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Bakterienflora | Heilpraktiker Ralf Meyer

Bakterienflora

Das Psychobiom – Darmbakterien, Neurotransmitter und Stimmung

Der neue Begriff des „Psychobioms“ – als Gesamtheit der Darmbakterien die unsere Psyche beeinflussen – bezieht sich auf die Erkenntnis, dass das Konzept der Darm-Hirn-Achse um das Mikrobiom des Darmes erweitert werden muss. Denn Darmbakterien spielen nicht nur bei dem Erhalt der Darmbarriere eine wichtige Bedeutung, sondern produzieren Neurotransmitter (Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen übertragen) und Neuromodulatoren (chemische Substanzen, die die Arbeitsweise des Nervensystems beeinflussen). Auf diese Weise kommunizieren sie mit dem ZNS und steuern dadurch Psyche, Stimmungen und Gefühle. Wir stehen erst am Anfang dieses spannenden und sehr zukunftsträchtigen Themas. Bisher gibt es viele Berichte von Therapeuten, aber es gibt kaum systematische klinische und valide Studien, die für eine allgemeine Anerkennung der Wirkungen von „Psychobiotika“ so notwendig wären. Menschen mit psychischen Leiden könnte man vielleicht sogar helfen, indem die neuroimmunologische Balance der Darm-Hirn-Mikrobiom-Achse durch eine Korrektur über spezifische Probiotika wiederhergestellt wird. Ein weiterer Meilenstein im ganzheitlichen Verständnis gesundheitlicher Störungen und deren integrativen Behandlung wäre damit erreicht.

Beispiele Neurotansmitter-produzierender Darmbakterien

Dopamin

  • Bacillus cereus
  • Bacillus mycoides
  • Bacillus subtilis
  • Escherichia coli (K-12)
  • Hafnia alvei (NCIMB, 11999)
  • Klebsiella pneumoniae (NCIMB, 673)
  • Morganella morganii (NCIMB, 10466)
  • Proteus vulgaris
  • Serratia marcescens
  • Staphylococcus aureus

Noradrenalin

  • Bacillus mycoides
  • Bacillus subtilis
  • Escherichia coli (K-12)
  • Proteus vulgaris
  • Serratia marcescens

Serotonin

  • Escherichia coli (K-12)
  • Hafnia alvei (NCIMB, 11999)
  • Klebsiella pneumoniae (NCIMB, 673)
  • Lactobacillus plantarum (FI8595)
  • Lactococcus lactis subsp. cremoris (MG 1363)
  • Morganella morganii (NCIMB, 10466)
  • Streptococcus thermophiles

GABA

  • Bifidobacterium adolescentis (DPC6044)
  • Bifidobacterium angulatum (ATCC27535)
  • Bifidobacterium dentium (DPC6333)
  • Bifidobacterium infantis (UCC35624)
  • Lactobacillus brevis (DPC6108)
  • Lactobacillus buchneri (MS)
  • Lactobacillus paracaseiNFRI (7415)
  • Lactobacillus plantarum (ATCC14917)
  • Lactobacillus reuteri (100-23)
  • Lactobacillus delbrueckiisubsp. bulgaricus (PR1)
  • Monascus purpureus (CCRC 31615)
  • Streptococcus salivarius subsp. thermophilus (Y2)

Quellen:
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Lebensmittelzusatzstoffe und Darmfunktion

Die Verwendung von Zusatzstoffen in der Lebensmittelverarbeitung ist durch spezifische Gesetze geregelt und muss in Europa von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) genehmigt werden. Dabei handelt es sich um Stoffe, die bei der Lebensmittelherstellung verwendet werden, um deren Haltbarkeit zu verlängern oder Qualität und Geschmack bei industrieller Herstellung verbessern sollen. Sie werden als Stabilisatoren, Überzugs- oder Füllstoffe verwendet und ihr Vorhandensein in Lebensmitteln wird meist mit einer „E-Nummer“ angegeben. Es wird erwartet, dass der europäische Markt für Lebensmittelzusatzstoffe in den nächsten Jahrzehnten stark anwächst und eine Schlüsselrolle in der Lebensmittelindustrie einnehmen wird. Die meisten heute gebräuchlichen Lebensmittelzusatzstoffe wurden jedoch in den 70er und 80er Jahren nach mittlerweile überholten und als unzureichend geltenden Experimenten zugelassen. Diese veraltete Sicherheitsbewertung sowie die Zunahme des Marktvolumens von Lebensmittelzusatzstoffen legt eine erneute Bewertung der potentiell schädlichen Auswirkungen dieser Substanzen auf die menschliche Gesundheit nahe. Viele präklinische Studien haben in letzter Zeit den erhöhten und verlängerten Verzehr von Lebensmittelzusatzstoffen mit der Entwicklung und dem Fortschreiten verschiedener Formen von Colitis, Darmkrebs und dem metabolischen Syndrom in Verbindung gebracht.

Vielfältigste negative Auswirkungen der verschiedenen Substanzklassen auf den Darm sind nachgewiesen.

Hinweis:
Die Ergebnisse stammen überwiegend aus Tierversuchen, Konzentrationen sind in Klammern angegeben, sofern verfügbar

Emulgatoren

Dysbiose und metabolisches Syndrom
Reduzierte Darmtätigkeit und Colitis
Entzündung (1 % w/v)
Darmkrebs (1 % w/v)
Dysbiose mit Zunahme proinflammatorisch wirksamer Bakterien (1, 0,5, 0,25 oder 0,10 %)
Änderung des geschlechtsspezifischen Verhaltens
Neuronale Veränderungen.

Beschichtungs- und Verdickungsmittel

Nekrotisierende Enterokolitis bei Frühgeborenen (47 oder 55,2 g/L)
Beeinträchtigte Immunreaktion auf Salmonella-Infektion (5 % w/v)
Verminderte Schleimproduktion, erhöhte Anfälligkeit für Colitis, chronische Entzündung des Darmes (5 % w/v).

Künstliche Süßstoffe

Darmdysbiose und Glukoseintoleranz (Saccharin: 5 %; Sucralose 5 %; Aspartam: 4 %)
Veränderung der Darmflora und deren Stoffwechselprodukte; Leberentzündung. (0,1 mg/mL)
Veränderung der Darmflora und deren Stoffwechselprodukte mit Beeinträchtigung von Entgiftungsmechanismen der Leber (0,2 mg/20 µL)
Intestinale Dysbiose; erhöhte Sekretion von Cholesterin und Lipiden im Stuhl
Darmdysbiose und Darmentzündung; Vermehrung der Proteobakterien und erhöhte Aktivität der ilealen Myeloperoxidase (Enzym das bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielt).

Farbstoffe

Erhöhte Zytokinproduktion und beeinträchtigte Phagozytenaktivität (50 µg/mL)
Darmentzündung und Dysbiose, ROS-Freisetzung, NLRP3 Entzündungsaktivierung und Freisetzung der proinflammatorisch wirksamen Zytokine IL-1β und IL-18
Erhöhte intestinale Permeabilität (10-50-500 mg/kg)
Akkumulation in Peyer’s Plaques; höhere Anzahl dendritischer Zellen und Abnahme der regulatorischen T-Zellen (10 mg/kg)
Beeinträchtigung der probiotischen Arten (Bifidobacterium und Lactobacillus)
Veränderung der bakteriellen Stoffwechselprodukte; Abnahme der Schleimproduktion
Entzündungsreaktion und Veränderung der Kryptenlänge des Dickdarms (2-10-50 mg/kg)
Erhöhte Nüchternblutzuckerwerte und Expression von Diabetes mellitus-bezogenen Genen bei schwangeren Versuchstieren (5 mg/kg)
Antimikrobiell wirksame Stoffe
Schäden an Mikrovilli und Drüsen des Darmes, Reduktion des Körpergewichts, Darmdysbiose (46-460-4600 ppb)
Entwicklung angstähnlicher Verhaltensweisen (3,6 mg/kg)
Darmdysbiose, chronisch schleichende Darmentzündung und Colitis-assoziierte Dickdarmkarzinogenese.

 

Fitness für Darmbakterien und Doping aus dem Darm

Die Bakterienarten im Darm sind unerlässlich für Verdauung, Stoffwechsel- und ↗︎ Immunfunktion. Durch Übergewicht bedingte Krankheiten wie das metabolische Syndrom, entzündliche Darmerkrankungen, Darmkrebs und Lebererkrankungen werden heute in einen engen Zusammenhang mit dem Mikrobiom des Darmes gebracht. Daraus ergibt sich aber auch das Potenzial zur Genesung oder Linderung über die Manipulation mikrobieller Gemeinschaften, sobald neue Erkenntnisse über die Wirkung von Antibiotika, Probiotika, Präbiotika, Polyphenole bzw. Fäkaltransplantationen berücksichtigt werden. Doch welche Faktoren tragen zum Erhalt bzw. der Wiederherstellung der bakteriellen Artenvielfalt bei? Und ändert auch Sport und Bewegung die Darm-Mikrobiota? Wenn ja, auf welche Weise?
Bewegung hat einen positiven Einfluss auf Immunzellen in unmittelbarer Nähe zu mikrobiellen Gemeinschaften des Darmes. Proinflammatorische Zytokine werden dadurch reduziert, antiinflammatorische Zytokine und antioxidative Enzyme hochreguliert. Dies wiederum beeinflusst das „Ökosystem Darm“ und die Zusammensetzung bzw. Verteilung der Bakterien.
  • Im Darm von Spitzensportlern ist das Bakterium Veillonella atypica maßgeblich an deren Leistungen beteiligt. Diese Bakterienart war in Stuhlproben von Läufern des Bostoner Marathons besonders verbreitet. Von einem Läufer wurden Veillonella-Bakterien isoliert, und in den Darm von 16 Labormäusen eingebracht. Im Durchschnitt liefen die Mäuse 13 % länger als die Kontrolltiere, denen keine Veillonella-Bakterien verabreicht wurden. Während der Muskelaktivität scheint das gebildete Laktat in den Darm zu gelangen, wo es von den Bakterien gespalten und verwertet wird. Dadurch ließe sich eine ↗︎ gesteigerte Ausdauer bei Spitzensportlern erklären.
  • Frauen die mindestens 3 Stunden Sport pro Woche praktizieren, hatten einen höheren Anteil von ↗︎ Butyrat produzierenden Bakterien, im Vergleich zu Frauen die keinen Sport betreiben. Zu diesen Bakterienarten gehört auch Faecalibacterium prausnitzii, eine anti-inflammatorisch wirksame Art, die einen schützenden Einfluss auf die Integrität der Schleimhautbarriere hat.
  • Die ↗︎ maximale Sauerstoffaufnahme bei jungen Menschen geht mit einem höheren Anteil der Bakterienstämme Firmicutes und Bacteroides einher.
  • Bei jungen Erwachsenen ist das Artenreichtum der Darmbakterien und die Häufigkeit von Butyrat produzierenden Bakterien mit der ↗︎ kardiorespiratorischen Fitness korreliert.

 

Multiple Sklerose: Der Kot ist aus dem Lot

Es ist weiterhin unklar, welche Ereignisse zur MS-Genese führen. Umweltfaktoren und genetische Prädisposition scheinen jedoch eine Rolle zu spielen. Nun richtet sich das Auge der Forscher auf den Darm: Dessen Bakteriengemeinschaft könnte als MS-Trigger fungieren. ↑ weiter

Mikrobiom: Artenreichtum dank Isolation

Der Mensch teilt seinen Körper mit einem Kollektiv kleinster Lebewesen. Die Mikroben-WG des modernen Weltbürgers ist jedoch vergleichsweise klein. Unsere Vorfahren beherbergten wohl weitaus mehr Bakterienarten, wie nun ein Blick in das Mikrobiom von seit Jahrtausenden isoliert lebenden Indianern zeigt. ↑ weiter