Rheumatische Erkrankungen – Ernährung, Darmflora, Inflammation und IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel

Link 1  Es gibt viele Formen rheumatischer Erkrankungen, z. B. autoimmunbedingte entzündlich-rheumatische Erkrankungen, verschleißbedingte (degenerative) Arthrosen oder rheumatische Erkrankungen der Muskulatur und der Sehnen. Die rheumatoide Arthritis (RA), Psoriasis-Arthritis, Spondylitis ankylosans und juvenile idiopathische Arthritis sind chronische systemische immunologisch/entzündliche Autoimmunerkrankungen, denen ein komplexes Geschehen zwischen genetischer Prädisposition, Umweltfaktoren und Autoimmunität zugrunde liegt. Daher richtet sich die wissenschaftliche Aufmerksamkeit zunehmend auch auf die Betrachtung der Ernährung und der Darmbakterien in der ganzheitlichen und ursächlichen Behandlung dieser Krankheiten. Immer mehr Erkenntnisse sprechen dafür, diese Erkrankungen in einem integrierten und multidisziplinären Ansatz zu behandeln.

Studien belegen, wie die Ernährung die Immunantwort direkt beeinflusst und somit entzündliche Prozesse stimulieren oder hemmen könnte. Bestandteile aus der Nahrung interagieren mit der gastrointestinalen epithelialen Barriere, dem mukosalen Immunsystem und der mikrobiellen Darmflora. Interessanterweise gelingt es Patienten mit rheumatoider Arthritis nicht, das richtige Gleichgewicht zwischen „nützlichen“ und potenziell „schädlichen“ Bakterien aufrechtzuerhalten, was zu einer Reduktion der Bifidobakterien und einer Verstärkung der opportunistischen Bakterienarten (Enterobakterien und Staphylokokken) führt. Eine entscheidende Rolle wurde der erhöhten Konzentration von Prevotella copri zugeschrieben, was mit dem Ausbruch und der Schwere der RA-Erkrankung im Zusammenhang zu stehen scheint. Bei der RA hat sich gezeigt, dass die Verabreichung von Lactobacillus helveticus HY7801 (präklinische Untersuchungen) die Bildung entzündungshemmender Zytokine wie IL-10 stimuliert und damit die entzündliche Immunantwort sowie das Fortschreiten und den Schweregrad der Krankheit verringert. Man diskutiert, dass eine Dysbiose der Darmbakterien auch bei Patienten mit psoriatischer Arthritis bzw. systemischem Lupus erythematodes eine Rolle spielt, woraus sich ebenso therapeutische Ansätze zur Verbesserung des Krankheitsverlaufs ergeben könnten.

Bei rheumatischen Autoimmunerkrankungen steuert die Ernährung sowohl lokale als auch systemische Veränderungen im inflammatorischen Geschehen Link 1 | Link 2. Aus über 20-jähriger Erfahrung mit der Ernährungstherapie nach ProImmun M ist bekannt, dass der zeitlich begrenzte Ersatz reaktiver Lebensmittel durch verträgliche Lebensmittel zur Besserung bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen oder Symptomen führt. Diese Erkenntnisse sind in unserer Anwendungsbeobachtung, aber auch im Buch „Lebensmittelintoleranzen – kann gesunde Nahrung krank machen?“ ausführlich dokumentiert. Vor einigen Jahren führte ProImmun eine Beobachtungsstudie durch, um Beweise für die Wirksamkeit der Ernährungstherapie nach ProImmun M bei Patienten mit sehr unterschiedlichen Erkrankungen zu sammeln, Darunter waren auch 149 Patienten die unter allgemeinen Gelenkbeschwerden litten. Nach einer mindestens 3-monatigen Ernährungstherapie gemäß den Vorgaben des Testbefundes, wurde bei 104 Patienten (70 %) eine Besserung festgestellt. Bei 42 Patienten (28 %) trat keine Besserung ein und 3 Patienten (2 %) gaben eine Verschlechterung ihrer Beschwerden an. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen, dass eine individualisierte entzündungshemmende Ernährung als adjuvante Intervention in Betracht gezogen werden sollte, zumal sie sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

Entzündungshemmende und antioxidative Nährstoffe

Eine Ernährung auf der Basis von Obst, Gemüse und Vollkorn (unter Meidung von rotem und verarbeitetem Fleisch, raffiniertem Getreide und zugesetztem Zucker) ist präventiv wirksam bei vielen chronischen Krankheiten. Daher werden auch Rheumapatienten darauf basierende Ernährungsformen vorgeschlagen: die Mittelmeerdiät, lakto-ovo-vegetarische oder vegane Ernährungspläne Link 1 | Link 2.

  • Die Wirksamkeit der Mittelmeerdiät wurde durch eine Vielzahl von klinischen Studien bestätigt. Die Nurses‘ Health Study I und II, die zu den grössten Untersuchungen der Risikofaktoren für die wichtigsten chronischen Krankheiten bei Frauen gehören, bestätigte die positive Auswirkungen der Mittelmeerdiät auf die Schmerzlinderung.
  • Der langfristige Fischverzehr (mindestens einer Portion fetten Fisches pro Woche, z. B. Lachs, oder vier wöchentlichen Portionen eines mageren Fisches, z. B. Kabeljau) geht mit einem um 52 % verringerten Risiko für die Entwicklung einer RA einher.
  • Antioxidantien, die hauptsächlich in Obst (z. B. roten Früchten wie Blaubeeren, Himbeeren und Erdbeeren), Gemüse, Nüssen, Kakao und Getreide enthalten sind, wirken stark entzündungshemmend bei Patienten mit RA.
  • Eine vermehrte Zufuhr von Ballaststoffen reduziert den CRP-Wert als wesentlichen Biomarker rheumatischer Erkrankungen.
  • Curcumin unterdrückt die Entzündungskaskade, indem es den NF-κB-Signalweg und andere pro-inflammatorische Signalwege einschließlich der Cyclooxygenase (COX) 2 blockiert. Eine curcuminreiche Ernährung führte zur Verbesserung des gesamten Krankheitsverlaufs rheumatischer Erkrankungen.
  • Resveratrol scheint die Synovitis zu lindern, indem es auf die Infiltration von Entzündungszellen einwirkt, den oxidativen Stress reduziert und die Zellapoptose im Synovialgewebe induziert. In Tiermodellen unterdrückte Resveratrol die Vermehrung der Th-17 Zellen, verringerte die Serumspiegel des Rheumafaktors, der Matrix-Metalloproteinase 3 (MMP-3) und erhöhte anti-inflammatorische Mediatoren wie IL-10.