Migräne

IgG, Probiotika, Reizdarm und Migräne

Es wird geschätzt, dass In Deutschland etwa acht Millionen Menschen an Migräne leiden, die meist im Alter zwischen 25 und 45 Jahren auftritt und eher Frauen betrifft. Die gegenwärtigen medikamentösen Therapien werden oftmals nicht vertragen, wodurch in der klinischen Praxis ein großer Bedarf an alternativen Ansätzen für die Akut- und prophylaktische Behandlung besteht. Der Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Kopfschmerz-Symptomatik ist seit vielen Jahren bekannt. Bis zu 50 % der Patienten geben ein oder mehrere Lebensmittel als Migräne-auslösenden Trigger an, wobei oftmals Schokolade, Käse, Wein, Tomaten, Nüsse, oder durch Mikroorganismen vergorene Lebensmittel (z. B. Brot, Wein, Bier etc.) nicht vertragen werden.

Es ist auch seit vielen Jahren bekannt, dass Migräne-Patienten häufig auch am Reizdarmsyndrom leiden. Beide Erkrankungen ähneln sich, was das Fehlen eindeutiger organischer Ursachen, Periodizität der Schmerzen, Triggerfaktoren und andere Komorbiditäten betrifft. Migränepatienten haben – im Vergleich zu Gesunden – eine 2-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit, an einem Reizdarmsyndrom zu erkranken. Auch vom Reizdarmsyndrom (RDS) sind überwiegend die Frauen betroffen, die allgemeine Prävalenz in Deutschland liegt bei ca. 10 – 12 %. Typisch für das RDS sind periodisch auftretenden Bauchschmerzen im Zusammenhang mit Diarrhoe und/oder Obstipation, ohne dass organische oder biochemische Anomalien vorliegen. Neben der Schleimhautentzündung ist die Neuroinflammation wahrscheinlich an der Entstehung des RDS über die „Darm-Hirn-Achse“ beteiligt, was auch die Ähnlichkeiten beider Erkrankungen erklären könnte. Die entzündlichen Vorgänge führen zu veränderten Signalwegen. Dadurch wird das proinflammatorische Geschehen begünstigt, sowie auch die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse fehlgesteuert. Sie ist Hauptteil jenes Hormonsystems, das Reaktionen auf Stress kontrolliert und viele Prozesse im Körper reguliert, einschließlich Verdauung, Immunsystem, Stimmung, Gefühle und Sexualität. Dazu gehören auch Funktionen, die über Serotonin vermittelt werden. Dies würde auch erklären, weshalb RDS-Patienten häufiger an Depressionen leiden.

In früheren Newslettern haben wir über die positiven Wirkungen einer IgG-basierten Eliminationsdiät bei Patienten mit Migräne oder Reizdarm berichtet. Wie verhält es sich aber bei Patienten, die sowohl an Reizdarm als auch an Migräne leiden? Bereits vor 10 Jahren konnte in einer klinischen Studie mit 21 Reizdarm-Patienten, die auch an Migräne litten, gezeigt werden, dass der Ausschluss IgG-positiv getesteter Lebensmittel zur Besserung aller Symptome führte. Eine wesentliche Verringerung der Reizdarmbeschwerden (schmerzhafte Blähungen) und Migräneanfälle (Anzahl, Stärke, Dauer, Medikation) wurde festgestellt. Die Patienten berichteten auch von einer wesentlichen Verbesserung ihrer allgemeinen Lebensqualität.

In einer neu veröffentlichten Studie aus China wurde nun der gleichen Fragestellung nachgegangen. Zusätzlich zur IgG-basierten Ernährung wurde aber ein Teil der 60 Patienten mit Präbiotika versorgt und die Serotoninspiegel wurden im Verlauf der geänderten Ernährung untersucht.

Zunächst wurden bei allen 60 Patienten die IgG-Reaktionen auf 266 Lebensmittel untersucht. Alle Patienten litten an Reizdarm und Migräne. Dann wurden die Patienten in drei Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmer der ersten Gruppe befolgten eine IgG-basierte Ernährung, während die zweite Gruppe nur Probiotika erhielt. Die Patienten der 3. Gruppe ernährten sich gemäß ihres IgG-Tests und nahmen zusätzlich Probiotika ein.

Im Verlauf der folgenden 14 Wochen wurden Migräne- und Darmsymptomatik sowie die Medikamenteneinnahme aufgezeichnet. Die Serotoninspiegel wurden zu Beginn der Studie, nach 7 Wochen und nach 14 Wochen gemessen. Es verbesserte sich sowohl die Migränesymptomatik (Anzahl der Migränetage pro 7 Wochen und MIDAS score), sowie auch die Reizdarmbeschwerden (abdominelle Blähung und Stuhlgewohnheiten). Durch die zusätzliche Gabe von Probiotika stellte sich die Besserung der Migräne-Symptomatik schneller ein. Mit der Ernährungsumstellung alleine wurde erst nach 14 Wochen diejenige Besserung erzielt, die durch zusätzliche Gabe von Probiotika bereits nach 7 Wochen auftrat. Bei der Gruppe, die nur Probiotika nahm, stellte sich keine Besserung ein. Generell nahmen die Migräne-Patienten sehr viel weniger rezeptfreie Medikamente ein, die Triptan-Dosis wurde jedoch kaum reduziert (möglicherweise bedingt durch Triptan-Abhängigkeit). Die Linderung der Reizdarm-Symptomatik war nicht so ausgeprägt; die besten Ergebnisse wurden erneut durch eine Kombination der Ernährung nach IgG-Test und Einnahme von Probiotika erzielt. Probiotika alleine erbrachten auch hier keine positiven Ergebnisse im zeitlichen Verlauf. Bei Patienten die sich gemäß ihres IgG-Ernährungsplans ernährten und zusätzlich Probiotika nahmen, stieg der Serotoninspiegel im Verlauf der Therapie an. Daher befürworten die Autoren die Ernährungsumstellung gemäß individueller IgG-Testung in Kombination mit Probiotika bei dieser Erkrankung.

 

Behandlung der Migräne durch Meidung IgG-reaktiver Lebensmittel

Migräne gehört nach wie vor zu den häufigsten und stark belastenden Erkrankungen weltweit, wobei etwa 15 % aller Erwachsenen in westlichen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß von Migräne betroffen sind. Das liegt mitunter auch an der oftmals schwierigen Behandlung der Patienten.

Die Umsetzung der Nahrung im Körper unterliegt sowohl chemischen Reaktionen wie auch immunologischen Mechanismen. Zahlreiche Studien belegen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Kopfschmerz-Symptomatik. Der Prozentsatz der Patienten, die ein oder mehrere Lebensmittel als Migräne-auslösenden Trigger angeben, liegt zwischen 12 % und 60 %  Link 1 | Link 2 | Link 3 | Link 4 | Link 5. In einer kürzlich veröffentlichten Arbeit wurde zum Beispiel gezeigt, dass bei 20 von 100 Migräne-Patienten (mit Aura), die Anfälle gelegentlich verursacht wurden durch Lebensmittel wie Schokolade, Käse, Wein, Tomaten, Nüsse, Lebensmittel die Kohlensäure enthielten bzw. durch Mikroorganismen vergoren werden (z. B. Brot, Wein, Bier etc.).

Obwohl Intoleranz sowie hypersensible Reaktionen auf Lebensmittel in der Ernährungsmedizin berücksichtigt werden, ist deren Diagnose eine Herausforderung im klinischen Alltag. Das liegt daran, dass Symptome zeitlich verzögert erst nach einigen Stunden oder Tagen auftreten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Symptome nicht jedes Mal nach dem Verzehr eines unverträglichen Lebensmittels auftreten. IgG-basierte Tests auf immunvermittelte (nicht IgE-bedingte) Nahrungsmittelreaktionen bieten hier eine überaus kostengünstige Alternative zu den zeitlich sehr aufwändigen herkömmlichen Ansätzen, bei denen jeweils ein „verdächtiges“ Lebensmittel vermieden und somit getestet wird. Personalisierte ernährungstherapeutische Ansätze zu Prävention und Gesundung – wie Ihnen von ProImmun M angeboten wird – sind daher das Fundament einer erfolgreichen und nachhaltigen Migräne-Therapie.

Der Autor dieses neuen Artikels, der in der Fachzeitschrift „Current Pain and Headache Reports“ erschien, spricht sich für IgG-Lebensmitteltests aus, empfiehlt sie als hilfreiche Untersuchungen bei Patienten mit Migräne. Er stellt fest, dass die Verwendung von IgG-Tests sinnvoll zur Erstellung individueller Ernährungsempfehlungen ist, die eine Behandlung der Migräne ohne medikamentöse Therapie ermöglichen. Dafür werden verschiedene Studien erwähnt, die wir Ihnen bereits in früheren Newslettern vorgestellt haben.

Ernährungsumstellung bei Migräne auf Basis von IgG-reaktiven Nahrungsmitteln: eine doppelblinde, randomisierte klinische Cross-Over-Studie

Bei 30 Migräne-Patienten die sich für die klinische Studie  in der Türkei sechs Wochen lang nach den Ergebnissen ihres IgG-Tests ernährten, nahm die Häufigkeit von Migräneattacken ab. Die Anzahl der Migräneanfälle, Kopfschmerz-Tage und -Anfälle, die mit Akutmedikamenten behandelt wurden, sowie die Gesamtmenge der eingenommenen Medikamente reduzierten sich ebenfalls.
Alpay K, Ertas M, Orhan EK, Ustay DK, Lieners C, Baykan B. 2010. Diet restriction in migraine, based on IgG against foods: a clinical double-blind, randomised, cross-over trial. Cephalalgia, 30: 829–837.

Zusammenhang zwischen Lebensmittelhypersensitivität durch IgG-Antikörper und Migräne bei Erwachsenen

Eine ein bis sechs Monate dauernde Eliminationsdiät führte in einer klinischen Studie  in Mexiko mit 56 Migräne-Patienten zum Ausbleiben der Migräne-Symptome bei mehr als zwei Drittel der Probanden.
Arroyave Hernández C, Echavarría Pinto M, Hernández Montiel HL. 2007. Food allergy mediated by IgG antibodies associated with migraine in adults. Rev. Alerg. Mex., 54: 162–168.

Pilotstudie zur Elimination immunologisch aktiver Nahrung und Einfluss auf Symptomatik und Lebensqualität von Personen mit chronischer Migräne und Kopfschmerzen

Nachdem für die US-amerikanische Studie 37 Migräne- beziehungsweise Kopfschmerzpatienten für einen Zeitraum von drei Monaten auf IgG-reaktive Lebensmittel verzichtet hatten, wurde eine wesentliche Besserung der Beschwerden festgestellt sowie auch eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität – körperlich, emotional, sozial und hinsichtlich ihrer Vitalität.
Lewis JE. 2013. A pilot study eliminating immunologically-reactive foods from the diet and its effect on symptomatology and quality of life in persons with chronic migraines and headaches. Open J. Intern. Med., 03: 8–14.

Prospektiv-Untersuchung der Nahrungsmittelunverträglichkeit von Migränepatienten in der klinischen Erstbehandlung

Nach einer nur einmonatigen IgG-Eliminationsdiät kam es bei fast einem Drittel der 46 Migräne-Patienten in dieser britischen Studie zu einer wesentlichen Verringerung ihrer Symptome.
Rees T, Watson D, Lipscombe S. 2005. A prospective audit of food intolerance among migraine patients in primary care clinical practice. Headache Care, 2: 105–110.

Migräne und Stimmungsschwankungen: Ernährungsintervention auf Grundlage von Laboruntersuchungen

Der Beitrag schildert den Fall einer US-amerikanischen Patientin mit Migräne (vier bis sechs Anfälle pro Woche), Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme. Der Patientin wurde eine IgG-basierte Eliminations- und Rotationsdiät verordnet, kombiniert mit Mikro-Nährstoffen, insbesondere Aminosäuren. Nach nur 30 Tagen besserte sich die Migräne-Symptomatik, die Patientin konnte die herkömmlichen Medikamente weitgehend reduzieren.
Nelson-Dooley, Kaplan S, Bralley JA. 2009. Migraines and mood disorders: nutritional and dietary intervention based on laboratory testing. Altern. Ther. Health Med., 15: 56–60.

IgG-basierte Eliminationsdiät bei Migräne und Reizdarmsyndrom

In der türkischen Studie mit 21 Migräne-Patienten, die gleichzeitig am Reizdarmsyndrom litten, führte der Ausschluss von IgG-positiv getesteten Lebensmitteln zu einer Besserung der Symptome. Es wurde eine wesentliche Verringerung der Migräne (hinsichtlich Anzahl, Stärke und Dauer der Anfälle sowie Anwendung der notwendigen Medikation) und der Reizdarmbeschwerden (schmerzhafte Blähungen) nachgewiesen. Die Patienten berichteten auch von einer wesentlichen Verbesserung ihrer allgemeinen Lebensqualität.
Aydinlar EI, Dikmen PY, Tiftikci A, Saruc M, Aksu M, Gunsoy HG, Tozun N. 2013. IgG-based elimination diet in migraine plus irritable bowel syndrome. Headache, 53: 514–525.

Randomisierte kontrollierte Studie von Nahrungselimination auf Basis von IgG-Antikörpern zur Prävention migräneähnlicher Kopfschmerzen

In einer randomisierten kontrollierten britischen Studie mit 167 Patienten mit migräneartigen Kopfschmerzen kam es nach vier Wochen nur zu einer geringen Abnahme der migräneähnlichen Kopfschmerz-Tage bei den 84 Patienten, die eine IgG-basierte Eliminationsdiät befolgten. Dieses – im Vergleich zu den anderen Studien – eher schwache Ergebnis hängt möglicherweise damit zusammen, dass es keine Arzt- oder Therapeutengespräche gab und auch keine fachkundige individuelle Ernährungsberatung.
Mitchell N, Hewitt CE, Jayakody S, Islam M, Adamson J, Watt I, Torgerson DJ. 2011. Randomised controlled trial of food elimination diet based on IgG antibodies for the prevention of migraine like headaches. Nutr. J., 10: 85.

 

IgG-Eliminationsdiät, Migräne und Stimmungsschwankungen

Hier wird der Fall einer Patientin mit Migräne (4 – 6 Anfälle pro Woche), Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme berichtet. Der Patientin wurde eine IgG-basierte Eliminations- und Rotationsdiät verordnet, in Kombination mit Mikronährstoffen (vor allem Aminosäuren). Nach nur 30 Tagen besserte sich die Migräne-Symptomatik, die Patientin konnte die Triptane weitgehend reduzieren. Nach Ansicht der Autoren hat die kombinierte Wirkung von IgG-Nahrungsmittelallergien, Entzündungen und daraus resultierender erhöhter Darmpermeabilität zu einer Reduktion der Aminosäuren beigetragen. Daraus ergab sich eine Abnahme wichtiger Neurotransmitter, die nach Ansicht der Autoren zu Depression und Migräne beigetragen haben.
↗︎ Nelson-Dooley, Kaplan S, Bralley JA. 2009. Migraines and mood disorders: nutritional and dietary intervention based on laboratory testing. Altern. Ther. Health Med., 15: 56–60.

IgG-spezifische Eliminationsdiät und psychische Gesundheit

Die Messung von lebensmittelspezifischen IgG-Antikörpern wird als Strategie zur Identifizierung von unverträglichen Nahrungsmitteln verwendet. Aktuell erlangen derartige Tests immer mehr Anerkennung, zumal in den vergangenen Jahren eine zunehmende Anzahl von Studien publiziert wurde (nach schulmedizinischen Standards), in denen die Wirksamkeit dieses Ansatzes (Symptomverbesserung) bei verschiedenen Erkrankungen nachgewiesen wurde. Dazu gehört das Reizdarmsyndrom, Migräne und Kopfschmerzen, Arthritis, Gewichtsreduktion und Lebensqualität. Zusätzlich gibt es unzählige (noch nicht publizierte) Daten zu anderweitigen Erkrankungen sowie Patientenbefragungen. Eine erhöhte Darmpermeabilität kann dazu beitragen dass größere Nahrungsmittelproteine in den Blutstrom gelangen, wo sie eine IgG-Immunantwort auslösen können.

Die Ergebnisse des Tests machen keine diagnostische Aussage, sondern werden als Ausgangspunkt für eine Eliminationsdiät verwendet, bei der bestimmte Karenzzeiten eingehalten werden, je nach der Stärke der Reaktion auf einzelne Lebensmittel. Man geht davon aus, dass eine erhöhte Darmpermeabilität ein Eckpfeiler der Wechselwirkungen zwischen Darm, Mikrobiom und Gehirn ist. Dies kann dazu führen dass Darmbakterien und deren Stoffwechselprodukte sowie auch unvollständig verdaute Nahrungsmittelbestandteile in den Blutstrom gelangen.

Studien haben gezeigt, dass die Blut-Hirn-Schranke anfällig sein kann für Veränderungen in der Darmflora. Zwischen der Darm- und der Blut-Hirnschanke bestehen strukturelle Ähnlichkeiten. Tight junctions, die den engen Zusammenhalt benachbarter Epithelzellen vermitteln, kommen sowohl in der Darmwand als auch in der Blut-Hirn-Schranke vor. Bei einer undichten Blut-Hirn-Schranke sind diese engen Verknüpfungen gestört, es kommt zum veränderten Transport von Molekülen und zu entzündlichen Reaktionen. Diese tragen möglicherweise zu der Genese/ Verschlechterung von Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit, Parkinson-Krankheit, amyotropher Lateralsklerose, Multiple Sklerose, Autismus und anderen bei. Das Immunsystem und immun-vermittelte entzündliche Prozesse stehen in engem Zusammenhang mit der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn.

Food-Specific IgG Guided Elimination Diet; A Role in Mental Health?

Ist die Migräne eine Stoffwechselerkrankung? Umfragen unter Mitgliedern einer Facebook-Gruppe

Migräne wird als neurovaskuläre Erkrankung eingestuft und die eingesetzten Therapien bewirken eine Reduktion der Schmerzen und sonstiger Symptomatik. Allerdings ist die Migräne noch immer nicht ursächlich verstanden und daher scheitern oftmals die medizinischen Behandlungen. Neuere wissenschaftliche Ergebnisse haben gezeigt, dass genetisch bedingte metabolische Aspekte die Ursache von Migräne sein können. Eine Umstellung der Ernährung kann daher Migräneanfälle wirkungsvoll verhindern. Dabei wurde auch dokumentiert, dass die Prävention und Behandlung von Migräne ohne den Einsatz von Medikamenten möglich ist.

Daraus schließen manche Autoren dass die Migräne eigentlich eine Stoffwechselerkrankung ist. In einer Migränegruppe auf Facebook mit tausenden von Mitgliedern beteiligten sich mehrere hundert Mitglieder an wissenschaftlichen Umfragen und berichteten von ihren Erfahrungen. Die Ergebnisse zeigten, dass bestimmte genetische Mutationen, die bei Migräne-Patienten nachgewiesen wurden, zu einer hohen Empfindlichkeit gegenüber Kohlenhydraten führten und auch die Aufrechterhaltung der Elektrolyt-Homöostase beeinflussten. Migräne-Anfälle wurden vermieden, sobald die Patienten den Anteil an Kohlenhydraten in ihrer Nahrung reduzierten und gleichzeitig auch auf ihre Elektrolyte achteten (indem sie natrium- und kaliumreiche Nahrungsmittel bevorzugten), mehr Wasser tranken und den Fettanteil in ihrer Ernährung erhöhten. Die Veränderungen waren so überzeugend, dass die Patienten ermutigt wurden, auf ihre Medikation oder Neurosenstimulatoren zur verzichten. Je konsequenter die Patienten bei der Ernährungsumstellung waren, umso seltener stellten sich die Migräneanfälle ein. Manche Patienten haben mittlerweile seit drei Jahren keine Anfälle mehr, seit dem Beginn der Studie.

Migraine as a Metabolic Disease

Ernährung, IgG-basierte Eliminationsdiäten und Kopfschmerzen bzw. Migräne

Die Bedeutung der Ernährung bei der Behandlung von Kopfschmerzen ist ein umstrittenes Thema. Von einem Forscherteam an der Universität von Cincinnati (USA) wurde dieses Thema eingehend untersucht. Dabei wurden folgende Fragestellungen anhand einer Vielzahl von publizierten Studien untersucht:
•    Können bestimmte Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten und Getränke Migräne und Kopfschmerzen verursachen?
•    Können Eliminationsdiäten Kopfschmerzen und Migräne verhindern?
•    Welche Mechanismen führen zu ernährungsbedingten Kopfschmerzen und Migräne?

Verzicht auf Koffein und die Einnahme von (in Flüssigkeit gelöstem) Glutamat waren die stärksten Auslöser für Kopfschmerzen, wie mehrere Provokationsstudien belegten. Bei Aspartam sind die Ergebnisse widersprüchlich, mit zwei positiven und zwei negativen Provokationsstudien. Beobachtungsstudien liefern begrenzte Hinweise darauf, dass gluten- und histaminhaltige Lebensmittel sowie Alkohol Kopfschmerzen auslösen können (in Untergruppen von Patienten). Zwei von drei randomisierten kontrollierten Studien berichteten, dass eine Eliminationssdiät von IgG-positiven Nahrungsmitteln signifikant die Häufigkeit von Kopfschmerzen/ Migräne während der Behandlung im Vergleich zur Baseline-Zeitspanne verringerte.

Eine Ernährung mit einem geringen Fettanteil, hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und geringem Gehalt an Omega-6-Fettsäuren verringerte die Häufigkeit von Migräneanfällen und anderen Kopfschmerzarten, wie in zwei randomisierten kontrollierten Studien gezeigt wurde. Eine ketogene Diät war effektiver als eine Standarddiät bei der Verringerung der Migräne-Häufigkeit (Nachweis durch eine einzige nicht randomisierte klinische Studie). Eine Beobachtungsstudie ergab, dass bei Personen mit Migräne mit Aura, die die C-Variante des Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase-Gens (MTHFR) aufweisen, der Konsum von Folsäure umgekehrt mit der Häufigkeit von Migräneattacken assoziiert war. Das Enzym MTHFR ist bei vielen Stoffwechselwegen unentbehrlich, unter anderem beim Abbau des schädlichen Homocysteins zu Methionin. Varianten und Mutationen im MTHFR-Gen können zu vermehrter, vor allem aber zu verringerter Produktion und Wirksamkeit des MTHFR-Enzyms führen.

Ernährungsbedingte Kopfschmerzen werden durch verschiedene Mechanismen ausgelöst; daran beteiligt sind Neuropeptide, Neuro-Rezeptoren und Ionenkanäle, Entzündungen, sympathisches Nervensystem, Freisetzung von Stickstoffmonoxid, Vasodilatation und zerebraler Glukosestoffwechsel.

Diet and headache: Part 1

Diet and headache: Part 2

 

Doppelblindstudie Migräne und IgG-Antikörper

Alpay Kadriye et. al. 2010. Prüfung der Wirkung einer IgG-Antikörper definierten Diät-Restriktion auf den Verlauf der Migräne.
Eine doppelblinde, randomisierte Cross-over-Studie. Cephalalgia. 30. 7.829-837.

Abstract

Einleitung

Es ist wohlbekannt, dass spezifische Nahrungsmittel Migräneattacken bei gewissen Migränepatienten auslösen können.
Ziel dieser Studie ist es, die Wirkung einer jeweils individuell definierten Diät-Restriktion, die auf IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel-Antigenen beruht,
im Verlauf der Migräneattacken zu untersuchen. Das Studien-Design ist doppelblind, randomisiert, verwendet Kopfschmerz-Tagebücher und untersucht 30 Patienten mit der Diagnose Migräne ohne Aura.

Methode

Nach einer 6 Wochen dauernden Baseline wurden die IgG-Antikörper gegen 266 Nahrungsmittel-Antigene mittels ELISA bestimmt.
Anschliessend wurden die Migränepatienten für 6 Wochen individuell auf eine Diät randomisiert, entweder unter Ausschluss spezieller Nahrungsmittel mit erhöhten IgG-Antikörper oder Einschluss. Nach einem 2-wöchigen Diätfreien Intervall – nach der ersten 6-wöchigen Diätperiode – erhielten die Patienten die jeweils komplementäre 6-Wochen-Diät. Patienten und Ärzte wurden blind gehalten gegenüber der Kenntnis der IgG-Ergebnisse und dem Typ der Diät, den die Patienten erhielten – Provokation oder Elimination. Zielparameter waren die ´´Anzahl der Kopfschmerztage pro Monat´´ und ´´Zahl der Migräneatacken pro Monat´´. Von den 30 Migränepatienten waren 28 Frauen und 2 Männer, im Alter von im Mittel 35+-10 Jahren – 19-52 Jahre.
Ergebnisse Die durchschnittliche Anzahl der Reaktionen mit abnorm hohen Titern betrug 24+-11 auf 266 Nahrungsmittel. Verglichen zur Baseline gab es in Periode der Diät Elimination eine statistisch signifikante Reduktion der ´´Anzahl der Kopfschmerztage´´ von 10.5+-4.4 auf 7.5+-3.7. p kleiner 0.001 und der ´´Anzahl der Migräneattacken´´ von 9.0+-4.4 auf6.2+-3.8. p kleiner 0.001.

Fazit

Dies ist die erste randomisierte cross-over-Studie mit Migränepatienten, die zeigt, dass eine individuell definierte Diät Restriktion – Entfernung der Nahrungsmittel mit erhöhten IgG-Antikörpern – eine effektive Strategie in der Reduktion der Häufigkeit der Migräneattacken darstellt.

Zum Artikel (auf Englisch): ↑ weiter