Leaky Gut und Polyphenole

Verschiedene Faktoren wie z. B. systemische Inflammation, bakterielle Dysbiose und Gluten-Unverträglichkeit führen zur erhöhten Permeabilität des Darmes (Leaky Gut), einem Konzept das auch in schulmedizinischen Kreisen immer mehr Anerkennung findet. Link

Bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen besteht eine gestörte Bildung und Verteilung der Tight-junction-Proteine, die für den dichten Zellverband der Darmschleimhaut wichtig sind. Wenn Tight-junction-Proteine abgebaut werden (z. B. durch eine übermäßige Zonulin-Freisetzung, bedingt durch Gluten oder eine dysfunktionale Darmflora), ist die Integrität der Darmbarriere nicht mehr gewährleistet. Aber auch proinflammatorische Zytokine (z. B. TNF-α, IL-1β, und Interferon γ fördern eine erhöhte Durchlässigkeit der Tight-junction-Proteine. „Tür und Tor“ sind geöffnet für das Eindringen von Schadstoffen oder Mikroorganismen in die Blutbahn und führen zu den damit verbundenen Konsequenzen wie systemische Entzündungen.

Die im Obst und Gemüse enthaltenen Polyphenole – biologisch sehr wichtige sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe – verändern die menschliche Darmmikrobiota hin zu einem gesundheitsfördernden Profil, indem sie zur Vermehrung der wichtigen Mikroorganismen wie Bifidobakterien und Lactobacillen beitragen. Zusätzlich wirken Polyphenole auch antioxidativ und antientzündlich. In neueren Untersuchungen wurde nun nachgewiesen, dass Polyphenole die Integrität der intestinalen Barriere schützen.

In Zellkulturen hat ein Polyphenol-Extrakt aus Rotwein die Zwischenzell-Permeabilität verringert. Dieser Effekt wurde selbst in der Gegenwart proinflammatorischer Zytokine beobachtet. Diese positive Wirkung kam nachweislich durch verschiedene Prozesse zustande, die durch den Polyphenol-Extrakt verursacht wurden:
• Förderung der Bildung von Tight-junction-Proteinen (Occludin, Claudin-5 und Zonnula occludens (ZO)-1).
• Die reduzierte Bildung von Tight-junction-Proteinen unter inflammatorischen Bedingungen wurde durch den Polyphenol-Extrakt verhindert.
• Claudin-2, ein kanalbildendes Tight-junction-Proteinen, das durch pro-inflammatorische Zytokine induziert wird, wurde bei Zugabe des Polyphenol-Extraktes in geringerem Maße gebildet.

Quelle:
Nunes, C.; Freitas, V.; Almeida, L.; Laranjinha, J. (2019). Red wine extract preserves tight junctions in intestinal epithelial cells under inflammatory conditions: implications for intestinal inflammation. Food & Function, 10, 1364–1374.

Aber auch Flavonoide wie Curcumin, Genistein, Quercetin und Kaempferol haben ähnliche Effekte. In verschiedenen Versuchen wurde gezeigt, dass sie zu einer verstärkten Bildung unterschiedlicher Tight-junction-Proteine führen bzw. Tight junctions vor inflammatorischen Schäden schützen.

Quelle:
Lee, B., Moon, K. M., & Kim, C. Y. (2018). Tight Junction in the Intestinal Epithelium: Its Association with Diseases and Regulation by Phytochemicals. Journal of Immunology Research, 2018, 2645465.

Dies sind wichtige Erkenntnisse zum Schutz der Darmbarriere vor entzündlichen und somit schädigenden Reizen. Sie bieten eine allgemein verfügbare – und auch durchaus angenehme – therapeutische Intervention bei Patienten mit Darmentzündungen bzw. Reizdarm.