wesentlicher Gewichtsverlust. Diese Studie hat gezeigt, dass eine ↗︎ IgG-basierte Eliminationsdiät zur Verringerung der Beschwerden von Fibromyalgie-Patienten wesentlich beiträgt.

Fibromyalgie und chronische Inflammation

Die Fibromyalgie hat eine vielfältige Pathophysiologie. Die wichtigsten Merkmale dieser Erkrankung sind generalisierte Schmerzen, Schlafstörungen, Stimmungsstörungen, Reizdarmsyndrom, Kopfschmerzen, Urogenitalbeschwerden und Müdigkeit, die wie Teile eines „Puzzles“ eng miteinander verbunden sind.
Einige Experten betrachten die Fibromyalgie als eine Autoimmunerkrankung, deren ursächliche Faktoren noch nicht geklärt sind. Entzündungsfördernde Zytokine, reaktive Sauerstoffspezies und plasmatische Entzündungsfaktoren spielen eine besondere Rolle bei dem inflammatorischen Geschehen. Daher wird die Behandlung der Fibromyalgie als Herausforderung betrachtet. Sie zielt vor allem auf die Schmerzreduktion ab. Dennoch erfordern zahlreiche Komorbiditäten einen ganzheitlicheren therapeutischen Ansatz. Denn nicht nur chronische Schmerzen, sondern auch Müdigkeit, psychische Komorbiditäten und Schlafstörungen können bei Patienten mit Fibromyalgie zu Funktionsbeeinträchtigungen, Arbeitsunfähigkeit und sozialer Isolation beitragen.
Was ist der Auslöser für diese Ereignisse bei Fibromyalgie, und welche Rolle spielen entzündliche Prozesse bei der Pathogenese der Erkrankung?
• Die ↗︎ mitochondriale Dysfunktion soll eine entscheidende Rolle bei der Pathogenese der Fibromyalgie spielen. Eine geschädigte mitochondriale DNA-Ansammlung in einer Zelle führt zu einer angeborenen Entzündungsreaktion. Dementsprechend ist der mitochondriale DNA-Gehalt in Fibromyalgie umgekehrt mit dem TNF-alpha-Spiegel korreliert.
• In Hautbiopsien von Fibromyalgiepatienten wurden ↗︎ mitochondriale Dysfunktionen nachgewiesen. DNA-Gehalt und Enzymaktivität waren reduziert und der Coenzym Q10-Spiegel war sehr niedrig.
• Orale Supplementierung mit Coenzym Q10 (einem leistungsstarken Radikalfänger) ist wirksam zur Reduzierung des TNF-alpha-Spiegels und der Verbesserung der klinischer Ergebnisse, einschließlich Kopfschmerzen und allgemeiner Schmerzen (↗︎ Link 1 | ↗︎ Link 2).
• Die Hochregulation von ↗︎ proinflammatorischen Zytokinen einschließlich TNF, IL-1, IL-6 und IL-8 könnte mit mehreren krankheitsbezogenen Komorbiditäten der Fibromyalgie zusammenhängen.
• Patienten mit Fibromyalgie haben ↗︎ erhöhte IL-17 Plasmaspiegel im Vergleich zu gesunden Kontrollen, wobei IL-17 mit anderen proinflammatorischen Zytokinen wie TNF, IFNγ, IL-2, IL-4 und IL-10 korreliert ist.

Bayer verliert Prozess

Ein Ende beim Dauerthema Glyphosat ist nicht absehbar – ganz im Gegenteil! In einem wegweisenden US-Prozess um das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat hat Bayer erneut eine herbe Niederlage erlitten. Das Bundesbezirksgericht in San Francisco hat entschieden, dass Monsanto für die Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat haftbar ist. Die Jury kam zu dem Schluss, dass Roundup als wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung des 70-jährigen Klägers Edwin Hardeman einzustufen sei. Der Konzern wurde zu Schadenersatz in Höhe von 80 Millionen Dollar (71,4 Millionen Euro) verurteilt. Dieser Prozess könnte richtungsweisend für andere vor Gericht anhängige Klagen sein. Er brachte in den USA eine Klagewelle gegen Bayer ins Rollen, aktuell liegen etwa 11.000 Klagen vor. Die Kläger stützen sich dabei vor allem auf die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation, die Monsantos Unkrautvernichter 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen einstufte. Der Aktienkurs des Bayer-Konzerns fällt immer weiter und liegt mit 52 Milliarden Euro inzwischen deutlich unter den rund 56 Milliarden Euro, die Bayer für den Kauf von Monsanto bezahlte. Mitarbeiter sind von dem Wertverlust am stärksten betroffen, in Deutschland sollen 4.500 Arbeitsplätze abgebaut werden.

 

Konsequente glutenfreie Ernährung lindert neurologische Begleitsymptome bei Zöliakiepatienten

Die Zöliakie ist eine Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, die durch Glutenunverträglichkeit verursacht wird und sowohl allergische als auch autoimmune Merkmale aufweist. Durch die Unverträglichkeit von Gluten kommt es zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut, die mit Durchfällen, Verstopfung, Appetitlosigkeit und Erbrechen einhergeht. Glutenhaltige Nahrung verursacht im Laufe der Zeit eine ausgedehnte Zerstörung der Darmepithelzellen bzw. Dünndarmschleimhaut. Nährstoffe können dadurch nur schlecht aufgenommen werden, die Verdauung läuft nicht vollständig ab und die Begleitsymptome entsprechen einer typischen Malabsorption (Gedeihstörung bei Kindern, Blässe und Muskelschwäche, Müdigkeit, Erschöpfung, Eisenmangelanämie, Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit, Wesensveränderungen und schlechtes Allgemeinbefinden). Auch andere Organe können betroffen sein, verschiedene extraintestinale Symptome sind bekannt:
• Gelenkschmerzen (Arthritis, Arthralgien)
• Osteoporose
• Zyklusstörungen, Abortneigung und Infertilität
• Myocarditis
• Chronischer Hepatitis
• Depressionen, Konzentrationsstörungen, Nervosität
• Migräne, Kopfschmerzen, Epilepsie

Bei der „non-celiac gluten sensitivity“ oder NCGS (Nichtzöliakie-Nichtweizenallergie-Weizensensitivität) besteht eine Weizenunverträglichkeit die dem klinischen Bild der Zöliakie ähnelt, bei der es aber nicht zu dem typischen Abbau der Darmschleimhaut kommt. Hier liegt also keine Enteropathie vor, die Symptomatik wird durch den Verzicht auf Gluten stark verringert.

In einer ↗︎ aktuellen Übersichtsarbeit wird nachgewiesen, dass der strikte Verzicht auf Gluten die neurologischen Begleitsymptome bei Zöliakiepatienten erheblich reduziert. Diese Ergebnisse sind wichtig, denn hier wird erneut gezeigt, dass eine simple Ernährungsumstellung ganz entscheidend zur Linderung von Symptomen führt, die für Betroffene eine große Belastung darstellen. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse:

Kopfschmerzen und Migräne
Online-Umfragen in sozialen Netzwerken gehören heute mit zum Repertoire wissenschaftlicher Untersuchungen. So wurde auf öffentlichen argentinischen Zöliakie-Netzwerken eine Umfrage veröffentlicht, um Patienten mit diagnostizierter Zöliakie (positive Biopsie) und Kopfschmerzen bezüglich der Charakteristika ihrer Kopfschmerzen zu befragen, sowie auch der Auswirkungen einer glutenfreien Diät auf die Kopfschmerzen. Die Ergebnisse der Befragung wurden statistisch ausgewertet und ergaben ↗︎ folgende Erkenntnisse:
• 95 % der 866 eingeschlossenen Teilnehmer waren Frauen, im Alter von 28 – 50 Jahren
• Etwa ein Viertel der Teilnehmer gab an, dass ihre Kopfschmerzen das Hauptsymptom war, welches zur Diagnose der Zöliakie führte
• Etwa die Hälfte der Teilnehmer gab Kopfschmerzen vom Spannungstyp an, gefolgt von Migräne ohne Aura (32,5 %) bzw. mit Aura (15,4 %)
• Durch den Verzicht auf Gluten besserten sich vor allem die Intensität und Häufigkeit der Migräneanfälle
• Bei konsequenter Meidung von Gluten (die von 2/3 der Patienten befolgt wurde) wurde eine Besserung bei der Häufigkeit von Kopfschmerzen um 50 % festgestellt.
Durch die strikte Einhaltung einer glutenfreien Diät werden Kopfschmerzen bei Zöliakie-Patienten effektiv reduziert, sodass der Bedarf an Zusatzmedikation gesenkt werden kann.

Gluten-Ataxie
Gluten-Ataxie ist eine Störung der Bewegungs-Koordination, die bei 10 % der Zöliakie-Patienten vorkommt. Im Gehirn nachweisbare Antikörper gegen das körpereigene Enzym Transglutaminase 6 sind daran beteiligt. Diese Comorbidität kann aber auch als alleiniges Symptom vorkommen, d. h. ohne die Zöliakie-typischen Veränderungen der Dünndarm-Schleimhaut. In einer Studie mit 40 ↗︎ Ataxie-Patienten (mit oder ohne Enteropathie) wurde nachgewiesen, dass eine strenge glutenfreie Ernährung (mit serologischem Nachweis der Elimination der Anti-Gliadin-Antikörper), zu ganz wesentlichen Verbesserungen der Symptomatik führte.

Periphere Neuropathie
Eine Glutensensivität kann mit einer Schädigung peripherer Nerven (periphere Neuropathie) verbunden sein. Damit gehen oftmals Schwäche, Schmerzen und Taubheitsgefühle in den Händen und Füßen einher. Nach ↗︎ ersten Erkenntnissen hilft eine strenge glutenfreie Ernährung bei der Linderung dieser Symptome. An der Studie nahmen 60 Personen mit glutenbedingter Neuropathie teil. Sie machten Angaben zur Intensität ihrer Schmerzen, ihrer seelischen Gesundheit und Ernährung. Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer litten unter neuropathischen Schmerzen. Mehr als die Hälfte der Patienten die sich glutenfrei ernährten, waren schmerzfrei. Unter den Patienten mit Schmerzen, ernährte sich jedoch nur jeder 5. glutenfrei.

Epilepsie
Das Risiko für Patienten mit Zöliakie, in der Zukunft eine Epilepsie zu entwickeln ist deutlich erhöht. Was liegt daher näher, als bei Epilepsie eine ↗︎ glutenfreie Diät zu versuchen? Mehr als die Hälfte der Patienten mit Epilepsie und Glutensensitivität oder Zöliakie reagierten positiv auf eine glutenfreie Ernährung (verringerte Häufigkeit oder Beendigung von Anfällen, Reduktion der Anitepileptika).

Kognitive Leistungen (Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Gedächtnis, Reflexion)
Es gibt möglicherweise einen Zusammenhang zwischen progressiver ↗︎ kognitiver Beeinträchtigung und Zöliakie. Die Untersuchung epidemiologischer Daten aus Schweden zeigte, dass Patienten mit Zöliakie ein erhöhtes Risiko für ↗︎ vaskuläre Demenz haben können. Bei neu diagnostizierter Zöliakie verbesserte sich die ↗︎ kognitive Leistungsfähigkeit mit der Einhaltung einer glutenfreien Diät und der Heilung der Darmschleimhaut.

 

IgG und Rheumatoide Arthritis

↗︎ Link 1 Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine komplexe Autoimmunerkrankung mit synovialer Hyperplasie, Knorpel- und Knochenzerstörung. In dieser präklinischen Studie mit Versuchstieren wurde der Frage nachgegangen, ob die Pathogenese der RA mit einer Nahrungsmittelallergie in Zusammenhang gebracht werden kann, und welche Allergene hierbei relevant sein könnten. Bei Wistar-Ratten mit Arthritis wurden die Plasmakonzentrationen proinflammatorischer Zytokine gemessen (Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) IL-1, IL-6, IL-17). Die Konzentrationen zirkulierender Immunkomplexe sowie lebensmittelspezifische IgG- und IgE-Spiegel wurden in diesem Tiermodell auch bestimmt. Die Ergebnisse zeigten eine wesentliche Erhöhung der Konzentrationen von TNF-α, IL-1, IL-6, IL-17 und zirkulierender Immunkomplexe. Die Konzentrationen von Milch- oder Ei-spezifischem IgG- und IgE-Antikörpern waren auffallend hoch. Demnach scheint die Pathogenese der RA eng mit erhöhten Ei- oder Milch-spezifischen Antikörpern einher zu gehen.

IgG und ankylosierende Spondylitis

↗︎ Link 1 Die ankylosierende Spondylitis (AS) oder Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung, mit Schmerzen und Versteifung von Gelenken. Die Ursachen dieser Erkrankung scheinen in einer immunologischen Störung zu liegen. Dabei spielt der Tumornekrosefaktor α (TNF-α) offenbar eine zentrale Rolle, und tritt vermehrt im entzündeten Kreuzbein-Darmbeingelenk auf, gemeinsam mit T-Helferzellen (CD4+ T-Lymphozyten), cytotoxischen T-Zellen (CD8+ T-Lymphozyten) und Fresszellen. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass Fehlregulation von IL-6, IL-10, IL-17, TNF-α und IFN-g ↗︎ zur Pathogenese und Progression der AS beitragen.
Obwohl die Pathogenese von AS noch nicht geklärt ist, gibt es vermehrt Hinweise das Mikrobiom des Darmes bei der Pathogenese der Erkrankung (↗︎ Link 2 | ↗︎ Link 3 | ↗︎ Link 4) . IgE-vermittelte allergische Sofortreaktionen scheinen keine wesentliche Rolle bei der AS zu spielen. Im Gegensatz dazu, betrachtet man IgG-Antikörper als verzögerte oder sogar asymptomatische Reaktion auf die Exposition verschiedener Nahrungsmittelantigene. In Tierversuchen wurde nun nachgewiesen, dass die Pathogenese der rheumatoiden Arthritis eng mit erhöhten Konzentrationen von IgE- und IgG-Antikörpern gegen Eier und Milch zusammenhängt.

Daher stellte sich die Frage nach der Bedeutung IgG-vermittelter Nahrungsmittelallergien bei Patienten mit AS. IgG-Tests wurden bei 75 Patienten mit AS und 78 gesunden Probanden durchgeführt (gegen 14 Nahrungsmittel: Weizen, Ei, Pilze, Milch, Schweinefleisch, Hähnchen, Rindfleisch, Krabben, Kabeljau, Mais, Sojabohnen, Tomaten, Garnelen und Reis). Zusätzlich wurde bei allen Studienteilnehmern der CRP-Wert bestimmt, als inflammatorischer Indikator für die Schwere der Erkrankung. AS-Patienten hatten signifikant höhere IgG-Serumspiegel gegen Rind-, Krabben- und Schweinefleisch im Vergleich zu gesunden Studienteilnehmern. Darüber hinaus waren die Serumspiegel von Schweinefleisch-spezifischem IgG signifikant und positiv mit dem CRP-Wert korreliert. Diese Ergebnisse legen nahe, dass α-Gal, das vorherrschende natürliche Antigen in rotem Säugetierfleisch, eine potenzielle Rolle bei der Pathogenese der AS spielen könnte. Die Autoren empfehlen daher die Meidung von Rindfleisch, Krabben und Schweinefleisch bei AS-Patienten. Studien zur Bedeutung einer personalisierte IgG-Eliminationsdiät bei AS-Patienten wurden bisher noch nicht durchgeführt, wären aber sehr viel versprechend angesichts der bisherigen Ergebnisse.

 

Dr. Peter Gøtzsche entlarvt die Pharmaindustrie als organisiertes Verbrechen

Mein Name ist Peter Gøtzsche. Ich bin Direktor des Nordic Cochrane Center in Kopenhagen und Professor für Forschungsdesign und Analyse an der Universität Kopenhagen.
Vor zwei Jahren habe ich herausgefunden, dass verschreibungspflichtige Medikamente nach Herz- und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache darstellen. Unsere Medikamente töten in Amerika jedes Jahr um die 200.000 Menschen und die Hälfte dieser Menschen sterben, weil sie das getan haben, was ihnen ihre Ärzte gesagt haben.
Denn sie sterben aufgrund von Nebenwirkungen. Die andere Hälfte stirbt aufgrund von Behandlungsfehlern und es sind häufig die Ärzte, welche die Fehler machen, da jeder Beipackzettel eines Medikaments über 20, 30 oder 40 Warnungen, Kontraindikationen, Vorsichtsmaßnahmen usw. enthält.

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Wie wirkt Gyphosat auf Mitochondrien?

Der Pharma-Riese Bayer kommt nicht mehr zur Ruhe seit der Übernahme des Gentechnikriesen Monsanto. Aktuell füllt der Konzern seine Verteidigungskasse für die drohenden ↗︎ Klagen gegen den Unkrautvernichter Glyphosat. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sich bei ihrer Bewertung, ob Glyphosat Krebs verursacht oder nicht, allein auf Industrie-Studien gestützt und dabei mehrere Hinweise auf Krebsgefahr in ↗︎ anderweitigen Studien übersehen. In den Daten die durch die Industrie zur Verfügung gestellt wurden ist von einer Krebsgefahr nichts zu lesen.
Der im Herbizid Roundup® enthaltene Wirkstoff Glyphosat ist mit Hilfsstoffen gemischt, wobei Art und Zusammensetzung dieser Zusatzstoffe stets Geschäftsgeheimnis sind. In einer Studie wurde gezeigt, dass die Mischungen Wirkstoff/ Hilfsstoffe bis zu 1.000 Mal toxischer sind als die Wirkstoffe alleine. ↗︎ Roundup war 125 Mal toxischer als Glyphosat alleine ohne Zusatzstoffe.
Aktuell beruht die Berechnung der erlaubten Tagesdosis (ADI, Acceptable Daily Intake), die bei lebenslanger täglicher Einnahme als „medizinisch unbedenklich“ betrachtet wird, nur auf den Toxizitätsdaten des Wirkstoffes (Glyphosat) alleine. Diese ↗︎ Inkonsistenz zwischen wissenschaftlichen Tatsachen und Behauptungen der Industrie ist den immensen wirtschaftlichen Interessen zuzuschreiben, die die Ermittlung gesundheitlicher Risiken fälschen und ↗︎ gesundheitspolitische Entscheidungen verzögern.
Folgende Daten bestätigen die durch Glyphosat bzw. Roundup verursachten mitochondrialen Schäden bzw. Dysfunktionen als relevante zelluläre Reaktion:
• Die mitochondriale Toxizität von Glyphosat beruht sehr wahrscheinlich auf einer direkten ↗︎ Bindung des Glyphosats an die Cytochrom c-Oxidase, welche dem Komplex IV der mitochondrialen Atmungskette entspricht. Die Zusatzstoffe ermöglichen den Durchtritt von Glyphosat durch die Membranen von Zellen und Mitochondrien, wodurch die Wirkung um ein Vielfaches verstärkt wird.
• ↗︎ Glyphosat hemmt die mitochondrialen Komplexe II und III und verursacht auch ein Anschwellen der Mitochondrien.
• Glyphosat, in Kombination mit Hilfsstoffen, welche für eine optimale Benetzung und Haftung von Herbiziden und Insektiziden auf der Oberfläche von Pflanzenblättern sorgen und als Zusatzstoffe in Roundup enthalten sind, führt zu ↗︎ mitochondrialer Apoptose und Nekrose.
• ↗︎  In Tierversuchen (Zebrafisch) wurde nachgewiesen, dass Glyphosat neurotoxisch wirkt. Gehirnzellen wurden in ihrer Lebensfähigkeit beeinträchtigt und Verhaltensstörungen der Tiere konnten auch beobachtet werden. Mitochondriale Komplexe wurden gehemmt, die Genexpression mitochondrialer Enzyme verändert, und eine vermehrte Bildung reaktiver Sauerstoffspezies gefördert. Sehr ähnliche Ergebnisse wurden auch in anderen Tiermodellen gefunden, z. B. dem↗︎ Fadenwurm Caenorhabditis elegans oder in ↗︎ Zellkulturen.
Wenn Mitochondrien geschädigt werden, trägt der globale, systemische intrazelluläre Energiemangel dazu bei, dass ↗︎ Organe und Organsysteme in zunehmenden Maße in ihrer Funktion beeinträchtigt werden und schließlich versagen: Gehirn, Herz, Leber, Skelettmuskulatur, Niere, endokrines System oder Atmungssystem. Beispiele mitochondrialer Dysfunktionen sind: Verlust der motorischen Kontrolle, Muskelschwäche und Muskelschmerzen, Magen-Darm-Erkrankungen, Gedeihstörungen, Herzerkrankungen, Lebererkrankungen, Diabetes, Pankreasinsuffizienz, respiratorische Komplikationen, Krampfanfälle, visuelle oder Hörprobleme, Laktatazidose, Entwicklungsverzögerungen und Infektionsanfälligkeit.
Denken Sie daher immer daran, Ihre Patienten über die immense Bedeutung von ökologisch produzierter Nahrung aufzuklären. Auch das ist ein wesentlicher Aspekt moderner Ernährungstherapien wie z. B. Pro Immun M.

IgG-Unverträglichkeiten: Zusammenfassung von 26.479 Testergebnissen

IgG-vermittelte Immunreaktionen auf Nahrungsmittel können die Gesundheit von Patienten erheblich beeinflussen. Starke Kopfschmerzen, Reizdarmsyndrom, Migräne, Haut- oder Atemwegserkrankungen wurden mit einer derartigen Lebensmittelunverträglichkeit in Verbindung gebracht. Anzeichen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit treten oft erst Stunden oder Tage nach dem Verzehr auf. Da diese Symptome oftmals vage und unspezifisch sind, wird der Verzehr von Lebensmitteln als Grundursache für die Erkrankung eines Patienten nicht immer richtig erkannt. In dieser Studie wurde die relative Prävalenz nahrungsmittelspezifischer IgG-Intoleranzen in der allgemeinen Bevölkerung untersucht und bewertet. In einem Microarray-basierten ELISA-Verfahren wurden bei 26.479 Patienten IgG-Antikörper gegen 222-Nahrungsmittel im Serum bestimmt (Zeitraum: Januar 2012 bis Dezember 2016; Alter 0 bis 105 Jahre; Durchschnittsalter 43 Jahre). Dabei wurde eine negative Korrelation zwischen dem Alter des Patienten und der Positivitätsrate von IgG-Antikörpern auf Nahrungsmittelbestandteile festgestellt, wobei aber keinerlei geschlechtsspezifische Unterschiede auftraten. Bei der Reaktion auf Nahrungsmittel wurden vier Intoleranzstufen definiert:

• Stufe 1: 23 häufig intolerante Nahrungsmittel, einschließlich Weizen, Eiweiß, Kuhmilch, Erbse, Schafsmilch, Colanuss, Brauereihefe, Pistazie, Kasein, rote und weiße Bohnen, Gerste, Ziegenmilch, Agar-Agar, Mais, Mandel, Haselnuss, Sonnenblumensamen, Cashewnuss, Gliadin, Paranuss, Aloe Vera und Erdnuss, waren bei 33 % der Personen vorhanden,
• Stufe 2: 34 allgemein intolerante Nahrungsmittel, waren bei 10 – 33 % der Personen positiv
• Stufe 3: 82 selten intolerante Nahrungsmittel, waren bei 1 – 9 % der Personen positiv
• Stufe 4: 83 tolerante Nahrungsmittel, waren bei < 1 % der Personen positiv

Die Autoren schlussfolgern, dass IgG-Nahrungsmittelintoleranz unter den getesteten Patienten häufig zu beobachten war. Blattgemüse, Obst, Meeresfrüchte und Fleisch wiesen eine relativ geringe IgG-Intoleranz auf. Nahrungsmittel mit hohem IgG-Intoleranzpotenzial sind:

• Getreide, insbesondere solche mit höherem Glutengehalt
• Milchprodukte und Eier
• Gemüse mit hohem Proteingehalt (Erbsen und Bohnen)
• Nüsse und Samen
• Pflanzen mit hohem Polysaccharidgehalt (Agar-Agar oder Aloe Vera).

Hui, Ptolemy, Bailey, Waite, Li, Dynacare, Brampton, ON, Canada
Food Intolerance (IgG-Mediated Food Sensitivity Reaction) Status of Community-based Patients. Clinical Chemistry. Conference: 69th American Association for Clinical Chemistry Annual Scientific Meeting and Clinical Lab Expo, United States. 63 (Supplement 1) (pp S161-162)

Petition zur Erhaltung der Wahltarife für Homöopathie und andere naturheilkundliche Medikamente

Das Bundesgesundheitsministerium hat die Absicht, die Wahltarife der Krankenkassen für Arzneimittel der „besonderen Therapierichtungen“ zu streichen. Das wären alle Phytotherapeutika, Homöopathika und Anthroposophika. Der Wahltarif ist fester Bestandteil der bisherigen Gesetzgebung und ermöglicht den Krankenkassen und den Behandlerinnen und Behandlern Arzneimittel zu verordnen, die den besonderen Therapierichtungen Homöopathie, Anthroposophische Medizin u. a. entsprechen. Als Wahltarif können die Krankenkassen frei entscheiden, ob sie bei entsprechender Berechnung der Versicherungsprämie die Kosten dieser Arzneimittel übernehmen. Eine Einschränkung dieser Wahlmöglichkeit stellt einen gravierenden Eingriff in die Therapiefreiheit dar und kann nicht hingenommen werden.

Der Ersteller der Petition versteht die Aktion des Gesundheitsministers als Vorbereitung eines Angriffs auf das Arzneimittelrecht, in dem homöopathische Arzneimittel fest verankert sind. Damit ist zu vermuten, dass wir damit rechnen können, dass den homöopathischen Arzneimitteln die gesetzliche Grundlage entzogen werden soll.

Über den Hintergrund des Arzneimittelrechtes ↗︎ erfahren Sie hier mehr.
Auf S. 10 und auf S. 109 der Gesetzesvorlage ↗︎ finden Sie die Ausführungen zum Wahltarif (zu Nummer 27 (§ 53)).

↗︎ Unterzeichnen Sie hier die Petition bei Change.org

 

Stopp für das 5G-Mobilfunknetz in Deutschland

Mobilfunkanbieter arbeiten bereits an einem neuen Mobilfunkstandard der fünften Generation, der verkürzt 5G genannt wird. Hierfür sollen Frequenzen im Gigahertz-Bereich eingesetzt werden, teilweise weit über den bisher genutzten Frequenzbändern. Der neue Standard soll bisher ungeahnte Datenmengen übertragen können. Die 5G-Technik funktioniert nur über kurze Entfernungen und die vollständige Einführung wird in städtischen Gebieten zu Antennen im Abstand von 10 bis 12 Häusern führen. Durch den Ausbau von 5G wird die Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern im Hochfrequenzbereich (HF-EMF) stark erhöhen, indem es zu GSM, UMTS, LTE, WLAN, usw. hinzukommt, die bereits für die Telekommunikation genutzt werden. Es ist erwiesen, dass HF-EMF für Menschen und die Umwelt schädlich sind. Die Zwangsexposition wird somit immens erhöht.

↗︎ Unterzeichnen Sie hier die Petition gegen den 5G-Ausbau.

↗︎ Ein internationaler Appel von Wissenschaftlern und Ärzten aus mehr als 40 Ländern hat deren „ernsthafte Besorgnis“ hinsichtlich der allgegenwärtigen und zunehmenden Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern durch elektrische und kabellose Geräte geäußert. Zahlreiche aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen hätten gezeigt, dass sich elektromagnetische Felder, selbst bei Intensitäten, die weit unterhalb der meisten internationalen und nationalen Grenzwerte liegen, auf lebende Organismen auswirken. Zu den Auswirkungen gehören ein erhöhtes Krebsrisiko, Zellstress, eine Zunahme schädlicher freier Radikaler, Genschäden, strukturelle und funktionelle Veränderungen im Fortpflanzungssystem, Lern- und Gedächtnisdefizite, neurologische Störungen sowie negative Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden bei Menschen. Schädigungen betreffen bei weitem nicht nur den Menschen. ↗︎ Eine zunehmende Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten zeigen Schädigungen der menschlichen Gesundheit durch elektromagnetische Felder auf.

↗︎ Die weltweit größte Studie der Welt (25 Millionen UDS) zu diesem Thema des US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP) zeigt eine statistisch deutliche Zunahme beim Auftreten von Gehirn- und Herzkrebs in Versuchstieren, die elektromagnetischen Feldern unterhalb der ICNIRP-Grenzwerte ausgesetzt waren (ICNIRP, International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection = Internationale Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung). Diese Grenzwerte gelten in den meisten Ländern. Diese Daten aus Tierversuchen untermauern die ↗︎ Ergebnisse in epidemiologischen Studien am Menschen zu hochfrequenter Strahlung und dem Hirntumorrisiko.

Weitere Infos zum Thema: 

↗︎ Gefahr: 5G-Strahlung: Wissenschaftler warnen vor dem neuen Mobilfunkstandard
5G-Ausbau: „Im Grunde ungeheuerlich!“ Diagnose:funk im Interview mit Prof. W. Thiede

Ärzte fordern Ausbaustopp für 5G

↗︎ Brief an Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Scheuer
↗︎ Vimeo
↗︎ Kla.TV
↗︎ Ärztekammern fordern WLAN-Verbot an Kindergärten und Schulen

 

IgG-Eliminationsdiät bei Sportlern

Gesundheitliche Probleme bei Sportlern kommen häufig vor, oftmals bedingt durch eine zu hohe Trainingsintensität bzw. Trainingsdauer. In früheren Newslettern haben wir bereits über die Steigerung von Leistung und Kognition bei Sportlern berichtet, die eine individualisierte IgG-Eliminationsdiät einhielten.

In dieser Studie wurde bei 22 Profi-Sportlern, vor Beginn und nach einer 3-monatigen IgG-Eliminationsdiät, das Beschwerdebild zu allergischen sowie gastrointestinalen Beschwerden mittels Fragebögen erhoben. Nach 3 Monaten Eliminationsdiät wurde eine wesentliche Verbesserung von Verdauungsstörungen festgestellt. Es wurde weiterhin eine Verbesserung der allergischen Symptomatik beobachtet und der Gesamt-IgG-Titer nahm ab. Zusätzlich reduzierte sich der Körperfettanteil wesentlich, wobei es jedoch zu keinen Gewichtsveränderungen kam. Auch die Flexibilität der Sportler nahm durch die Eliminationsdiät zu und es kam zu einem geringeren Pulsanstieg nach kardiopulmonaler Belastung. Diese Daten belegen, dass Gesundheit und sportliche Leistungen bei Spitzensportlern in vielerlei Hinsicht von Nahrungsmittelintoleranzen abhängen.
↗︎ Kostic-Vucicevic M, Marinkovic D, Dikic N, Stojmenovic T, Andjelkovic M, Nikolic I, Vukasinovic-Vesic M, Malic T. 2016. Is there connection between food intolerance and sports performance in elite athletes? Br. J. Sports Med., 50: A20.1-A20.

Lesen Sie dazu auch unsere Falldokumentation

 

Phytotherapeutika in der Krebstherapie: Teil 2 – Curcumin

↗︎ Kurkuma ist eine wichtige Heilpflanze mit antioxidativen, entzündungshemmenden, antitumoralen, antiarthritischen, antiatherosklerotischen, antidepressiven, antidiabetischen, antimikrobiellen, Wundheilungs- und gedächtnisverstärkenden Wirkungen. ↗︎ In der traditionellen indischen Medizin wurde dieses Gewürz auch zur Behandlung verschiedener Erkrankungen wie gynäkologische Probleme, Magenbeschwerden, Lebererkrankungen, Infektionskrankheiten, Blutkrankheiten, Akne, Psoriasis, Dermatitis, Hautausschlag und andere chronische Erkrankungen verwendet. Curcumin wirkt chemopräventiv, chemosensibilisierend und radiosensibilisierend, und ist daher ein wichtiger Wirkstoff in der adjuvanten Krebstherapie (↗︎ Link 1 und ↗︎ Link 2).

Als Polyphenol mit „multi-tasking“-Eigenschaften wirkt Curcumin auf zahlreiche Moleküle (z. B. Transkriptionsfaktoren, Entzündungsmediatoren) und deren Signalwege ein, die mit verschiedenen chronischen Krankheiten in Verbindung stehen. In vielen neueren Studien wurde Curcumin als starker ↗︎ epigenetischer Regulator bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen, Entzündungen, Diabetes und manchen Krebsarten beschrieben. Die antiinflammatorische Wirkung ergibt sich durch die Hemmung verschiedener Zytokine wie TNF-α, IL-1, IL-6, IL-8, IL-12, sowie entzündungsfördernder Enzyme und Transkriptionsfaktoren. Curcumin wirkt zudem synergistisch mit anderen pflanzlichen Wirkstoffen wie ↗︎ Resveratrol, Piperin, Catechine, Quercetin und Genistein.

Bisher wurde in etwa 100 klinischen Studien zur Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Curcumin bei der Prävention und Behandlung verschiedener Erkrankungen durchgeführt. ↗︎ Hier finden Sie eine Übersicht aller abgeschlossenen und laufenden klinischen Studien zum Einsatz von Curcumin bei Krebs

Darmkrebs

Durch 30-tägige tägliche Einnahme von 4 g Curcumin kam es zu einer wesentlichen Reduktion von ↗︎ anormalen Kryptenherden.
Prostaglandin E2 (PGE2) ist ein wesentliches Prostaglandin, welches in das Entzündungsgeschehen involviert ist. Es erhöht die Gefäßpermeabilität (Gewebeschwellung), ist an der Entstehung der Rötung beteiligt und verstärkt den Schmerz. Eine tägliche Dosis von 3,6 g Curcumin führte, 1 Stunde nach Einnahme, zu einer 60 %-igen Reduktion des induzierbaren PGE2. ↗︎ Unerwünschte Reaktionen traten dabei nicht auf.
Auch bei fortgeschrittenem Darmkrebs wurde die PGE2-Freisetzung durch einen Curcuma-Extrakt ↗︎ wesentlich und in einer dosisabhängigen Weise reduziert.
Durch die Einnahme von Curcumin wurde die ↗︎ allgemeine Lebensqualität von Patienten mit Darmkrebs verbessert, indem bestimmte Signalwege aktiviert wurden, die zur Apoptose und zum Zelltod führten.

Hautkrebs

Topische Anwendung führte zu ↗︎ symptomatischer Verbesserung, Abnahme der Größe der Läsion, Reduktion von Schmerzen bei 70 % der 62 Patienten.

Gebärmutterhalskrebs

Curcumin hat ↗︎ präventive Eigenschaften gegenüber Gebärmutterhalskrebs in einer Dosis von 500 – 12.000 mg/Tag. Diese Dosierung war sicher und wurde gut vertragen.

Kopf-Hals-Tumoren

Curcumin ↗︎ verringerte proinflammatorische Zytokine wie z. B. IL-6, IL-8 und TNF-α im Speichel von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren.

Anderweitige Krebsarten

Curcumin zeigte im klinischen Bereich auch Potenzial gegen verschiedene andere Krebsarten. Eine Curcumin-haltige Formulierung mit verbesserter Bioverfügbarkeit wurde an Patienten mit verschiedenen soliden Tumoren (Brust, Leber, Magen, Lymphom, Prostata, Blase, Eileiter, Hoden) verabreicht. ↗︎ Durch die Supplementierung wurden systemische Entzündungsreaktionen unterdrückt und die Lebensqualität dieser Patienten signifikant verbessert. Auch bei metastasierten Gehirntumoren bei Kindern die mit Chemotheraqpie behandelt wurden, kam es durch die zusätzliche Einnahme von Curcumin zu einem ↗︎ besseren klinischen Ansprechen auf die Therapie. Curcumin ↗︎ verbesserte auch die Histologie prämaligner Läsionen bei verschiedenen Krebsarten (Blase, Magen, Darm, Gebärmutter).
Zur ↗︎ Verringerung der Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie bei verschiedenen Krebsarten (Magen, Darm, Leber, Niere und Lunge) kann Curcumin erfolgreich eingesetzt werden.
Auch bei Patienten mit ↗︎ chronisch myeloischer Leukämie wurde durch die Verabreichung von Curcumin in der Adjuvanz die Prognose verbessert.

Pflanzenschutz, Glyphosat und andere Pestizide

Forschern der niederländischen Universität Wageningen kritisieren, dass die EU kein Konzept hat, um die Risiken von Rückständen aus Pflanzenschutzmitteln bzw. deren Mischungen im Boden zu minimieren. Untersuchungen der holländischen Wissenschaftler zeigten, dass landwirtschaftliche Böden in der EU meist verschiedene Mischungen von Pflanzenschutzmitteln enthalten. In elf EU-Ländern wurden 317 Bodenproben auf jeweils 76 Rückstände von Pflanzenschutzmitteln getestet. Von den Bodenproben enthielten mehr als 80 Prozent Rückstände. In 58 Prozent der Böden wurde mehr als ein Rückstand gefunden. Es wurden 166 verschiedene Kombinationen von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Der bekannte Wirkstoff Glyphosat kam in den Cocktails am häufigsten vor, weiter das Insektizid DDT und seine Metaboliten sowie die Breitbandfungizide Boscalid, Epoxiconazol und Tebuconazol.

↗︎ Anfang November wurde die Studie über Pestizidrückstände in europäischen landwirtschaftlichen Böden veröffentlicht.

Zwar übertrafen die Messwerte nur vereinzelt die jeweiligen Grenzwerte. Es ist jedoch völlig unbekannt, wie die giftigen Mischungen aus Pflanzenschutzrückständen auf die Bodenorganismen wirken, und letztendlich auch auf unsere Gesundheit.

↗︎ In Deutschland soll der Einsatz von Glyphosat langfristig verboten werden. Das Umweltministerium plant nun strengere Regeln auf Bundesebene, Landwirte sollen etwa einen Teil ihrer Flächen pestizidfrei halten müssen, 10 % ihres Bodens sollen als Brache oder Blühfläche freigehalten werden. In der Nähe ökologisch sensibler Gebiete soll Glyphosat nicht mehr verwendet werden und ein ↗︎ generelles Verbot für den Einsatz von Glyphosat ist ab 2023 geplant.
Die Bayer-AG, die vor kurzem den Agrarriesen Monsanto übernommen hat, behauptete in der Vergangenheit wiederholt, dass rund 800 wissenschaftliche Studien beweisen, es gäbe keinen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs. Nun wurde von einer Recherche der Tageszeitung taz gezeigt: ↗︎ Diese Zahl hat der Konzern frei erfunden!
Es liegen nur etwa 50 Studien vor, die sich überhaupt dem Thema Glyphosat und Krebs widmen. Und in einigen davon können ExpertInnen durchaus Hinweise auf ein Krebsrisiko erkennen.

 

Abschaffung des Heilpraktiker-Berufs

Wenn es nach der Arbeitsgruppe Gesundheit der FDP-Bundestagsfraktion ginge, wird der Berufsstand der Heilpraktiker abgeschafft. Dies verlangen sie in einem kürzlich erschienenen Positionspapier. Diese Nachricht wurde vor wenigen Tagen auf ↗︎ DocCheck und ↗︎ MedWatch veröffentlicht.

„Es ist aus unserer Sicht entscheidend, dass ausschließlich wissenschaftlich-fundiert ausgebildete Ärzte staatlich gelabelt ‚Heilkunde‘ betreiben dürfen.“ Wollte man den „Heilpraktiker“ in seiner jetzigen Form beibehalten, so heißt es in dem Papier, wäre es allenfalls möglich, Risikominimierung zu betreiben. „Denkbar wäre, den Handlungsspielraum für Heilpraktiker gesetzlich so weit einzuschränken, dass beispielsweise invasive Behandlungen nicht mehr möglich wären.“ Allerdings würde dies die Gefahr von Diagnose- und Befunderhebungsfehlern nicht verringern.

Zwar sei es im Sinne der Privatautonomie jedem selbst überlassen, welche Dienstleistungen er kostenpflichtig in Anspruch nehmen möchte, heißt es dort: Unter der Voraussetzung einer hinreichenden Informationsversorgung seien mündige Patienten in der Lage, über ihre eigene Gesundheit zu disponieren – daher sei es zu respektieren, wenn Menschen Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen möchten, deren Wirksamkeit wissenschaftlich unbelegt oder deren Unwirksamkeit sogar belegt ist. „Für uns ist jedoch ebenso klar, dass sich der Staat nicht zum Gehilfen für Verbrauchertäuschungen machen darf“, erklärt die Arbeitsgruppe.

„Daher sind wir der Auffassung, dass es im Sinne der Patientensicherheit letztendlich geboten ist, die Erlaubnis zur Bezeichnung als ‚Heilpraktiker‘ mittelfristig auslaufen zu lassen“, erklären die FDP-Gesundheitspolitiker. Die FDP-Gesundheitspolitikerin Katrin Helling-Plahr meine: „Die Krux ist, dass der Anschein erweckt wird, Heilpraktiker seien heilkundig – in Wahrheit sind sie nur darauf getestet, dass sie nicht gefährlich sind“. Die Fachanwältin für Medizinrecht hat die Stellungnahme mit vorangetrieben. Ihrer Ansicht nach ist nicht ausreichend sichergestellt, dass die von Heilpraktikern vorgenommenen Behandlungen tatsächlich „Heilung“ ermöglichen.

Wie kann man nur von einer „Täuschung“ sprechen oder von einem vermeintlichen „Anschein“, Heilpraktiker seien heilkundig? Wäre der Beruf nicht schon seit vielen Jahren von alleine „ausgestorben“ wenn dem so wäre? Oder meint man die zig-tausendfachen Erfolge seit Jahrzehnten seien alles nur „Täuschungen“? Und wieso werden Heilpraktiker-Kosten von Krankenkassen und Versicherungen übernommen? Und warum lassen viele gesundheitsbewusste Menschen sich präventiv, adjuvant oder exklusiv naturheilkundlich behandeln, sind auch gewillt, die Kosten dafür selbst zu tragen?

 

IgG-Eliminationsdiät, Migräne und Stimmungsschwankungen

Hier wird der Fall einer Patientin mit Migräne (4 – 6 Anfälle pro Woche), Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme berichtet. Der Patientin wurde eine IgG-basierte Eliminations- und Rotationsdiät verordnet, in Kombination mit Mikronährstoffen (vor allem Aminosäuren). Nach nur 30 Tagen besserte sich die Migräne-Symptomatik, die Patientin konnte die Triptane weitgehend reduzieren. Nach Ansicht der Autoren hat die kombinierte Wirkung von IgG-Nahrungsmittelallergien, Entzündungen und daraus resultierender erhöhter Darmpermeabilität zu einer Reduktion der Aminosäuren beigetragen. Daraus ergab sich eine Abnahme wichtiger Neurotransmitter, die nach Ansicht der Autoren zu Depression und Migräne beigetragen haben.
↗︎ Nelson-Dooley, Kaplan S, Bralley JA. 2009. Migraines and mood disorders: nutritional and dietary intervention based on laboratory testing. Altern. Ther. Health Med., 15: 56–60.