Ernährung und Krebsprävention – eine globale Perspektive – Ergebnisse des World Cancer Research Fund

Weltweit stellt Krebs nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache an nichtinfektiösen Krankheiten dar. Dabei gilt Krebs gilt im Allgemeinen als weitgehend vermeidbare Krankheit, wenn auch eine genetische Veranlagung daran beteiligt sein kann. Unter den Faktoren, die die Entstehung von Krebs beeinflussen können, kommt der Ernährung besondere Bedeutung zu. Ihr Einfluss wird durch eine Reihe von aussagekräftigen Studien gestützt, dadurch bietet sie ein einfaches und preiswertes Mittel zur Prävention, welches jedermann zur Verfügung steht.

Bei Krebserkrankungen handelt es sich um eine Entgleisung der Zellteilung, die zu einem ungebremsten Zellwachstum führt. Es kommt zunächst zu Störungen und später zum Stillstand von Organfunktionen. In der Initiationsphase geht die Fähigkeit zur Regulierung des Zellwachstums verloren, in der Promotionsphase bildet sich ein krebsartiger Herd, der in der anschließenden Progressionsphase die zunehmende Entdifferenzierung der Zellen sowie Tumorinvasion und Metastasenbildung begünstigt. Dieser Prozess kann durch entsprechende Lebensweise, besonders durch eine präventive Ernährungsweise, in erheblichem Maße unterbunden werden. In unseren Lebensmitteln findet sich nämlich eine Vielzahl von Nähr- und Wirkstoffen, die diesen unheilvollen Ablauf unterbrechen können. Neben den in allen Lebensmitteln vorkommenden Vitaminen und Mineralstoffen sind es ausschließlich pflanzliche Lebensmittel, in denen die wichtigen Ballaststoffe und Tausende von sekundären Pflanzenstoffen mit gesundheitsfördernden Eigenschaften enthalten sind.

Seit Mitte der 1990er Jahre hat der Umfang der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur im Bereich Ernährung, körperliche Aktivität, Körpergewicht und Krebsrisiko erheblich zugenommen. Das globale Netzwerk des World Cancer Research Fund (WCRF) ist Pionier in Forschung und Aufklärung zum Thema Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention. Das Netzwerk hat sich die besondere Verpflichtung gestellt, Empfehlungen auf der Basis von zuverlässigsten wissenschaftlichen Methoden zu formulieren und diese Empfehlungen in allgemein verständliche Botschaften umzusetzen, die wiederum als Entscheidungsgrundlage für jeden dienen sollen. Dabei werden höchste wissenschaftliche Standards angewendet, um Objektivität und Transparenz zu garantieren.


• Krebsrisiko und pflanzliche Lebensmittel

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Vollkorngetreide: VERRINGERT das Risiko von Darmkrebs
  • Ballaststoffhaltige Lebensmittel: VERRINGT das Risiko von Darmkrebs
  • Durch Pökeln konservierte Lebensmittel: ERHÖHT das Risiko von Magenkrebs
  • Durch Aflatoxine kontaminierte Lebensmittel: ERHÖHT das Risiko von Leberkrebs
  • Es ist unwahrscheinlich, dass Beta-Carotin in Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln einen wesentlichen Einfluss auf das Risiko von Prostatakrebs hat.

• Krebsrisiko und tierische Lebensmittel

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Rotes Fleisch: ERHÖHT das Risiko von Darmkrebs
  • Verarbeitetes Fleisch: ERHÖHT das Risiko von Darmkrebs
  • Milchprodukte: VERRINGT das Risiko von Darmkrebs
  • Gesalzener Fisch (nach in China üblicher Art): ERHÖHT das Risiko von Nasen-Rachen-Krebs.

Zusätzlich sind folgende Erklärungen der Experten relevant:

Wenn Sie rotes Fleisch essen, beschränken Sie den Verzehr auf etwa drei Portionen pro Woche. Drei Portionen entsprechen etwa 350 – 500 g wöchentlich an zubereitetem Fleisch (ca. 700 bis 750 Gramm rohes Fleisch). Verzehren Sie, wenn überhaupt, nur sehr wenig verarbeitetes Fleisch. Die angegebene Menge an rotem Fleisch wurde so gewählt, dass ein Gleichgewicht zwischen den Vorteilen des Verzehrs von rotem Fleisch (als Quelle wichtiger Makro- und Mikronährstoffe) und den Nachteilen (erhöhtes Risiko für Darmkrebs und andere nicht übertragbare Krankheiten) hergestellt wird. Fleisch ist eine wertvolle Quelle für Nährstoffe, insbesondere Eiweiß, Eisen, Zink und Vitamin B12. Der Verzehr von Fleisch ist jedoch kein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung. Menschen, die sich für eine fleischlose Ernährung entscheiden, können durch eine sorgfältige Auswahl der Lebensmittel ausreichende Mengen dieser Nährstoffe erhalten. Aus einer Mischung aus Hülsenfrüchten und Getreide kann man ebenso mit ausreichend Protein versorgt werden. Eisen ist in vielen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, obwohl es weniger bioverfügbar ist als das im Fleisch.

Bei den Milchprodukten verhält es sich ähnlich, hier bestehen sowohl positive wie auch negative Aspekte. Einerseits gibt es überzeugende Nachweise, dass der Verzehr von Milchprodukten das Darmkrebsrisiko verringert. Andererseits kann der Konsum von Milchprodukten mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko einhergehen. Diese Beweise fielen allerdings unter den für eine (positive oder negative) Empfehlung erforderlichen Schwellenwert. Lesen Sie im nächsten Newsletter über Ernährungsempfehlungen zu einzelnen Krebsarten.

• Krebsrisiko und konservierte Lebensmittel

Lebensmittel können vor dem Verzehr auf verschiedene Weise konserviert und verarbeitet werden. Diese Methoden beeinflussen die chemische Zusammensetzung von Lebensmitteln sowie ihren Nährwert und ihr karzinogenes Potenzial. Verarbeitetes Fleisch bezieht sich im Allgemeinen auf Fleisch (in der Regel rotes Fleisch), das durch Salzen, Pökeln, Fermentierung, Räuchern oder andere Verfahren zur Geschmacksverstärkung oder Verbesserung der Konservierung verarbeitet wurde. Beispiele für verarbeitetes Fleisch sind Schinken, Salami, Speck, Pastrami und einige Wurstwaren. Dazu gehören Würste, Bratwürste, Chorizo, Würstchen und „Hot Dogs“, denen Nitrite oder Nitrate oder andere Konservierungsstoffe zugesetzt werden.

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Verarbeitetes Fleisch: ERHÖHT das Risiko von Darmkrebs
  • Durch Pökeln konservierte Lebensmittel: ERHÖHT das Risiko von Magenkrebs
  • Gesalzener Fisch (nach chinesischer Art): ERHÖHT das Risiko von nasopharyngealen Krebs.

• Krebsrisiko und nichtalkoholische Getränke

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Arsen im Trinkwasser: ERHÖHT das Risiko von Lungenkrebs, Blasenkrebs und Hautkrebs
  • Kaffee: VERRINGERT das Risiko von Leberkrebs und endometrialem Krebs
  • Mate-Tee, der nach traditioneller südamerikanischer Art brühend heiß getrunken wird: ERHÖHT das Risiko eines Ösophagus-Plattenepithelkarzinoms.

• Krebsrisiko und alkoholische Getränke

Zur Krebsprävention ist es am besten, keinen Alkohol zu trinken. Es ist erwiesen, dass im Allgemeinen das Risiko vieler Krebserkrankungen umso höher ist, je mehr alkoholische Getränke konsumiert werden. Die Ausnahme ist Nierenkrebs, wo das Risiko bei bis zu zwei alkoholischen Getränken pro Tag geringer ist; bei mehr als zwei Getränken pro Tag ist das Risiko jedoch unklar. Bei einigen Krebsarten besteht ein erhöhtes Risiko unabhängig der konsumierten Alkoholmenge, während bei anderen Krebsarten das Risiko bei einem höheren Konsum von etwa zwei oder drei Getränken pro Tag (30 oder 45 Gramm Alkohol pro Tag) deutlich wird.

Es gibt auch andere Belege für alkoholische Getränke, die zwar begrenzt sind (entweder in der Menge oder durch methodische Mängel), aber auf ein erhöhtes Risiko für Lungen-, Bauchspeicheldrüsen- und Hautkrebs hindeuten. Hier sind weitere Untersuchungen erforderlich, daher hat das Gremium diese Erkenntnisse für Empfehlungen genutzt. Spielt die Art des alkoholischen Getränks eine Rolle? Die Experten sind der Ansicht, dass alkoholische Getränke unabhängig von der Art des konsumierten alkoholischen Getränks eine Ursache für verschiedene Krebsarten sind. Dies liegt daran, dass alle alkoholischen Getränke Ethanol als krebserregende Verbindung enthalten. Das Ausmaß, in dem alkoholische Getränke eine Ursache für verschiedene Krebsarten sind, hängt von der Menge und der Häufigkeit des Alkoholkonsums ab.

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Alkoholische Getränke: ERHÖHT das Risiko von Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs (Plattenepithelkarzinom), Brustkrebs (vor und nach der Menopause)
  • Zwei oder mehr alkoholische Getränke pro Tag (30 Gramm oder mehr): ERHÖHT das Risiko von Darmkrebs
  • Drei oder mehr alkoholische Getränke pro Tag (45 Gramm oder mehr): ERHÖHT das Risiko von Magenkrebs und Leberkrebs
  • Bis zu zwei alkoholische Getränke pro Tag (bis zu 30 Gramm): VERRINGERT das Risiko von Nierenkrebs.

• Krebsrisiko, glykämische Last und Nahrungsergänzung

Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sind als Mikronährstoffe nicht nur in Nahrungsmitteln enthalten, sondern werden auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Manchmal werden sie in Dosen konsumiert, die weit über das hinausgehen, was bei einer typischen Ernährung aus der Nahrung aufgenommen wird. Die Empfehlungen der Expertenkommission zur Krebsprävention umfassen eine gesunde Ernährung, die Erhaltung eines gesunden Gewichts und körperliche Aktivität. Es sei besser, sich gesund zu ernähren, als sich zum Schutz vor Krebs allein auf Nahrungsergänzungsmittel zu verlassen.

Solide Studienergebnisse liegen vor für folgende Aussagen:

  • Der Konsum von Kalziumpräparaten: VERRINGERT das Risiko von Darmkrebs
  • Eine höhere glykämische Belastung der Nahrung: ERHÖHT das Risiko von Endometriumkrebs. Im Allgemeinen steigt das Risiko für Endometriumkrebs, je höher die glykämische Belastung in der Ernährung ist.
  • Der Konsum von hochdosierten Beta-Carotin-Zusätzen: ERHÖHT das Risiko von Lungenkrebs (bei Menschen, die rauchen oder Tabak geraucht haben)
  • Der Verzehr von Beta-Carotin in Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln hat wahrscheinlich keinen wesentlichen Einfluss auf das Risiko von Prostatakrebs.
  • Der Konsum von Beta-Carotin in Nahrungsergänzungsmitteln hat wahrscheinlich keinen wesentlichen Einfluss auf das Risiko von Hautkrebs (Nicht-Melanom).
  • Bei hochdosierten Beta-Carotin-Supplementen und Kalziumpräparaten können nur für die jeweils untersuchten Dosen Schlussfolgerungen gezogen werden.