Deprecated: Methods with the same name as their class will not be constructors in a future version of PHP; WPOSFLV_Widget has a deprecated constructor in /var/www/web1843/html/wp-content/plugins/wp-os-flv/wposflv-widget.php on line 2

Deprecated: Methods with the same name as their class will not be constructors in a future version of PHP; theme_MenuItem has a deprecated constructor in /var/www/web1843/html/wp-content/themes/cellsymbiosis-neu/library/navigation.php on line 245

Deprecated: Methods with the same name as their class will not be constructors in a future version of PHP; VMenuWidget has a deprecated constructor in /var/www/web1843/html/wp-content/themes/cellsymbiosis-neu/library/widgets.php on line 110

Deprecated: Methods with the same name as their class will not be constructors in a future version of PHP; LoginWidget has a deprecated constructor in /var/www/web1843/html/wp-content/themes/cellsymbiosis-neu/library/widgets.php on line 189
Aminosäuren | Heilpraktiker Ralf Meyer

Aminosäuren

Essentielle Aminosäuren – L-Carnitin, Taurin, L-Carnosin

Das ernährungswissenschaftliche Denken des vergangenen Jahrhunderts bestand hauptsächlich darin, dass die Nahrung sich aus Kohlenhydraten, Proteinen, Fetten, Mineralstoffen, Vitaminen, Ballaststoffen und Wasser zusammensetzt. In den vergangenen 20 – 30 Jahren wurden jedoch unzählige bioaktive Substanzen in Lebensmitteln entdeckt, die nachgewiesene protektive und gesundheitsfördernde Wirkungen haben. Essenzielle Nährstoffe sind für den Menschen lebensnotwendig, da sie nicht selbst in ausreichender Menge gebildet werden können (z. B. Vitamine, Mineralstoffe, einige Amino- und Fettsäuren). Bioaktive Substanzen, z. B. Pflanzeninhaltsstoffe oder andere Stoffe wie L-Carnitin, Taurin oder Carnosin sind ganz wichtige Ergänzungen der Nährstoffe.

L-Carnitin

L-Carnitin ist eine natürlich vorkommende, vitaminähnliche Substanz, die in der Leber und den Nieren aus den essenziellen Aminosäuren L-Lysin und L-Methionin gebildet wird. Die körpereigene Bildung von Carnitin benötigt Eisen, Vitamin C, Niacin und Pyridoxin. Vor allem in der Skelett- und Herzmuskulatur wird L-Carnitin benötigt, wo es eine zentrale Rolle im mitochondrialen Energiestoffwechsel spielt, als „Transporter“ langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien. Ohne Carnitin haben die Fettsäuren keinen Zutritt in die Zelle und die Mitochondrien. Dort werden die Fettsäuren über die sogenannte „ß-Oxidation“ in kleinere Einheiten gespalten und der weiteren mitochondrialen Energieproduktion zugeführt. L-Carnitin gilt als daher als “Fatburner”. Ein Überangebot von L-Carnitin beschleunigt aber den Fettstoffwechsel nicht, zu hohe Mengen werden wieder ausgeschieden.

  • Power für ein schwaches Herz:
    Die Unterversorgung des Herzens mit Sauerstoff und die Herzinsuffizienz (Unvermögen des Herzens, die vom Körper benötigte Blutmenge zu fördern) werden im Zusammenhang mit L-Carnitin-Defiziten diskutiert.
    Durch die Einnahme von L-Carnitin (ca. 1 – 2 g/Tag) können Menschen mit einer schlechten Durchblutung des Herzens, das Risiko von Folgeerkrankungen verringern Link 1 | Link 2 | Link 3 (z. B. chronische Herzleistungsschwäche, Angina Pectoris, Herzinfarkt).
  • Regulierung der Blutfettwerte:
    Erhöhte Plasma-Lipoprotein a-Spiegel sind mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert. In mehreren präklinischen und klinischen Studien sowie Metaanalysen wurde gezeigt, dass L-Carnitin und Coenzym Q10 die Lp(a)-Spiegel bei Patienten mit Lp(a)-Hyperlipoproteinämie signifikant senken. Diabetikern mit erhöhten Blutfettwerten wird die Einnahme von 500 bis 1.000 Milligramm L-Carnitin pro Tag empfohlen.
  • Verringerung der kardialen Nebenwirkungen von Doxorubicin-Chemotherapie:
    Bei 15 Patienten mit Brust- oder Bronchialkarzinom, die mit Doxorubicin (Chemotherapeutikum) behandelt wurden, kam es zu einer wesentlich geringeren (durch Chemotherapie verursachten) Abnahme der Herzmuskulatur, wenn die Patienten 3 mal täglich 1 Gramm L-Carnitin oral und 1 Gramm intravenös vor Doxorubicingabe erhielten.
  • Förderung der Apoptose von Krebszellen:
    L-Carnitin hat in Tumorzellen möglicherweise auch eine Apoptose-fördernde Funktion, die auf einer gesteigerten ß-Oxidation beruhen soll. Dadurch entstehen in der Tumorzelle vermehrt Sauerstoffradikale, die zum Zelltod der Tumorzelle führen sollen. Eine antikanzerogene Wirkung ergibt sich für L-Carnitin durch die Hemmung der Oxidation von Fetten.
  • Verbesserung der Immunkompetenz:
    L-Carnitin wirkt antiinflammatorisch, fördert die Vermehrung der Lymphozyten und steigert die Aktivität der Fresszellen und der natürlichen Killerzellen.
  • Stabilisierung von Biomembranen:
    Durch L-Carnitin werden die Membranen der Mitochondrien stabilisiert sowie auch die Membranen von Erythrozyten und Immunzellen.
  • Neuroprotektion:
    L-Carnitin reduziert sowohl körperliche wie geistige Müdigkeit bei Alterspatienten und verbessert deren Denkleistung, wahrscheinlich durch die Förderung der Nervenzellregeneration. L-Carnitin zeigt zudem positive Effekte bei der Altersdepression und der Alzheimererkrankung. Zudem wird L-Carnitin in der komplementärmedizinischen Behandlung von Erschöpfungszuständen bei chronischen Erkrankungen verordnet.

Tagesbedarf und Vorkommen von L-Carnitin

Der L-Carnitin-Tagesbedarf eines Erwachsenen beträgt 50 bis 300 mg. Ziegen- und Lammfleisch sind besonders reich an L-Carnitin, welches in pflanzlichen Lebensmitteln kaum enthalten ist. Ein erhöhter Bedarf besteht bei Neugeborenen, Schwangeren, Stillende und chronisch Erkrankten.

Lebensmittel / L-Carnitin-Gehalt (mg/100 g Lebensmittel)

Rinderhackfleisch  87,5 mg
Kalbssschulter  78,2 mg
Merguez (Rindswurst mit Lammfleisch)  66,3 mg
Rindssteak  65,0 mg
Lammkotelett  40,5 mg
Schinken  33,5 mg
Truthahnfleisch  21,2 mg
Schweinsschulter  21,1 mg
Joghurt  12,2 mg
Hühnerbrust ohne Haut  10,4 mg
Avocado  8,1 mg
Schweinswurst  7,1 mg
Gruyère Käse  6,5 mg
Milch (2 % Fett)  2,9 mg
Kartoffel  2,4 mg
Quark  1,8 mg
Thunfisch  1,5 mg
Geräucherter Lachs  1,0 mg
Zwiebel  0,7 mg
Mozzarella  0,3 mg
Karotte  0,3 mg
Apfel  0,2 mg

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Demarquoy, J., Georges, B., Rigault, C., Royer, M., Claiet, A., Soty, M., et al. (2004). Radioisotopic determination of L-carnitine content in foods commonly eaten in Western countries. Food Chemistry 86, 137-142
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

Taurin

Taurin ist eine einfache, schwefelhaltige Aminosäure, die in tierischen Zellen weit verbreitet ist und im Pflanzenreich kaum vorkommt (mit einigen Ausnahmen). Diese Aminosäure wird nicht für die Bildung von Proteinen verwendet. Eine Zufuhr durch Nahrungsmittel ist bei Erwachsenen normalerweise nicht nötig, denn im Stoffwechsel entsteht Taurin aus Cystein und Methionin unter Beteiligung von Vitamin B6. Alternativ entsteht Taurin beim Abbau von Coenzym A durch Decarboxylierung von Cysteamin. Besonders reich an Taurin sind das zentrale Nervensystem, die Lymphozyten und Thrombozyten. „Energy Drinks“ und ähnliche Produkte enthalten Taurin. Für die Behauptung, dass diese Drinks die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern, liegen nach unserer Kenntnis noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Bei vielen Zellfunktionen spielt Taurin eine wichtige Rolle:

  • Als Antioxidans wird Taurin für die Entgiftung von Hypochlorit und Peroxiden benötigt.
  • Taurin wirkt antiarrhythmisch sowie positiv inotrop auf den Herzmuskel, d. h. es erhöht die Regelmäßigkeit und Stärke der Herzkontraktionen.
  • Zur Aufrechterhaltung des zellulären Calciumgleichgewichts und der Stabilisierung von Zellmembranen wird Taurin benötigt.
  • Bei der Fettresorption wird Taurin zur Bildung von Gallensäurekonjugaten benötigt.
  • Taurin ist ein Wachstumsmodulator und daher wichtig für die Entwicklung des ZNS, der Retina und der Herzfunktion. In den Zellen der Retina schützt Taurin vor oxidativen Schäden.
  • Im Stoffwechsel wird Taurin für den Ab- und Aufbau der Kohlenhydrate benötigt (Glykolyse, Gluconeogenese).
  • Im Tierversuch wurde eine entzündungshemmende Wirkung von Taurin nachgewiesen. Wenn der Tauringehalt im Gewebe absinkt (vor allem im Lungengewebe), kommt es zu Entzündungen.
  • Alkoholbedingte Leberschäden können durch Taurin reduziert werden.

Vorkommen und Aufnahme von Taurin

Das im menschlichen Körper vorhandene Taurin stammt aus drei Quellen:

  • Aufnahme aus der Nahrung
  • Synthese aus Methionin und Cystein in der Leber und anderen Geweben
  • Rückabsorption in den Nieren.

Einem Körpergewicht von 70 kg entsprechen ca. 30 bis 70 g Taurin, wovon sich etwa 75 % in den Muskelzellen befinden. Organe mit besonders hohem Tauringehalt sind Skelettmuskeln, Herz, Gehirn und Leber. Bei einer Mischkost beträgt die tägliche Aufnahme zwischen 40 und 400 mg.

Lebensmittel / Taurin-Gehalt (mg/100 g Lebensmittel)

Miesmuschel  655 mg
Austern  396 mg
Truthahn: dunkles Fleisch  306 mg
Huhn: dunkles Fleisch  169 mg
Lammfleisch  57 – 160 mg
Schweinelende  61 mg
Salami  59 mg
Truthahn: helles Fleisch  30 mg
Rindfleisch  43 mg
Kalbfleisch  40 mg
Schinken  50 mg
Thunfisch in Öl  42 mg
Huhn: helles Fleisch  18 mg
Vollmilch  2,4 mg
Vollmilchjoghurt natur  3,3 mg
Gemüse  –
Fruchtsäfte (Apfel, Orange)  –
Linsen  –
Weissbrot, Vollkornbrot  –
Haferflocken  –
Nüsse  –
Reis  –
Nudeln  –

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
Laidlaw, S.A., Grosvenor, M., Kopple, J.D. (1990). The taurine content of common foodstuffs. Journal of Parenteral and Enteral Nutrition 14, 183-188
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Carnosin

Carnosin (β-Alanyl-L-Histidin) besteht aus den beiden Aminosäuren β-Alanin und L-Histidin und kommt in erhöhten Konzentrationen im Muskel- und im Gehirngewebe vor. Im Muskelgewebe ist L-Carnosin ein wichtiger Puffer. Dadurch wird der intramuskuläre pH-Wert stabilisiert und die Fähigkeit zu anaeroben Leistungen (bei Sauerstoffmangel) vergrößert. Weitere Funktionen von Carnosin:

  • Carnosin hat antioxidative Eigenschaften und kann reaktive Sauerstoffspezies abfangen sowie auch oxidierte Fettsäuren in der Zellmembran, die bei länger andauerndem oxidativem Stress gebildet werden. Link 1 | Link 2. Diese stehen im Zusammenhang mit der Zellalterung, weshalb Carnosin gerne als „anti-ageing“ Substanz vermarktet wird.
  • Für Autisten kann Carnosin ein effektives Nahrungsergänzungsmittel sein, wie in einer klinischen Studie nachgewiesen wurde. Bei autistischen Kindern, die über einen Zeitraum von 8 Wochen täglich 300 mg Carnosin erhielten, kam es zu signifikanten Besserungen. Man nimmt an, dass Carnosin sich auf Gehirnareale die für Hören, Sprache, Bewegung und Sozialisation zuständig sind, positiv auswirkt. Bei zu hohen Dosen kann Carnosin allerdings den Corticosteronspiegel erhöhen. Damit wird die Hyperaktivität erklärt, die bei der Verabreichung hoher Dosen zu beobachten ist.
  • Carnosin kann mit Metallionen wie z. B. Kupfer, Zink und Kobalt Komplexe bilden. Je nach gebundenem Metallion haben die Komplexe unterschiedliche biologische Funktionen. Der Carnosin-Zink-Komplex lindert Magenschleimhautverletzungen und Magengeschwüre und hemmt deren hauptsächlichen Erreger Helicobacter pylori. Daher wird dieser Komplex auch als Medikament eingesetzt.

Carnosin kommt nur im Fleisch vor, jedoch nicht in pflanzlichen Nahrungsmitteln. Im Rindfleisch wurden Carnosingehalte von 450 mg/100 g nachgewiesen, in Lammfleisch lagen die Werte in den Muskeln zwischen 251 und 491 mg/100 g. Auch im Schweinefleisch beläuft sich der Carnosingehalt auf vergleichbare Werte.

In der Fleischindustrie wird Carnosin als Antioxidans verwendet, welches die Fettoxidation und die Bildung von Metmyoglobin hemmt. Das führt zur Stabilisierung von Farbe und Geschmack des Fleisches, die Lagerfähigkeit wird verbessert.

Essentielle Aminosäuren – L-Lysin, L-Histidin und L-Threonin

Essentielle Aminosäuren werden vom Körper nicht selbst gebildet und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Dazu gehören L-Histidin, L-Isoleucin, L-Leucin, L-Lysin, L-Methionin, L-Phenylalanin, L-Threonin, L-Tryptophan und L-Valin. Für einen ausgeglichenen Energiehaushalt, Funktion und Struktur des gesamten menschlichen Organismus ist eine ausgewogene Versorgung mit diesen Aminosäuren notwendig. Aber selbst der Bedarf mancher nicht-essentieller Aminosäuren – die normalerweise vom Körper in ausreichender Menge gebildet werden – kann in Ausnahmefällen erhöht sein (Leistungssport, Alkoholabusus, einseitige vegetarische Ernährung, Frühgeborene, Schwangere, Stillzeit, starke geistige/körperliche Belastungen, schwere Erkrankungen, intensivmedizinische Betreuung, Regeneration nach Operationen etc.). Dies erfordert gegebenenfalls die zusätzliche Versorgung über Nahrungsergänzung.

In Fortsetzung unserer Serie zu essentiellen Aminosäuren gehen wir im heutigen Newsletter auf die essentiellen Aminosäuren L-Lysin, L-Histidin und L-Threonin ein.

L-Lysin

L-Lysin ist in vielen Proteinen maßgeblich enthalten und hat daher vielfältige Funktionen im Körper. Es trägt zum Wachstum bei, zur Bildung von Enzymen, Hormonen und Antikörpern. Auch für die Knochengesundheit, Kollagensynthese und Gewebereparatur wird L-Lysin benötigt. Weitere Funktionen von L-Lysin:

  • Verbesserung der Bioverfügbarkeit von Calcium und Eisen;
  • Stabilisierung der Fähigkeit zur wirksamen Immunabwehr;
  • Stabilisierung der Muskelproteine;
  • Aufbau von Elastin und Kollagen;
  • Aufnahme des LDL in der Leber (Lysinreiche Rezeptorproteine);
  • Föderung der Aufnahme von Calcium in die Knochen.

Der tägliche Bedarf an Lysin ist durch eine ausgewogene Ernährung in der Regel gedeckt (Kleinkinder ca. 96 mg/kg Körpergewicht; Erwachsene ca. 10 – 11 mg/kg Körpergewicht). Bei streng vegetarischer Ernährung, Malnutrition oder Reduktionsdiäten kann es zum Lysinmangel kommen. Der Bedarf an Lysin kann bei einem schwachen Immunsystem erhöht sein, beispielsweise bei häufig wiederkehrenden Herpes-Infektionen. Nach Expertenmeinung helfen Tages-Dosierungen von 0,5 bis vier Gramm Lysin, Herpes im Akutfall zu lindern (evtl. auch in Kombination mit Vitamin C und Zink). Über seine Beteiligung am Kalzium-Stoffwechsel kann Lysin zur Vorbeugung bzw. Behandlung der Osteoporose beitragen. In der orthomolekularen Medizin wird Lysin zur begleitenden Therapie bei Herz-Kreislauf-Krankheiten empfohlen, da Lysin Bestandteil von Kollagen ist und somit die Gefäßwände stärken könnte. Weitere Hinweise sprechen für die Verwendung von Lysin zur Senkung von Triglyzeriden und der Wundheilung bzw. Erholung nach Verletzungen und Operationen.

Lebensmittel und L-Lysin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Rindfleisch, roh  1.797 mg
Hähnchenbrustfilet, roh  1.962 mg
Kürbiskern  2.283 mg
Lachs, roh  1.870 mg
Erbsen, getrocknet  1.772 mg
Tofu, fest  1.000 mg
Hühnerei  914 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett  260 mg
Walnüsse  424 mg
Weizen-Vollkornmehl  378 mg
Mais-Vollkornmehl  195 mg
Reis, ungeschält  303 mg
Buchweizen-Mehl  595 mg
Quinoa  860 mg

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Histidin

L-Histidin gehört zu den sog. „semi-essentiellen“ Aminosäuren, die bei einigen Entwicklungsphasen oder Krankheiten essentiell sind. So kann z. B. Histidin von Kindern bzw. Jugendlichen oder von Erwachsenen mit chronischem Nierenversagen nicht in ausreichender Menge gebildet werden. Arginin, eine weitere semi-essentielle Aminosäure, kann von Erwachsenen mit Lebererkrankungen und von stillenden Müttern nur unzureichend gebildet werden. Der Histidinbedarf kann durch krankhafte Prozesse und Stress erhöht sein. Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis sind oftmals niedrige Histidin-Spiegel im Blut nachweisbar. Die Nahrungsergänzung mit Histidin kann dazu beitragen, rheumatische Entzündungen und Schmerzen zu lindern. Bei gesunden Erwachsenen die sich ausgewogen ernähren, entsteht in der Regel kein zusätzlicher Bedarf an Histidin.

Histidin ist an der Bildung des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin) beteiligt, trägt zu einem gut funktionierenden Immunsystem bei und unterstützt die Aktivität der weißen Blutkörperchen. Eine zu geringe Histidin-Versorgung kann die Bildung von Hämoglobin hemmen. Bei entzündlichen Prozessen und Allergien kann Histidin freie Radikale abfangen und unschädlich machen, daher wird dieser Aminosäure auch eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkung zugeordnet. Histidin ist auch zur Bildung von Histamin notwendig, das nicht nur im allergischen Geschehen eine wichtige Rolle spielt, sondern auch weitere wichtige Funktionen hat (Erweiterung der Blutgefäße, Erhöhung von Herzfrequenz und Magensäureproduktion, Steuerung der Muskulatur von Darm, Uterus, Bronchien und Gefäßen). Histidin spielt außerdem bei der Aufnahme und Verwertung von Zink eine wichtige Rolle. Dieses Spurenelement wird aus Fleisch besser aufgenommen, da es dort häufig an Histidin gebunden vorkommt. Diese Verbindung erleichtert den Transport von Zink durch die Darmwand, und verbessert die anschließende Zinkverwertung.

Der tägliche Bedarf an Histidin wird mit 8 bis 12 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Demnach liegt der tägliche Bedarf von Erwachsenen etwa zwischen 500 und 1.000 mg.

Lebensmittel und L-Histidin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Sojabohnen, getrocknet  1.097 mg
Hähnchenbrustfilet, roh  791 mg
Rindfleisch, roh  678 mg
Weizenkeime, getrocknet  643 mg
Erbsen, getrocknet  597 mg
Lachs, roh  549 mg
Hühnerei  309 mg
Walnüsse  391 mg
Weizen-Vollkornmehl  317 mg
Mais-Vollkornmehl  211 mg
Reis, ungeschält  202 mg

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Threonin

L-Threonin ist ein wichtiger Baustein im Proteinstoffwechsel und trägt zur Bildung zahlreicher Enzyme und Hormone bei. Diese Aminosäure ist an der Biosynthese von Vitamin B12 und Isoleucin beteiligt. Besonders reich an Threonin ist das Kollagen, welches im Bindegewebe, den Knochen und Zähnen, Sehnen und Bändern eine wichtige Stützfunktion hat. Auch Mucine, die im Schleim aller Schleimhäute vorkommen, sind besonders reich an Threonin. Sie schützen beispielsweise im Magen vor starken Säuren und anderen chemischen Substanzen. Damit Threonin optimal im Körper wirken kann, müssen Magnesium, Vitamin B3 und Vitamin B6 ebenfalls in ausreichenden Mengen vorhanden sein. Weitere Funktionen von L-Threonin:

Bildung von Immunglobulinen und Antikörpern und damit Stärkung des Immunsystems
Gesundheit der Thymusdrüse, in der die für das Immunsystem wichtigen T-Lymphozyten reifen
Bei starken körperlichen Leistungen kann L-Threonin zur Gewinnung von Energie dienen
Zusammen mit L-Glycin und L-Serin spielt L-Threonin eine wichtige Rolle im Stoffwechsel von Porphyrin
Ein lange andauernder Threoninmangel führt zu schneller Ermüdung, geringer Energie, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Bei schweren Mangelszuständen während der Kindheit kann es zum verzögerten Knochenwachstum kommen.

Der tägliche Bedarf an Threonin beträgt bei jungen Erwachsenen etwa 14 mg pro kg Körpergewicht, reifere Erwachsene benötigen 6 bis 7 mg pro kg Körpergewicht. Ein Mehrbedarf an Threonin besteht bei hohen körperlichen Leistungen.

Lebensmittel und L-Threonin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Rindfleisch, roh 849  mg
Hähnchenbrustfilet, roh  975 mg
Lachs, roh  860 mg
Hühnerei  556 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett  148 mg
Walnüsse  596 mg
Weizen-Vollkornmehl  395 mg
Mais-Vollkornmehl  261 mg
Reis, ungeschält  291 mg
Erbsen, getrocknet  872 mg

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

Essentielle Aminosäuren – L-Phenylalanin, L-Tryptophan und L-Methionin

Essentielle Aminosäuren werden vom Körper nicht selbst gebildet und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Dazu gehören L-Histidin, L-Isoleucin, L-Leucin, L-Lysin, L-Methionin, L-Phenylalanin, L-Threonin, L-Tryptophan und L-Valin. Für einen ausgeglichenen Energiehaushalt, Funktion und Struktur des gesamten menschlichen Organismus ist eine ausgewogene Versorgung mit diesen Aminosäuren essenziell. Aber selbst der Bedarf mancher nicht-essentieller Aminosäuren – die normalerweise vom Körper in ausreichender Menge gebildet werden – kann in Ausnahmefällen erhöht sein (Leistungssport, Alkoholabusus, einseitige vegetarische Ernährung, Frühgeborene, Schwangere, Stillzeit, starke geistige/körperliche Belastungen, schwere Erkrankungen, intensivmedizinische Betreuung, Regeneration nach Operationen etc.). Dies erfordert gegebenenfalls die zusätzliche Versorgung über Nahrungsergänzung.

In Fortsetzung unserer Serie zu essentiellen Aminosäuren gehen wir im heutigen Newsletter auf die essentiellen Aminosäuren L-Phenylalanin, L-Tryptophan und L-Methionin ein.

L-Phenylalanin

L-Phenylalanin wurde erstmals im Jahr 1879 aus Samen der gelben Lupine (Lupinus luteus) isoliert und gehört gemeinsam mit Tryptophan und Tyrosin zu den so genannten aromatischen Aminosäuren. In deren Molekül befindet sich eine besondere, ringförmig Struktur. Die wichtigsten Funktionen von L-Phenylalanin im Stoffwechsel:

  • L-Phenylalanin ist Ausgangsstoff für die Bildung der Aminosäure L-Tyrosin, die als eine konditionell essentielle Aminosäure betrachtet wird. In bestimmten Situationen (z. B. Erkrankungen der Leber oder Infektionen) ist die Umwandlung von L-Phenylalanin in L-Tyrosin gestört – diese Aminosäure muss dann supplementiert werden.
  • L-Phenylalanin wird zur Bildung der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin benötigt.
  • L-Phenylalanin ist notwendig zur Bildung der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Triiodthyronin.
  • L-Phenylalanin wird benötigt zur Bildung von Melanin (Pigmentierung der Haut).Die empfohlene tägliche Zufuhr für Erwachsene beträgt 13,7 mg/kg Körpergewicht.

Diese Lebensmittel sind besonders reich an L-Phenylalanin

Lebensmittel und L-Phenylalanin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Sojabohnen, getrocknet  2.122 mg
Erbsen, getrocknet  1.132 mg
Kürbiskerne  1.733 mg
Hähnchenbrustfilet, roh  857 mg
Hühnerei  680 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett  158 mg
Lachs, roh  845 mg
Mais-Vollkornmehl  340 mg
Reis, ungeschält  410 mg
Schweinefleisch, roh  881 mg
Walnüsse  711 mg
Weizen-Vollkornmehl  646 mg

Als Mangelerscheinungen können Appetitstörungen, Depressionen, Reizbarkeit, verringerte kognitive Leistungsfähigkeit, reduzierte Stressresistenz oder Pigmentierungsstörungen (z. B. bei Vitiligo) auftreten. Anwendungsgebiete für den therapeutischen Einsatz von L-Phenylalanin: Stress/Burnout, Vitiligo, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Appetitreduktion und depressive Verstimmungen.

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Tryptophan

Der essenziellen Aminosäure L-Tryptophan werden stimmungsaufhellende, beruhigende und gewichtsreduzierende Eigenschaften zugeschrieben. Daher gilt L-Tryptophan als „natürliches Antidepressivum“, ihm wird eine gute Wirksamkeit bei depressiven Erkrankungen bei gleichzeitig geringen Nebenwirkungen nachgesagt. Die stimmungsaufhellende Wirkung von L-Tryptophan beruht dabei auf der Tatsache, dass es im menschlichen Körper zu Serotonin umgewandelt wird. An der Umwandlung von Tryptophan in Serotonin ist das Enzym Tryptophanhydroxylase beteiligt. Es kann durch verschiedene Faktoren gehemmt werden, z. B. durch Vitamin B6- und Niacin-Mangel, Insulinresistenz (vermindertes Ansprechen des Körpers auf das Hormon Insulin, das Blutzucker in die Zellen transportiert), Magnesiummangel, aber auch durch Stress. Die Wirksamkeit gegenüber Depressionen wurde in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesen. Das aus Tryptophan gebildete Serotonin wirkt sich auch positiv auf die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus aus und erhöht das Sättigungsgefühl. Bei Neugeborenen ist Tryptophan an der Hirnreifung beteiligt.

L-Tryptophan unterstützt auch die Gesundheit der Leber. Bei Patienten mit Fettleber-Hepatitis (Steatohepatitis), einer entzündlich bedingten Veränderung der Leber, wurden nach 4-wöchiger Einnahme von Tryptophanpräparaten wesentliche Verbesserungen der Triglyceridspiegel und der inflammatorischen Zytokine festgestellt.

Weitere Funktionen von L-Tryptophan:

  • Baustein von Proteinen;
  • Bildung von Niacin;
  • Bildung der Coenzyme NAD+/NADH, NAPD+/NADPH, die für Redoxreaktionen und in der Atmungskette benötigt werden.

Die empfohlene tägliche Zufuhr für Erwachsene beträgt 13,7 mg/kg Körpergewicht.

Diese Lebensmittel sind besonders reich an L-Tryptophan:

Lebensmittel und L-Tryptophan-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Sojabohnen  590 mg
Cashewkerne  287 mg
Eier  167 mg
Erbsen, getrocknet  275 mg
Haferflocken  182 mg
Hähnchenbrust (roh)  267 mg
Hühnerei  167 mg
Kakaopulver, ungesüßt  293 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett  46 mg
Lachs (roh)  209 mg
Maismehl  49 mg
Reis, ungeschält  101 mg
Schweinefleisch (roh)  220 mg
Walnüsse  170 mg

Typische Mangelerscheinungen sind Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, verminderte Stresstoleranz, Vorliebe für Süßigkeiten, Kohlenhydratheißhunger, vermindertes Sättigungsgefühl, Depressionen, Ängste, Aggressivität und Durchschlafstörungen.

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

L-Methionin

L-Methionin ist eine essentielle schwefelhaltige Aminosäure, die dem Körper Schwefel sowie Methylgruppen zur Verfügung stellt. Die stoffwechselaktive Form von Methionin ist S-Adenosyl-Methionin (SAM), das praktisch in allen Körpergeweben und -flüssigkeiten vorkommt. Es trägt zur Bildung von Adrenalin, Cholin, Kreatin, Melatonin und Nukleinsäuren bei. L-Methionin erfüllt weitere Funktionen im Stoffwechsel:

  • Bildung (über S-Adenosyl-Methionin) von Carnitin, Phospholipiden (Cholin), Kreatin, Nukleinsäuren (Thymin), Neurotransmittern und Melatonin;
  • Bildung von Homocystein (über S-Adenosylhomocystein, das zu Homocystein umgewandelt wird). Hieraus kann Methionin wieder zurückgewonnen werden;
  • Vorstufe der Aminosäuren L-Cystein und des Antioxidans L-Glutathion;
  • Unterstützung von Entgiftungsvorgängen in der Leber, Vermeidung übermäßiger Fetteinlagerungen in der Leber und Regeneration von Lebergewebe;
  • Steuerung bioelektrischer Vorgänge im zentralen Nervensystem;
  • Die empfohlene tägliche Zufuhr für Erwachsene beträgt 13 mg/kg Körpergewicht.

Lesen Sie hier weiter – Diese Lebensmittel sind besonders reich an L-Methionin

Lebensmittel und L-Methionin-Gehalt in 100 g Lebensmittel
Buchweizenmehl  164 mg
Erbsen, getrocknet  251 mg
Hähnchenbrustfilet, roh  552 mg
Hühnerei  380 mg
Kuhmilch, 3,7 % Fett   82 mg
Lachs, roh  626 mg
Mais-Vollkornmehl  145 mg
Paranüsse  1.008 mg
Reis, ungeschält  179 mg
Rindfleisch, roh  554 mg
Sesamkörner  586 mg
Sojabohnen, getrocknet  547 mg
Walnüsse  236 mg
Weizen-Vollkornmehl  212 mg

Mögliche Mangelerscheinungen sind Wundheilungsstörungen, gestörte Immunfunktion und Infektanfälligkeit, Muskelzellverlust und Kachexie.

Quellen:
U. Gröber: Mikronährstoffe – Metabolic tuning – Prävention – Therapie
R. Meyer: Chronisch gesund. 2009
Alberts B, Johnson A, Lewis J, et al.: Molecular Biology of the Cell. 2017
Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Stryer: Biochemie. 2018

Essentielle Aminosäuren

Aminosäuren sind die natürlichen Einzelbausteine von Proteinen (Eiweiß) und kommen in allen Lebewesen vor. Sie haben auch vielfältige metabolische Effekte, zum Beispiel als Vorläufer von Hormonen und Neurotransmittern. Daher werden Aminosäuren als Nahrungsergänzungsmittel verordnet – bei erhöhten Bedarf, Unterversorgung oder im Rahmen präventivmedizinischer Stoffwechseloptimierung. Auch akut Erkrankte oder Genesende können einen erhöhten Bedarf an essentiellen Aminosäuren haben. Mit der gezielten Supplementierung einzelner Aminosäuren sollen ihre spezifischen Wirkungen erzielt oder verbessert werden.

Die menschlichen Proteine werden aus 21 proteinbildenden (proteinogenen) Aminosäuren gebildet. Sie werden miteinander zu langen Ketten verknüpft, in den Ribosomen der Zellen und nach Vorgabe genetischer Information, die in Form von mRNA (englisch messenger RNA, auch „Boten-RNA“) vorliegt. Die auf diese Weise zu einem langen Strang verbundenen Aminosäuren unterscheiden sich in ihren Seitenketten und bestimmen zusammen die Form des daraus entstehenden Proteins, welches unterschiedliche Funktionen erfüllt (Enzym, Signalstoff, Transportprotein, Strukturelement, Speichersubstanz, biologischer „Motor“ in Muskelzellen).

Essentielle Aminosäuren werden vom Körper nicht selbst gebildet und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Dazu gehören Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin. Tierische Proteinquellen enthalten alle essentiellen Aminosäuren. Dies ist bei pflanzlichen Proteinquellen nicht immer der Fall. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung ist aber eine ausreichende Proteinversorgung gewährleistet, sofern verschiedene pflanzliche Quellen miteinander kombiniert werden. Erbsen, Bohnen, Soja, Reis, Buchweizen, Haferkleie, Hanfsamen, Kürbiskerne, Chiasamen, Quinoa, Pistazien, Brokkoli und Spinat sind Beispiele reichhaltiger pflanzlicher Proteinquellen.

Leucin, Isoleucin und Valin: Gesunde Muskeln und fit in Stresssituationen

Diese Aminosäuren gehören zu den so genannten verzweigtkettigen Aminosäuren (VKAS oder englisch „branched chain amino acid, BCAA), die vor allem eine wichtige Energiequelle für die Muskeln sind. Sie werden nicht wie andere Aminosäuren in der Leber verstoffwechselt, sondern gelangen direkt in die Muskelzellen. Isoleucin, Leucin und Valin machen nach einer proteinreichen Mahlzeit etwa 50 – 90 % der gesamten Aminosäurezufuhr der Muskeln aus. In den Muskelzellen werden sie als Energiequelle genutzt, aber auch zum Aufbau und zum Erhalt der kontraktilen Proteine benötigt, welche die Muskelarbeit verrichten (Aktin und Myosin). Bei lang andauernder sportlicher Belastung werden sie in Glucose umgewandelt und stabilisieren dadurch den Glukosehaushalt. Außerdem begünstigen sie die Insulinsekretion, welches die muskuläre Aufnahme von Aminosäuren fördert. Isoleucin, Leucin und Valin sorgen auch dafür, dass Glykogen (als Glucose-Speicher in Leber- und Muskelzellen) erhalten bleibt und die Gluconeogenese (Glucose-Neubildung bei Kohlenhydratmangel) gefördert wird. Damit begünstigen Isoleucin-, Leucin- und Valin-reiche Lebensmittel mehrere Stoffwechselwegen, die beim optimalen Muskelaufbau und der beschleunigten Regeneration wichtig sind. Nach dem Training ist die Versorgung mit diesen Aminosäuren empfehlenswert, die auch zu einem besseren Fettabbau beitragen. Für ihre Verstoffwechslung wird Biotin, Vitamin B5 (Pantothensäure) und Vitamin B6 (Pyridoxin) benötigt. Daher sollte auch auf eine ausreichende Versorgung mit diesen Vitaminen geachtet werden. Während einer Diät tragen Isoleucin, Leucin und Valin dazu bei, dass der vermehrte Proteinabbau verhindert wird. Sie beugen somit dem Absinken des Grundumsatzes vor und erhöhen den Fettabbau. Diese drei Aminosäuren sollten aber immer in Verbindung mit anderweitigen Aminosäuren aufgenommen werden.

Folgende Lebensmittel sind besonders reich an Isoleucin, Leucin und Valin (der angegebene Gehalt bezieht sich auf 100 g Lebensmittel):

Erbsen, getrocknet (1.014 mg Isoleucin, 1.760 mg Leucin, 1.159 mg Valin)
Erdnüsse (1.230 mg Isoleucin, 2.050 mg Leucin, 1.450 mg Valin)
Hähnchenbrust (1.219 mg Isoleucin, 1.732 mg Leucin, 1.145 mg Valin)
Hühnerei (1.258 mg Isoleucin, 1.258 mg Leucin, 859 mg Valin)
Kalbsfilet (1.110 mg Isoleucin, 1.660 mg Leucin, 1.120 mg Valin)
Kichererbsen (1.140 mg Isoleucin, 1.460 mg Leucin, 980 mg Valin)
Lachs (1.160 mg Isoleucin, 1.770 mg Leucin, 1.390 mg Valin)
Rinderfilet (1.090 mg Isoleucin, 1.700 mg Leucin, 1.150 mg Valin)
Thunfisch (1.210 mg Isoleucin, 2.170 mg Leucin, 1.420 mg Valin)
Walnüsse (625 mg Isoleucin, 1.170 mg Leucin, 753 mg Valin)
Weizenkeime (1.320 mg Isoleucin, 2.170 mg Leucin, 1.680 mg Valin)

Weitere Informationen zu Leucin, Isoleucin und Valin:

Leucin

  • Beteiligung am Aufbau neuer Gewebe bei Heilungsprozessen;
  • Unterstützung der Proteinbiosynthese in Muskel- und Leberzellen;
  • Wichtig für den Erhalt und Aufbau von Muskelgewebe – Hemmung des Muskelabbaus.

Isoleucin

  • Isoleucin ist ein wichtiger Energielieferant im Kraft- und Ausdauersport, wird aber auch als Baustein für den Proteinaufbau benötigt. Daher ist diese Aminosäure sehr wichtig für die Regeneration und Erhaltung von Muskelgewebe.
  • Bei Mangel an Isoleucin kommt es zu Muskelschwäche, Krämpfen, Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit.
  • Isoleucinreiche Lebenmittel verhindern den verstärkten Proteinabbau bei hohem körperlichem und psychischem Stress, indem der Insulinspiegel angehoben wird und die Aufnahme von Aminosäuren in die Körperzellen gefördert wird. Damit gelangen vermehrt Aminosäuren in die Zellen. So wird die Wundheilung und Gewebeneubildung gefördert, auch die Abwehrkraft wird verbessert.
  • Isoleucin ist Ausgangsbaustein für die Synthese nichtessentieller Aminosäuren. Durch eine biochemische Reaktion wird Isoleucin in die nichtessentielle Aminosäure Glutaminsäure beziehungsweise Glutamat (wichtigster erregender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem) umgewandelt. Glutamat wird zudem benötigt für die Bildung von Prolin, Ornithin, Glutamin und Gamma-Aminobuttersäure (GABA, wichtigster hemmender Neurotransmitter in der grauen Substanz des zentralen Nervensystems).

Valin

  • Valin ist (wie Leucin und Isoleucin) eine „Stress-Aminosäure“, die den stressbedingten Eiweißabbau verhindert und gleichzeitig die Neubildung von Proteinen fördert.

Quellen:
Uwe Geöber: Mikronährstoffe, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage 2011
Dr med. Bodo Kuklinski: Gesünder mit Mirkronährstoffen, AURUM Verlag, 7. Auflage 2016

Entzündungshemmende Ernährung und Fatigue

Link 1 | Fatigue – man kennt sie bei allen Erkrankungen, die mit einer chronischen Inflammation einhergehen wie z. B. Krebs, entzündliche Darmerkrankungen, Fibromyalgie, multiple Sklerose und zahlreiche andere (Autoimmun)erkrankungen. Auch bei depressiven Patienten ist die Fatigue ein wichtiger Aspekt bei der ganzheitlichen Betrachtung der Erkrankung. Etwa 90 % der von diesen Erkrankungen betroffenen Patienten leiden auch unter Fatigue. Patienten mit Krebs sind besonders während und nach der schulmedizinischen Behandlung davon betroffen.

Fatigue ist eine überwältigende Müdigkeit, die weit über die nach körperlicher oder geistiger Anstrengung auftretende Erschöpfung hinausgeht und auch durch erholsamen Schlaf nicht beseitigt wird. Derartige Erschöpfungserscheinungen können zeitlich begrenzt auftreten oder in einen chronischen (> 6 Monate) Zustand übergehen. Aktuell geht man davon aus, dass ganz unterschiedliche Faktoren Link 1 | Link 2 an der Entstehung der Fatigue beteiligt sind. Bei dem chronische Fatigue-Syndrom (CFS), einer multisystemischen und komplexen Erkrankung mit enormen persönlichen, sozialen und beruflichen Langzeit-Einschränkungen treten gravierenden Merkmale einer fehlgeleiteten Immunregulation auf, z. B. Veränderungen des Immunglobulinspiegels, des Zytokinprofils, der Zusammensetzung von B- und T-Zellen und der natürlichen Killerzellen. Auffällige Nährstoffdefizite (Vitamin C, Vitamin B-Komplex, Natrium, Magnesium, Zink, Folsäure, L-Carnitin, L-Tryptophan, essentielle Fettsäuren und Coenzym Q10) sind ebenso maßgeblich am Ausbruch und Schweregrad des CFS beteiligt.

Ärzte der Charité-Universitätsmedizin in Berlin und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam sind nun der Frage nachgegangen, ob das bei der Fatigue beobachtete Entzündungsprofil durch eine entzündungshemmende Ernährung verbessert werden kann und welche Auswirkungen dies auf die Reduktion der Fatigue hat. Es wurden insgesamt 21 klinische Studien ausgewertet, um den Einfluss von entzündungshemmenden Nährstoffen, Lebensmitteln und Ernährungsformen auf Entzündungsmarker und die Fatigue bei verschiedenen Patientengruppen zu untersuchen.

Die wesentlichen Erkenntnisse zur ernährungsbasierten Behandlung der Fatigue

Einzelne Nährstoffe

• Omega3/Omega6
Omega-3-Fettsäuren reduzierten Fatigue bei Lungenkrebs-Patienten
Omega-6-Fettsäuren (und nicht Omega-3-Fettsäuren) reduzierten Fatigue und die Inflammationsmarker TNF-α und CRP bei Patientinnen mit Brustkrebs
Täglicher Konsum von Fischöl (1,98 g/Tag EPA und 1,32 g/Tag DHA) über einen Zeitraum von 6 Monaten reduzierte Fatigue bei Patienten mit Multipler Sklerose.

• Vitamin A
Bei Patienten mit multipler Sklerose reduzierte hochdosiertes Vitamin A die Ermüdungswerte nach 1-jähriger Intervention (25.000 internationale Einheiten (IU) Retinylpalmitat/Tag für 6 Monate, gefolgt von 10.000 IU/Tag für 6 Monate).

• Vitamin D (Cholecalciferol)
Bei Patienten mit Systemischem Lupus erythematodes führte die Nahrungsergänzung mit Vitamin D (50,000 IU/Woche für einen Zeitraum von 24 Wochen) zur Besserung der Fatigue und auch der allgemeinen Symptomatik.

• Polyphenole
Epigallocatechingallat (EGCG) führte im Tierversuch zur Besserung der Fatigue.
In einer kleinen Studie mit 12 Blasenkrebs-Patienten wurde durch die tägliche Gabe von 450 oder 900 mg Isoquercetin über einen Zeitraum von 80 Tagen eine wesentliche Reduktion der Fatigue beobachtet.

• Aminosäuren/Peptide/Proteine
Mittels Carnitin wurde die Symptomatik von Patienten mit CFS wesentlich verbessert.

• Probiotika
Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom führte die 8-wöchige Einnahme von Probiotika mit Bakterien der Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium zu einer Besserung der Fatigue. Anderweitige Untersuchungen bei weiteren Erkrankungen konnten diesen Effekt jedoch nicht bestätigen.

• Ginseng
Im Tierversuch wurde eine Verbesserung der durch Chemotherapie verursachten Fatigue nachgewiesen, sowie die Reduktion inflammatorischer Zytokine (TNF-α und IL-6).

• Ernährung
Frauen mit Brustkrebs, deren Ernährung viel Fisch, Vollwertgetreide und Gemüse (vor allem grünblättriges Gemüse und Tomaten), entzündungshemmende und antioxidative Inhaltsstoffe (z. B. Carotenoide, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin A, Vitamin C) enthielt, litten weitaus weniger an Chemotherapie-verursachter Fatigue.
Eine “Leaky-gut-Diät” wurde konzipiert für Patienten mit Fatigue. Sie ist kohlenhydratarm, frei von Gluten und Milchprodukten und wird kombiniert, je nach Bedarf, mit entzündungshemmend und antioxidativ wirksamen Inhaltsstoffen, z. B. Glutamin, N-acetyl-L-cysteine, Zink, L-Carnitin, Coenzym Q10, Taurin, Curcumin oder Quercetin. Die Fatigue besserte sich bei 65 % der Patienten, die sich nach diesen Vorgaben ernährten.
Die mediterrane Ernährung kann bei krankheitsbedingter Fatigue zu einer Besserung beitragen, indem die inflammatorischen Last reduziert wird. Dabei normalisiert sich die Darmflora.

 

IgG-Eliminationsdiät, Migräne und Stimmungsschwankungen

Hier wird der Fall einer Patientin mit Migräne (4 – 6 Anfälle pro Woche), Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme berichtet. Der Patientin wurde eine IgG-basierte Eliminations- und Rotationsdiät verordnet, in Kombination mit Mikronährstoffen (vor allem Aminosäuren). Nach nur 30 Tagen besserte sich die Migräne-Symptomatik, die Patientin konnte die Triptane weitgehend reduzieren. Nach Ansicht der Autoren hat die kombinierte Wirkung von IgG-Nahrungsmittelallergien, Entzündungen und daraus resultierender erhöhter Darmpermeabilität zu einer Reduktion der Aminosäuren beigetragen. Daraus ergab sich eine Abnahme wichtiger Neurotransmitter, die nach Ansicht der Autoren zu Depression und Migräne beigetragen haben.
↗︎ Nelson-Dooley, Kaplan S, Bralley JA. 2009. Migraines and mood disorders: nutritional and dietary intervention based on laboratory testing. Altern. Ther. Health Med., 15: 56–60.

Aminosäure hilft bei Karies und Zahnfleischbluten

Proteinogenes L-Arginin stoppt Entwicklung von Zahnbelag nachhaltig

Ann Arbor (pte003/08.05.2015/06:10) – Die in vielen Lebensmitteln natürlich vorkommende Aminosäure könnte Millionen von Menschen dabei helfen, Karies oder Zahnfleischkrankheiten zu vermeiden, wie Forscher der University of Michigan http://umich.edu herausgefunden haben. Obwohl noch einige Versuche und Studien notwendig und geplant sind, geben sich die Wissenschaftler zuversichtlich. ↑ weiter